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Kita plant “Körper-Erkundungsraum” – Jugendamt sieht Kindeswohl gefährdet

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Ein von einer Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt Hannover angekündigter «Körper-Erkundungsraum» ist vom Landesjugendamt in Niedersachsen gestoppt worden. Das pädagogische Konzept gefährde nach Auffassung der Behörde in dieser Form das Kindeswohl und habe keinen Bestand, sagte eine Sprecherin des Niedersächsischen Kultusministeriums in der Landeshauptstadt. Zuvor hatte sich die «Bild»-Zeitung empört.

Wie viel Körper-Erkundung darf denn sein? Foto: Shutterstock

Die «Bild»-Zeitung hatte berichtet, dass die Kita in einem Elternbrief die Einrichtung eines solchen Erkundungsraums angekündigt und darin Regeln festgelegt habe. Das Blatt warf daraufhin seine Empörungsmaschine angeworfen: «Dieser 10-Punkte-Plan schockt alle Eltern! Kita-Raum sollte ‘sexuelle Spiele’ ermöglichen!», so titelte «Bild». Dabei lautet eine Regel aus dem der Zeitung vorliegenden Brief: «Jedes Kind entscheidet selber, ob und mit wem es körperliche und sexuelle Spiele spielen will.»

Laut dem Vorstandsvorsitzenden der Awo Region Hannover war der Elternbrief der Kita allerdings nicht mit der Fachberatung der Awo abgestimmt und genehmigt worden. Auch der von dem Kita-Leiter vermittelte Eindruck, dass das Kultusministerium zu «Körpererkundungsräumen» auffordere, sei falsch.

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Laut Ministerium hat das Landesjugendamt für den weiteren Betrieb der Einrichtung die Auflage gemacht, dass das pädagogische Konzept der Awo-Kitas in Hannover sowie das Kinderschutzkonzept mit externer Beratung sofort überarbeitet werden müsse. Betroffen seien alle Awo-Kitas in Hannover. Die Awo bestätigte, dass das Konzept derzeit mit der Aufsichtsbehörde und externen Beratern überarbeitet wird.

In den Awo-Kindertagesstätten gebe es keine Räume, in denen Kinder zu Nacktheit oder Körpererkundungsspielen aufgefordert oder motiviert würden, betonte der Awo-Vorstandsvorsitzende. Die bisherige interne Arbeitshilfe der Kita-Fachberatung enthalte gleichwohl einen Textbaustein zu Regeln für Körpererkundungsspiele von Kindern, die aus Fachmagazinen von ProFamilia stamme. Diese Arbeitshilfe werde nun überprüft.

Dass Erzieherinnen und Erzieher mit Ausdrucksformen kindlicher Sexualität konfrontiert sind, gehört allerdings zur täglichen Berufspraxis in Kindertagesstätten. «Das beginnt bei den Krippenkindern beim Wickeln und durchzieht sich durch alle Altersstufen bis zu den Fünf/Sechsjährigen, die zum Beispiel Fragen zu der Geburt eines Kindes, den Bezeichnungen für ihre Genitalien oder Geschlechtsverkehr stellen», so heißt es in einem Beitrag des Portals ErzieherIn.de.

«Es stellt sich die Frage, wie gehen die Pädagogen und Pädagoginnen mit den Kindern um? Haben sie eine eher ignorierende Haltung, indem sie wegschauen? Herrschen in der Einrichtung strikte Verbote in Bezug auf Doktorspiele? Dürfen sich die Kinder nackig ausziehen, wenn sie das Bedürfnis haben? Wo sind die Grenzen zwischen kindlicher sexueller Neugier und sexuellen Übergriffen unter Kindern? Dies sind nur einige Fragen, denen Erzieher und Erzieherinnen in ihrer Einrichtung begegnen können.»

Der aktuelle Fall scheint vor allem eins deutlich zu machen: Wenn sich die «Bild»-Zeitung hineindrängt, ist eine sachliche Diskussion zu diesem sensiblen Thema kaum mehr möglich. News4teachers / mit Material der dpa

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