BERLIN. Eine Lehrerin entdeckt auf einem Schülerheft einen beschmierten Davidstern, daneben das Wort „Dreck“. Ein Jugendlicher erzählt, ein Mitschüler sei wegen seiner Hautfarbe ausgegrenzt und als „Schwein“ dargestellt worden. Schüler grüßen mit einem vermeintlichen Taucher-Zeichen. Solche Vorfälle sind keine Einzelfälle, sondern Teil eines wachsenden Problems, das Lehrkräfte zunehmend beschäftigt: Der Rechtsextremismus dringt in den Schulalltag vor – mit Macht.

Der Bayerische Rundfunk hat Ende 2025 rund 600 staatliche und kommunale Schulen im Freistaat befragt. Die Rückmeldungen zeichnen ein deutliches Bild. 66 Prozent der Schulen berichten von menschen- und demokratiefeindlichen Vorfällen im Schuljahr 2024/25, 74 Prozent ordnen diese dem politisch rechten Spektrum zu.
Die geschilderten Beispiele reichen von antisemitischen Schmierereien bis zu rassistischen Ausgrenzungen im Klassenverband. Eine Lehrerin wird mit den Worten zitiert: „Das war auf dem Heft eines Schülers, (da) wurde ein Davidstern gekritzelt und dann ein Pfeil drauf, und da stand ganz groß ‘Dreck’.“ Ein Schüler beschreibt eine andere Situation: „Ein dunkelhäutiger Freund von mir (…) wurde immer ausgeschlossen – wegen seiner Hautfarbe. Und da haben sie immer so rassistische Sachen zum Beispiel auf die Tafel geschrieben oder zum Beispiel ihn als Schwein gezeichnet.“
Auch aus anderen Regionen werden ähnliche Beobachtungen geschildert. In Hessen etwa berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) von einer Grundschülerin, die ein NS-Marschlied singt, sowie von einem Neuntklässler, der eine Skizze von Auschwitz mit Hakenkreuzen anfertigt. Die betroffenen Schülerinnen und Schüler selbst verweisen dabei auf ihre Mediennutzung. Nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklären sie, sie seien durch Inhalte auf Plattformen wie Tiktok an entsprechende Darstellungen gewöhnt.
„In manchen ländlichen Gebieten gibt es regelrechte Hegemonien, sodass sich nicht-rechtsextreme Leute verstecken müssen“
Bundesweit lässt sich ein deutlicher Anstieg entsprechender Vorfälle beobachten, auch wenn die Zahlen (die die Welt unlängst gesammelt hat) aufgrund unterschiedlicher Erfassungssysteme nur eingeschränkt vergleichbar sind. In Brandenburg etwa vervielfachte sich die Zahl gemeldeter Fälle zeitweise, in Hessen stieg sie von 39 im Jahr 2023 auf 159 im Jahr 2025. Nordrhein-Westfalen registrierte 461 politisch motivierte Straftaten an Schulen im Jahr 2025, nach 277 im Jahr 2023. Auch in Thüringen, Berlin und Rheinland-Pfalz werden steigende Zahlen gemeldet.
Experten sehen darin nicht nur eine Zunahme einzelner Vorfälle, sondern eine strukturelle Entwicklung. Sven Daniel, Leiter des Kompetenzzentrums Rechtsextremismus beim hessischen Verfassungsschutz, beschreibt in der FAZ die Dynamik mit klaren Worten: „Seit 2023 beobachten wir, dass die Zahlen radikalisierter Minderjähriger deutlich steigen.“ Besonders auffällig sei, dass die Betroffenen immer jünger würden. Daniel spricht von einer „Speedradikalisierung“, da sich Jugendliche in digitalen Räumen schnell vernetzen und radikalisieren könnten. Diese Prozesse blieben nicht im Netz, sondern wirkten in den Alltag hinein.
