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Rassistische Parolen bei Teenie-Disco in Brandenburg lösen politische Debatte aus

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FALKENBERG. Ein Video aus einem Club im brandenburgischen Falkenberg zeigt Kinder und Jugendliche, die zu einem bekannten Partyhit rassistische Parolen skandieren. Der Vorfall sorgt über die Region hinaus für Empörung und wirft Fragen nach politischer Bildung, Prävention und der Rolle von Erwachsenen bei Jugendveranstaltungen auf.

Bagatelldelikt? (Symbolbild.) Illustration: Shutterstock

In einem Club im brandenburgischen Falkenberg (Elbe-Elster) haben Kinder und Jugendliche auf einer sogenannten Teenie-Disco rassistische Parolen angestimmt. In einem auf Instagram veröffentlichten Video ist zu hören, wie mehrfach „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ gerufen wird. Die Rufe erfolgen zum Partyhit „L’amour toujours“ des italienischen DJs Gigi D’Agostino, dessen Refrain ursprünglich keinen Text enthält, seit einigen Jahren jedoch wiederholt für rechtsextreme Parolen missbraucht wird.

Nach Angaben des Betreibers des Clubs „Blue Velvet“, Tino Veit, hätten am vergangenen Samstag etwa 100 bis 150 Kinder und Jugendliche ab elf Jahren an der Veranstaltung teilgenommen. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte Veit, er bedaure, was aus dem Lied gemacht worden sei, „gerade bei einer Kinderveranstaltung“. Zugleich kündigte er Konsequenzen an. Künftig wolle er DJs besser auf solche Situationen vorbereiten, um schneller reagieren zu können. Er betonte: „Er sei offen und gegen jede radikale Haltung.“

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Der Ablauf des Abends deutet auf eine Mischung aus organisatorischen Problemen und fehlender Sensibilität im Umgang mit der Situation hin. Der ursprünglich geplante DJ war nach Angaben des Betreibers nicht erschienen. Während der Suche nach Ersatz lief zunächst eine Playlist, in der auch „L’amour toujours“ enthalten war. Später spielte ein Ersatz-DJ den Titel erneut und zeigte sich laut Betreiber „überrascht“ von den Reaktionen der Jugendlichen. Erst nachdem die Situation eskalierte, griff Veit selbst ein, ging auf die Bühne, drehte die Musik leiser und wies darauf hin, dass die Parolen nicht zum Lied gehörten.

Die politische Reaktion auf den Vorfall fiel deutlich aus. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kritisierte insbesondere das zögerliche Eingreifen der Verantwortlichen. Auf Instagram schrieb er: „Jugendliche grölen Naziparolen und keiner greift ein. Ich bin fassungslos. Wir dürfen dazu niemals schweigen!“ Gegenüber dem rbb bezeichnete er das Geschehen zudem als „abstoßend“ und sprach von einem „massiven gesellschaftlichen Problem“. Es sei wichtig, die Zivilgesellschaft zu stärken und insbesondere bei jungen Menschen das Bewusstsein für Demokratie und Freiheit zu fördern.

Auch auf kommunaler Ebene wurde der Vorfall scharf verurteilt. Der Landrat des Landkreises Elbe-Elster, Christian Jaschinski (CDU), erklärte in einer Mitteilung: „Solche Äußerungen sind inakzeptabel und haben in unserer Gesellschaft keinen Platz.“ Er verurteile die „rassistischen Parolen“ auf das Schärfste.

Die Brandenburger Grünen ordneten den Vorfall über den Einzelfall hinaus ein und sehen darin ein strukturelles Problem. In einer Stellungnahme heißt es: „Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein alarmierendes Zeichen dafür, wie sehr rechtsextreme Parolen inzwischen normalisiert werden – selbst unter Jugendlichen.“ Wenn Jugendliche auf Partys entsprechende Parolen riefen, sei das „kein Randphänomen“, sondern Ausdruck einer Entwicklung, die lange unterschätzt worden sei.

Der Song „L’amour toujours“, der mehr als 20 Jahre alt ist, steht seit einiger Zeit im Fokus öffentlicher Debatten. Bereits 2024 hatte ein Video aus einer Bar auf der Nordseeinsel Sylt bundesweit Empörung ausgelöst, in dem Gäste zu derselben Melodie ähnliche Parolen skandierten (News4teachers berichtete). Der Künstler Gigi D’Agostino hat sich wiederholt gegen diese Vereinnahmung seines Songs ausgesprochen. News4teachers / mit Material der dpa

Studie: Ein Drittel der Jüngeren offen für rechtsextreme Ideologien – Wissenschaftler fordert politische Bildung schon in der Grundschule

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