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Porno-Eklat an Schule: Träger spricht von “Versehen” (aber auch von “Hetzkampagne”)

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BERLIN. Während eines Theaterprojekts an einer Schule in Ostsachsen soll Neuntklässlern pornografisches Material präsentiert worden sein. Nun äußert sich die „Sozialistische Jugend Deutschlands“, der Träger, zu dem Sachverhalt – und räumt ein, dass „unangebrachtes Material in die Hände von Schüler*innen“ gelangt ist. Er bestreitet aber, dass das mit Absicht geschah. Unterdessen werden von Rechtsaußen bereits Forderungen laut, freie Träger grundsätzlich aus Schulen auszuschließen. 

“Versehentlich”: Luftballons der Falken auf einer 1.-Mai-Feier. Foto: Henning Schlottmann / Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Nach dem Porno-Eklat während eines Theaterprojekts an einer Oberschule in der sächsischen Lausitz haben die Organisatoren ihr Bedauern ausgedrückt. Beim Erstellen einer Collage zum Thema Mut seien den Schülerinnen und Schülern einer neunten Klasse gespendete Bastelmaterialien wie Hefte und Zeitschriften zur Verfügung gestellt worden, sagte Micki Börchers, Bundesvorsitzende der Jugendorganisation „Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken“, der Nachrichtenagentur dpa.

„Darunter war versehentlich ein Magazin, welches Bilder von sexuellen Darstellungen und nackten Personen beinhaltete“, erklärte Börchers. Nachdem einige Schüler dies entdeckt hatten, hätten die beiden Verantwortlichen das Magazin sofort an sich genommen und die Geschehnisse eingeordnet, hieß es.

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„Bilder von sexuellen Darstellungen und nackten Personen“

Zuvor hatte die „Bild“ über den Verband als Organisator des Theaterprojekts berichtet. Das Projekt fand den Angaben zufolge unter der Trägerschaft des SJD Landesverbandes Berlin statt. Der Vorfall werde nun aufgearbeitet, hieß es. „Wir bedauern, dass dieses Magazin Teil von den zur Verfügung gestellten Materialien war und dies zu Unwohlsein bei den Jugendlichen geführt haben kann“, betonte Börchers. Das entspreche nicht den Standards des Verbandes. „Die Teamer*innen des Schulworkshops haben aktuell keinerlei Verantwortlichkeiten mehr.“

Zu Beginn der Woche war der Fall, der sich bereits im März ereignet hat, bekanntgeworden. Mehrere Eltern hatten nach dem Vorfall Strafanzeige gestellt. Die Schulleitung brach das Projekt nach Behördenangaben noch am selben Tag ab und kündigte den Dienstleistungsvertrag mit den Projektverantwortlichen. Auch die Amadeu Antonio Stiftung, die sich für Minderheiten und Menschenrechte einsetzt, hat die Förderung für das Theaterprojekt mittlerweile eingestellt. Parallel dazu ermittelt die Polizei wegen des Verdachts des Verbreitens pornografischer Inhalte an Minderjährige gegen zwei weibliche Tatverdächtige im Erwachsenenalter.

Rechte Medien nutzen unterdessen den Fall, um ihn als vermeintliches Beispiel für „Kulturkampf im Klassenzimmer“ durch Linksextremisten darzustellen. Dass „unangebrachtes Material in die Hände von Schüler*innen gelangen konnte und diese belastet hat“, würden die „Falken“ zutiefst bedauern, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber dem Nachrichtenportal t-online.de.

Angesichts „wiederholter Falschdarstellungen und Verzerrungen in einzelnen Medien“ wolle die Organisation aber auch einige der in der Berichterstattung aufgestellten Behauptungen ausdrücklich zurückweisen. Es sei unter anderem unzutreffend, dass sich Jugendliche ausschließlich mit Pronomen vorstellen mussten oder ihre Vornamen abgewertet wurden. Ebenfalls falsch sei, dass die Projektleiter vor Ort abwertende Aussagen wie „Nazi-Sachsen“ getätigt haben oder politische Statements verbreitet hätten. Es seien auch keine Teilnehmer ausgelacht oder angefeindet worden.

„Die Verbreitung solcher Falschbehauptungen sehen wir als Teil einer Hetzkampagne, die einer demokratischen Zivilgesellschaft und Angeboten von freien Trägern an Schulen nachhaltigen Schaden zufügen soll“

Ebenso sei die Darstellung falsch, dass im Workshop andere Inhalte behandelt wurden als im Vorfeld angekündigt: Der Workshop sei kein Angebot der sexuellen Bildung oder Sexualpädagogik gewesen. „Die Verbreitung solcher Falschbehauptungen sehen wir als Teil einer Hetzkampagne, die einer demokratischen Zivilgesellschaft und Angeboten von freien Trägern an Schulen nachhaltigen Schaden zufügen soll“, erklärten die „Falken“. Tatsächlich fordert ein Kommentar (des ehemaligen Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus) in der rechtsoffenen „Jungen Freiheit“ bereits, alle freien Träger von Schulen auszuschließen.

„Die Falken“ sind ein Jugendverband, der vor über 100 Jahren aus der sozialistischen Arbeiterbewegung hervorgegangen ist. Historisch steht der Verband der SPD nahe, ist aber unabhängig von der Partei. Über sich selbst schreibt der Verband: „Unser Zeichen ist der rote Falke, unser Gruß ist ‚Freundschaft!‘“ Das war der offizielle Gruß der Freien Deutschen Jugend (FDJ) in der DDR. News4teachers / mit Material der dpa

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unfassbar
2 Stunden zuvor

Wenn das nicht mit Absicht getan worden wäre, hätten die Referentinnen das beanstandete Material (und noch weiteres Material) nicht dabei gehabt.

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