Zugleich beschreibt Daniel sehr konkret, wie sich rechtsextreme Codes und Ausdrucksformen verändert haben und wie schwer sie im Schulalltag zu erkennen sind. „Rechtsextremisten sind Medienprofis“, sagt er und verweist darauf, dass Inhalte gezielt so gestaltet würden, dass sie harmlos oder humorvoll erscheinen. Als Beispiel nennt er Beiträge, in denen historische Figuren wie Adolf Hitler in scheinbar alltäglichen, emotionalisierten Situationen gezeigt werden, etwa beim Streicheln eines Hundes, unterlegt mit populärer Musik und verfremdet durch Emojis. Solche Darstellungen wirkten anschlussfähig und senkten Hemmschwellen.
Hinzu kommen Zeichen und Symbole, die im schulischen Alltag nicht unmittelbar als rechtsextrem erkannt werden. Daniel verweist auf das sogenannte Taucher-Zeichen, bei dem Zeigefinger und Daumen einen Kreis bilden, das in der Szene als Code für „White Power“ verwendet werde. Auch Zahlen- und Symbolkombinationen in digitalen Kommunikationsräumen spielten eine Rolle. So könnten etwa zwei Blitze in Chatgruppen für die SS stehen. Ziel dieser codierten Kommunikation sei es, Zugehörigkeit zu signalisieren, ohne sofort Aufmerksamkeit zu erregen.
Die Ansprache Jugendlicher erfolgt dabei gezielt über Lebenswelt und Freizeitkultur. Daniel beschreibt, dass rechtsextreme Gruppen verstärkt auf Gemeinschaftserlebnisse setzen. Junge Menschen würden zu Aktivitäten wie Wandern oder Kampfsport eingeladen. Gruppen wie „Jung + Stark“, „Deutsche Jugend Voran“ oder „Störtrupp“ nutzten solche Angebote, um Bindung zu erzeugen und ideologische Inhalte zu vermitteln. Die Gruppen erreichten teilweise zwei- bis dreistellige Mitgliederzahlen. Ihre Feindbilder richteten sich laut Daniel gegen queere Menschen, gegen die politische Linke und gegen Personen mit Migrationshintergrund.
Gleichzeitig betont er, dass viele der betroffenen Jugendlichen ideologisch noch nicht gefestigt seien. Gerade deshalb sei Prävention entscheidend. Lehrkräfte müssten in die Lage versetzt werden, solche Entwicklungen früh zu erkennen und einzuordnen. Fortbildungen zielten daher darauf ab, sowohl die Inhalte als auch die Strategien rechtsextremer Akteure verständlich zu machen.
Der Soziologe Prof. Matthias Quent von der Hochschule Magdeburg-Stendal ordnet die Entwicklung im Deutschlandfunk als gesellschaftliches Phänomen ein. Die Lage sei regional unterschiedlich, in manchen Gegenden jedoch besonders ausgeprägt. „In manchen ländlichen Gebieten gibt es regelrechte Hegemonien, sodass sich nicht-rechtsextreme Leute verstecken müssen.“ Quent berichtet zudem von einer Eskalation der Situation an Schulen: Es gebe Fälle, „in denen sich Lehrer nicht mehr zur Arbeit trauten“. Drohungen durch Schüler und teilweise auch durch Eltern seien „ein wirklich großes Problem, das sich hier Bahn bricht“.
Gleichzeitig beobachtet Quent eine Veränderung in den Einstellungen junger Menschen, die über einzelne Milieus hinausgeht. Es gebe eine „massive quantitative und qualitative Radikalisierung im rechten Bereich“. Die Ursachen sieht er auch in gesellschaftlichen Entwicklungen. Bestimmte Gruppen fühlten sich abgehängt und griffen auf einfache Deutungsmuster zurück. Diese beschreibt er als „rassistisch aufgeladene Untergangsszenarien“, in denen etwa von Überfremdung oder Bedrohung gesprochen werde. Solche Narrative böten Orientierung, insbesondere dort, wo Austauschmöglichkeiten fehlten.
Auch die Rolle sozialer Medien wird von Experten hervorgehoben, allerdings differenziert betrachtet. Quent betont, dass diese Plattformen bestehende Konflikte verstärkten, aber nicht allein verursachten. Sie machten sichtbar, „was man in der Gesellschaft derzeit sehe“.
