Seit 100 Jahren gilt die Schulpflicht – fast ausnahmslos. Wieso eigentlich? Vom Leben als Schulverweigerer

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POTSDAM. Kinder in Deutschland müssen zur Schule. Aber was, wenn sie trotzdem nicht gehen? Eine Familie aus Potsdam weigert sich. Sie erzählt von ihrem Kampf gegen die Behörden, ihrem Alltag und der Angst.

Lernen am Küchentisch: Für diese amerikanische Familie in Des Moines findet der Unterricht zu Hause statt. Foto: IowaPolitics.com / flickr (CC BY-SA 2.0)
Lernen am Küchentisch: Für diese amerikanische Familie in Des Moines findet der Unterricht zu Hause statt. Foto: IowaPolitics.com / flickr (CC BY-SA 2.0)

Bei Familie Schickhoff ist das ganze Jahr ein Weihnachtsbaum im Wohnzimmer, und Schule gibt es nicht. Den Baum haben die Kinder auf die gelben Wände gemalt. Auf einem Regal stehen Schulbücher – meist aber unberührt. Die Kinder lernen seit knapp drei Jahren ohne sie zu Hause. Damals fragten die Eltern, ob sie weiter zur Schule gehen wollten. «Nein», sagten drei der vier sofort.

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«Die Schule war langweilig», sagt die inzwischen zehnjährige Dori. Ihr eineinhalb Jahre älterer Bruder Caje wurde auf einer Waldorfschule gemobbt, auch die damals 17-jährige Autistin Anni fühlte sich unwohl. Mutter Angela sagt: «Wenn Erwachsene ihren Job nicht mögen, kündigen sie. Warum wird Kindern dieses Recht vorenthalten?» Die damals 16-jährige Betty schmiss die Schule ein halbes Jahr später. Sie wollte nicht als einzige früh aufstehen.

Damit macht sich die Potsdamer Familie strafbar. In Deutschland gilt Schulpflicht – seit hundert Jahren. Ausnahmen gibt es nur für Diplomaten- oder Schaustellerkinder und manchmal auch für kranke Kinder. Die Behörden können gegen Schulverweiger Bußgelder verhängen, den Eltern das Sorgerecht entziehen oder sie – in einigen Ländern – sogar ins Gefängnis stecken. Die Schule sei wichtig, da Kinder dort Wissen vermittelt bekämen und lernten, wie man sich in der Gesellschaft mit Andersdenkenden verhält, urteilte das Bundesverfassungsgericht 2006 – maßgebend für alle anderen Gerichte.

Die Schickhoffs überlegten sich, in einen Staat auszuwandern, der Heimunterricht erlaubt. Tochter Betty war dagegen. Nach langem Hin- und Her traf die Familie ihre Entscheidung: Widerstand gegen das Gesetz. Die Familie nennt das zivilen Ungehorsam. Sie meldeten dies dem Jugendamt, wie Angela Schickhoff sagt: «Natürlich hatten wir Angst, unsere Kinder zu verlieren. Aber wir hofften, die Behörden erkennen, dass es ihnen auch ohne Schule gut geht.»

Die Kultusministerkonferenz schätzt, dass es bundesweit rund 500 bis 1000 Heimunterricht-Familien gibt. Einige Eltern haben ähnliche Motive wie die Schickhoffs, sie wollen die Kinder vor Mobbing schützen oder finden, Lehrpläne und Noten schränkten zu sehr ein. Und für streng-religiöse Familien widerspricht etwa der Sexualkunde- oder Biounterricht der Weltanschauung. Viele tauchen unter, melden ihren Wohnsitz ab, leben illegal weiter in Deutschland. Andere reisen viel, leben im Wohnwagen oder wandern aus, heißt es bei der Freilerner-Solidargemeinschaft.

Doch auch in vielen anderen Ländern geht es nicht ganz ohne staatliche Aufsicht. So ist zum Beispiel in mehreren Kantonen der Schweiz Heimunterricht erlaubt, Kinder müssen aber nachprüfbar Lernziele erreichen. Statt Schulpflicht gilt Bildungspflicht.

