Cybermobbing: Sowohl Tätern als auch Opfern fehlt das Vertrauen in eine gerechte Welt

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HALLE/WITTENBERG. Die Erscheinungsformen von Online- und Offline-Mobbing sind zum Teil sehr verschieden. Auch Täter- und Opferstrukturen unterscheiden sich, sagen Wissenschaftler. Dennoch stehen hinter beiden Bullying-Formen gleiche Mechanismen, haben Forscher der Universität Halle-Wittenberg ermittelt.

Mobbing und Cybermobbing finden naturgemäß unter verschiedenen Voraussetzungen statt; im Internet herrschen andere Bedingungen als auf dem Schulhof. Körperliche Stärke spielt keine Rolle mehr, durch Anonymität ist keine Strafe zu befürchten. Die Mechanismen, die sowohl online als auch offline zu Bullying führen, sind jedoch ganz ähnlich. Das zeigen Wissenschaftler Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in einer neuen Untersuchung.

Das Mobbingopfer nicht an eine gerechte Welt glauben ist naheliegen. Matthias Donat warnt allerdings vor voreiligen Kausalschlüssen. Foto: Linus Schütz / Pixabay (P.L.)

„Cyber-Bullying ist viel weniger zeit- und ortsgebunden“, sagt Studienleiter Matthias Donat. Klassisches Bullying finde auf dem Schulhof oder im Klassenzimmer statt. Zu Hause hätten die Schüler, die schikaniert werden, normalerweise Ruhe. Beim Cyber-Bullying ist das jedoch anders. „Sobald ich das Smartphone in die Hand nehme, geht das Bullying weiter“, so Donat.

Ganz klar trennen ließen sich online und offline jedoch nicht, so Donat. Schließlich habe heute fast jeder Schüler ein Smartphone. Es gebe allerdings Unterschiede. So komme es im Internet nicht auf körperliche Stärke an. Teilweise verschwänden dort die Grenzen zwischen Tätern und Opfern. Es gebe auch Bullying-Opfer, die sich online rächen. Dennoch gingen er und seine Kollegen davon aus, dass die dahinterliegenden Mechanismen ähnlich sind.

In früheren Studien konnten sie zeigen, dass der sogenannte Gerechte-Welt-Glaube eine wichtige Rolle für Offline-Mobbing spielt. Es gehe um die Überzeugung, dass jeder bekommt, was er verdient und verdient, was er bekommt. „Wir verstehen den Gerechte-Welt-Glauben als Persönlichkeitsmerkmal, das sich bereits in der Kindheit entwickelt“, so Donat. Schüler, die nicht an eine gerechte Welt glauben, neigen eher dazu, andere zu schikanieren. Umgekehrt ist aber auch bei Bullying-Opfern der Glaube an eine gerechte Welt schwach ausgeprägt.

Diesen Zusammenhang konnten die Forscher in ihrer aktuellen Studie auch für den Online-Bereich zeigen. Dafür befragten sie über 1.000 Schüler der achten Klasse verschiedener Schulformen zu ihrer Internetnutzung sowie zu ihrem Cyber-Bullying-Verhalten beziehungsweise ihren Erfahrungen. Neben dem Gerechte-Welt-Glauben wurden auch weitere Persönlichkeitsmerkmale, etwa Empathie, abgefragt.

„Sowohl bei Tätern als auch Opfern von Cyber-Bullying ist der Glaube an eine gerechte Welt gering“, fasst Donat das Ergebnis zusammen. „Wir erklären uns das aber unterschiedlich.“ Die Ergebnisse der Studie legten nahe, dass Täter sich vor allem von Lehrkräften ungerecht behandelt fühlen, Opfer jedoch von ihren Mitschülern.

Einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Gerechte-Welt-Glaube und Bullying herzustellen, sei aufgrund des Studiendesigns jedoch schwierig. Dafür bräuchte es aufwändige Langzeitstudien. „Wir gehen von wechselseitigen Beziehungen aus“, sagt Donat.

Auch wenn sich der Gerechte-Welt-Glauben in der Kindheit zu entwickeln beginnt, zeigte sich in verschiedenen Studien, dass er sowohl erschüttert, als auch gestärkt werden kann. Um Mobbing in Schulen zu vermeiden, schlagen die Forscher daher vor, dass Lehrer im Klassenzimmer besonders auf Gerechtigkeit achten sollen. „Fühlen Schüler sich von ihren Lehrern gerecht behandelt, neigen sie weniger zu Bullying“, so Donat. Das helfe auch den Opfern. Lehrer sollten außerdem darauf achten, dass sich die Schüler gegenseitig gerecht behandeln, und mit ihnen über Gerechtigkeit und das subjektive Empfinden von Gerechtigkeit sprechen. (zab, pm)

• Die Studie ist im Fachmagazin „Social Psychology of Education“ erschienen. (Bezahlschranke)

Studie: Bestimmte Persönlichkeiten werden eher sozial ausgeschlossen

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