Vor Gesetzesreform: Kita-Beschäftigte protestieren für bessere Arbeitsbedingungen

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HANNOVER. Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt will das 20 Jahre alte Kita-Gesetz modernisieren und zeigt Verständnis für die Forderungen der Gewerkschaften.

In Niedersachsen machen sich Beschäftigte und Eltern für bessere Bedingungen in Kindertagesstätten stark. Sie demonstrierten wegen zu wenig Personal und zu große Gruppen. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt will das Kita-Gesetz reformieren. Dabei werde sie Kommunen, Erzieherinnen sowie Experten aus der Wissenschaft einbinden, kündigte die SPD-Politikerin an.

Frauke Heiligenstadt
Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) will die Erzieher bei der Reform des Kita-Gesetzes einbeziehen. Foto: SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag
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Knapp 2000 Menschen waren einem Demonstrationsaufruf der Gewerkschaften Verdi und GEW gefolgt. Redner forderten bei einer Kundgebung mehr Personal in Kindertagesstätten. Allein für die zur Betreuung der unter Dreijährigen fehlten in Niedersachsen rund 2200 Mitarbeiter. Auch bei den Drei- bis Sechsjährigen käme die individuelle Betreuung zu kurz, da das Kita-Gesetz nur zwei Betreuer bei Gruppen bis zu 25 Kindern vorsehe. Verdi-Bundesvorsitzender Frank Bsirske machte sich dabei für eine Umverteilung in Deutschland stark: Es gebe viele große Vermögen, die entsprechend versteuert werden müssten. Damit ließen sich dann auch höhere Sozialausgaben finanzieren.

Kultusministerin Heiligenstadt nannte die Klagen von Eltern und den Beschäftigten und Krippen und Kitas nachvollziehbar. Es gebe in Niedersachsen deutlichen Nachholbedarf bei Quantität und Qualität. Die Erzieherinnen und Erzieher glichen die schwierigen Rahmenbedingungen mit viel persönlichem Engagement aus.

Das 20 Jahre alte Kita-Gesetz müsse modernisiert werden, sagte die Ministerin. Es bestehe ein großer Reformbedarf, das gegenwärtige Gesetz gehe an der Lebenswirklichkeit vieler Familien völlig vorbei. Heute gehe es nicht mehr alleine um Kinderbetreuung, sondern um frühkindliche Bildung.

Als Antwort auf einen Fachkräftemangel beim Erzieherberuf müsse diese wichtige Tätigkeit aufgewertet und attraktiver gemacht werden, sagte die Ministerin weiter. Es sollten Weichen gestellt werden, um mehr Erzieherinnen und Erzieher ausbilden zu können. Dazu wären auch ausreichend Berufsschullehrkräfte für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern nötig. (dpa)

(27.04.2013)

zum Bericht: Niedersachsen: Kaum männliche Erzieher

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2 KOMMENTARE

  1. Ich kenne die Problematik der fehlenden Erzieher für die Kitas aus Stuttgart nur zu gut und kann deshalb die Proteste sehr gut verstehen. Bei uns kommt weiterhin noch erschwerend hinzu, dass es außer Fachkräftemangel schlichtweg auch an Einrichtungen fehlt (die ganze Problematik kann hier nachgelesen werden: http://www.stuttgart-online.org/nachrichten/kitaplaetze-in-stuttgart-mangelware/382). Für mich ist dabei einfach nicht nachvollziehbar, wie teils sinnlose Prestigeobjekte Millionen an Steuergeldern verschlingen und gleichzeitig so wichtige Themen wie Kinderbetreuung und die Bereitstellung/ Schaffung von Stellen und auch Einrichtungen so vernachlässigt werden kann! Ich finde hier ist ein deutliches Umdenken in der Familienpolitik gefragt!

    • So ist es Meike!
      Sie können versichert sein, dass die Kitas ebenso wie die Schulen immer nur verbal unterstützt werden. Wenn es dann aber ans Eingemachte geht, den Haushalt, dann ist immer wieder kein Geld da. Dass überhaupt noch jemand an die tollen Versprechungen glaubt, wundert mich.
      Ein deutliches Umdenken in der Familienpolitik ist tatsächlich auch aus diesem Grund gefragt. Es hat aber leider auch mit Geld zu tun, nämlich mit verpassten Steuern und Abgaben, wenn die Mütter dem Erwerbsleben fern bleiben und ihre Kinder selbst erziehen.

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