BERLIN. Neben den laufenden Haushaltsberatungen plant die Bildungsverwaltung von Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) bereits Einschnitte in der Personalausstattung der Schulen – sagt die GEW. Tom Erdmann, Landesvorsitzender der Gewerkschaft, empört sich: „Die Schulbeschäftigten arbeiten am Limit. Die wertschätzenden Worte der Pandemiezeit werden ausgehöhlt durch neue Kürzungen. Die Leidtragenden sind die Schüler*innen, die die pädagogische Unterstützung am nötigsten haben, aber auch die Pädagog*innen, die ihre anspruchsvolle Arbeit nicht umsetzen können.“
Die GEW will von folgenden Plänen erfahren haben: Für Schülerinnen und Schülern mit sehr hohem Förderbedarf – starken Beeinträchtigungen im Sehen, Hören, in der geistigen oder körperlich-motorischen Entwicklung, Autismus – sollen die Lehrkräftestunden für die sonderpädagogische Förderung pro Kind von 8 auf 3 reduziert werden. Fünf weitere Lehrkräftestunden sollen künftig von Pädagogischen Unterrichtshilfen (PU), Erzieher*innen oder Betreuer*innen übernommen werden. So könnten bis zu 500 Vollzeitstellen für Sonderpädagoginnen und -pädagogen wegfallen.
„Absurderweise hat die Senatsverwaltung die Weiterbildungen zur Pädagogischen Unterrichtshilfe gerade um 50 Prozent gekürzt“
„Diese Strategie soll den Mangel an Fachkräften kaschieren. Den Schulen werden weniger Personalmittel zur Verfügung gestellt. So sind weniger Stellen vakant und die Misere wirkt weniger schlimm. Dies ist nicht hinnehmbar“, stelle Erdmann klar. Zudem können die Lehrkräftestunden künftig von Pädagogischen Unterrichtshilfen (PU), Erzieher*innen oder Betreuer*innen übernommen werden.
Die GEW begrüßt es zwar, wenn diverse pädagogische Professionen in Schulen zusammenarbeiten. Die multiprofessionellen Ressourcen müssten aber zusätzlich an die Schulen kommen. Eine Erzieherin oder Betreuerin ersetze keine Lehrkraft. Fraglich sei zudem, ob die Rechnung der Verwaltung aufgeht: Auch im Bereich der PUs, Erzieher*innen und Betreuer*innen gibt es einen Fachkräftemangel. „Absurderweise hat die Senatsverwaltung die Weiterbildungen zur Pädagogischen Unterrichtshilfe gerade um 50 Prozent gekürzt“, so erklärt die Gewerkschaft.
„Von einer Schule, die den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht werden kann, sind wir weit entfernt“
Die Bildungsverwaltung sehe außerdem vor, dass Schulen zu Beginn des Schuljahres nur noch etwa 80 Prozent der personellen Ausstattung im Bereich der sonderpädagogischen Förderung erhalten sollen. Bis zu 20 Prozent sollten von der regionalen Schulaufsicht einbehalten und als Nachsteuerungsreserve genutzt werden. „Eine solide Planung des nächsten Schuljahres ist so nicht möglich“, kritisiert Erdmann. An vielen Schulstandorten werde damit gerechnet, dass es keine 100-prozentige Ausstattung geben wird. So stehen immer weniger Stunden pro Kind zur Verfügung. „Gute und inklusive Schule ist so nicht machbar. ‘Verlässliche Grundausstattung‘ ist nicht verlässlich, wenn sie je nach Kassenlage gekürzt wird“, untermauert Erdmann. Unklar sei, auf Basis welcher Kriterien Schulen eine Nachsteuerung in Anspruch nehmen dürfen.
An manchen Schulstandorten komme es auch zu massiven Verlusten bei der Personalausstattung für die Sprachförderung aufgrund der neuen Schultypisierung. „Schulen dürfen nicht plötzlich von einem Schuljahr zum nächsten ein massives Minus haben. Keine Schule sollte nach einer Reform schlechter dastehen als zuvor“, so Erdmann. Sein Fazit: „Von einer Schule, die den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht werden kann, sind wir weit entfernt.“ News4teachers
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