Home Kita Schutzlos in der Kita – eine Erzieherin klagt an: „Ich frage mich,...

Schutzlos in der Kita – eine Erzieherin klagt an: „Ich frage mich, wie lange ich die tägliche Angst auf der Arbeit noch aushalte“

117
Anzeige

DÜSSELDORF. Erzieherinnen und Erzieher sind weitgehend schutzlos der Pandemie ausgeliefert. Die üblichen Arbeitsschutzregeln gelten für das Kita-Personal nicht, obwohl täglich Dutzende von persönlichen Kontakten zu Kindern und Eltern unterhalten werden müssen. Selbst im Lockdown lief der Kita-Betrieb fast uneingeschränkt weiter. Bald soll der Regelbetrieb wieder aufgenommen werden. Einer Erzieherin aus Nordrhein-Westfalen platzt jetzt der Kragen. In einem Schreiben an Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und NRW-Familienminister Joachim Stamp, das wir an dieser Stelle dokumentieren, macht sie ihrer Empörung Luft.

Es reicht! Illustration: Shutterstock

Sehr geehrte politische Entscheidungsträger,

sehr geehrte Frau Giffey, Herr Laschet und Dr. Stamp,

Anzeige

ich arbeite seit über 15 Jahren als Erzieherin. Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, in dem Bewusstsein um die schlechte Bezahlung, die schlechten Rahmenbedingungen und aus voller Überzeugung. Erzieher sind verschrien als Idealisten und ja, das müssen wir auch sein, sonst würden wir unter den Bedingungen, die zu einem Großteil in deutschen Kitas herrschen, nicht einen Tag überstehen. Trotz Allem liebe ich meine Arbeit. Kinder zu fördern und zu unterstützen, ihre Familien zu begleiten, erste Bildungsangebote zu kreieren, all dies kann sehr erfüllend sein.  Was allerdings momentan passiert und von Ihnen für die Kitas in Deutschland und speziell NRW entschieden wurde, erschüttert mich zutiefst. Nach jeder neuen Pressekonferenz, nach jeder öffentlich gemachten Entscheidung der letzten Monate für den Bereich der Kindertagesstätten, türmen sich die Sorgen der Erzieher*innen immer höher.

Aus guten Gründen wurde ein erneuter Lockdown für ganz Deutschland beschlossen. Ich unterstütze dies im Privaten, so gut ich kann. Beruflich kann ich rein gar nichts zur Kontaktreduzierung beitragen. Herr Laschet und Dr. Stamp haben nämlich entschieden, die Kitas in NRW weiter geöffnet zu lassen. Dem Appell, die Kinder zuhause zu betreuen, folgen angeblich 70 Prozent der Eltern. In keiner Kita unseres Trägers können wir dies bestätigen.

Die Eltern argumentieren, dass sie das Recht haben, die Kinder zu uns zu bringen – und deshalb tun sie es auch

Hier zeigt sich ein anderes Bild: Gruppen, die zu 60 bis 80 Prozent gefüllt sind, an einzelnen Tagen eine Auslastung von 100 Prozent. In den umliegenden Kitas ist es ähnlich. Die Eltern argumentieren, dass sie das Recht haben, die Kinder zu uns zu bringen und deshalb tun sie es auch. Und da haben sie auch völlig Recht: Denn Sie haben es ihnen ganz klar erlaubt. Systemrelevant ist nur ein Bruchteil der Elternschaft in den Kitas unseres Trägers. Keine Einrichtung liegt in einem sozialen Brennpunkt und kein*e Erzieher*in würde jemals ein Wort darüber verlieren, Kinder zu betreuen, deren Wohl zuhause in irgendeiner Weise gefährdet wäre. Was aber durchaus erwähnenswert erscheint, das sind die Familien, die uns sogar ganz klar sagen, dass sie zuhause betreuen könnten. Aber sie möchten es nicht, weil Kontakte ja wichtig sind (durchaus – aber nicht zu Lockdown-Zeiten, wo wir alle keine Kontakte pflegen sollten).

