MAINZ. Angesichts der aktuellen Witterung und dem sich verschärfenden Klimawandel begrüßt der Philologenverband Rheinland-Pfalz die Initiative von Bundesgesundheitsminister Lauterbach, einen „Hitzeschutzplan Deutschland“ zu erstellen. Dem eigenen Bildungsministerium wirft er dagegen Untätigkeit vor. Mit Blick auf die Schulen stellen die Gymnasiallehrkräfte fest: „Die Landesregierung hat es leider in den letzten Jahren versäumt, auf die immer heißeren und trockeneren Sommer mit einer geeigneten Strategie zu reagieren.“
Man sei in Deutschland nicht gut aufgestellt – meint Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Es gehe um ein sehr wichtiges Präventionsthema, das an Bedeutung gewinnen werde: den Klimawandel und, damit verbunden, die zunehmende Hitze. „Andere Länder machen uns vor, wie es geht“, so Lauterbach. Bald gehe eine Einladung an Akteure für ein Gespräch im Bundesgesundheitsministerium heraus. Man werde dann ein gutes Maßnahmenbündel haben. Mit Verweis auf die noch anstehenden Gespräche nannte der SPD-Politiker nur einige mögliche Details.
Es geht demnach um Warn- oder Alarmstufen, die ausgerufen werden und mit denen dann konkrete Maßnahmen verbunden werden, etwa eine gezielte Ansprache älterer oder pflegebedürftiger Menschen und die Versorgung mit Flüssigkeit. Lauterbach nannte auch die Einrichtung von Kälteräumen und erwähnte kostenlose Trinkbrunnen in großen Städten in den USA oder Frankreich. „Das sind niedrig hängende Früchte, die aber viel bringen.“ Der Bund sei auch zu Investitionen bereit.
„Eine umfassende Sanierung der Schulen in Deutschland muss endlich politische Priorität haben”
Dass auch für Schulhöfe und Kita-Außenflächen Handlungsbedarf besteht, darauf machte das Bundesamt für Stahlenschutz (BfS) bereits im vergangenen Jahr aufmerksam. „Es ist wünschenswert, dass etwa Schulen und Kitas, aber auch Freibäder ihre Außenflächen mit Sonnensegeln oder anderen Schattenspendern versehen“, hieß es (News4teachers berichtete). Viele Spielplätze etwa lägen immer noch in der prallen Sonne.
Auch die Gebäude selbst seien oftmals nicht gut gegen Hitze isoliert, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) seinerzeit feststellte. „Es ist teilweise kaum vorstellbar, unter welchen Bedingungen unsere Kinder lernen müssen“, hieß es. „Eine umfassende Sanierung der Schulen in Deutschland muss endlich politische Priorität haben.” Der Sanierungsstau bei Schulgebäuden wird aktuell bundesweit auf rund 47 Milliarden Euro geschätzt.
Der Philologenverband Rheinland-Pfalz stößt ins gleiche Horn. „Schülerinnen und Schüler, ebenso aber auch die Lehrkräfte und anderes Schulpersonal arbeiten häufig in viel zu heißen Räumen, die teilweise nur unzureichend beschattet und gelüftet werden können”, sagt die Landesvorsitzende Cornelia Schwartz. Sie fordert die Landesregierung auf, zusammen mit den Schulträgern tragfähige Konzepte zum Gesundheits- und Arbeitsschutz zu entwickeln und dazu auch notwendige bauliche Maßnahmen zügig umzusetzen.
Schwartz: „Die neuen Schulbaurichtlinien, auf die wir schon viel zu lange warten, müssen den veränderten Gegebenheiten Rechnung tragen. Aktuell muss die Landesregierung im Zusammenwirken mit den Kommunen dafür sorgen, dass die momentane Hitzewelle nicht zur Gefahr für die am Schulleben Beteiligten wird.“ Ganz konkret und als Akutmaßnahme fordert der Philologenverband Rheinland-Pfalz die Aufstellung von gut erreichbaren Wasserspendern in allen Schulgebäuden des Landes.
Auch mit dieser Forderung ist der Philologenverband nicht allein. „Dafür setzen wir uns schon lange ein”, so heißt es bei der Verbraucherzentrale NRW. Landesregierungen könnten eine Vorreiterrolle gegen die Folgen der Klimaänderung einnehmen, wenn sie schrittweise alle Schulen mit Trinkwasser-Zapfstellen ausstatten würden. News4teachers
„Betreuung muss gewährleistet sein“: Hitzefrei gibt’s für Schüler immer seltener
