Website-Icon News4teachers

Studie: Frühes räumliches Denken fördert die mathematischen Fähigkeiten

Anzeige

BASEL. Das räumliche Denkvermögen von Kleinkindern lässt darauf schließen, wie leicht ihnen später als Schüler die Mathematik fällt. Zu diesem Schluss kommen Forschende der Universität Basel und plädieren für mehr Förderung der räumlichen Vorstellungskraft.

Solide Fähigkeiten in Mathematik öffnen Türen für eine Karriere in Naturwissenschaften, Technik oder Ingenieurwesen. Dass räumliches Denken und mathematische Fähigkeiten zusammengehören, ist schon lange im Allgemeinwissen angekommen. Doch ist räumliches Denken angeboren oder lässt es sich gezielt fördern? Nur wenige Studien haben bislang die langfristigen Beziehungen zwischen den frühen räumlichen Fähigkeiten von Kindern und ihren späteren mathematischen Fähigkeiten untersucht. Einen möglichen Ansatzpunkt, die räumlichen und mathematischen Fähigkeiten bereits von klein auf zu fördern, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Dr. Wenke Möhring von der Universität Basel ermittelt.

Frühes räumliches Denken kann eine entscheidende Rolle für das Erlernen von Mathematik spielen. Foto: Shutterstock

«Aus früheren Studien wissen wir, dass Erwachsene sich im Umgang mit Zahlen ein räumliches Bild machen – beispielsweise kleine Zahlen links verorten und große rechts», erklärt Möhring. «Aber es ist kaum erforscht, ob frühes räumliches Denken beeinflusst, wie Kinder später Mathematik lernen und begreifen.» In einer Studie mit knapp 600 Kindern zeigte Möhring mit ihren Kolleginnen und Kollegen nun, dass ein Zusammenhang zwischen ihrem räumlichen Vorstellungsvermögen mit drei Jahren und ihren mathematischen Fähigkeiten in der Grundschule besteht.

Anzeige

Der Studie zufolge gibt es einen robusten Zusammenhang zwischen räumlichen Fertigkeiten und dem späteren mathematischen Verständnis. Dabei konnten die Forscherinnen und Forscher ausschließen, dass dieser Zusammenhang durch andere Faktoren wie den sozioökonomischen Status oder die Sprachfertigkeiten zustande kommt. Wie genau die räumlichen und mathematischen Fähigkeiten bei den Kindern zusammenhängen, bleibe zwar auch nach der Studie noch ungeklärt, aber die räumliche Vorstellung von Zahlen könnte eine Rolle spielen, so die Wissenschaftler.

Die Ergebnisse beruhen auf der Auswertung der Daten von 586 Basler Kindern, die im Rahmen eines Projekts zum Thema Spracherwerb von Deutsch als Zweitsprache erhoben wurden. Die Forscher stellten den zu Anfang dreijährigen Kindern eine Reihe von Aufgaben zu kognitiven, sozio-emotionalen und räumlichen Fähigkeiten. Dabei sollten die Kinder beispielsweise farbige Würfel zu bestimmten Formen legen. Diese Tests wiederholten das Team viermal im Abstand von rund 15 Monaten und verglich die Ergebnisse mit den schulischen Leistungen der Kinder mit sieben Jahren im ersten Schuljahr.

Wichtig für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler war in diesem Zusammenhang auch, ob die Entwicklungsgeschwindigkeit – also eine besonders schnelle Entwicklung der räumlichen Fähigkeiten – auf spätere mathematische Fähigkeiten hindeutet. Frühere Studien mit geringeren Teilnehmerzahlen hatten von einem solchen Zusammenhang berichtet. Möhring und ihre Kollegen konnten dies mit ihrer Auswertung jedoch nicht bestätigen. Kinder, die mit drei Jahren mit geringeren räumlichen Fertigkeiten starteten, entwickelten diese in den Folgejahren zwar schneller, schnitten aber mit sieben Jahren in Mathematik immer noch schlechter ab. Auch gelang es diesen Kindern trotz der schnelleren Entwicklung nicht, die Kinder mit besserem räumlichem Denken bis zum Schuleintritt komplett einzuholen.

«Eltern sind oft sehr um die sprachliche Förderung ihrer Kinder bemüht», sagt Möhring. «Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, wie wichtig auch die frühe Förderung des räumlichen Denkens ist.» Dafür gebe es einfache Mittel wie den Gebrauch «räumlicher Sprache» (wie größer, kleiner, gleich, oben, unten) und Spielzeug wie Bauklötze, die das räumliche Denken fördern.

In ihrer Auswertung stellten die Forschenden außerdem fest, dass sich Jungen und Mädchen mit drei Jahren im räumlichen Denken praktisch nicht unterschieden. In den Folgejahren entwickelte sich dieses bei Mädchen jedoch langsamer. Möhring und ihre Kollegen vermuten, dass Jungen womöglich mehr «räumliche Sprache» hören und das Spielzeug für Jungen oft das räumliche Denken fördere, während auf Mädchen ausgerichtete Spielsachen vor allem soziale Fertigkeiten ansprächen. Hinzu komme, dass Kinder womöglich die Erwartungshaltung Erwachsener verinnerlichten und damit aufwüchsen, Klischees zu entsprechen – wie zum Beispiel dem Klischee, dass Frauen im räumlichen Denken und Mathematik schlechter abschneiden. (pm)

Die meisten Studienfächer setzen (überraschend?) hohe Mathe-Kenntnisse voraus

Anzeige
Die mobile Version verlassen