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„Sehr enttäuschend“: Philologen-Chef kritisiert Englisch-Unterricht in Grundschulen – und fordert KMK zum Handeln auf

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BERLIN. Die Gymnasiallehrer bemängeln die Qualität des Englisch-Unterrichts an den Grundschulen in Deutschland. Die Ergebnisse des frühen Fremdsprachenunterrichts seien «sehr enttäuschend», sagte der Bundesvorsitzende des Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Nach wie vor sei unklar, worauf die Englisch-Lehrkräfte an den Gymnasien aufbauen könnten. «Im Grunde genommen muss nochmals bei Null begonnen werden.» Eine aktuelle Studie stützt den Befund.

Setzt sich für bundesweite Standards für den Englisch-Unterricht an Grundschulen ein: Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands. Foto: Deutscher Philologenverband

Meidinger forderte die Kultusministerkonferenz auf, sich umgehend auf einheitliche Bildungsstandards für Englisch in Grundschulen zu einigen, die auch Grundkenntnisse im Wortschatz und der Grammatik festschreiben. Die Stundentafel der Grundschule müsse außerdem so ausgeweitet werden, dass das Frühenglisch nicht auf Kosten des wichtigen Deutschunterrichts gehe. «Und ganz wichtig: Englischunterricht an den Grundschulen soll ausschließlich durch dafür ausgebildete Lehrkräfte erfolgen», forderte der Leiter eines Gymnasiums ins Bayern, der bundesweit 90.000 Gymnasiallehrer vertritt. Nötig seien Lehrkräfte, die das Fach schwerpunktmäßig an der Hochschule studiert hätten.

Tatsächlich ist Englisch in der Grundschule mittlerweile bundesweit etabliert, wie und ab wann – das liegt jedoch im Ermessen der Länder. Uneins ist man sich zum Beispiel bis heute über den Zeitpunkt des Beginns. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beginnen zum Beispiel mit dem Fremdsprachenunterricht vom ersten Tag an in Klasse 1, Nordrhein-Westfalen dagegen zu Beginn des zweiten Halbjahres von Klasse 1. Die Mehrzahl der Bundesländer, etwa Sachsen, Hessen, Berlin und Bayern beginnen mit dem Fremdsprachenunterricht in Klasse 3.

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Sprachdidaktiker der Universitäten Eichstädt-Ingolstadt, Leipzig und Gießen untersuchen derzeit in einer deutschlandweiten, dreijährigen Untersuchung die Qualität des Englisch-Unterrichts in der Primarstufe. Die ersten Auswertungen weisen darauf hin, dass die Schülerleistungen im Schnitt “weiter als vermutet” ausfallen, und dass es in der Praxis kaum einen Unterscheid ausmacht, ob die Schüler mit dem Englischunterricht in Klasse 1 angefangen haben oder in Klasse 3.

Gleichwohl gibt es gravierende Ungleichheiten, die sich den Foschern zufolge im Übergang zur 5. Klasse gravierend auswirkten und die Fortführung des Faches Englisch erschwerten. Kinder verließen die Grundschule mit sehr unterschiedlichen Kenntnissen. „Die einen haben spielerischen Unterricht erlebt, die anderen fast gymnasiale Verfahren“, so haben die Wissenschaftler ermittelt. Lehrer der weiterführenden Schulen müssen mithin Schüler mit unterschiedlichen Lernerfahrungen auf einen einheitlichen Standard bringen. Ergebnis davon sei: Enttäuschung bei den einen, Überforderung bei den anderen. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: Englisch in der Grundschule: Je früher je besser? – Es ist Zeit für einheitliche Standards

 

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