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Nach Arbeitszeitstudie: Philologen gehen in die Offensive – und fordern Entlastung vor allem für Gymnasiallehrer

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HANNOVER. Nachdem ein Wissenschaftlergremium im Auftrag des niedersächsischen Kultusministeriums den Lehrern im Land unzulässige Mehrarbeit bescheinigt hat, geht der Philologenverband in die Offensive. Er bezeichnet die Studie als „Dokument der nunmehr erwiesenen, geradezu willkürlichen Ausnutzung niedersächsischer Lehrkräfte“ – und fordert umgehende Konsequenzen. Vor allem Gymnasiallehrer seien überlastet. „Ein weiteres Spielen auf Zeit darf es nicht geben“, so sagt Philologen-Chef Horst Audritz. Die Arbeitszeit müsse umgehend gesenkt werden.

Die Arbeitszeitstudie belegt, dass Lehrer regelmäßig zu viel arbeiten. Foto: Shutterstock

Im Schnitt arbeiten Vollzeit-Lehrerinnen und -Lehrer an Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien der Untersuchung zufolge (nur für diese Schulformen lagen Daten vor) im Schnitt 48 Stunden und 18 Minuten wöchentlich – gegenüber der Vergleichsbasis von 46 Stunden und 38 Minuten, die sich rechnerisch ergibt, wenn man die 40-Stunden-Woche der Verwaltungsbeamten auf die Schulwochen umrechnet. Allerdings stellten die Experten große Unterschiede fest. Besonders belastet: Teilzeitlehrkräfte, ältere Lehrkräfte sowie Schulleitungen. Mit der Studie seien endlich die viel zu hohe Arbeitszeit und die in großem Umfang geleisteten Überstunden „aktenkundig“, die das Land stets geleugnet habe, meinen nun die Philologen.

Der Verband weist nun allerdings darauf hin, dass auch bei den Schulformen unterschiedlich hohe Überlastungsgrade festgestellt wurden. So liege die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit bei den Gesamtschulen um gerade mal 4 Minuten über dem gesetzlich vorgeschriebenen Limit, bei den Grundschulen um eine Stunde und 20 Minuten und bei den Gymnasium bei 3 Stunden und fünf Minuten. „Damit bestätige sich erneut einmal mehr das Ergebnis aller anderen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass die Gymnasiallehrer die bei weitem höchste Arbeitszeit zu verzeichnen haben“, so heißt es.

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Aus „Gründen der Fürsorgepflicht des Dienstherrn und aufgrund der Gleichbehandlung“ müsse für gezielte Entlastung gesorgt und die große Spanne unterschiedlicher Arbeitszeitbelastung reduziert werden, hatten schon die Wissenschaftler geschlussfolgert. Dabei komme es vor allem auf einen Ausgleich in der direkten Belastungssituation an. Ein konkreter Vorschlag des Gremiums: „Entlastungsstunden“ als neues Instrument einzuführen. Diese sollen den Schulen zur Verfügung stehen und zielgenau zum Ausgleich für besonders belastete Lehrkräfte eingesetzt werden. Für die Grundschulen schlagen die Experten darüber hinaus eine Absenkung um eine Deputatsstunde vor.

“Unverständlich und inakzeptabel”

Das stößt nun auf Unverständnis beim Philologenverband. „Wie die Kommission aufgrund dieser ihrer eigenen eindeutigen Feststellung zu der Empfehlung kommen kann, nur die Unterrichtsverpflichtung der Grundschullehrkräfte, aber nicht die der Gymnasiallehrkräfte zu senken, ist völlig unverständlich und inakzeptabel“, betont Audritz. Die von der Kommission gegebene Begründung, Grundschullehrer fühlten sich „subjektiv‘“ stärker belastet, könne nicht überzeugen. „Es geht hier nicht um subjektiv empfundene Belastungen, sondern um objektiv feststellbare Arbeitszeit und die rechtliche Vorgabe einer 40-Stunden-Woche, und da sind die Ergebnisse mehr als eindeutig. Das jedoch will man offenbar nach wie vor nicht zur Kenntnis nehmen, wenn man zunächst nur die Pflichtstundenzahl der Grundschullehrer senken will. Das aber werden wir nicht mit uns machen lassen“, meint der Philologen-Landesvorsitzende.

Übereinstimmung mit der Arbeitszeitkommission bestehe in Bezug auf Teilzeitlehrkräfte. Auch der Philologenverband habe schon seit langem die überproportional hohe Arbeitszeit von Teilzeitlehrkräften kritisiert und die erst 2017 neu erlassenen Regelungen des Landes für Teilzeitlehrkräfte mit Nachdruck abgelehnt, da sie in keiner Weise Grundlage für eine rechtskonforme Arbeitszeit der Teilzeitkräfte sein können. „Doch das Kultusministerium hat unsere Bedenken und Einwände einfach vom Tisch gewischt“, bemängelt Audritz und fordert: „Für Teilzeitkräfte müssen jetzt endlich dringend Anrechnungsstunden bereitgestellt werden.“

Auch einen zeitlichen Ausgleich für die zu hohe Arbeitszeit von Funktionsinhabern in den Schulleitungen habe der Philologenverband immer wieder verlangt. Dies betreffe auch Funktionsinhaber an Gymnasien, die zum Beispiel als Fachkonferenzleiter oder Sammlungsleiter umfangreiche zusätzliche Aufgaben erfüllten. „Da alle politischen Gespräche auch hier auf taube Ohren gestoßen sind, haben wir im Sommer 2018 mehrere Klagen eingereicht, die Anfang 2019 von den Gerichten entschieden werden“, erläutert Audritz. Das Land könne sich hier eine weitere blamable Niederlage vor Gericht ersparen, wenn es umgehend den Ergebnissen der Arbeitszeitkommission entsprechend handele und den genannten Funktionsinhabern einen zeitlichen Ausgleich in Form von Anrechnungsstunden zuweise.

Audritz verweist wie die Arbeitszeitkommission auch auf die besonders hohe Arbeitszeit älterer Lehrkräfte, die es zu senken gelte. Deshalb sei richtigerweise im Koalitionsvertrag von SPD und CDU die Wiedereinführung der „zuvor wortbrüchig gestrichenen” Altersermäßigung vereinbart worden. „Dies ist auch zur Gesunderhaltung älterer Lehrkräfte dringend erforderlich. Doch bisher ist die Landesregierung auch hier offenkundig nicht bereit, endlich zu handeln“, bemängelte Audritz.

“Der Abschlussbericht der Kommission zeigt einmal mehr”, so das Fazit von Audritz, “wie das Land in geradezu sträflicher Weise seine Fürsorgepflicht gegenüber den Lehrern ständig vernachlässigt. Damit muss nun Schluss sein. Der Abschlussbericht der Expertenkommission mit seinen für das Land mehr als beschämenden Ergebnissen muss Mahnung und Appell zugleich sein, endlich zu handeln und rechtliche Normen und Vorgaben nicht länger zu verletzen.“ bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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