KÖLN. Vom 10. bis 14. März steht Köln im Zeichen der didacta 2026. Nach Angaben der Veranstalter präsentieren mehr als 720 Unternehmen, Verbände und Institutionen ihre Angebote, begleitet von über 1.000 Vorträgen, Panels und Workshops. Im Mittelpunkt stehen Fragen, die Schulen, Kitas und Weiterbildungseinrichtungen gleichermaßen beschäftigen – von der Gesundheit pädagogischer Fachkräfte über die Organisation von Schule bis hin zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz.

Erschöpfung, hohe Arbeitsbelastung und Zeitmangel gehören für viele pädagogische Fachkräfte inzwischen zum Berufsalltag. Im Deutschen Schulbarometer 2025 gibt fast ein Drittel der Lehrkräfte an, sich mehrmals pro Woche erschöpft zu fühlen, zehn Prozent sogar täglich. Im Kita-Bereich liegt der Krankenstand laut Auswertung von Krankenkassendaten mit knapp 30 Fehltagen pro Jahr deutlich über dem Durchschnitt aller Berufsgruppen.
Vor diesem Hintergrund rückt auf der didacta 2026 ein Thema in den Fokus, das lange vor allem individuell verstanden wurde: Resilienz im Bildungssystem. Forschungen weisen zunehmend darauf hin, dass Belastungen nicht allein durch die Intensität pädagogischer Arbeit entstehen, sondern durch strukturelle Rahmenbedingungen – etwa Personalmangel, fehlende Kooperation oder begrenzte Gestaltungsspielräume.
Prof. Karla Verlinden, Professorin für Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Resilienz an der Katholischen Hochschule NRW, stellt gemeinsam mit Dr. Teresa Frank und Jennifer Malek vom Zentrum für Lehrer*innenbildung der Universität zu Köln auf der Messe Ergebnisse einer NRW-weiten Befragung von mehr als 1.100 Lehrkräften vor (Forum Schulpraxis, Halle 7, 13.03.2026, 15:15–16:00 Uhr). Der Vergleich zwischen aktiven Lehrkräften und solchen, die den Schuldienst verlassen haben, zeigt ein deutliches Muster: Abwanderungsabsichten hängen weniger mit der pädagogischen Arbeit selbst zusammen als mit fehlender Team- und Organisationsresilienz.
„Natürlich lässt sich an der individuellen Widerstandsfähigkeit arbeiten. Das sind psychologische Prozesse, die beispielsweis mit Selbstwirksamkeitstraining zu tun haben“, erklärt Verlinden. „Unsere Interviews und Fragebögen-Analysen zeigen aber auch: Wenn Gestaltungsspielräume fehlen oder innovative Ansätze von der Schulleitung und dem Kollegium konstant nicht unterstützt werden, dann entsteht eine Art stille Kündigung, ein Rückzug des eigenen Engagements. In diesem Punkt können das Kollegium, aber vor allem auch die Schulleitung, viel einzahlen in die Bleibeabsicht von Lehrkräften, wenn sie sagen: ‚Mach du mal, ich vertraue dir‘.“
Teresa Frank beschreibt in diesem Zusammenhang die Bedeutung kollegialer Zusammenarbeit: „Was Lehrkräfte in unseren Interviews als entlastend beschreiben, ist gemeinsame Arbeit, gegenseitige Wertschätzung und das Aufbrechen des weit verbreiteten Einzelkämpfertums.“ Lehrkräfte, die ihre Arbeit als Teamaufgabe erlebten, berichteten häufiger von Stabilität und beruflicher Zufriedenheit.
Wie lassen sich komplexe Bildungsthemen so aufbereiten, dass sie Bildungsprofis wirklich weiterhelfen – im Schulalltag, in der Kita, in der Bildungsverwaltung oder bei Einrichtungsträgern? Mit dieser Leitfrage entwickelt News4teachers, das meistgelesene Bildungsmagazin im deutschsprachigen Raum, seine redaktionellen Angebote kontinuierlich weiter.
