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Warum ein Pressefoto aus einer Schule plötzlich politische Sprengkraft entwickelt

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SAALFELD. Ein Termin am Gymnasium im Thüringer Saalfeld sollte eigentlich eine überschaubar interessante Lokalnachricht produzieren: Fördergeld für die Restaurierung eines historischen Instruments übergeben… Am Ende stand jedoch nicht die Kulturförderung im Zentrum der Aufmerksamkeit, sondern ein Detail auf einem Pressefoto – das dort unvermittelt aufgetaucht war. Ein Lehrer hatte offenbar aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht.

Es juckt. (Symbolbild.) Illustration: Shutterstock

Es war einer dieser Termine, wie sie an Schulen regelmäßig stattfinden und selten über die Lokalspalten hinaus Beachtung finden: Vertreter der Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt überreichen Fördermittel, daneben stehen Mitglieder des Schulfördervereins, vielleicht noch jemand aus der Schulleitung. Man lächelt für das obligatorische Foto, im Hintergrund eine Schultafel – ein vertrautes Bild aus dem schulischen Alltag.

Die Förderung sollte der Restaurierung eines historischen Instruments zugutekommen. Entsprechend wurde ein Pressefoto gemacht, das die Beteiligten vor Ort zeigt. Die Schule stellte es anschließend gemeinsam mit einer Pressemitteilung den Medien zur Verfügung.

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Die „Ostthüringer Zeitung“ griff das Thema auf und berichtete am 18. Februar über die Förderung. Gedruckt wurde dabei auch das Gruppenfoto aus dem Gymnasium.

So weit, so routiniert.

Erst einige Tage später begann das Bild eine zweite Karriere – diesmal im Internet. In sozialen Netzwerken kursierte das Foto plötzlich weit über die Region hinaus. Nutzer machten auf ein Detail aufmerksam, das vielen zuvor offenbar entgangen war.

Im Hintergrund, auf der Schultafel hinter den freundlich posierenden Beteiligten, war eine deutlich lesbare Botschaft zu erkennen.

Die Schule reagierte darauf rasch und distanzierte sich von dem Bild. Auch die Kreissparkasse stellte klar, dass der betreffende Schriftzug während des Fototermins nicht auf der Tafel gestanden habe. Andere Fotos, die bei der Veranstaltung aufgenommen wurden, belegten das ebenfalls.

Das Thüringer Bildungsministerium erklärte auf Anfrage, bei der Zusammenstellung der Pressemitteilung sei der Schulleitung „versehentlich eine von einer Lehrkraft bearbeitete Bilddatei anstelle des Originals übergeben“ worden.

Das Staatliche Schulamt Südthüringen prüft nun dienstrechtliche Konsequenzen gegen den Lehrer, der das Foto nach Angaben der Schule digital verändert haben soll. Das Ministerium erinnerte in diesem Zusammenhang an das parteipolitische Neutralitätsgebot an Schulen. Dieses gelte „unterschiedslos in alle politischen Richtungen“. Parteipolitische Positionierungen – gleich welcher Art – hätten in der schulischen Kommunikation keinen Platz.

Auch die Redaktion der „Ostthüringer Zeitung“ erklärte, das Detail zunächst übersehen zu haben. „Der Schriftzug ist uns bei der Prüfung des Fotos nicht aufgefallen“, sagte Chefredakteur Nils Kawig. „Nach Hinweisen, dass es sich um eine Manipulation handelte, sind wir der Sache nachgegangen.“

Das Foto wurde inzwischen aus der Online-Berichterstattung entfernt.

Der Schriftzug, der die Angelegenheit ins Rollen brachte, bestand aus zwei Worten. Er lautete: „Fuck AfD“.

Die AfD war in Saalfeld bei den jüngsten Landtags- und Bundestagswahlen die stärkste politische Kraft. Der Landesverband der Partei in Thüringen wird vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ geführt. News4teachers / mit Material der dpa

“Das demokratische Prinzip wäre fehl am Platz”: Was die AfD (laut Programm) nach einem Wahlsieg mit den Schulen vorhat

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2 Kommentare
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unfassbar
3 Stunden zuvor

Das Wort “versehentlich” ein  „versehentlich eine von einer Lehrkraft bearbeitete Bilddatei anstelle des Originals übergeben“ müsste man mir mal erklären. Finde ich wenig plausibel. Wieso das in der Redaktion nicht aufgefallen ist, müsste sich die Redaktion auch fragen lassen.

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