„Wir müssen jetzt ernst machen und manche Fächer, manche Inhalte, manche On-Top-Kompetenzen beiseite rutschen und die Demokratiebildung, die politische Bildung in die Mitte platzieren“
Die Politik zeigt sich alarmiert. In Hessen werden Lehrkräfte gezielt fortgebildet, um rechtsextreme Codes und Strategien zu erkennen. Kultusminister Armin Schwarz (CDU) erklärt laut FAZ dazu: „Die Zukunft dieses Landes befindet sich in den Klassenzimmern. Die Schulen bilden die Grundlage dafür, dass wir weiterhin eine stabile Demokratie in Hessen haben.“ Gleichzeitig verweist er auf die veränderte Erscheinungsform des Problems: „Der Rechtsextremismus kommt nicht mehr offensichtlich in Springerstiefeln daher, sondern subtil mit Musik und Lifestyle.“
Auch Innenminister Roman Poseck (CDU) unterstreicht die Bedeutung des Themas: „Extremisten versuchen anzudocken.“ Der Rechtsextremismus sei „die größte Gefahr“ und längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ähnlich äußert sich Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) in der Welt: „Rechtsextremismus ist unser größtes gesellschaftliches Problem.“
Vor diesem Hintergrund versuchen Schulen, eigene Strategien zu entwickeln. Viele setzen auf eine stärkere Verankerung politischer Bildung im Unterricht. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, fordert eine klare Prioritätensetzung: „Wir müssen jetzt ernst machen und manche Fächer, manche Inhalte, manche On-Top-Kompetenzen beiseite rutschen und die Demokratiebildung, die politische Bildung in die Mitte platzieren, weil es an der Zeit ist.“
Wie das konkret aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus einer bayerischen Mittelschule, über das der BR berichtet. Dort konfrontiert ein Lehrer seine Klasse mit historischen und aktuellen Bildern antisemitischer Parolen. Die Schüler erkennen Parallelen und formulieren eigene Erklärungen. Ein Jugendlicher sagt: „Weil es gibt immer noch Menschen, Neonazis (…), die Hitler noch glauben, die verehren ihn immer noch und machen dieselben Sachen wie früher.“ Der Lehrer greift diese Aussage auf und ordnet sie ein: „Man könnte ja eigentlich meinen, man hätte vielleicht daraus etwas lernen können.“ Und ergänzt: „Aber wie wir vielleicht hier sehen, gilt es nicht für alle Menschen. Und das ist ein Problem für unsere Demokratie.“
Neben inhaltlicher Aufklärung betonen Fachleute die Bedeutung gelebter Demokratie im Schulalltag. Robert Roedern von der Staatlichen Schulberatungsstelle München beschreibt dies im BR als kontinuierliche Aufgabe: „Demokratie sollte in jedem Augenblick des Zusammenlebens und Lernens eine Rolle spielen und bedeutsam sein.“ Entscheidend sei, Partizipationsmöglichkeiten zu schaffen. „Ich glaube, damit stärken wir Menschen, dass sie den Vereinfachern weniger hinterherlaufen.“ News4teachers
So schlimm das alles ist, aber das Gute ist doch, dass heutzutage Lehrkräfte keine Scheu mehr haben, solche Vorfälle öffentlich zu machen.
Während man früher wahrscheinlich nur zur Schulleitung gegangen ist, die dann sehr oft wegen der Furcht um den Ruf der Schule die Sache intern regeln wollte, gibt man heutzutage Missstände woanders preis.
Letzteres führt sicherlich auch dazu, dass es gefühlt mehr Fälle gibt.