Wenn Familie ABC die Betreuung in Anspruch nimmt, dann würden sie ja erst recht ein Anrecht darauf haben. Die andere Familie könnte ja noch viel eher zuhause betreuen als man selbst. Sicher, auch man selber habe auch die Gelegenheit dazu, aber so… das Kind könnte sich benachteiligt fühlen, da ja schließlich alle Freunde auch in der Kita sind. Wie soll man das denn dann dem Kind erklären, dass es selbst zuhause bleiben soll? „Wir kennen unsere Rechte! Und wir bringen unser Kind auf jeden Fall, ob wir nun zuhause sind oder nicht!!“  So kommt es durch den Appell, der den viel zitierten schwarzen Peter der Entscheidung über die Betreuung der Kinder an Eltern und Kitas abgibt, zu großen Unstimmigkeiten.

Dr. Stamp argumentiert gerne, dass es im ersten Lockdown zu Ungerechtigkeiten und Streitigkeiten kam, darüber, welche Familien systemrelevant wären. Auch diese Beobachtung können weder ich noch andere Mitarbeiter unseres Trägers bestätigen. Im letzten Jahr gab es klare Vorgaben. Nun fehlen diese komplett und gerade dies führt zu Missgunst und Streit zwischen den Familien. Die Eltern, die beruflich wirklich unabkömmlich sind, ärgern sich genauso wie wir Erzieher*innen über die übervollen Gruppen. Es wird jeden Tag genau beäugt, welche Kinder da sind. Freundschaften in der Elternschaft zerbrechen daran. Und auch das Verhältnis zwischen den Erzieher*innen und den Eltern, das vertrauensvoll und zugewandt sein sollte, leidet sehr.

Ich selbst fühle mich, wie viele Kolleg*innen, schon lange nicht mehr sicher an meinem Arbeitsplatz Kita

Ich selbst fühle mich, wie viele Kolleg*innen, schon lange nicht mehr sicher an meinem Arbeitsplatz. Jeden Tag in einer vollen Kitagruppe, mit 18 von 20 Kindern zu sein, die sich weiterhin gruppen- und einrichtungsübergreifend treffen, ist nicht leicht. Nähe zuzulassen, zu Kindern, von denen ich genau weiß, wie viele Kontakte in deren Familie gepflegt werden, ist mehr als herausfordernd. Andere Bundesländer sind der Absprache des Bund-Länder-Treffens gefolgt und haben auch Kitas wieder bis auf eine Notbetreuung geschlossen. Dort wurde ernst genommen, was leider immer noch nicht oft berichtet wurde (warum eigentlich nicht?) – dass auch Kinder durchaus infektiös sind. Die Studien dazu, die Ende letzten Jahres veröffentlicht wurden, werden auch Sie kennen.

Aber auch dann, wenn Familienangehörige positiv sind, bleiben die Kinder ungetestet. So bleibt bei jedem neuem Fall, der uns aus der Elternschaft der Kita bekannt wird, die Unsicherheit groß. Wurde das Virus doch schon symptomfrei weitergegeben? Gerade nach den Fällen der Virus-Mutation, die z. B. in Kölner Kitas aufgetreten sind, machen sich viele Kolleg*innen Sorgen.

Aus irgendeinem Grund werden wir Erzieher*innen nicht als Menschen mit Familien wahrgenommen. Es wird immer unterschieden: die Erzieher*innen/die Familien. Wir sind aber auch Menschen mit Familien. Familien, die wir schützen möchten. Wir selbst fahren unser Privatleben schon lange auf null herab, weil wir allein über die Kita so unglaublich viele Erst- und Zweitkontakte haben. Leider kann man dies nicht von vielen Eltern zumindest in der Kita, in der ich tätig bin, behaupten. Auch wir Erzieher*innen haben Angehörige, die Risikopatienten sind. Die Angst, sie anzustecken, ist eine tägliche unfassbare Belastung. Diese Unsicherheit führt auch zu absurden Situationen in Erzieher-Haushalten: z. B. bei Kolleg*innen, die in Patchwork-Familien leben. Da muss sich dann im eigenen Haushalt schonmal voneinander isoliert werden, um überhaupt ansatzweise die Möglichkeit zu haben, dass wenigstens der Partner sein Kind sehen darf.