Zwangsgelder – nicht gezahlt

Die Schickhoffs erhalten inzwischen immer wieder Besuch vom Jugendamt. Auch vor Gericht mussten sie erscheinen. Die Schulbehörde verhängte nach Angaben der Familie Zwangsgelder in Höhe von mehreren tausend Euro. Aber die Schickoffs zahlten nicht und wandelten ihre Konten in Pfändungsschutzkonten um, um den Zugriff des Staates zu verhindern.

Ihr Sorgerecht steht auf dem Spiel. «Immer wenn Briefe kommen, kommt Angst auf», sagte die 48 Jahre alte Mutter. «Aber wir lassen nicht zu, dass sie uns trennen.» Tochter Dori sagt über die Ämter: «Die meinen, wir machen nur Ferien, aber wir lernen ja immer etwas.»

Die Schickhoffs sind Freilerner – die freiste Art Heimunterricht. «Kinder lernen nur, wenn sie etwas interessiert», erläutert Mutter Angela. «In der Schule vergessen sie nach den Prüfungen meist alles wieder.» Die Schickhoff-Kinder lernen nun, was und wann sie wollen. Auch Spielen ist für sie Lernen. Die Eltern zwingen Caje und Dori zurzeit nur zu einer Sache – ab und zu Schreibschrift üben. «Das ist wichtig und ihnen nicht so bewusst», sagt die Mutter. «Alles andere lernen sie von selbst, wenn sie es brauchen – mal früher, mal später als andere Kinder.»

Caje etwa lernte lesen, weil er Anleitungen für seine vielen Computerspiele verstehen wollte. Jetzt informiert sich der schüchterne Junge ab und zu über das Sonnensystem, weil er Star Wars mag. Seine jüngere aufgeweckte Schwester übt gerade Keyboard. Sie ließt Fantasy-Romane und lernt mit Youtube-Filmen Englisch.

Mama oder Papa sind für die Kinder immer ansprechbar, die Kinder können Fragen stellen. Mit Besuchen etwa in Bibliotheken oder Werkstätten versuchen die Eltern, den Kindern Anreize zum Lernen zu bieten. In der Werkstatt zum Beispiel konnten ihre Kinder Roboter bauen. Beim Einkaufen zählen sie Münzen und lernen so Alltags-Mathe. Das ist möglich, weil die Eltern Teilzeit arbeiten – als Betreuerin in einem Flüchtlingsheim und als Schlossführer.

Wissenschaftler sind uneins, ob Heimunterricht oder Freilernen gut oder schlecht für Kinder ist. Aussagekräftige Langzeitstudien gibt es kaum, sagt der Soziologe Thomas Spiegler von der Theologischen Hochschule Friedensau. Der deutsche Lehrerverband ist kritisch. Präsident Heinz-Peter Meidinger sagt: «Ich habe auch schon einige Kinder kennen gelernt, die keine Schule besuchten und von den Eltern unterrichtet wurden. Die hatten oft keine Leistungsprobleme, aber häufig Schwierigkeiten, sich richtig einzuschätzen, mit Kritik von anderen umzugehen und sich auf andere Jugendliche einzustellen.»

Familie Schickhoff bezweifelt das. Oft kommen ehemalige Schulfreunde der Kinder zu Besuch. Dori und Caje können sich aber nicht mehr vorstellen, wieder jeden Tag zur Schule zu gehen. Betty will sich politisch gegen die Schulpflicht einsetzen. Und die 20-jährige Anni möchte ihr Abitur nachholen und Physik studieren: «Aber die Schule gefällt mir immer noch nicht.» Von Anne-Sophie Galli, dpa

100 Jahre Schulpflicht - und wie war es vorher?

Dass Kinder mit sechs zur Schule gehen, ist für die meisten heute normal. Doch eine allgemeinverbindliche, gesetzliche Pflicht zum Schulbesuch gibt es erst seit hundert Jahren – festgeschrieben in der Weimarer Verfassung von 1919. Und vorher?

Die Geschichte des deutschen Schulwesens reicht bis ins Mittelalter zurück. Doch lange bleibt Bildung den privilegierten Schichten vorbehalten, die bäuerliche Bevölkerung bleibt außen vor. Martin Luthers Forderung nach einer Schulpflicht für alle setzen nur wenige protestantische Landesteile um: Vorreiter ist 1592 das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken – aber Mädchen bleiben ausgenommen.