Das Team von News4teachers – die Agentur für Bildungsjournalismus – unterstützt auch Unternehmen, Stiftungen und andere Organisationen dabei, ihre Angebote an die Praxis heranzutragen. Agenturleiter Andrej Priboschek sowie die leitende PR-Redakteurin Sonja Mankoswky sind auf der didacta in Köln vom 10. bis 14. März 2026 persönlich vor Ort – und freuen sich auf den Austausch. Interesse, die Möglichkeiten auszuloten? Melden Sie sich gerne: redaktion@news4teachers.de
Themen wie dieses bilden die inhaltliche Klammer der didacta 2026. Die Bildungsmesse beginnt morgen in Köln und will fünf Tage lang zeigen, wie sich Bildungssysteme unter Bedingungen gesellschaftlicher, technologischer und organisatorischer Veränderungen weiterentwickeln können. Das diesjährige Leitthema lautet etwas kryptisch: „Alles im Wandel. Bildung im Fokus“.
Nach Angaben der Veranstalter präsentieren mehr als 720 Unternehmen, Verbände und Institutionen ihre Angebote in vier Messehallen – von Lernmaterialien über digitale Werkzeuge bis zu Qualifizierungsformaten. Hinzu kommen über 1.000 Vorträge, Panels und Workshops. Damit versteht sich die didacta nicht nur als Produktschau, sondern auch als große Weiterbildungsveranstaltung für pädagogische Fachkräfte, Leitungspersonal und bildungspolitisch Interessierte. Der Zuspruch ist allerdings geringer als in früheren Jahren – 2019 waren in Köln noch 915 Aussteller vertreten.
„Die didacta ist natürlich Produktschau, das macht Messen aus, andererseits aber auch eine Riesen-Weiterbildungsveranstaltung“
Dinah Korb, Geschäftsführerin der veranstaltenden Didacta GmbH, beschreibt die Messe als Kombination aus Marktplatz und Diskursraum: „Die didacta ist eine ganz besondere Plattform. Sie ist einerseits natürlich Produktschau, das macht Messen aus, und andererseits aber eben, und das ist das Besondere an dieser Veranstaltung, eine Riesen-Weiterbildungsveranstaltung. Wir haben sehr viel Content, wir haben sehr viel Netzwerken, wir haben sehr viel Austausch eben mit Blick auf drängende Themen jenseits der reinen Präsentation von Waren und Produkten.“
Inhaltlich spannt das Programm einen weiten Bogen – von frühkindlicher Bildung über Schule und außerschulische Lernorte bis zur beruflichen Qualifizierung. Zu den Schwerpunkten zählen Zukunftskompetenzen, Bildung für nachhaltige Entwicklung, demokratische Bildung sowie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.
Gerade der Umgang mit KI gehört zu den Themen, die derzeit besonders intensiv diskutiert werden. Studien zeigen, dass generative KI-Anwendungen bereits im Alltag vieler Schülerinnen und Schüler angekommen sind. Gleichzeitig besteht in Schulen ein erheblicher Bedarf an Orientierung – etwa bei der didaktischen Einordnung, bei Prüfungsformaten oder bei Fragen von Datenschutz und Chancengleichheit.
Julia Knopf, Professorin für Didaktik und Digitalisierung, sieht darin eine der „spannendsten Entwicklungen“ für Schule und Unterricht. Sie betont zugleich, dass technologische Innovation pädagogische Entscheidungen nicht ersetzen könne. „Lernen – vor allem auch der Transfer des Gelernten – geschieht nur in der Anwendung. Das braucht Zeit.“ Für sie gilt deshalb ein klarer Grundsatz: „Didaktik vor Technologie.“ Keine technologische Entscheidung dürfe getroffen werden, „ohne zu bedenken, was für pädagogisch-didaktische Konsequenzen das für mich hat“. Auch künftig bleibe die Rolle der Lehrkraft zentral, sagt Knopf, die ihre Thesen auf dem Forum Berufliche Bildung (Halle 6, 13.03.2026, 15:15–16:00 Uhr) vorstellen wird. „Wir können nicht verhindern, dass Schülerinnen und Schüler KI nutzen — aber wir können ihnen beibringen, es klug zu tun.“
„Ich glaube, es gibt in Europa sicher, aber auch darüber hinaus, keine zweite Veranstaltung, die das ausmacht“
Mit der Verbreitung von KI rücken zugleich ethische Fragen stärker in den Mittelpunkt. Judith Simon, Mitglied des Deutschen Ethikrates und Professorin für Ethik in der Informationstechnologie, warnt in einem Vortrag vor möglichen Folgen automatisierter Entscheidungen (Forum didacta aktuell, Halle 6, 13.03.2026, 11:45–12:30 Uhr). „Wenn menschliche Tätigkeiten an Maschinen delegiert werden, kann dies für verschiedene Personengruppen, Akteure und Betroffene ganz unterschiedliche Auswirkungen haben.“ Der Deutsche Ethikrat empfiehlt daher, den Einsatz von KI im Bildungsbereich an grundlegenden Bildungsvorstellungen auszurichten und nur dort einzusetzen, wo er nachweislich Kompetenzen erweitert, soziale Interaktionen stärkt und die Persönlichkeitsentwicklung schützt.