Einige Kolleg*innen sind selbst Risikopatienten und waren aus gutem Grund über Monate freigestellt. Nun sind sie z. T. wieder in den vollen Gruppen. Ihre Vorerkrankung ist nicht plötzlich verschwunden, aber sie werden dringend gebraucht – bei vollem Risiko. Und wir Erzieher*innen sind auch Mütter und Väter. Wir müssen also auch entscheiden: Gebe ich mein Kind in die Kita und lasse es von anderen Erzieher*innen betreuen? Gehe ich das Risiko der zusätzlichen Kontakte von der zweiten Kita ein? Setzte ich mein Kind diesem Risiko aus? Oder komme ich mit dem reduzierten schmalen Erziehergehalt irgendwie aus, wenn ich die zusätzlichen Kindkrank-Tage nutze? Was heißt das für meine Kolleg*innen, die dann weiterhin mit 18 Kids in der Gruppe stehen?

Wir Erzieher*innen fühlen uns aufgrund Ihrer politischen Entscheidungen enttäuscht und im Stich gelassen

Die Konsequenzen sind spürbar: Die ersten Kolleg*innen können diesem Druck nicht mehr standhalten und werden zurecht krankgeschrieben. Die Leute in der Kindertagespflege trifft es ebenfalls hart: sie müssen sogar den vollen Betreuungsumfang gewährleisten. In den Kitas konnten immerhin Stunden reduziert werden – was allerdings auch nur etwas Erleichterung für die zusätzlichen Arbeiten bringt, die Kontakte reduziert dies auch nicht. Immer mehr Tagespflegepersonen geben auf und arbeiten nicht mehr in diesem Bereich, verständlicherweise. Auch bei ihnen sind die Gruppen voll.

Bei uns Erzieher*innen wächst die Angst und die Frustration ebenfalls täglich. Wir fühlen uns aufgrund Ihrer politischen Entscheidungen enttäuscht und im Stich gelassen, als unwichtiges Rädchen im Getriebe, deren Erkrankung als Kollateralschaden in Kauf genommen wird. Wie Sie wissen werden, bestätigte eine AOK-Analyse der Krankschreibungen des letzten Jahres genau dieses Bild: Beschäftigte, die in der Betreuung von Kindern arbeiten, waren von allen Berufsgruppen am häufigsten von Krankschreibungen mit Covid-19 betroffen (News4teachers berichtete ausführlich über die Erhebung – hier geht es zu dem Beitrag). Und trotzdem wird nur darüber diskutiert, „Kitas so schnell wie möglich wieder zu öffnen“ – offener als momentan in NRW können Kitas nicht sein.

Nun sollen mehr Tests für Erzieher etwas zur Beruhigung beitragen. Beruhigt mich das? Nein, keineswegs. Wenn ich mich bei einem der Kinder oder dessen Mutter/Vater/ Geschwisterkind, angesteckt habe (andere Kontakte habe ich ja gerade nicht), ist es für meine Angehörigen, die Risikopatienten sind, ja zu spät. Das Gefühl, dass unsere Gesundheit und die unserer Familien so unwichtig in Ihren politischen Erwägungen ist, sorgt für tägliche Frustration. Die Arbeit, die ich eigentlich liebe, ist nun meine größte Angst. Ich brauche kein warmes „Danke“ und keine Maske. Ich brauche auch nicht zwingend einen zusätzlichen Test, der mir dann nur sagt „zu spät!“ Ich brauche keine nichtssagende Antwort.

Ich bräuchte Menschen in der Politik, die den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für die Menschen, die täglich ihren Kopf hinhalten. Andere Bundesländer haben die Konsequenzen gezogen und auch Kitas auf die Notbetreuung zurückgefahren. Zum Schutz der Familien (ALLER Familien). Dort wird jetzt zurecht über notwendige „Wiedereröffnung“ gesprochen.

