MAINZ. In der Schulgemeinschaft wächst die Sorge. Alle würden «wahnsinnig», schreibt eine Twitter-Nutzerin. Die Vertretung der Schülerinnen und Schüler stellt sich wieder auf Wechselunterricht ein. Kein Wunder: Die Inzidenzen unter Kindern und Jugendlichen steigen auch in Rheinland-Pfalz ins Monströse. Bildungsministerin Hubig schwadroniert trotzdem unverdrossen davon, dass Schulen „sehr sichere Orte“ seien.
Die Corona-Infektionen bei Schülern in Rheinland-Pfalz haben sich in diesem Monat mehr als vervierfacht. «Die Omikron-Variante wirbelt unsere Bildungslandschaft durcheinander», sagt Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD). In der Schulgemeinschaft wachsen Besorgnis und Unruhe.
Das zeigt sich etwa im Internet-Dienst Twitter in vielen kritischen Reaktionen auf die Erklärung des Bildungsministeriums zu den neuen Regeln beim Umgang mit einer Infektion. «Nicht einmal 14 Tage hat der 14. (!) Hygieneplan Bestand», schrieb eine Twitter-Nutzerin. «Als ob nicht ohnehin an Schulen alle wahnsinnig würden.»
Die Zahl akut infizierter Schülerinnen und Schüler stieg laut Bildungsministerium seit dem Ende der Weihnachtsferien Anfang Januar bis Mittwoch um 367 Prozent auf 12.123. Das entspricht einem Anteil von 2,3 Prozent aller Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen von der Grundschule bis zur Berufsbildenden Schule. Die Inzidenzen schießen regional ins Monströse: der Landkreis Bad Kreuznach beispielsweise meldet für die Fünf- bis 14-Jährigen einen Wert von 3.772, die Stadt Kaiserslautern 2.886, Mainz 3.013. Die Zahl der akut infizierten Lehrkräfte stieg nach offiziellen Angaben im gleichen Zeitraum um 244 Prozent auf 664. Das sind etwa 1,6 Prozent aller Lehrerinnen und Lehrer.
«Immer mehr Klassen bleiben zuhause, da zu viele Schülerinnen und Schüler sich angesteckt haben»
Für die Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler (LSV) begrüßte Colin Haubrich, dass die Zahl der wöchentlichen Tests von zwei auf drei erhöht wurde. Diese sollten aber für alle verpflichtend sein – ein Teil der Geimpften mache von der Möglichkeit freiwilliger Testungen Gebrauch, andere aber nicht und man könne diesen auch keinen Vorwurf machen. Auch, dass jetzt nur noch Infizierte zuhause bleiben sollen, sieht Haubrich kritisch – damit erhöhe sich das Infektionsrisiko. «Wenn die Zahlen so krass steigen, müssen wir uns darauf vorbereiten, dass es wieder Wechselunterricht und Home Schooling geben wird.»
«Immer mehr Klassen bleiben zuhause, da zu viele Schülerinnen und Schüler sich angesteckt haben», sagt Landeselternsprecher Reiner Schladweiler. Er kritisiert, dass das Ministerium weiter an der Präsenzpflicht festhalte. «Ich kenne inzwischen viele Schulen, die teilweise ganze Klassen zuhause lassen und bereits über Fernunterrichtssysteme den Unterricht nach Hause verlagern.» Leider gebe es noch keine spürbare Verbesserungen beim Online-Unterricht seit dem Lockdown von 2021.
Der Lehrerverband VBE tritt dafür ein, die Schulen als «kritische Infrastruktur» so lange wie möglich offen zu halten. Der stellvertretende Landesvorsitzende Lars Lamowski wirft dem Bildungsministerium vor, in der Pandemie immer nur zu reagieren und nicht aktiv zu steuern. «Anstatt einer präventiven Politik mit Fokus auf den Gesundheitsschutz riskiert man hohe Infektionszahlen in den Schulen.»
«In der Klasse meines Kindes sitzen nur noch 11 Kinder. Die anderen sind entweder in Quarantäne oder positiv/ erkrankt.»
«Wir wollen möglichst viel Präsenz ermöglichen», bekräftigt Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) mit Blick auf die Nachteile des Online-Unterrichts nicht nur bei der Vermittlung des Bildungsstoffs, sondern auch für das soziale Miteinander in der Schulgemeinschaft. «Unsere Schulen sind durch das regelmäßige Testen, den Schutz der Masken und die konsequente Einhaltung der Hygiene-Vorschriften sehr sichere Orte», erklärt Hubig, die angibt, dazu regelmäßig mit «Experten der Universitätsmedizin Mainz» im Austausch zu sein. «Sie haben ein hohes Schutzniveau.» (Gemeint sind die Schulen, nicht die Experten.) Aber «natürlich» gebe es entsprechend der allgemeinen Entwicklung der Pandemie auch mehr Infektionen an den Schulen.
Eine Mutter aus Rheinland-Pfalz kommentiert das auf Twitter so: «In der Klasse meines Kindes sitzen nur noch 11 Kinder. Die anderen sind entweder in Quarantäne oder positiv/ erkrankt.» Ein Vater schreibt: Frau Hubig, treten Sie bitte endlich zurück. Sie haben auch als KMK-Chefin + Bildungsministerin in RLP unendlich viel kaputt gemacht. Körper und Seelen von Familien. Und Ihre Kommunikation, auch oft untermalt von Grinsen, empfinde ich auch als Verhöhnung.» News4teachers / mit Material der dpa
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