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Stadt folgt RKI-Empfehlungen für Schulen und kündigt halbierte Klassen an – Gebauer lässt prüfen, ob sie dagegen vorgehen kann

Ab Februar Präsenzunterricht: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Foto: Martin Kraft / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

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DÜSSELDORF. In Nordrhein-Westfalen hat eine erste Kommune, die Stadt Solingen, angekündigt, den Unterricht in den weiterführenden Schulen im Schichtbetrieb laufen zu lassen. Damit soll die Abstandsregel in den Klassenräumen wieder gelten. Solingen folgt mit der Maßnahme den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Der Landesregierung aber passt das nicht. Das Schulministerium macht offenbar Druck – und kündigt an, Schritte gegen die Stadt zu prüfen.

Macht Druck: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Foto: Martin Kraft (photo.martinkraft.com) CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

In Solingen, zwischen Düsseldorf und Köln gelegen, ist der Inzidenzwert vor dem Wochenende auf 283 gestiegen, einer der höchsten Werte in Nordrhein-Westfalen. Die Stadt hatte bereits in der vergangenen Woche beschlossen, auf die rasant steigenden Corona-Neuinfektionen zu reagieren. Auch in den weiterführenden Schulen: Ab Mittwoch sollen dort die Klassenstärken halbiert und die Hälfte der Schüler im Wechsel jeweils digital unterrichtet werden. Eine entsprechende Verfügung für weiterführende Schulen soll bis Ende November gelten, sagte Schuldezernentin Dagmar Becker am Freitag in einer Video-Pressekonferenz. Eine Maskenpflicht im Unterricht der weiterführenden Schulen gilt in Nordrhein-Westfalen ohnehin.

Robert-Koch-Institut empfiehlt für Risikogebiete, die Abstandsregel im Unterricht wieder einzuführen

Damit entspricht die Stadt den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI), zum Teil jedenfalls. Das RKI empfiehlt ab einem Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner für alle Schulen des betroffenen Gebiets eine generelle Maskenpflicht im Unterricht (also auch in Grundschulen) sowie eine Verkleinerung der Lerngruppen, damit die Abstandsregel in den Klassenräumen eingehalten werden kann (News4teachers berichtet ausführlich über die Empfehlungen des RKI für den Schulbetrieb – hier geht es hin).

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Ziel der Maßnahme sei es, die insgesamt rund 20.000 Schüler in Solingen vor Schulschließungen zu bewahren, erklärte Becker. Höchstens 50 Prozent einer Klasse dürften zum Präsenzunterricht erscheinen, für die anderen laufe es dann als Distanzunterricht. Das «Solinger Modell» lasse dabei die Schulen organisatorisch entscheiden, ob sie etwa im Wochenblock oder tageweisen Wechsel verfahren wollten. Diese «außergewöhnliche» Maßnahme zur Eindämmung der Neuinfektionen gelte nicht für Grundschulen und Förderschulen, erläuterte die Grünen-Politikerin. Ausgenommen seien zudem die Abschlussklassen der Sekundarstufen I und II.

Trotzdem geht der Schritt NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) offenbar zu weit. Das Schulministerium teilte gegenüber der „Rheinischen Post“ mit, man prüfe, „ob und inwieweit das Vorgehen der Stadt Solingen den rechtlichen Vorgaben entspricht und aufgrund des Infektionsgeschehens an den Schulen angemessen ist“.

Solinger OB: Diffuses Infektionsgeschehen – ein paar Jungs spielen zusammen Fußball, alle danach infiziert

Wie diffus das Infektionsgeschehen in Solingen ist, hatte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) bereits am 19. Oktober, also noch in den Herbstferien festgestellt – und den mittlerweile erfolgten Schulstart infrage gestellt. «Richtig passiert ist – ja fast leider – nichts», sagt er.

In Solingen seien es «viele kleine Zusammenkünfte» gewesen – etwa ein paar Jungs, die zusammen in einer Halle Fußball gespielt hätten. «Die sind jetzt alle infiziert», so berichtete Kurzbach. Der OB sagte, die Stadt müsse nun den Überblick über die Infektionen behalten. Bislang seien im Gesundheitsamt mehr als 50 Mitarbeiter gewesen, am Montag sollten 30 weitere dazukommen. Mit Blick auf die Zeit nach den Ferien erwarte er sich auch eine Antwort der Landesregierung, wie es weitergehe. Auf die Frage, ob Schule überhaupt stattfinden könne, sagte der OB: «Ich glaube, die Frage stellen sich gerade ziemlich viele. Nicht nur Oberbürgermeister.»

Mutter schildert Laschet ihre Angst, dass ihre Kinder das Coronavirus von der Schule mit nach Hause bringen

Wie wenig die Landesregierung von einer Verkleinerung der Lerngruppen hält, machte Ministerpräsident Armin Laschet am Morgen im Radio deutlich. Er verteidigte die Entscheidung, die Schulen trotz gestiegener Corona-Infektionszahlen offenzulassen. Es gebe Regeln, wer wo sitze und es gebe die Maskenpflicht – «wir wollen alles tun, um den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten», sagte der CDU-Politiker bei WDR 2. In der Sendung hatte eine Radiohörerin und Mutter Bedenken gegenüber dieser Entscheidung geäußert – sie habe Sorge, dass ihre Kinder das Coronavirus mit nach Hause brächten und dadurch auch die ältere Generation in Gefahr brächten.

Die Mutter plädierte für die Teilung von Klassen, um die Abstände unter den Schülern zu erhöhen – wie die Stadt Solingen es vorsieht. Nach Darstellung von Laschet gibt es dafür aber nicht genügend Personal und Räume. Er sei dagegen, im Wechsel einen Teil der Schüler nach Hause zu schicken und den anderen Teil in den Schulklassen zu belassen. Nicht alle Eltern könnten ihre Kinder daheim tagsüber angemessen unterstützen bei den Schularbeiten. Keinem Kind dürfe die Chance auf Bildung verwehrt werden, so Laschet. News4teachers / mit Material der dpa

KMK nimmt Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für Schulen zur Kenntnis – beachtet sie aber nicht

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