Warum sollte ich unter den von Ihnen vorgegebenen Bedingungen noch weiterhin als Erzieherin tätig sein?

Ich frage mich selbst täglich, wie lange ich diesen Druck noch aushalte – die tägliche Angst auf der Arbeit, die ich mal geliebt habe. Wie lange ich mir noch einreden kann, dass ich meine Familie nicht zu sehr gefährde, durch diese Arbeit. Wie lange ich noch standhalten kann, trotz Schlaflosigkeit und Magenschmerzen. Warum sollte ich das? Warum sollte ich unter den von Ihnen vorgegebenen Bedingungen noch weiterhin als Erzieherin tätig sein? Diese Frage hätte ich gerne ehrlich von Ihnen beantwortet. Und zwar ohne Phrasen und Hinweise auf Testangebote und Masken, die wir erhalten. Würden Sie gerade diese Arbeit tun? Unter diesen Bedingungen? Nein, nicht nur medienwirksam für einen Tag, sondern auf Dauer? Ich glaube, Sie würden das nicht.

Ich nehme nicht für mich in Anspruch, für alle Erzieher*innen in Deutschland oder auch nur in NRW zu sprechen. Es mag Einrichtungen geben, in denen es anders läuft. Und natürlich braucht es gerade in sozialen Brennpunkten zu Krisenzeiten die Kita als sicheren Hafen für manche Kinder. Dies würde auch bei einer Notbetreuung nicht entfallen. Aber dass Sie nicht deutschlandweit die Chance ergriffen haben, als „Wellenbrecher“ auch die Kitas und Tagespflegen wieder auf eine Notbetreuung zu setzen, das werfe ich persönlich Ihnen als politische Fehlentscheidung auf Kosten meiner Familie vor. Und Familien wollten Sie doch eigentlich unterstützen? Da ich, wie viele Erzieher*innen, vernetzt bin mit Kolleg*innen aus anderen Kitas, Städten und Bundesländern, kann ich Ihnen sagen, dass dies nicht nur mir so geht.

Wenn alle gerade so reichlich frustrierten Erzieher*innen wirklich aufgeben und kündigen, dann war der bisherige Fachkräftemangel in diesem Bereich ein schlechter Witz. Wir halten seit Jahren viel aus – wir sagen viel zu selten NEIN. Nein, ich gehe nicht in die Küche, für die fehlende Küchenkraft. Nein, ich bleibe nicht allein in der Gruppe. Wir sollten es und denken immer, unser großherziges Opfer dient dann dem Wohle der Familien. Dieser Gedanke ist falsch. Wie lange ich noch unter diesen, von Ihnen hergestellten Umständen als Erzieherin tätig sein möchte/sein kann, weiß ich noch nicht. Wie lange meine Kolleg*innen durchhalten können, auch nicht. Ich weiß, dass der Gedanke „Ich kündige!“ in vielen Köpfen vorhanden ist. Und das, sehr geehrte Damen und Herren Politiker, ist allein Ihr Verdienst.

Leserposts

Wir veröffentlichen Leserkommentare in der Regel in den Foren unter unseren Beiträgen – mitunter allerdings auch als Gastbeiträge, wenn wir sie einem breiteren Publikum vorstellen möchen.

News4teachers ist mit im Schnitt mehr als 100.000 Seitenaufrufen am Tag Deutschlands größtes Nachrichtenmagazin für die Bildung – und es versteht sich auch als Diskussionsmedium. Wir freuen uns über jeden Leserbeitrag, der dazu beiträgt, unterschiedliche Perspektiven zu den Themen unserer Beiträge darzustellen.

Für die Veröffentlichung gelten ein paar Regeln, die sich im Grundsatz nicht von denen unterscheiden, die im normalen menschlichen Miteinander gelten – hier sind sie nachzulesen. Besonders interessante Posts  – wie den oben stehenden – veröffentlichen wir dann gerne auch als Gastbeitrag im redaktionellen Teil von News4teachers. Jeder und jede, der oder die sich für die Bildung engagiert, ist herzlich eingeladen, sich (auch anoynm) an den Debatten zu beteiligen. Jeder Beitrag auf News4teachers ist frei zur Diskussion. Natürlich auch dieser.

