POTSDAM. Tausende brandenburgische Schüler mussten das Mathe-Abi wiederholen, angeblich weil viele Lehrer obligatorische Lehrplan-Fortbildungen geschwänzt hatten. Doch auch mit Zusatzwissen zum Lehrplan hätten sie wohl nicht genug Zeit gehabt, den gesamten Abiturstoff zu vermitteln.
Bildungsminister Günter Baaske (SPD) sieht die Ursache für die Panne beim Mathe-Abi in Brandenburg in der geringeren Zahl an Unterrichtsstunden in dem Fach. «Das war der entscheidende Punkt», sagte Baaske in einer Aktuellen Stunde zum Bildungssystem im Landtag.
In Brandenburg müssen die Schüler bislang nur vier statt wie zum Beispiel in Berlin fünf Wochenstunden Mathematik im Leistungskurs belegen. Dafür gibt es in Brandenburg mehr Leistungskurse. Künftig sollen Gymnasiasten auch in Brandenburg nur noch zwei statt fünf Leistungskurse belegen, diese aber mit jeweils fünf Stunden. Dies war bereits unabhängig von der Panne entschieden worden.
Beim diesjährigen Abitur hatten zahlreiche Schüler in Mathematik Aufgaben erhalten, die vorher gar nicht im Unterricht behandelt worden waren. Eine externe Untersuchung kam zum Ergebnis, dass viele Lehrer die Lehrpläne nicht richtig verstanden hatten, zahlreiche Schulen auch keinen Vertreter zu Schulungen dazu geschickt hatten. Das Ministerium hatte daraufhin entschieden, dass Tausende Schüler das Mathe-Abitur wiederholen konnten.
In der Debatte forderte die CDU eine Neuordnung des Bildungssystems in Deutschland. Derzeit blockierten sich die 16 Schulminister in der Kultusministerkonferenz gegenseitig, die Kleinstaaterei im Bildungswesen müsse beendet werden, sagte der Abgeordnete Gordon Hoffmann in der Aktuellen Stunde. Der Bildungsföderalismus müsse aber erhalten bleiben. Die SPD-Abgeordnete Simona Koß warnte dagegen vor einem Zentralstaat.
Ein Antrag der CDU zur Schaffung eines Bildungsrates wurde vom Landtag mehrheitlich abgelehnt. Mit einer breiten Mehrheit und nur einigen Enthaltungen angenommen wurde dagegen ein Antrag, wonach die Landesregierung im Bundesrat eine Initiative starten soll, das sogenannte Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern bei der Bildung aufzuheben und Bildung als Gemeinschaftsaufgabe einzustufen. (dpa)
Missglücktes Mathe-Abi: Bildungsministerium will Lehrer disziplinarisch nicht belangen, aber …
