Website-Icon News4teachers

Löhrmann (Grüne) plant Reformen an G8 zum nächsten Schuljahr – Grüne Jugend will G9

Anzeige

DÜSSELDORF. Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) will Verbesserungen am sogenannten Turbo-Abitur (G8) zum nächsten Schuljahr umsetzen. Im Sender WDR 2 sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz am Dienstagmorgen, sie hoffe, dass der Landtag noch in diesem Jahr eine «Leitentscheidung» treffe. Das Reformkonzept könne dann zum nächsten Schuljahr greifen. Ihren eigenen Parteinachwuchs – sowie den ihres Koalitionspartners SPD – hat sie allerdings gegen sich: Sowohl die Jusos als auch die Grüne Jugend in NRW fordern eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9).

Möchte die Gymnasiasten in NRW entlasten : Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Foto: Alex Büttner

Der gesteigerte Stress seit Einführung der Schulzeitverkürzung 2005 sei nicht zu leugnen, stellten beide Jugendorganisationen in einer gemeinsamen Mitteilung fest. Vertreter von Schulen, Politik, Parteien und Kirchen hatten sich dagegen an einem Runden Tisch mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, die Gymnasiasten auf dem achtjährigen Weg zum Abitur zu entlasten. Zu den Empfehlungen des Gremiums zählen Beschränkungen der Hausaufgaben, des Lernstoffes und des Nachmittagsunterrichtes. Hausaufgaben sollten möglichst in die innerschulische Lernzeit integriert werden, berichtete Löhrmann nach der Abschlusssitzung des Runden Tisches. Eine Begrenzung des Nachmittagsunterrichts solle Zeit schaffen für Aktivitäten außerhalb der Schule.

Eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren soll es nicht geben. Der größte Teil der über 40 Verbände am Runden Tisch habe klar Ja gesagt zur Verbesserung von G8, sagte Löhrmann. Die Mehrheit der Akteure wolle nach der «überhasteten Einführung» der Schulzeitverkürzung 2005 nicht wieder den «Fehler einer schnellen Rolle rückwärts» begehen.

Anzeige

Auf Vorschlag der Schülervertretung soll zudem geprüft werden, welche Instrumente außer Klassenarbeiten geeignet sind, um Leistungen zu erfassen. Die Landesschülervertretung schloss sich letztlich der Mehrheit für eine G8-Reform an, befürworte aber eigentlich eine inklusive Ganztagsgesamtschule für alle, berichtete Löhrmann.

Lediglich die Volksinitiative «G9 jetzt in NRW» sowie die Bürgerinitiative «G-IB-8» wollen weiter für 13 Jahre Schulzeit bis zum Abitur kämpfen. Die Volksinitiative hat nach eigenen Angaben bislang über 46 000 Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt. Wenn bis zum April 66 000 Unterschriften zusammenkommen, muss der Landtag sich erneut mit dem Thema beschäftigen. Beide Initiativen warfen Löhrmann vor, sie habe den Runden Tisch nicht ergebnisoffen moderiert, sondern sei auf G8 fixiert gewesen. Die Empfehlungen sind aus ihrer Sicht an vielen Stellen nicht praxistauglich.

Auch der Philologenverband stellte fest, dass einige Empfehlungen «mehr hinweisenden Charakter» hätten. Anderes sei dafür sehr konkret: So soll es in sämtlichen Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I nur einmal in der Woche Nachmittagsunterricht geben – und nicht mehr als acht Schulstunden. In den Klassen 5 bis 7 sollen Fächern mit Klassenarbeiten in der Regel davon ausgenommen werden.

In NRW war das Gesetz zur Schulzeitverkürzung 2005 verabschiedet worden. Nach Angaben des Schulministeriums gibt es 613 Gymnasien mit acht Schuljahren: Daneben gebe es zahlreiche Möglichkeiten, das Abitur nicht nach 12, sondern erst nach 13 Jahren zu machen. Dies sei möglich über 306 Gesamtschulen, 109 Sekundarschulen, 10 Gemeinschaftsschulen, 225 Gymnasien an Berufskollegs sowie 12 Gymnasien im Modellversuch. dpa

Zum Kommentar: G8/G9-Streit – Deutschland driftet auseinander

Anzeige
Die mobile Version verlassen