Schul-Chaos: Das schreibt ein Lehrer seinem Kultusminister ins Stammbuch

Anzeige
Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
117 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments
MP
5 Jahre zuvor

Statt sich gegenseitig zu attackieren- folgender Vorschlag:

Für jene Entscheidungen / Kriterien der Regierung darf KEIN Lehrer oder Erzieher als Sündenbock fungieren!

Dass sich das pädagogische Fachpersonal hier nahezu einstimmig zu einer gewissen

„Möchtegern-Helikoptereltern-aber bitte nicht 24/7- Fraktion“

kritisch äußert,

ist längst überfällig und hat rein gar nichts mit Arroganz oder Überheblichkeit zu tun.

Hätte sich Jeder solidarisch an die geltenden Richtlinien zb bezüglich der Notbetreuung gehalten,
wäre solch ein Diskurs gar nicht notwendig.

Aber NEIN:

man wird angelogen,
ausgetrickst
und das tendenziell leider von Jenen,
die zb in Führungspositionen tätig sind,
von
deren Bildungsstand man sich weitaus mehr Solidarität hätte wünschen können !

W.A.
5 Jahre zuvor

Hallo Lena Ghieh,
Schade, dass du deinen Frust gerade an der falschen Stelle raus lässt. Und schade auch, dass du es nicht schaffst, die gängigen Regeln der Höflichkeit einzuhalten. Dass du frustriert bist, ist klar bei so einer großen Familie in so beengten Verhältnissen, wie du sie beschreibst. Aber genau solche Familien wie deine, haben genau deshalb Anspruch auf Notbetreuung. Wird diese dir denn gerade verweigert?

xy
5 Jahre zuvor

Lina,
die Frage ist hoffentlich erlaubt, warum man sich 4 Kinder anschafft, wenn man so beengt lebt?
Warum sollen Erzieher/innen ihr Leben riskieren, um Ihre private Problematik abzudecken.
Es tut mir leid, aber ich habe kein Verständnis.

RIKE
5 Jahre zuvor

An Lina@
Liebe Lina. So klar und realistisch, wie ich die Situation sehe und hier eigentlich aus Erfahrung spreche, so ist es leider.
Ich war erst gestern in der Notbetreuung… Feine Sache….. Und von bestimmten Kindern persönlich weiß ich, dass Eltern(Teile) zuhause sitzen, währenddessen ich mit dem Nachwuchs die Aufgaben abarbeite und dafür einem Infektionsrisiko ausgesetzt werde.
Ich kann das nach über 30 Berufsjahren nicht mehr nachvollziehen.
Und wenn ich Dir an ein bestimmten Stellen zu nahe getreten bin (Sorry) , dann ist das u.a. ein Zeichen meiner gewachsenen Dünnhäutigkeit gegenüber bestimmten Eltern, die nur fordern, bequem sind, überheblich auftreten,…, aber andererseits nix auf die Reihe kriegen, was ihre Erziehungsaufgaben betrifft. Und diese Jacke müssen sich viele anziehen. Ich bin nicht der Betreuer von Schülern und habe ein Recht auf Unversehrtheit.
Mich macht diese Art und Weise, wie man mit uns umspringt, krank. Und Sie sind ein Teil davon.
Lg

xy
5 Jahre zuvor

Lina Gieh,
Sie bellen den falschen Baum an. Sie wollen doch sicher auch nicht über Ihre Kinder infiziert werden? Wäre es deshalb nicht sinnvoller, sich für Schutzmaßnahmen einzusetzen, die Kinder und Erzieher/innen schützen?
Bestehen Sie beim Kitabetreiber darauf, dass die Mitarbeiter geschützt werden statt von Erzieherinnen zu verlangen, ihr eigenes Leben wegen Ihrer Kinder zu gefährden.
Bestehen Sie auf Kita mit Schutz und allen ist gedient.

