„Achtung und Liebe zum Kind“: Montessori Deutschland zum Filmstart von „Maria Montessori“

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BERLIN. Am 7. März 2024 kommt ein großer Kinospielfilm über das Leben Maria Montessoris in die Kinos. Wie schätzt der Bundesverband Montessori Deutschland den Film ein, der die Begründerin der nach ihr benannten Reformpädagogik in den Fokus nimmt?  Und was hat die um die Wende zum 20. Jahrhundert spielende Geschichte mit der heutigen Auffassung von Montessori-Pädagogik zu tun?

Freiheit statt Disziplinierung: Maria Montessori (Jasmine Trinca) hat verstanden, welche Schätze in den Kindern verborgen sind. © Neue Visionen Filmverleih

„Das gefühlvolle Drama ‚Maria Montessori‘ setzt der Bildungsikone ein lange überfälliges und zutiefst bewegendes Denkmal. Mit großer visueller Eleganz zeigt dieser Film die Namensgeberin einer der einflussreichsten pädagogischen Bewegungen in ihrer ganzen Stärke und Zerrissenheit“, heißt es in der Zusammenfassung des Filmverleihs Neue Visionen über den am 7. März erscheinenden Kinofilm, der aus dem Leben der Ärztin, Pädagogin und Mutter erzählt. Montessori Deutschland hatte die Gelegenheit, den Film vorab zu sehen.

„Für mich ist der Film ein großes Geschenk“, sagt Nina Villwock, Vorstandsmitglied von Montessori Deutschland. Nicht nur als Pädagogin und Geschäftsführerin einer Montessori-Einrichtung in Hessen hat der Film sie überzeugen können. Sie habe sich viel mit der Geschichte der Frauenbewegung auseinandergesetzt. Diese greife der Film, der im französischen Original den Titel „La Nouvelle Femme“ (Eine neue Frau) trägt, sehr plastisch und treffend auf.

„Der Film ist sehr vielschichtig und zieht Parallelen zur heutigen Zeit“, erklärt sie. „Er wirft einen frischen Blick auf die Problematik Alleinerziehender, auf die Vereinbarkeit von Muttersein und Beruf und auf die Freiheit beziehungsweise Unfreiheit von Frauen insgesamt. Solche Fragen werden anhand der Biografie von Montessori filmisch mit fiktionalen Mitteln behandelt. Es handelt sich also nicht um eine Dokumentation, sondern eine Story mit einigen Elementen, die so im Leben Montessoris nicht stattgefunden haben. Diese historische Ungenauigkeit tut aber meines Erachtens dem Film überhaupt keinen Abbruch, denn es ist ja kein Film für Montessori-Nerds, sondern für alle interessant und spannend anzuschauen – für Pädagogen und Pädagoginnen genauso wie für Montessori-Schüler:innen und alle anderen Menschen, die Lust auf gute Bildung oder einfach auf einen kurzweiligen, aktuellen und hochwertigen  Film haben“, so Villwock weiter.

Im Film geht es um eine kurze Zeitspanne in Montessoris Leben, genauer gesagt die Jahre von circa 1900 bis 1901. Damals ist Maria Montessori Anfang dreißig, junge, unverheiratete Mutter eines Sohnes und hat bereits als eine der ersten Ärztinnen in Italien promoviert. Gemeinsam mit dem Vater des Kindes, Dr. Montesano, arbeitet sie an einem Institut für Lehrerbildung mit behinderten Kindern.

„Sie stellte bei ihrer Arbeit auf Grundlage ihrer Beobachtungen die Hypothese auf: Kinder mit Behinderung sind sehr wohl bildbar und lernfähig“, sagt Dr. Jörg Boysen, Vorsitzender von Montessori Deutschland. „Das war damals innovativ und radikal. Die Wissenschaft, genauer gesagt die männliche Wissenschaftselite, glaubte nicht, dass das funktioniert.“

Gleichzeitig gerät Maria Montessori in einen Gewissenskonflikt: Während sie tagtäglich Ideen entwickelt, um Kinder zu fördern, lebt ihr eigener Sohn Mario bei einer Pflegefamilie auf dem Land. „Diesen Konflikt stellt der Film sehr gut dar“, sagt Nina Villwock. „Wie kann eine Frau, die im Umgang mit den Kindern so achtsam ist, ihren eigenen Sohn in eine Pflegefamilie geben? Das ist tatsächlich eine Frage, mit der wir als Verband und als Montessori-Pädagog:innen immer wieder konfrontiert werden. Hätte sie ihr Kind bei sich behalten, hätte sie heiraten und ihren Beruf aufgeben müssen, wäre also zurück in den Haushalt gegangen. Das war um die Jahrhundertwende die Alternative und hätte ihr gesamtes Leben komplett auf den Kopf gestellt.“