Die didacta will solche Debatten bündeln – zwischen Forschung, Praxis, Bildungspolitik und Bildungswirtschaft. Die Messe versteht sich damit nicht nur als Schaufenster für neue Produkte, sondern auch als Ort, an dem grundlegende Fragen der Bildungsentwicklung verhandelt werden. „Ich glaube, es gibt in Europa sicher, aber auch darüber hinaus, keine zweite Veranstaltung, die das ausmacht und die das präsentiert, wovon ich eben sprach, die gleichzeitig aber auch diese Vielfalt hat“, sagt Veranstalterin Dinah Korb. Auf diese Vielfalt setzt die Messe auch in diesem Jahr. News4teachers
Weitere didacta-Veranstaltungen zum Thema Gesundheit:
Forum Frühe Bildung, Halle 8
Zwischen Anspruch und Erschöpfung: Wie wir Fachkräfte mental stärken
10.03.2026, 14:00 Uhr bis 14:45 Uhr
Forum Frühe Bildung, Halle 8
Mehr als nur ein Obstkorb: Was gesunde Führung in Kitas wirklich ausmacht
10.03.2026, 15:00 Uhr bis 15:45 Uhr
Forum didacta aktuell
Schulleitung mit Wirkung – Kollegien im Wandel stärken
11.03.2026, 11:45 Uhr bis 12:30 Uhr
Sonderschau: Eine Schule für alle – Multiprofessionalität als Chance, Halle 7
Mentale Gesundheit gestalten: Räume, Beziehungen, Verantwortung
13.03.2026 von 14:00 Uhr bis 14:45 Uhr
Forum Schulpraxis, Halle 7
Teamresilienz in Schulen stärken – Ein Schlüssel zur Reduktion von Lehrkräftefluktuation?
13.03.2026 von 15:15 Uhr bis 16:00 Uhr
Weitere didacta-Veranstaltungen zum Thema KI:
Forum Schulpraxis, Halle 7, B-10/C-11
KI und Learning Analytics – Zukunft des personalisierten Lernens
Initiator: lernlog gemeinnützige GmbH
10.03.2026 von 13:30 – 14:15
Forum didacta aktuell, Halle 6, E-70/F-79
KI in der Bildung: Revolution, Personalisierung und die Zukunft des Lernens
Initiator: Bündnis für Bildung e. V.
12.03.2026 von 14:15 – 15:00
Forum Schulpraxis, Halle 7, B-10/C-11
KI im Kinder- und Klassenzimmer: Chancen, Risiken und die Rolle von Eltern und Schule
12.03.2026 von 13:45 – 14:30
Forum didacta aktuell, Halle 6, E-70/F-79
Ethische Leitplanken für den Einsatz von KI in der schulischen Bildung
Initiator: Deutscher Ethikrat
13.03.2026 von 11:45 – 12:30
Forum Berufliche Bildung/myQ, Halle 6, B-30/C-39
Digitale Tools, smarte Pflege und Ausbildung am Puls der Zeit
13.03.2026 von 15:15 – 16:00
Wegen AfD-Auftritts: Politische Parteien werden von der didacta ausgeschlossen
Da kann ja dann sowas wie Digitalunterricht im Homeoffice und kürzere Depuate mit 4 Tage Woche debattiert werden, um den Beruf attraktiv zu machen, auch für spätere Generationen bei dem Mangel, oder?