Shelly
5 Jahre zuvor
Antwortet  xy

Dem kann ich nur beipflichten.Schon im ersten Lockdown würde über Lehrer und Erzieher gewettert. Ich war fassungslos.Als hätten Wir irgendwo ein Mitspracherecht gehabt.Als hätten wir die Kitas geschlossen oder eingeschränkt?Wir wurden nicht gefragt,zu keiner Zeit.Aber wir müssen uns täglich Klagen von Eltern über die Zeit mit ihren Kindern anhören.Was für ein Armutszeugnis.Merken Eltern denn gar nicht,wie sehr sie ihre Unfähigkeit demonstrieren.Sind Pädagogen Zauberer??Das vorm Tv geparkte Kind findet auch in Kitas in kein erfülltes Spiel.Und ein Faulenzer startet im Homeschooling sicher nicht voll durch.Aber..Kinder gehören vor allem ihren Eltern!! Und dass es ein Recht auf Kita gibt, hat vor allem wirtschaftliche Interessen.Man kann auch ohne Kita ein intelligenter,emphatischer Mensch werden.. Kitaplätze gab es nicht immer so flächendeckend.Auch Schulen sind unterschiedlich.Was aus einem Menschen wird, wird vor allem durch sein Elternhaus und seinen Umgang geprägt.Ich habe 3 Kinder.Keines davon,weil es Kitas und Schulen gibt.Aus reiner Eigennützigkeit und Liebe.Als mein 2. geboren wurde,blieb die Grosse im Babyjahr auch zuhause.Sie wollte nicht in die Kita,wenn wir doch zuhause sind.Erschien mir logisch.Hat sie was verpasst?Nein…sie hat zu ihrem Bruder ein fantastisches Verhältnis. Mein Nesthäkchen möchte ich in diesen Zeiten unter eine Glocke setzen und sie vor diesem Wahnsinn beschützen.Was mir fehlt ist das Gefühl,sie für Stunden woanders haben zu wollen.Sie darf sich mit ihrer Freundin treffen, aber braucht sie die Schule unter diesen Bedingungen?

Sunshine
5 Jahre zuvor

Wenn Sie sich wirklich der Verantwortung ihrer Kineer bewusst sind, würden Sie sie nicht auf Biegen und Brechen in die Betreuung abschieben wollen!

Sunshine
5 Jahre zuvor

Ich als Erzieherin danke meiner Kollegin unbekannterweise für diesen Brief!
Jedes einzelne Wort stimmt!
Und das sehr viele Eltern einfach dreist, unehrlich und zu faul sind, sich um ihre Kinder zu kümmern,
ist nicht erst seit Corona bekannt!

Grundschullehrer
5 Jahre zuvor

Der Erzieherberuf wird durch die Art und Weise, wie derzeit mit diesen Frauen (und Männern) umgegangen wird, sicher nicht attraktiver…

Erzieherin
5 Jahre zuvor

Die Antwort von Stamp konnten wir alle gestern hören: ein dicker Mittelfinger für alle pädagogischen Fachkräfte

catblue
5 Jahre zuvor

Die Autorin des Beitrags spricht mir aus der Seele. Unglaublich wütend machen mich hingegen die verständnislosen Kommentare der “Berufsfremden”, wir sollten das jammern lassen..

Ich bin Tagesmutter und alleinerziehende Mutter einer 12jährigen Tochter. 2017 habe ich zusammen mit einer Kollegin eine Großtagespflege für 8 Kinder u3 in einem sozialen Brennpunkt eröffnet. Meine Kollegin hat im Sommer 2020 unsere GTP verlassen, seither betreue ich alleine 5 Kinder und mache alle zusätzlich anfallenden Arbeiten (Kochen, Putzen, Einkaufen, Papierkram) ebenfalls allein. Meine Tochter habe ich -wann immer dies möglich war- im Distanzlernen gelassen, das ich neben meiner Arbeit telefonisch begleite. Bis zum Sommer (ihrem Geburtstag) hätte ich sie in die Notbetreuung schicken können, aber mir war das Risiko zu groß. Wir haben privat jeweils genau eine feste Kontaktperson, mit der wir uns treffen. Die Situation ist für uns beide nicht einfach, aber wir bekommen es irgendwie hin.

