KIEL. Der Philologenverband Schleswig-Holstein hat sich gegen Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble gestellt – und die Ferientermine verteidigt. „Die Corona-Krise rechtfertigt weder eine Verkürzung noch eine Verschiebung der diesjährigen Sommerferien“, erklärte der Vorsitzende Jens Finger.
Die Inanspruchnahme des Jahresurlaubs sei in vielen Familien längst geplant, meint Finger, so dass hier zusätzlich zu anderen coronabedingten Belastungen erneut Unruhe und Unsicherheit in die Haushalte getragen würde. Ein Anspruch auf ausreichende Erholung sei die naheliegende Konsequenz, nicht ungeplante Einschnitte. Dies gilt, so der Philologenverband, auch für die Lehrkräfte, die durch die für sie ungewohnte wochenlange Vorbereitung und Gestaltung von Fernunterricht via elektronische Medien eine Herausforderung zu bewältigen hatten und noch haben, die für alle Beteiligten neu sei.
Zusatzangebote am Rande der Sommerferien denkbar – freiwillig
Möglich sind für den Philologenverband allerdings freiwillige Zusatzangebote am Rande der Sommerferien wie die in einigen Schulen praktizierte „Sommerschule“, in der Schülerinnen und Schüler mit Lerndefiziten aus dem abgelaufenen Schuljahr die Möglichkeit erhielten, Stoff nachzuholen oder zu vertiefen.
Auch eine Verschiebung der schleswig-holsteinischen Sommerferien auf die Monate August und September lehnt der Philologenverband ab. „Dann würde das neue Schuljahr 2020 / 21 noch kürzer, auch die Herbstferien müssten verlegt werden, und eine bundesweite Konzentration der Sommerferien auf einen relativ kurzen Zeitraum würde den Reiseverkehr innerhalb Deutschlands in die Höhe treiben und die Urlaubsregionen überfordern – eine Entwicklung, die mit Sicherheit nicht zu den Plänen der Corona-Eindämmung passen würde“, so Finger.
Sommerferien sind Sache der Länder
Der Verband stellt überdies fest, dass die Ferienregelungen nicht in die Entscheidungskompetenz von Bundespolitikern falle. „Das ist laut Grundgesetz Sache der Länder“, so Finger, der in diesem Zusammenhang auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz der Länder verwies: „Die Mindestdauer der Sommerferien beträgt sechs Wochen“. Deren Festlegung für die einzelnen Länder sei das Ergebnis mühevoller, langjähriger Planung und sollte durch unbedachte Äußerungen von Bundespolitikern nicht in Frage gestellt werden. Schäuble hatte erklärt, eine Verkürzung der Sommerferien böte Schülern die Gelegenheit, den durch die Corona-Pandemie versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen. News4teachers
Schäuble tritt Debatte um verkürzte Sommerferien los – und erntet Widerspruch
