MÜNCHEN. Ein verletztes Wildtier im Gleis, Kinder, die helfen wollen, und ein Zug, der nicht mehr rechtzeitig anhalten kann: Ein Vorfall an einem Bahnhof im oberbayerischen Türkenfeld hat am Freitagmorgen zahlreiche Schülerinnen und Schüler erschüttert, wie heute bekannt wurde. Die Bundespolizei musste den Bahnverkehr stoppen, um zu verhindern, dass Kinder selbst den Gleisbereich betreten. Anschließend organisierte die Schule psychologische Unterstützung.

Mehrere Schülerinnen und Schüler warten am Freitagmorgen am Bahnhof Türkenfeld auf ihren Zug zur Schule, als sie einen Biber im Gleis entdecken. Noch bevor die alarmierte Bundespolizei eintrifft, wird das Tier von einem einfahrenden Zug erfasst. Die Kinder müssen mit ansehen, wie der Biber schwer verletzt wird. Einige von ihnen wollen sofort helfen und das Tier aus dem Gleis holen. Um das zu verhindern, lässt die Bundespolizei den Bahnverkehr vorübergehend stoppen.
Nach Angaben der Bundespolizeidirektion München ging der Notruf kurz nach 8 Uhr ein. Noch vor Eintreffen der Einsatzkräfte wurde das Tier von einem in Richtung München fahrenden Zug erfasst. „Dabei wurde ein Teil des Biberschwanzes abgetrennt. Der Biber überlebte den Unfall jedoch“, heißt es in der Mitteilung.
Weil mehrere Schülerinnen und Schüler der sechsten bis achten Jahrgangsstufe kurz davor standen, den Gleisbereich zu betreten, wurden die Gleise zwischen Grafrath und Geltendorf von 8.27 Uhr bis 8.49 Uhr gesperrt. Die Bundespolizei begründet den Schritt damit, man habe verhindern müssen, „dass Kinder selbst den Biber aus dem Gleis holen“. Die Einsatzkräfte bargen das verletzte Tier und verständigten die zuständige Biberbeauftragte des Landkreises Fürstenfeldbruck. Eine Tierärztin brachte den Biber anschließend in die Wildtierauffangstation Fürstenfeldbruck.
Dort stellte sich heraus, dass es sich um eine Biberdame handelt. Die eingesetzten Bundespolizisten tauften sie auf den Namen „Barbara“. Nach Einschätzung der behandelnden Tierärztin stehen ihre Überlebenschancen gut. Nach ihrer Genesung soll sie nach Frankreich gebracht werden. Dort stünden geeignete Reviere zur Verfügung, während es in der Region aufgrund begrenzter Lebensräume immer wieder zu Revierkämpfen unter Bibern komme.
„Die Bundespolizei weist eindringlich darauf hin, Gleisanlagen unter keinen Umständen zu betreten – auch dann nicht, wenn sich dort ein verletztes Tier, ein Mobiltelefon oder ein anderer Gegenstand befindet“
Der Vorfall beschäftigte auch die Schule. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte seien „viele von ihnen sichtlich aufgelöst“ gewesen, berichtet die Bundespolizei über die Schülerinnen und Schüler. Ein Teil der Kinder ging nach Rücksprache mit den Eltern wieder nach Hause, andere nahmen am Unterricht teil. Der Leiter der Grund- und Mittelschule Türkenfeld organisierte psychologische Betreuungsangebote. Zusätzlich bot die behandelnde Tierärztin der Schule einen Besuch in der Wildtierauffangstation an, damit die Kinder den Genesungsweg der Biberdame verfolgen und das Erlebte besser verarbeiten können.
Durch die Streckensperrung waren nach Angaben der Bundespolizei neun Züge betroffen. Insgesamt entstanden 89 Verspätungsminuten sowie vier Teilausfälle.
Die Bundespolizei nimmt den Vorfall zum Anlass, erneut vor dem Betreten von Gleisanlagen zu warnen. „Die Bundespolizei weist eindringlich darauf hin, Gleisanlagen unter keinen Umständen zu betreten – auch dann nicht, wenn sich dort ein verletztes Tier, ein Mobiltelefon oder ein anderer Gegenstand befindet.“ Eltern würden gebeten, mit ihren Kindern regelmäßig über die Gefahren an Bahnanlagen zu sprechen und deutlich zu machen, „dass im Ernstfall ausschließlich die Polizei oder Mitarbeitende der Bahn verständigt werden dürfen“. News4teachers
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Der Biber sollte ein hohes Bußgeld zahlen.
Ich finde es wunderbar, wie gut in der ganzen Situation mit dem Biber und Kindern umgegangen wurde. Da haben die Kinder viel Gutes gelernt und wurden in ihrem Vertrauen in erwachsene Zuständige bestärkt.