STUTTGART. Zum sechsten Mal demonstrierten in Stuttgart die Bildungsplangegner. Rund 1.000 Menschen protestierten gegen „Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder”. Rund 500 Gegendemonstranten versammelten sich ebenfalls in der Landeshauptstadt.
Knapp 1000 Menschen haben in Stuttgart gegen den Bildungsplan der Landesregierung und ein Konzept für die Gleichstellung von Homosexuellen mit Heterosexuellen protestiert. Auf Transparenten mit Aufschriften wie «Ehe und Familie vor» machten sie am Samstag deutlich, dass für sie allein die traditionelle Familie eine gute Familie ist. Homosexualität wird von vielen abgelehnt. Zu einer Gegenveranstaltung kamen laut Polizei etwa 500 Menschen. Sie sprachen sich unter anderem gegen Homophobie und für die Akzeptanz vielfältiger Partnerschaften aus. Die Polizei war mit mehreren hundert Beamten im Einsatz, um Ausschreitungen zu verhindern.
Zu den befürchteten Ausschreitungen kam es nicht, obwohl immer wieder Gegendemonstranten aus dem linksradikalen Spektrum versucht hätten, den Demonstrationszug zu provozieren, teilte die Polizei am Sonntag mit. Wegen der aufgeheizten Stimmung sicherten Hunderte Beamte die Abschlusskundgebung. „Ansonsten ist es ruhiggeblieben“, sagte ein Polizeisprecher gegenüber den “Stuttgarter Nachrichten”. Bei einigen Gegendemonstranten hätten die Beamten Vermummungsmaterial, ein Pfefferspray und ein Taschenmesser gefunden. Einem Teilnehmer sei vorgeworfen worden, einen Beamten beleidigt zu haben. Die Betroffenen seien des Platzes verwiesen und angezeigt worden.
Nach dem Bildungskonzept der Landesregierung sollen Schüler lernen, sexuelle, ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt zu akzeptieren. Die Gegner des Plans kritisieren, das sensible Thema Sexualität überfordere die Kinder. Das Bündnis «Stuttgart ist und bleibt bunt» wirft ihnen dagegen vor, sie betrieben Ausgrenzung und wollten «sinnvolle Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit» verhindern. Der Bildungsplan soll von 2016 an gelten.
Anfang Januar war bekanntgeworden, das Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) mit einem Aktionsplan die Gleichstellung von Homosexuellen mit Heterosexuellen im Land voranbringen möchte. Ziel ist es, Benachteiligungen abzubauen. Das Papier soll noch vor dem Sommer ins Kabinett eingebracht werden. Für erste Maßnahmen stünden in diesem und im kommenden Jahr insgesamt eine Million Euro bereit. News4teachers / mit Material der dpa
zum Bericht: Sexuelle Vielfalt im Unterricht: Stuttgart erwartet neue Bildungsplan-Proteste
