DÜSSELDORF. Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat SPD-Forderungen nach neueren Corona-Tests, die auch auf die Omikron-Variante ansprechen, als substanzlos zurückgewiesen. «Seit geraumer Zeit verfügen die Schulen über Corona-Tests, die auch für die Omikron-Variante geeignet sind und die notwendige Sensitivität aufweisen», versicherte die FDP-Politikerin auf Anfrage in Düsseldorf. Ist das so? In einer Übersicht des Paul-Ehrlich-Instituts – das im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums 245 Tests auf ihre Wirksamkeit geprüft hat – ist das Produkt, das nun in NRW zum Einsatz kommen soll, mit einer Sensitivität von lediglich 50 Prozent ausgewiesen.
Gebauer reagierte mit ihrem Statement auf Oppositionsführer Thomas Kutschaty. Der SPD-Politiker hatte die Schulministerin aufgefordert, allen Schulen neue Corona-Tests in gleicher Qualität zur Verfügung zu stellen, wie sie jüngst für die Kitas bestellt worden seien. Dort kommen zum Teil PCR-Pool-Tests zum Einsatz. Die Landesregierung müsse alles dafür tun, dass die Schulen nach den Weihnachtsferien trotz der Omikron-Variante sichere Orte seien, sagte der Landesparteichef und SPD-Bundesvize.
Alle Schulen verfügten schon vor dem Schulstart nach den Weihnachtsferien in der kommenden Woche über ausreichend Tests und Testmaterial, hielt das Schulministerium dagegen. Dort könnten sowohl die neuen Tests zum Einsatz kommen als auch solche aus noch vorhandenen älteren Beständen, erklärte ein Sprecher. Dem Ministerium lägen Zertifikate des Herstellers vor, dass sowohl die bisher genutzten als auch die neuen Antigen-Selbsttests für die Omikron-Variante geeignet seien, stellte Gebauer heraus.
Zertifikate des Herstellers? Das Paul-Ehrlich-Institut hat unlängst erst eine Liste mit Omikron-sensitiven Schnelltests veröffentlicht. Die vom Schulministerium bestellten Tests erfüllen danach zwar die Mindestanforderungen, weisen allerdings nur eine Sensitivität von 50 Prozent gegenüber den als «Goldstandard» geltenden PCR-Tests auf – ein deutlich unterdurchschnittlicher Wert. Es wird damit also nur die Hälfte der tatsächlichen Infektionen erfasst. Während die bestellten Schnelltests laut Prüfbericht bei sehr hohen Viruslasten zuverlässig reagieren, liegt ihre Empfindlichkeit bei mittleren Viruslasten bei nur 25 Prozent und bei niedrigen bei null. Heißt: Eine Ansteckung bleibt wohl tagelang unbemerkt.
Der Vertrag läuft bis zu den Osterferien mit der Option auf Verlängerung bis zu den nächsten Weihnachtsferien
Hintergrund: Einem Bericht der „Rheinischen Post“ zufolge wechselte das Land unlängst den Schnelltest-Anbieter. Bislang habe der renommierte Hersteller Siemens Healthineers geliefert, nun sei das Schulministerium mit der Zebra Handelshaus GmbH im Geschäft. Dies sei das Ergebnis eines europaweiten Vergabeverfahrens, habe das Schulministerium erklärt: «Mit der Zebra-Handelshaus GmbH hat ein Lieferant den Auftrag erhalten, der bereits in der Vergangenheit andere Landes- und Bundesbehörden verlässlich mit vergleichbaren Produkten beliefert hat.» Die Lieferung beginnt am 10. Januar, der Vertrag läuft bis zu den Osterferien mit der Option auf Verlängerung bis zu den nächsten Weihnachtsferien.
Damit sei sichergestellt, dass «das Land sich nicht für einen zu langen Zeitraum im Voraus zur Abnahme von Lieferungen verpflichtet, sondern in Ansehung der Entwicklung der Pandemie flexibel entscheidungsfähig ist». Die neuen Tests seien mit allen nötigen Utensilien einzelverpackt; die Lehrkräfte müssten nichts mehr einteilen. Damit verringere sich ihr Aufwand. Anders als Siemens, so heißt es in dem Bericht, stelle das Zebra Handelshaus die Schnelltests allerdings nicht selbst her, sondern vertreibe chinesische Tests mit den Namen «Wantai Sars-CoV-2 Antigen Kolloidales Gold». Was aber, wenn diese auf Omikron gar nicht anschlagen?
Um solche Fälle zu vermeiden, hatte das Bundesgesundheitsministerium das Paul-Ehrlich-Institut beauftragt, Schnelltests zu überprüfen. «Grundlage für die Auswahl der untersuchten Tests bildet eine vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) angebotene Liste mit den Tests, die nach der Coronavirus-Testverordnung-TestV (Corona-TestV) erstattungsfähig sind», so heißt es bei dem für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel zuständigen Bundesinstitut.
Immerhin 20 Prozent der untersuchten Tests fielen durch – darunter waren Produkte mit 0 Prozent Sensitivität
Wenn erst unlängst ein neuer Vertrag über die Lieferung von Millionen von Tests abgeschlossen wurde – warum wurde dann nicht nach Qualität ausgewählt? Tatsächlich weisen einige der vom Paul-Ehrlich-Institut geprüften Tests eine Sensitivität von 100 Prozent aus.
Dass man auf «Zertifikate des Herstellers», die Gebauer anführt, nicht unbedingt vertrauen kann, ergab dann auch die Qualitätsprüfung: Immerhin 20 Prozent der untersuchten Tests fielen durch – darunter waren Produkte mit 0 Prozent Sensitivität. Heißt: Genauso gut könnte man würfeln. News4teachers / mit Material der dpa
Hier geht es zu den beiden Listen mit positiv und negativ bewerteten Schnelltest-Produkten.