Seit dem frühen 18. Jahrhundert versuchen auch Preußens Herrscher, das Lernen für alle zur Regel zu machen. Doch verpflichtend wird der Schulbesuch erst, wenn das Unterrichten zu Hause unmöglich ist, der «Hausvater» dieser Aufgabe nicht nachkommen kann: «Jeder Einwohner, welcher den nöthigen Unterricht für seine Kinder in seinem Hause nicht besorgen kann oder will, ist schuldig, dieselben nach zurückgelegtem fünften Jahre zur Schule zu schicken», heißt es im «Allgemeinen Landrecht» von 1794. Bis zum Beginn der Weimarer Republik bleibt es in Preußen verbindlich.

Ein flächendeckendes, staatliches Schulsystem gibt es da noch nicht. Große Teile der Bevölkerung sind ohnehin dagegen, denn die Arbeitskraft der Kinder scheint vielen wichtiger als deren Erziehung. Erst die Weimarer Verfassung macht Bildung für alle in ganz Deutschland zur staatlich organisierten Aufgabe. Recht und Pflicht zum Schulbesuch hängen nicht länger von der sozialen Herkunft ab.

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27 KOMMENTARE

  1. Respekt, was es doch für couragierte Eltern hier im Land gibt! Ich hoffe, es gibt bald eine Partei, die dieses Ziel – der Abschaffung der Schulpflicht – auf ihre politische Agenda setzt.

    • Respekt? Sorry – das ist nerdig. Wer seine ganze Energie darin verschleißt, seine Kinder aus verpflichtenden Sozialbezügen herauszuhalten, ist eindeutig nicht von dieser Welt.

      Kinder sind kein Privateigentum. Und Eltern, Gelbe Tulpe, bringen nunmal keine Gruppe von Gleichaltrigen zusammen, in der Kinder soziales Leben lernen können – Schule ist eben mehr als Vermittlung von Fachwissen. Wie sollen solche Kinder sich später als Bürger in einer Gesellschaft zurechtfinden können?

      • Besonders Ihre Schlussfrage ist doch Unsinn, Anna.
        Schule ist nicht alles und “verpflichtende” Sozialbezüge können auch negativ gesehen werden.
        Mehr Freundlichkeit und weniger Arroganz gegen Diskutanten mit anderer Meinung wäre im Übrigen auch ganz schön.
        Ich stehe dem Heimunterricht ausgesprochen positiv gegenüber und teile die Meinung von Herrn Riemer und der gelben Tulpe.

        • Es bleibt einem als Eltern auch nichts anderes übrig Heimunterricht zu leisten, wenn die Schule im Anfangsunterricht der ersten zwei Schuljahre mit der Methode der Selbstalphabetisierung mit Anlaut-Tabellen, Lesen durch Schreiben, freiem Schreiben und der Grundschrift arbeitet.
          Im Moment lernt die jüngste Tochter im Kindergartenalter Lesen mit dem Luka-Leselernbuch.

        • Aha, Unsinn, Papa 51?

          “So führte das Bundesverfassungsgericht maßgebend für alle anderen Gerichte im Mai 2006 aus, dass Eltern nicht berechtigt sind, ihre Kinder aus religiöser Überzeugung vom Schulbesuch abzuhalten (vgl. BVerfG, 2 BvR 16937/04 vom 31.5.2016). Es sei zulässig, das elterliche Erziehungsrecht durch die allgemeine Schulpflicht zu beschränken. Denn der staatliche Erziehungsauftrag diene nicht nur dazu, Wissen zu vermitteln. Kinder sollten sich auch frei zu eigenständigen Persönlichkeiten entwickeln können. Sie sollten zu verantwortlichen Staatsbürgern werden, die an den demokratischen Prozessen in einer pluralistischen Gesellschaft teilhaben können. Durch den gemeinsamen Schulbesuch sollten Kinder in das Gemeinschaftsleben hineinwachsen. Dabei könnten soziale Kompetenz im Umgang mit Andersdenkenden, gelebte Toleranz, Durchsetzungsvermögen und Selbstbehauptung einer von der Mehrheit abweichenden Überzeugung eingeübt werden. Dies gelinge nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichtes noch besser, wenn Kontakte mit der Gesellschaft und mit Menschen mit unterschiedlichen Meinungen nicht nur gelegentlich stattfinden, sondern (schulische) Alltagserfahrungen sind.”

