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Alarmierende Umfrage: Krank durch Referendariat? Mehr als jede zweite Nachwuchslehrkraft betroffen

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HAMBURG. Die zweite Phase der Lehrkräfteausbildung ist hart – und beeinträchtigt nicht selten die Gesundheit. Darauf weist eine unveröffentlichte Gefährdungsbeurteilung des Hamburger Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) aus dem Jahr 2023 hin, die dem Hamburger Abendblatt nach eigenen Angaben exklusiv vorliegt. Demnach berichtete eine deutliche Mehrheit der dafür befragten Junglehrkräfte, dass sich ihr Gesundheitszustand seit Beginn des Referendariats verschlechtert habe – und das scheint Folgen für den Lehrkräftemangel zu haben.

Mehr als jede zweite Nachwuchslehrkraft gab in einer Umfrage an, dass sich ihr Gesundheitszustand seit Beginn des Referendariats verschlechtert habe. Symbolbild: Shutterstock

Anfang Februar sind nach Angaben der Hamburger Schulbehörde so viele Nachwuchslehrkräfte wie noch nie in die 18-monatige Ausbildung gestartet. Die 458 neuen Referendarinnen und Referendare begrüßte Hamburgs Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) im Rathaus unter anderem mit den Worten: „Sie tragen eine große Verantwortung. Ihr Beruf ist wichtig, Sie sind wichtig.“ Mit Blick auf die Gefährdungsbeurteilung des LI stellt sich allerdings die Frage, wem die Junglehrkräfte wichtig sind.

Von den 465 angehenden Lehrpersonen, die an der Befragung des LI im vergangenen Jahr teilnahmen, fühlte sich laut Hamburger Abendblatt rund jede fünfte „gesundheitlich stark beeinträchtigt“. Fast ein Viertel von ihnen gab an, dass sich ihr physischer Zustand deutlich verschlechtert habe (23 Prozent), mehr als ein Drittel klagte über eine deutliche Verschlechterung des psychischen Zustands (38 Prozent). Insgesamt berichtete deutlich mehr als die Hälfte der Befragten von einer Verschlechterung – 70 Prozent im physischen, 78 Prozent psychischen Bereich. Der Erhebung zufolge tragen etwa fehlende Erholungspausen und mangelnde Transparenz der Prüfungsverfahren zur Belastung im Vorbereitungsdienst bei. Die GEW Hamburg kritisiert auf Anfrage des Abendblatts die hohen Anforderungen im Referendariat, denen sich die Lehramtsanwärter*innen gegenübersehen. Der Fokus liege beispielsweise darauf, „perfekten Unterricht statt alltagstauglichen Unterricht vorzubereiten“. Dem Bericht im Abendblatt zufolge klagte bereits 2017 ein ähnlich hoher Anteil an Nachwuchslehrkräften über einen schlechteren Gesundheitszustand seit Beginn des Referendariats.

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Stress im Referendariat – auch in Berlin ein Problem

Die Situation der Referendare in Hamburg ist kein Einzelfall. Das zeigt ein Blick nach Berlin. Dort führten 2023 in einer Befragung des zuständigen Personalrats unter 584 Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern rund 82 Prozent gesundheitliche Folgeerscheinungen auf den Stress im Referendariat zurück (News4teachers berichtete). Zwei Drittel der Befragten kritisierten, dass sie das Verhältnis von Arbeitszeit und Ruhephasen im Referendariat als nicht ausgeglichen empfinden. Der damalige Vorsitzende des Personalrats der Lehramtsanwärter*innen forderte die Senatsverwaltung damals auf, diesbezüglich dringend zu handeln und konkrete Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

Eine Verbesserung der Ausbildungssituation wäre nicht nur für die der Junglehrkräfte persönlich wünschenswert, sondern erscheint auch hinsichtlich des Lehrkräftemangels ratsam. So geht aus der Gefährdungsbeurteilung des Hamburger Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung laut Abendblatt auch hervor, dass mehr als ein Viertel der befragten Referendarinnen und Referendare den Beruf nicht wieder wählen würden und nur rund ein Drittel beabsichtige, nach dem Vorbereitungsdienst als Lehrkraft in Vollzeit zu arbeiten. News4teachers / mit Material der dpa

Nach dem Lehramtsstudium ins Referendariat? Jeder fünfte Absolvent entscheidet sich dagegen

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