Gefühlt? Also – nicht real? Gerne mal lesen, was passiert, wenn Rechtsextreme eine Schule übernehmen – realer Fall: https://www.news4teachers.de/2026/03/gegen-rechtsextremismus-an-ihrer-schule-gewehrt-wie-es-zwei-lehrkraeften-erging/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Klasse Reaktion, danke dafür
und für die konstante Geradlinigkeit gegenüber antidemokratischen Ob-und Subjekten
Zustimmung, wobei ich eher sagen würde, dass es früher gefühlt weniger Fälle gab (siehe bspw. rechtsextreme Partei im Bundestag)
Ich führe keine Statistik, kann also nicht sicher sagen ob es nur gefühlt mehr Fälle gibt. Aber ich hab schon den Eindruck, dass da eine Verrohung stattfindet. Geschmacklosigkeiten gab es auch zu meiner Schulzeit ab und an, Jugendliche sind Jugendliche. Aber es war doch immer ein Sinn für die Situation da.
Z.B. beim Besuch in einer KZ-Gedenkstätte hat sich niemand eine Geschmacklosigkeit erlaubt. Man wäre da auch in der Klasse komplett unten durch gewesen. Und das scheint sich geändert zu haben.
Ohne die Gefahren von Rechts- oder Linksextremistischen Bewegungen unter Jugendlichen kleinzureden (sie sind ernst zu nehmen), aber ich hoffe, zumindest ein Taucherzeichen bleibt noch erlaubt. Sonst wird es für mich immer schwerer zu merken, in welchem Land welche Zeichen oder Symbole mich unter Verdacht bringen können. In Belarus – weiß-rot-weiße Klamotten, Verfolgungsjagd Symbol, “Es lebe Belarus!” Begrüßung, weißes Blatt Papier… in Deutschland – Marken Alpha Industries, Helly Hansen oder New Balance (wegen des großen „N“ als vermeintlicher Hinweis auf „Nationalist“) & vieles mehr, einige Aussagen, die für mein Ohr ganz harmlos sind, und bald ein Taucherzeichen. Wie im Mittelalter.
Vergessen sie nicht die Menschen, die auf vier Vögel gleichzeitig zeigen wollen (Augenroll).
Da Sie die Gefahren von Rechts ja “nicht kleinreden” wollten: kommt da noch was?
Taucherverbrennung wie im Mittelalter (augenroll)
Wie gut, dass… Taucher sich auf Sie verlassen können
“Bestimmte Gruppen fühlten sich abgehängt und griffen auf einfache Deutungsmuster zurück.”
… weil sie es sind? Aber wer will schon eine eigene Wohnung, wenn die Reichsten von der Steuer “geschont” werden müssen, und das Land fleißig zusammenlegt, um Autohalter*innen das Fahren zu finanzieren und Konzernen SEHR viel Geld zu schenken. Da muss die Jugend auch mal wieder den Gürtel enger schnallen….
“Dort konfrontiert ein Lehrer seine Klasse mit historischen und aktuellen Bildern antisemitischer Parolen.”
Oder wir beginnnen schon in der Grundschule mit Empathie, Mitbestimmung und Respekt, aber das wäre ja zu woke für manche – da nehmen die lieber die… Taucher
https://www.hna.de/lokales/hofgeismar/hofgeismar-ort73038/hinterlassen-huemmer-sportplatz-schwer-beschaedigt-sinti-und-roma-94261161.html
Nehmen wir einmal diesen scheinbar harmlosen Bericht über das scheinbar unverschämte Verhalten der Reisenden und dazu ein paar Fakten und Fragen:
– Wieso Sinti UND Roma? Soweit ich weiß, haben die beiden nicht viel miteinander zu tun. Also eine Pauschalbezeichnung wie früher “Zigeuner”?
– Egal, ob die Leute notgedrungen oder aus freier Entscheidung reisen, sie müssen irgendwo existieren dürfen!
– Stellt eine Stadt im April einen Sportplatz für 30 Wohnwagen zur Verfügung, darf man “Reifenspuren” erwarten.
– Jeder, der “lebt” muss auch mal Müll entsorgen. Dürfen diese Leute Speermüll bestellen, wenn sie dort für 3 Wochen stehen? Passt ein Teppich in den Mülleimer an der Bushaltestelle?
– Gibt es dort eine Toilette? Wenn nicht, oder zu wenig, wer wundert sich über Fäkalien?