          Quelle: https://www.bundestag.de/blob/439052/ae8a7017b058abe1c92853fc9f0e7e33/wd-8-052-16-pdf-data.pdf

          • @ Anna 7. Februar 2019 at 10:45

            Mit Verlaub: JA!

            Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags, und das angeführte BVG können nur im Rahmen dieser bestehenden Gesetze urteilen. Und eben diese sollten dahingehend abgeändert werden, dass es keine Schulpflicht mehr gibt. Danach, können die o.g. Gremien auch nur noch so urteilen, wie die dann bestehenden Gesetze es hergeben.
            Und das die Funktion der Schule einem gesamtgesellschaftlichen Bildungsauftrag nachkommt, der unsere SuS zu besseren und wissbegierigeren Bürgern heranbildet, das zieht bei mir schon lange nicht mehr. Aus meiner Sicht ist Schule eine Re-Produktionsagentur für bestehende Machtverhältnisse.
            Ich empfehle dazu als erhellende Lektüre bei Kupfer, Antonia. Bildungssoziologie: Theorien – Institutionen – Debatten. Berlin Heidelberg New York: Springer-Verlag, 2011. im Kapitel 7 ab Seite 67-78 Michel Foucault: Schule als Disziplinaranstalt sowie Kapitel 8 ab Seite 79 – 91 bei Pierre Bourdieu: „Reproduktion der Klassengesellschaft durch Bildung“ nachzulesen.

            Zudem verkennt diese Debatte ja völlig, das es ja auch ohne Schulzwang Schulen geben darf. Aber eben nur ohne Zwang. Freiwillig so zu sagen! ABER: Schule müsste sich dann noch viel mehr am Klienten orientieren (der vielleicht auch keine Zensuren will, sich seinen Lehrstoff selbstbestimmt wählt etc).
            DAVOR haben Bildungspolitiker und andere Mächtige aber Angst!

            Links: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-531-93263-7#toc

            Liebe Grüße
            Marco Riemer

      • @ Anna, ich höre und staune – über mich selbst. Ich stimme Anna zu! Kinder sind kein Privateigentum ihrer Eltern. Eltern können zu 99% nicht leisten, was Schule theoretisch leisten kann. Wenn es dort Probleme gibt, muss man die Probleme lösen und nicht die Schulpflicht abschaffen wollen.

        Dass Heranwachsende vor Jahrhunderten (?) zur Schulpflicht gezwungen wurden, hat seinen guten Grund in den Verhältnissen der damaligen Zeit, als es möglich war, Menschen gegen Menschen aufzuhetzen, die man für Hexen hielt (nur mal als Beispiel), weil die Menschen das aufgrund ihrer Unwissenheit glaubten. Diese Unwissenheit trug viele andere faule Früchte!

        Die Schulpflicht hat die Menschen kultiviert und zivilisiert (wenn auch noch nicht jeden). Viele Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten gibt es heute immer noch, aber es ist für uns nicht mehr “normal”, sondern wir lehnen uns mehrheitlich dagegen auf.

        • Heimunterricht bedeutet auch, dass Nazis ihre Kinder in ihrer Nazi-Ideologie unterrichten könnten und Sektenmitglieder ihre Kinder in ihrer Sektenideologie, und zwar ohne dass wir als Gesellschaft wenigstens ein Gegenmodell propagieren könnten.

          • Letzteres hätte ich auch entgegnet.
            Da bleiben die Kinder in dem Umfeld der Eltern, die auch alle anderen Kontakte in die Außenwelt kontrollieren können, und die Parallelgesellschaften werden noch vielfältiger.

            Zudem bin ich bei manchen Kindern froh, wenn ich sie wenigstens 4 von 5 Tagen sehe und weiß, dass sie sitzen, gehen und stehen können und in ihrer Brotdose (vielleicht) etwas Essbares ist.