Wieso geht das denn bei mir und nicht bei 2 Elternteilen, die sich abwechseln können?
Bei uns in Niedersachsen “dürfen” Kinder auch bei “banalen Infekten” mit Schnupfen oder leichtem Husten betreut werden. Getestet wird selbst bei Symptomen so gut wie nie.
Tagespflege läuft in Szenario A.

Maske tragen geht nicht, aus pädagogischen Gründen. Fehlender Abstand versteht sich von selbst. Jedes in den Mund genommene/angehustete/angenieste Spielzeug sofort desinfizieren -wie soll ich das denn schaffen? Ständiges Händewaschen/Hände desinfizieren -ich gehe abends mit dick eingesalbten Händen und Handschuhen schlafen, weil mir als Neurodermitikerin ständig die Knöchel bluten. Aber so ist das eben, mit Corona müssen wir ja alle irgendwie leben. Aber die Umsetzung der Hygienepläne ist in meinen Augen utopisch.

Von 4 meiner 5 Tageskinder ist jeweils mindestens ein Elternteil arbeitslos. Komischerweise ist die 5. Familie aber die einzige, die es mit dem Gesundheitsschutz ernst nimmt und das Kind so viel wie möglich zuhause betreut.
Familie 1: Mutter arbeitslos, 4 Kinder in drei verschiedenen Einrichtung (Tagespflege, KiGa, Schule) nimmt für alle die (Not-)betreuung täglich in Anspruch. Und beschwert sich noch, dass IKEA dicht hat, weil sie die Kids da samstags -wie vor Corona- immer im Småland abgeben wollen würde.
Familie 2: arbeitsloser, alleinerziehender Vater, nimmt die Betreuung täglich in Anspruch, weil ihm ja unfairerweise schon Silvester verboten werden sollte (“das gabs jawohl noch nie, die spinnen doch!”) und er mal wieder “ein bisschen Ruhe” bräuchte. Wo auch immer er mit Hartz4 das Geld her hat, reist er an den Wochenenden gerne zu Freunden und Verwandten, oft Bundeslandübergreifend, weil er “sich nichts verbieten lässt”.
Familie 3 (mit 2 Kindern bei mir): Mutter arbeitslos, nimmt die Betreuung täglich in Anspruch und erzählt von Familienfeiern, die ein bisschen größer ausfielen, als sie dachte..-mal 20, mal 100 Leute. Gut, dass die nicht in der Stadt, sondern auf einem Hof in der Pampa waren, so gabs keinen Ärger.

Und da soll einem nicht der A**** platzen?

Notbetreuung, ja okay. Aber doch bitte mit klaren Regeln und Zuschüssen für geeignete Schutzmaßnahmen wie Luftfilter etc.
Mit priorisierter Impfung für unsere Berufsgruppen und zwar mit den wirksamsten Impfstoffen!
Mit verschärften Regeln für Eltern, deren Kinder Gemeinschaftseinrichtungen besuchen (dann müssen doch privat nicht noch zusätzliche Kontakte zu anderen Kindern sein, oder?)

Ich habe bereits Maßnahmen ergriffen: Kinder mit Erkältungssymptomen betreue ich nicht. Außerdem habe ich zwei Familien gekündigt, eine dritte wird folgen. Meinetwegen kann man mich da egoistisch nennen oder mir mangelndes Mitgefühl für die betroffenen Kinder vorwerfen. Mir ist der Schutz meiner eigenen Familie wichtiger und da fühle ich mich ganz klar im Stich gelassen.

