Home Tagesthemen Abiball-Trend: Von der (gratis) Aula-Veranstaltung zum (fünfstelligen) “Red-Carpet-Event” 

Abiball-Trend: Von der (gratis) Aula-Veranstaltung zum (fünfstelligen) “Red-Carpet-Event” 

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ERFURT. Abibälle können ordentlich ins Geld gehen: Mitunter werden schon Zehntklässler kreativ, um sich die große Sause leisten zu können. Was Social-Media und Sammelkarten damit zu tun haben.

Darf’s etwas mehr sein? (Symbolbild). Foto: Shutterstock

Abschlussbälle nach dem Abitur haben in den vergangenen Jahren einen starken Wandel durchlebt. «Früher gab es häufig die Kombination aus Zeugnisübergabe und Abschlussfeier als Schulveranstaltung in der Aula», erklärt Uta Tannhäuser, Geschäftsführerin im Thüringer Landesverband der Schulfördervereine. Etwa seit den 2010er Jahren verstärke sich der Trend, Abschlussbälle als von der Schule getrennte Privatveranstaltungen – oft im großen Rahmen – durchzuführen.

Ebenfalls einschneidende Folgen habe die Corona-Krise gehabt, heißt es von der Landeselternvertretung (LEV) des Freistaats: Durch die damalige Zwangspause habe den aktuellen Jahrgängen meist die Erfahrung ihrer Vorgänger gefehlt, was den Umgang etwa mit allseits steigenden Preisen nochmals erschwere.

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Erste Herausforderung: Ein mitunter teurer Spaß

Denn allein die Kosten für einen geeigneten Ort lägen nicht selten im vierstelligen Bereich, heißt es übereinstimmend. Hinzu kämen weitere Ausgaben etwa für Catering und Technik. Die Gesamtkosten für eine Stufe können leicht in den fünfstelligen Bereich gehen, oft 20.000 Euro oder mehr. Die Vorlaufzeit für die Anmietung einer Location liege mittlerweile bei 12 bis 18 Monaten.

Grundsätzlich werde es der Elternvertretung zufolge zudem immer schwieriger, Gastronomen zu finden, die das Catering übernehmen könnten. Die Schüler engagierten sich zwar in der Regel sehr beim Sammeln von Geldern und würden dabei oft von den Fördervereinen unterstützt. Trotzdem reiche das häufig nicht und Eltern müssten einspringen.

Fundraising: Längst nicht mehr nur Kuchenverkauf

Auch Ben Kottek, der stellvertretende Vorsitzende der Landesschülervertretung Thüringen, sieht die größte Herausforderung neben den organisatorischen Aufgaben mittlerweile bei der Finanzierung. Eine Art eigenes Fundraising, um die Kosten überschaubar und den Preis für Karten in einem akzeptablen Rahmen zu halten, sei heute fast selbstverständlich, heißt es übereinstimmend bei den Befragten.

Dabei würden die unterschiedlichsten Modelle genutzt: vom klassischen Kuchenverkauf über die Anfrage bei lokalen Unternehmen als Sponsoren bis hin zur Nutzung von Social Media als Einnahmequelle.

Neue Modelle: Social-Media und Lehrer-Sammelkarten

So sei es inzwischen nicht ungewöhnlich, dass Klassen bereits in der zehnten Jahrgangsstufe einen eigenen Social-Media-Auftritt mit Blick auf den Abiball einrichteten, um so mittels Werbung oder Sponsoren Einnahmen zu generieren, so Kottek.

An anderen Schulen seien Sammelkarten im Stile von Pokémon-Karten entworfen und verkauft worden, die – natürlich mit deren Einverständnis – die eigenen Lehrer skizzierten, berichtet Kottek. Überhaupt hätten die sozialen Medien mittlerweile einen großen Einfluss, heißt es übereinstimmend.

Auf diesem Weg würden oft Ideen für die Durchführung, Finanzierung und Organisation von Abibällen ausgetauscht. Allerdings sei es wichtig, dass diese Anregungen am Ende nicht zu überbordenden Ansprüchen und Kosten führten.

Zweite Herausforderung: Zu jung für vollständige Geschäftsfähigkeit

Ein zentraler Punkt sind den Befragten zufolge auch die rechtlichen Aspekte einer solchen Feier: Da die Abiturientinnen und Abiturienten oft noch minderjährig seien, müssten in vielen Fällen Fördervereine oder einzelne Eltern bei Mietverträgen oder Auflagen wie der Veranstalterhaftpflicht einspringen.

«In diese Rolle zu schlüpfen, ist durchaus eine große Verantwortung», betont Tannhäuser. In der Regel sei diese bei einem Förderverein besser aufgehoben als bei Einzelpersonen, zumal die Fördervereine vom Landesverband beraten werden könnten. In jedem Fall sei es wichtig, die Verträge genau zu lesen und die Rahmenbedingungen zu kennen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Auch Chancen: Verantwortung lernen und ein Weg ins Ehrenamt

«Grundsätzlich sehe ich es aber als positiv, dass wieder gefeiert und getanzt werden kann», fasst Tannhäuser die Entwicklung der vergangenen Jahre nach der Pandemie zusammen. Zudem sei die Planung einer solchen Veranstaltung eine gute Möglichkeit, junge Menschen in Verantwortung zu bringen. Es könne auch ein erster Schritt in Richtung eines Ehrenamts sein.

Zum Gelingen der Veranstaltung sei außerdem eine gute Kommunikation zwischen Schülern, Förderverein, Eltern und Schule ausschlaggebend, hieß es übereinstimmend. Für die Zukunft wünschenswert sei eine Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen mit der Organisation auch an folgende Generationen von Absolventen und Fördervereinsmitgliedern weiterzugeben, um einen möglichst reibungslosen Ablauf dieses wichtigen Tages zu ermöglichen. News4teachers / mit Material der dpa

Teurer, glamouröser, besser – Abibälle wollen immer noch einen drauf setzen

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