          • @Herr Mückenfuß
            Ich finde schade, dass gleich wieder solche Bedenken kommen.
            Früher verwies man immer auf religiöse Spinner, die ihre Kinder zu Hause falsch erziehen und indoktrinieren könnten.
            Wie sich dann herausgestellt hat, waren diese eine winzige Minderheit, die allerdings von den Medien liebend gern in die Schlagzeilen gerückt wurde. Außerdem war bei diesen Leuten dann auch Schluss mit dem homeschooling, die Kinder mussten zur öffentlichen Schule.
            Heimunterricht ist eine gute Sache und sollte nicht gleich wieder mit der populären Nazi-keule erschlagen werden. Ansonsten müssten wir auch andere extremistische Erziehungsgefahren als Veto gegen den häuslichen Unterricht hinweisen. Die Bedenken nähmen kein Ende.
            Schließlich bin ich noch der Meinung, dass Eltern ihre Kinder trotz Schulbesuch negativ beeinflussen können. Er ist kein verlässlicher Schutz.

          • Heimunterricht bedeutet einfach nur, seinen Kindern Dinge vorzuenthalten, die in der realen Welt eine Rolle spielen. Soziale Interaktion zum Beispiel.

            Und man schaue mal ganz unten im Artikel: ” Und die 20-jährige Anni möchte ihr Abitur nachholen und Physik studieren”
            Hier mal die ganz einfache Wahrheit: Anni braucht nicht nur die formale Zugangsberechtigung zur Uni, darüber ließe sich ja sogar streiten! Wenn sie Physik studieren möchte, braucht sie fundierte Kenntnisse in Physik und ganz besonders in Mathematik. Und zwar auf einem Level eines überdurchschnittllichen (Mathe-)Abiturienten. Welche Eltern können das leisten? Weniger als 0,1% aller Eltern!

          • Gut gebildete Eltern können vieles leisten. Zumindest mehrere Jahre lang können sie die Kinder selbst unterrichten. Wenn sie irgendwann den Eindruck haben, dass der Schulstoff ihre Fähigkeiten übersteigt, können sie die Kinder noch immer zur Schule schicken.
            Nochmals: Heimunterricht halte ich für eine so gute Sache, dass er für Eltern leichter erlaubt werden sollte.
            Die Kinder in festgelegten Zeitabständen zu überprüfen, ob sie den obligatorischen Lernstoff beherrschen, versteht sich von selbst. Kein Heimunterricht ohne Absicherung!

      • Funktioniert doch auch in Frankreich oder Österreich. Eine Pflicht, einen Unterrich tzu besuchen, ist nun wirklich überflüssig.

    • @ Marco Riemer, Sie müssen sehr jung und unerfahren sein. Mir fällt bei Ihren Gedanken wieder einmal spontan ein “sozialromantische Schwärmerei”, aber Sie wissen ja, wer als Jugendlicher kein Kommunist ist, hat kein Herz – wer es als Erwachsener immer noch ist, hat kein …

      • @ Herr Mückenfuß 7. Februar 2019 at 14:17
        Ich werde dieses Jahr 52 🙂 Ging in die Hose, Ihre These? Aber sicher werden sie dann ein anderes Adjektiv für mich finden “…”

        Aber neben den fruchtlosen Spekulationen könnten sie sich ja wieder um Sacharguente bemühen! Oder?

        Liebe Grüße
        Marco Riemer

        • Also wenn es denn stimmt (wer weiß das schon, wenn man anonym ist), dann hätte ich mich geirrt. Ja, ist halt so, kein Problem.

          Was Sie schreiben, kommt mir ja trotzdem vor wie “sozialromantische Schwärmerei”, weil realitätsfern, aber durchaus sympathisch, aber eben doch realitätsfern. Man verortet das oft bei jungen Leuten, aber natürlich muss das nicht so sein.

