Übermäßiger Konsum digitaler Medien! Vier von fünf Kinderärzten stellen verstärkt soziale Auffälligkeiten bei Kindern fest

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LEVERKUSEN. Erfahrungen aus dem Praxisalltag von Kinderärzten zeigen, dass Mütter und Väter häufig die Augen vor den gesundheitlichen Auswirkungen der intensiven Nutzung digitaler Medien verschließen. Von 100 befragten Kinderärzten sind knapp drei Viertel der Meinung, dass Eltern den Umgang ihrer Kinder mit Computern, Spielekonsolen oder Smartphones völlig verharmlosen. Dabei gäbe es den Pädiatern zufolge durchaus Anlass zur Sorge bei vielen Kindern. Vier von fünf Kinderärzten stellen verstärkt soziale Auffälligkeiten bei ihren jungen Patienten fest.

Nach Ansicht von Kinderärzten verbringen viele Kinder viel zu viel Zeit vor Bildschirmen – und das hat gesundheitliche Auswirkungen. Foto: Shutterstock

Eltern übersehen häufig die negativen Folgen ausgeprägter Mediennutzung bei ihrem Nachwuchs – meint eine große Mehrheit unter 100 Kinderärzten aus ganz Deutschland, die im Rahmen der Studie „Smart Aufwachsen 2019?“ der pronova BKK online befragt wurden. In ihren Sprechstunden erleben die Mediziner, dass es weit häufiger die Ärzte als die Eltern sind, die den Gebrauch solcher Geräte überhaupt thematisieren.

Eltern sind keine guten Vorbilder in Sachen Smartphone-Nutzung

Nicht nur verharmlosen Eltern aus Sicht der Kinderärzte den Medienkonsum ihrer Kinder, sie werden auch ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht. Nahezu alle Mediziner beobachten übereinstimmend, dass Eltern bei der Nutzung digitaler Geräte „nicht gerade gute Vorbilder“ sind. „Kinder wachsen heutzutage damit auf, dass das Smartphone in der Welt der Großen ständiger Begleiter ist. Auch Kleinkindern bleibt nicht verborgen, dass sie die Aufmerksamkeit ihrer Eltern ein Stück weit mit diesen Geräten teilen müssen – mit teils dramatischen Folgen für die kindliche Entwicklung“, sagt Patrizia Thamm, Psychologin bei der pronova BKK.

Quelle: pronova BKK

Lediglich knapp 20 Prozent der Kinderärzte sind sich sicher, dass Eltern die Probleme ihrer Kinder überhaupt wahrnehmen, die Smartphones und Tablets verursachen. Weitere 40 Prozent glauben, dass Mütter und Väter zumindest eine Ahnung von den Auswirkungen haben. Die übrigen 40 Prozent halten die elterliche Wahrnehmung bei diesem Thema für eher eingeschränkt. „Dass Eltern den Medienkonsum so wenig als Problem erkennen, macht es noch schwieriger, den Kindern zu helfen und die negativen Auswirkungen zu bekämpfen“, sagt Thamm von der pronova BKK.

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Hinzu kommt, dass Eltern das Thema elektronische Medien selten von selbst mit in die Sprechstunde bringen. Nur acht Prozent der Kinderärzte berichten, dass sie von Vätern oder Müttern häufig darauf angesprochen werden, 38 Prozent sagen, dass dies manchmal passiere. 87 Prozent der Pädiater dagegen kommen von sich aus auf das Thema zu sprechen.

Kinderärzte: Smartphones machen krank

Gleich eine ganze Reihe von Krankheitssymptomen führen Kinderärztinnen und -ärzte auf übermäßigen Medienkonsum zurück. Dazu gehören laut Befragung Übergewicht, soziale Auffälligkeiten, motorische Defizite und Lernentwicklungsstörungen. Zugleich sehen die Experten diese Probleme auf dem Vormarsch. So berichten 79 Prozent der befragten Ärzte, dass sie in den vergangenen fünf Jahren verstärkt soziale Auffälligkeiten bei ihren jungen Patienten feststellen. 75 Prozent registrieren, dass immer mehr Kinder zu viel wiegen. 82 Prozent stellen schon heute eine soziale Isolation des Nachwuchses fest, für die sie die Mediennutzung mitverantwortlich machen. News4teachers

Chat zu Verhaltensauffälligkeiten

Jedes Kind ist mal traurig, ängstlich, wütend oder unkonzentriert, hat Streit mit anderen oder keine Lust auf Schule. Wenn diese Stimmungen oder Verhaltensweisen jedoch häufig auftreten, steckt vielleicht mehr dahinter. Wie erkennen und deuten Eltern Warnzeichen für psychische Probleme oder Verhaltensauffälligkeiten bei ihren Kindern richtig? Wie können sie ihr Kind bei Krisen unterstützen und wo finden sie Unterstützung? Fachkundigen Rat bekommen Interessierte beim Expertenchat der pronova BKK am 10. Februar von 20.30 bis 22 Uhr.

Antworten auf Fragen, die bereits vorab online gestellt werden können, gibt Frauke Riegelsberge, Dipl. Psych. (Univ.) und Systemische Kinder- und Jugendlichentherapeutin, außerdem Mitglied in der deutschen Gesellschaft für Online-Beratung „Online-Beraterin DGOB“. Als Vorsitzende im Kinderschutzbund Regensburg kümmert sie sich um junge Menschen zwischen 15 und 21 Jahren, die stationär untergebracht sind und größtenteils eine psychiatrische Diagnose haben. Darüber hinaus ist sie die Initiatorin von kopfhoch.de, einer Online- und Telefonberatung für Jugendliche bis 21 Jahre.

Hier geht’s zum Chat.

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Daddeln und chatten: gut! Arbeiten und informieren: mangelhaft! Deutsche Schüler zeigen sich erneut nur mäßig digital kompetent

 

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3 KOMMENTARE

  1. Meiner Meinung nach ein weiterer Grund, warum in Grundschulen grundsätzlich auf Digitalisierung verzichtet werden sollte. Sehr interessant sind die (sicherlich etwas überzogenen) Thesen von Ingo Leipner hierzu.

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