– Natürlich könnte man erwarten, dass die gefälligst das Beste daraus machen. Also ihre Kinder besser erziehen als andere, damit die kein Bonbonpapier fallen lassen und selber Kippen einsammeln und zur nächsten Deponie fahren, um Elektroschrott und den Teppich abzugeben. Alles, um der Gesellschaft zu gefallen. Vielleicht noch extra ne Stunde länger für geringsten Lohn arbeiten, damit das Geld für die Müllsammelstelle übrig ist. Der Gesellschaft gefallen sie aber eh nicht, also egal.
– Wieso muss die Polizei in den 3 Wochen regelmäßig ankommen? Generalverdacht?
– Wieso muss die Polizei erfahren, wo die als nächstes hinfahren?
– Wieso veranstalten Anwohner empörte Inspektionen? Machen die das auch beim nächsten Fußballspiel oder Popkonzert?
– Wieso ist alles irgendwie was anderes, wenn andere Menschen beim nächsten Popkonzert, Fußballspiel ähnlich Dreck machen, mit Ausnahme der Fäkalien, die in von der Stadt bereit gestellten Dixiklos landen?
Nichts für ungut, man muss nicht jedes Verhalten entschuldigen und es sieht auch aus, als hätten die Leute wenig Interesse daran, sich konform zu verhalten. Das kann man aber genauso zurück geben. Denn auch die andere Seite zeigt mit ihrer Kontrolle, ihrem Pauschalisieren, mit zweierlei Maß messen, keine besseren Möglichkeiten bieten und ihrem Generalverdacht nur, dass sie bestehende Gräben erhalten will.
Ich denke, hier sind viele Ihrer Argumente an den Haaren herbeigezogen. Wenn ich in einem Wald spazieren gehe und da ein Picknick mache, ist es selbstverständlich, dass ich danach alles so aufräume, dass es nichts zu erkennen wäre. Auch wenn ich da Feuer machen würde (in meiner Heimat erlaubt), räume ich danach alles auf.
Gibt es keine Toiletten in Wohnwagen? Wenn nein, ist es ein Fehler der Stadt, den Aufenthalt zu erlauben und sich dann über Fäkalien zu wundern. Wenn ja – ist es eine Pflicht von “Urlaubern”, alles sauber zu lassen.
Wenn für jemanden es nicht selbstverständlich ist, ist die Ethnicity oder eine kurze Aufenthaltszeit keine Entschuldigung. Dass es alles Geld kostet – auch nicht. Weil danach jemand anderer muss alles sauber machen, was wieder Geld oder/und Zeit kostet.
Ja, man kann seinen Müll aufsammeln und zur Deponie bringen – sie hatten doch Autos. Oder weiter mitnehmen. Obwohl in meiner Stadt kaum Mülleimer gibt, schmeiße ich eine Bananenschale nicht auf den Boden.
Das alles muss auch für Konzerte, Demos, Kino usw zählen. Wenn jemand seinen Müll nicht selber beseitigt, muss dafür bezahlen, dass jemand für ihn das macht.
Diese Leute machen keinen Urlaub, sie leben so und da, wo sie als nächstes hin fahren, können sie auch keinen Speermüll bestellen – nirgendwo – ohne festen Wohnsitz. Und wenn Toiletten im Wohnwagen sind, müssen die aber auch geleert werden. Die kleinen Camping Toilette Kanister sind schnell voll. Ich denke, wenn es ein Popkonzert ohne Toiletten gibt, sind nicht die Gäste die Idioten.
Ich finde das ja auch rücksichtslos und mich nerven solche Leute auch generell. Mein Punkt hier ist nur : Es wird als “Zigeunertypisch” betrachtet und quasi im Vorfeld erwartet. Dabei könnten wir uns ausmalen, wie der Rest der Gesellschaft es händeln würde, wenn die Müllabfuhr mal ein Jahr lang nicht mehr auftaucht. Da fährt auch nicht alles fleißig zur Deponie und Sammelstelle und man würde viel in der Natur entsorgtes finden.
Ich habe Verständnis dafür: als es in meiner Gegend in der Heimat noch keinen Müllabfuhr gab, haben Menschen den Müll, den nicht verbrannt werden konnte, zu einem Platz gebracht oder gar vergraben, muss ich leider zugeben. Wir hatten keine Deponie.