          • Und was ihre “Realitätsferne” angeht, so gehe ich mit ihnen soweit mit, als das sie und ich genügend vom Konstruktivismus gehört und verstanden haben. Sie sehen: ich solidarisiere mich in diesem Punkt! 🙂

            Liebe Grüße
            Marco Riemer

    • Ich gehe einmal davon aus, dass Kinder von Migranten davon (nicht in die Schule zu müssen) am meisten Gebrauch machen werden – wie es schon bei Kindergarten und Kita der Fall ist.

      • Warum wird wohl über ein verpflichtendes Kindergarten-Jahr diskutiert, damit auch Kinder der sogenannten “bildungsfernen Schichten” in den “Genuss” frühkindlicher Förderung kommen.
        Würde darüber wohl diskutiert, wenn die Eltern ihrer Aufgabe nachkommen würden.

  2. Zitat: “Warum wird Kindern dieses Recht vorenthalten?» Die damals 16-jährige Betty schmiss die Schule ein halbes Jahr später. Sie wollte nicht als einzige früh aufstehen.”

    Ich würde sagen, genau so etwas ist der Grund.

    • @ Heinz
      Aber ein zugegebenermaßen sehr schwacher Grund, weswegen in einer “Demokratie” einer Personengruppe Rechte entzogen werden sollte. Hätten Sie noch stichhaltigere Argumente?

      Liebe Grüße
      Marco Riemer

      • Das ist ein stichhaltiges Argument, wenn auch versteckt. Es zeigt deutlich, dass Kinder nicht immer die nötige Weitsicht haben, zu überblicken, was ihre Entscheidungen in ihrem späteren Leben bewirken.

        Dieser Abschnitte zeigt doch am allerbesten, dass es häufig eben nicht durchdachte und rationale Gründe sind. Ebenso bin ich der festen Überzeugung, dass dadurch die soziale Benachteiligung von Kindern mit bildungsfernen Familien rapide zunehmen würde.
        Bei uns gibt es in jedem Jahrgang etliche Schülerinnen und Schüler, wo man versuchen muss, auch irgendwann die Eltern zu dem Glück ihrer Kinder zu zwingen, wenn die unentschuldigten Fehlstunden rapide zunehmen. Für viele Eltern sind halt Gründe wie ein vergünstigter Flug in den Urlaub, oder keinen Streit mit dem Kind zu bekommen wichtiger als die Zukunft der Kinder.

        • @Heinz
          „…dass Kinder nicht immer die nötige Weitsicht haben, zu überblicken, was ihre Entscheidungen in ihrem späteren Leben bewirken.“

          Und wir – die Erwachsenen – haben die? Oder haben wir nur EINE Sicht, auf eine zukünftige Zeit, an der wir Vorgeborenen nur noch wenig Anteil haben werden und keinesfalls heute schon wissen können, was dann mal sinnvoll ist. Zudem, wenn mein Kind Entscheidungen treffen will, dann kann ich ja im fairen und vertrauensvollen Diskurs, die Sicht meinem Kind zur Verfügung stellen. > Und somit wäre die Schulpflicht wieder nicht Conditio sine qua non!

          „..dass dadurch die soziale Benachteiligung von Kindern mit bildungsfernen Familien rapide zunehmen würde.“

          Genau das will man uns einreden, um die eigentliche machterhaltende Funktion dahinter zu verschleiern. Sorry! Aber immer wenn „Angstmache“ und „Schreckensszenarien“ als Begründungszusammenhang zu erkennen sind, dann werde ich total skeptisch!!
          Zudem: „Keine Schulpflicht“ heißt nicht gleich „Keine Bildungspflicht“!

          „Bei uns gibt es in jedem Jahrgang etliche Schülerinnen und Schüler, wo man versuchen muss, auch irgendwann die Eltern zu dem Glück ihrer Kinder zu zwingen, wenn die unentschuldigten Fehlstunden rapide zunehmen.“

          Die Eltern zum Glück zwingen? Da ist schon viel Gewalt (Zwang = Einwirkung von außen auf jemanden unter Anwendung oder Androhung von Gewalt; Duden) drin! Abgesehen davon, dass ich mir nie anmaßen würde, über das „Glück“ anderer Menschen besser Bescheid zu wissen als sie selber, erscheint es mir aus lernpsychologischer Betrachtung wiedersinnig, mit Gewalt eine gute und für nachhaltige Bildungserfolge geeignete Lernumgebung schaffen zu können.