Grundschullehrer
5 Jahre zuvor

@catblue: “Notbetreuung, ja okay. Aber doch bitte mit klaren Regeln und Zuschüssen für geeignete Schutzmaßnahmen wie Luftfilter etc.
Mit priorisierter Impfung für unsere Berufsgruppen und zwar mit den wirksamsten Impfstoffen!
Mit verschärften Regeln für Eltern, deren Kinder Gemeinschaftseinrichtungen besuchen (dann müssen doch privat nicht noch zusätzliche Kontakte zu anderen Kindern sein, oder?)” Meine Erkenntnis derzeit ist, dass wir in einer sehr egoistischen Gesellschaft leben. Das ICH kommt auch bei vielen Eltern immer zuerst. Dann, irgendwann, kommen die Kinder. Wir Lehrer und Erzieher sind oft Idealisten, was das Kindeswohl anbelangt. Die Ziele und Haltungen, die wir haben, teilen viele Eltern (und auch Politiker) nicht.

RIKE
5 Jahre zuvor

Gerade hab ich mal wieder so eine freche und anmaßend Email einer Mutter bekommen, die ihr Kind in unserer Notbetreuung versorgen lässt…… Ich könnte nur noch schreien und beim Wort “Eltern” wird mir schwarz vor den Augen.
Ist jetzt vielleicht nicht angemessen genug, aber bei der fordernden und so “einsatzbereiten” Elternschaft, bin ich mittlerweile so dünnhäutig geworden, dass ich diesmal gewagt habe zu widersprechen und um einen höflichen Umgangston gebeten habe.
RIKE

Grüße.einer.Erzieherin.aus.BW
5 Jahre zuvor

Ich kann deinen Leserbrief nur unterschreiben! In BW haben wir zwar “Notbetreuung” in KiTas aber es gibt keine Vorgaben wer diese in Anspruch nehmen darf. Aus diesem Grund haben wir seit Anfang Januar wieder 80% aller Kinder in unserer Einrichtung. Eine Brennpunkt Kita sind wir definitiv nicht. Systemrelevante Eltern??? Darunter würden genau 2 Kinder fallen. Die Eltern unserer Kinder sind zu Hause, im Homeoffice, Homestudying, Homeschooling. Aber sie müssen ihre Kinder bringen – sie (die Kinder) brauchen die Kontakte, sie selbst (die Eltern) können sich sonst nicht konzentrieren oder die allerbeste Aussage: wir müssen doch unseren Haushalt machen, deshalb bringen wir unser Kind in die NOTbetreuung.
Und so geht es auch in BW in vielen Einrichtungen zu. Die Gründe weshalb man sein Kind bringt, darf sich jedes Elternteil selbst aussuchen und wir dürfen nichts dagegen sagen oder unternehmen.
Und so ist der Schritt zur vollen Öffnung nur ein kleiner. Denn eigentlichen haben wir schon seit Wochen offen. Aber trotzdem fühlt es sich verdammt beschissen an. Privat haben wir Kolleg*innen seit Monaten keine Kontakte mehr. Die Vielzahl an Haushalten auf der Arbeit reicht uns aus. Aber wie du schon geschrieben hast, wer schützt uns und unsere Familien? Erzieher*innen und Angehörige die Risikopatienten sind?? Niemand!
Die fallenden bzw stagnierenden Fallzahlen beruhigen mich nicht. Und wenn ich die Entwicklung in KiTas im Land verfolge lässt mich das kaum noch schlafen. Ständig kommt es zu Infektionen und Ausbrüchen in KiTas…. Aber ja liebe Politiker, lassen wir doch die KiTas und Schulen wieder öffnen. Ich fühle mich wie eine Laborratte an der getestet wird was passiert.

Michaela
4 Jahre zuvor

Da möchte ich am liebsten applaudieren. Hut ab! Genau so sieht unsere Realität aus! Aber mittlerweile kommt es ja noch besser! Jetzt müssen wir sogar Kinder betreuen, deren Eltern Corona- positiv getestet wurden. Es ist ja nicht so, dass diese Kinder Kontakt zu ihren Eltern hätten… Und warum befinden die sich die dann überhaupt in Quarantäne, wenn sie angeblich nicht mal die eigenen Kinder anstecken können??? Aber Hauptsache wir Erzieher halten jeden Tag die Stellung…

wpDiscuz
Die mobile Version verlassen