In Deutschland aber gibt es sie, und es ist möglich jeglichen Müll dahin selber zu bringen. Der Transport war in diesem Fall vorhanden.
Leider sehe ich öfter, dass in einigen Gegenden mit Mehrfamilienhäusern heimlich der Sperrmüll rausgebracht wird, ohne den anzumelden, und liegt Monate unter dem Regen, obwohl es in Deutschland zweimal im Jahr kostenlos möglich ist, den abholen zu lassen.
Ich hoffe, Sie sind anderer Meinung wegen TÜV für diese Wohnwagen. Da sollte Zeit und Geld gefunden werden, um die Wohnwagen überprüfen zu lassen, sonst kann es gefährlich sein.
Leider passiert es tatsächlich oft eine Übertragung von schlechten Erfahrungen mit einzelnen Vertretern einer bestimmten Gruppe auf die ganze Gruppe. Das stimmt für Sinti und Roma (in meiner Heimat ist Z-Wort ein gutes Wort, sie nennen sich selber so, ich kann mich nicht an die deutsche Sicht gewöhnen), für Fußball Fans, für Russen, für Jungs, für katholische Priester, für Muslime usw. Vielleicht ist es die menschliche Natur. Mal sehen, ob es besser werden kann.
Gegen Gemeinschaftserlebnis wie Wanderungen und Kampfsport ( die heutigen Jugendlichen leiden unter Einsamkeit) wird bloßer Unterricht nicht ankommen, fürchte ich. Da müsste Schule Ähnliches bieten. Rechte besetzen die leeren Plätze, die entstehen, wenn der Staat sich wegen Sparmaßnahmen zurückzieht und beispielsweise Jugendhäuser schließt.
Hier ist das Signal ” Du bist uns nicht wichtig” und extreme Bewegungen – rechts ist auch der Islamismus, der ganz ähnlich arbeitet – sagen ” Du bist und wichtig, ja geradezu auserwählt”
Leider gibt es das auch in Baden-Württemberg. Zwei Schüler der in den Medien präsenten Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe zeigten in einer KZ-Gedenkstätte den sog. Hitlergruß und verhöhnten somit die Opfer der NS-Diktatur.
Die Öffentlichkeit erfuhr aus der Presse davon, trotz der schlimmen Entgleisung durften die mutmaßlich strafmündigen Jugendlichen auf der Schule bleiben, welch falsch verstandene Toleranz der Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe:
https://bnn.de/karlsruhe/karlsruhe-stadt/waldstadt/karlsruher-schueler-sollen-in-kz-gedenkstaette-hitlergruss-gezeigt-haben
“Ich glaube, damit stärken wir Menschen, dass sie den Vereinfachern weniger hinterherlaufen.“ wäre schön, wenns so wär. Aber:
Affäre um anti-semitisches Flugblatt https://share.google/vWM7CFw2iyVqnAGi8
[…] “Ich bin weder Antisemit noch Extremist, sondern ich bin ein Demokrat. Ich bin ein Menschenfreund, kein Menschenfeind«, so der Chef der Freien Wähler. Dafür könne er »alle Hände ins Feuer legen«. Weiter sagte Aiwanger: »Aber es ist auf alle Fälle so, dass vielleicht in der Jugendzeit das eine oder andere so oder so interpretiert werden kann, was als 15-Jähriger hier mir vorgeworfen wird.« Als Fazit formuliert der 52-Jährige: »Ich sag: Seit dem Erwachsenenalter, die letzten Jahrzehnte – kein Antisemit, kein Extremist, sondern ein Menschenfreund.«
»Ich soll hier politisch und auch persönlich zerstört werden«”
[…]
Demokratie/Extremismusabwehr als “persönliche Zerstörung” – so kanns gehn.
Ergänzung: So gings schon mal –
Bereits Kindern kann/darf anscheinend wieder Verhalten/Symbole aus der NSzeit erfolgreich antrainiert werden.