          Aus meiner Sicht erzeugt Gewalt (auch wenn es strukturelle Gewalt ist) immer Gegengewalt. An einer gewaltfreien Schule wäre mir indes mehr gelegenen.

          „Für viele Eltern sind halt Gründe wie ein vergünstigter Flug in den Urlaub…“

          Was den Blick darauf freigibt, das es wohl auch „bildungsnahe“ Mittelschicht-Eltern sind, die ihre Kinder urlaubsbedingt früher von der Schule nehmen. Die Menschen im Prekariat wissen zumeist nur aus dem TV was eine Flugreise (darum geht es ja zumeist) ist.

          „..oder keinen Streit mit dem Kind zu bekommen wichtiger als die Zukunft der Kinder.“

          Hier scheint ja schon viel in der zwangsweise zugewiesenen Schule falsch gelaufen sein, wenn es da „Erziehungskriege“ und drohende elterliche Niederlagen zu befürchten gibt.

          Das kann alles nicht gesund und zweckdienlich sein. Mein ceterum censeo lautet daher: die Schulpflicht muss weg!

          Liebe Grüße
          Marco Riemer

          • Sie drehen mir die Worte im Munde herum, von Gewalt war nie die Rede. Wenn Sie eine Schulpflicht mit Gewalt gleichsetzen, dann denke ich eher, dass ihre Denkweise über Schulen etwas eigenartig ist.
            Lesen Sie doch einfach den Text, da möchte ein Kind nicht mehr zur Schule gehen, weil es dann früh aufstehen muss, das ist menschlich und durchaus üblich, dass es bei Ihnen und einem gemeinsamen Gespräch mit Ihren Kindern anders laufen könnte, zweifel ich nicht an, aber es läuft nun einmal nicht überall ab wie bei Ihnen.

            Außerdem kann und sollte Erziehung niemals 100% demokratisch ablaufen, Kinder müssen lernen, dass man ihnen sehr viel erklären und nahe bringen kann, dass aber in kritischen Situation die endgültige Entscheidung von jemandem getroffen wird, der sich mit der Materie auskennt, das halte ich für ein sehr wichtiges Ziel auf dem Weg zu einem selbstständigen Bürger. Auch ich muss mich an viele Regeln halten, die ich nicht immer verstehe, die aber jemand gemacht hat, der einfach mehr Ahnung davon hatte als ich.

            Ich erkenne aus Ihrem Text, dass Sie das anders sehen, das mag auch hin und wieder funktionieren, führt aber vielfach auch dazu, dass man sich kleine Tyrannen erzieht, wenn die Kinder von früh aus lernen, dass sie das letzte Wort haben.

          • Im Übrigen möchte ich noch kurz darauf hinweisen, dass mein Job DEUTLICH angenehmer und entspannter sein könnte, wenn es keine Schulpflicht gäbe, aber trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass sie sie unbedingt erhalten werden muss, um unsere Kinder zu schützen!

  3. @ Heinz
    Sie schrieben: “Sie drehen mir die Worte im Munde herum, von Gewalt war nie die Rede. ”
    Doch, haben Sie. Ich habe extra um Deutungsschwierigkeiten vorzubeugen, eine Definition vom Duden in meinem Absatz 6, erster Satz einbezogen, aus der hervorgeht, das “zwingen”=”Zwang” und mithin eine Inaussichtstellung von Gewalt ist!

    Ich zitiere nochmals: “(Zwang = Einwirkung von außen auf jemanden unter Anwendung oder Androhung von Gewalt; Duden)”

    Im Lichte dieses Zitats,; bin ich da immer noch “…etwas eigenartig …” hinsichtlich meiner Denkweise bzgl. der Schule??

    Probleme habe ich jedoch, wenn ich diese Meinung zur Kenntnis nehmen muss: “Außerdem kann und sollte Erziehung niemals 100% demokratisch ablaufen, Kinder müssen lernen …”
    Da werden wir wohl nicht Eins. (vorerst. Ich muss in den Feierabend 🙂

    Liebe Grüße für ein sonniges Wochenende
    Marco Riemer

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