Heftig auch, dass Aiwanger diese Tatsache relativiert und von politischer 🙂 ” persönlicher Zerstörung” spricht.
Was ist mit den Zerstörungen bei den angeleiteten Sicherheit/Stabilität/Rückhalt ? suchenden, labilen Kindern und Jugendlichen?
Wird schon nicht so schlimm werden ?
Auch, wenn es natürlich wichtig ist, in Schule das Thema aufzugreifen, wenn z.B. Parallelen zu früher aufgezeigt werden. Aber es wäre viel wichtiger, wenn es endlich wieder mehr Angebote für Jugendliche gäbe, sodass sie nicht mehr in diese Welt abrutschen.
Die heutigen Rechten machen es genauso wie früher. Sie kümmern sich, sie bieten Halt und Gemeinschaft. Da hat die Politik nichts dazugelernt. Unsere Jugendlichen haben keinen Raum für sich, niemand gibt ihnen Halt, sie driften durch den digitalen Raum und finden dort Gemeinschaft und wenn es doof läuft, die radikale Gemeinschaft.
Wenn dann auch noch die Eltern so ticken, ist es wahnsinnig schwer, sie wieder aus dieser Blase rauszuholen. Da ist es mit ein bisschen Unterricht leider nicht getan, da braucht es Alternativangebote.
Das andere Riesenproblem ist das Internet – Fluch und Segen zugleich. Da wird es keine einfache Lösung geben. Außer, man reguliert dieses so, dass der Algorithmus gesetzlich geändert werden muss, sprich, dieser muss zwingend verschiedene politische Richtungen anzeigen, so dass man nicht dauerhaft mit Inhalten seiner Blase zugeschüttet wird. Aber das sehe ich in Zukunft nicht.
“Aber es wäre viel wichtiger, wenn es endlich wieder mehr Angebote für Jugendliche gäbe, sodass sie nicht mehr in diese Welt abrutschen.
Die heutigen Rechten machen es genauso wie früher. Sie kümmern sich, sie bieten Halt und Gemeinschaft. Da hat die Politik nichts dazugelernt. Unsere Jugendlichen haben keinen Raum für sich, niemand gibt ihnen Halt, sie driften durch den digitalen Raum und finden dort Gemeinschaft und wenn es doof läuft, die radikale Gemeinschaft.”
Was die Rechten bieten, ist der Tabubruch. Analog zu den Angeboten der Islamisten und Linksextremen.
Dass fehlende Angebote für Jugendliche das Problem wären, kann man schnell widerlegen. Es gibt viele Angebote für Jugendliche von allen möglichen Anbietern, die nicht viel oder gar nichts kosten. Sie werden nur nicht wahrgenommen. Wenn sie sich mal anschauen, wie wenige Kids noch im Verein Sport treiben oder in Jugendzentren um die Ecke gehen, dann ist es eher anders herum. Vorgestern erzählte mir ein Sportkollege gerade, dass fünf Vereine der Stadt, in der ich arbeite, ihre Handballmannschaften zusammenlegen müssen, damit es weitergehen kann.
Übrigens früher, bevor die NSDAP an die Macht kam, hatten nicht nur Rechte solche Angebote gehabt, sondern auch andere Parteien. Die SPD beispielsweise hatte ein vielfältiges Angebot. Wandervögel, Pfadfinder …, von denen es auch heute noch viele gibt.
Über das Internet bzw. Social Media könnten alle schnell etwas finden, das ihnen Gemeinschaft und Freude bieten würde.
Also, in unserer Umgebung gibt es nicht viele Jugendzentren, aber das ist sicherlich von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Und ja, heute hat man als Verein große Konkurrenz durch Social Media.. Da wäre es vielleicht gut, wenn sich diese mit den Schulen zusammensetzen. Vielleicht übernehmen die die AGs am Nachmittag. Es gibt ja auch immermehr die Forderung, dass aus Schule eine Art Stadtteilzentrum werden sollte. Fände ich auch gut. Man kann es vielleicht nur was schaffen, wenn die Angebote zu den Jugendlichen kommen und nicht umgekehrt.