„Der Film fokussiert auf ihre ersten Erkenntnisse durch die Arbeit mit Kindern mit Beeinträchtigungen“, sagt Jörg Boysen. „1907 leitet sie das erstes Kinderhaus in einem Arbeiterviertel und fördert dort sozial vernachlässigte Kinder. Danach probiert sie ihre Ideen in anderen Settings: mit den gleichen Ergebnissen. Dass dieser Ansatz allgemein anwendbar ist, war genau das, was revolutionär war. Deshalb arbeiten auch heute so viele Einrichtungen weltweit mit den pädagogischen Prinzipien, die Montessori vor über einhundert Jahren erkannte.“

Lässt sich denn in einem historischen Film überhaupt zeigen, worum es bei der Montessori-Pädagogik heute geht? „Ja, das zeigt der Film auf erzählerische Weise implizit und explizit“, sagt Nina Villwock. „Es geht in unserem pädagogischen Konzept um die Förderung aller Kinder. Deshalb gefällt mir zum Beispiel, dass für die Darstellung der Kinder im Film Schauspieler und Schauspielerinnen mit Behinderung gewählt wurden. Der Umgang mit diesen Kindern sowohl auf künstlerischer Ebene, aber auch die Haltung Montessoris, die dort dargestellt wird, das ist genau das, was uns ausmacht und uns am Herzen liegt: nämlich die Achtung und Liebe zum Kind und Jugendlichen als Ausgangspunkt. Deshalb freue ich mich sehr über diesen Film.“

Auch der Vorsitzende Jörg Boysen findet die Darstellungen im Film treffend: „Es ist ja nicht die Montessori-Pädagogik per se, die man dort sieht. Erst acht Jahre später gab es in der Realität ein Konzept, das sie als „Die Entdeckung des Kindes“ veröffentlichte. Aber die Dinge, die sie damals erkannt hat: dass Kinder Zuwendung und Anregung brauchen, jedes Kind in seinem eigenen Tempo lernen sollte, all diese Dinge findet man im Film wieder und das sind sozusagen die Grundbeobachtungen, die sie gemacht hat und aus denen später ihre Pädagogik und ihr didaktisches Material entstanden ist. Maria Montessori hat noch bis 1952 gelebt. Sie hat also nach 1901 noch 50 Jahre weitergearbeitet, egal wo sie auf der Welt war. Sie hat Aspekte ihrer Pädagogik immer wieder weiterentwickelt. Und auch heute entwickelt sich die Pädagogik weiter, wobei die Kernaussagen bleiben.“

Weitere Infos zu Montessori Deutschland finden Sie hier: www.montessori-deutschland.de.

Weitere Infos zum Film finden Sie hier auf der Seite des Verleihs Neue Visionen: https://www.neuevisionen.de/de/filme/maria-montessori-144

Vorpremieren in Anwesenheit der Regisseurin Léa Todorov:

27.2. Rex, Bonn, 17:30 Uhr

27.2. Odeon, Köln, 19:30 Uhr

28.2. Thalia, Potsdam, 18:00 Uhr

28.2. Hackesche Höfe Kino, Berlin, 20:00 Uhr

29.2. Programmkino Ost, Dresden, 18:45 Uhr

29.2. Schauburg, Dresden, 20:15 Uhr

1.3. Delphi, Stuttgart, 18:00 Uhr

1.3. Schauburg, Karlsruhe, 20:00 Uhr

 

Dies ist eine Pressemeldung von Montessori Deutschland.

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4 Kommentare
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unverzagte
1 Monat zuvor

Ein Film zum Lebenswerk von Maria Montessouri ist längst überfällig.

Johann Friedrich H.
1 Monat zuvor
Antwortet  unverzagte

Bitte mit einer unabhängigen wissenschaftlichen Beratung für Drehbuch und Regie.

Lisa
1 Monat zuvor

Ich freue mich drauf. Auch Astrid Lindgren musste als alleinerziehende berufstätige Mutter ihren Sohn in eine Pflegefamilie geben. Auch sie hat darunter gelitten. Die Sozialhilfe gibt es unter anderem auch, damit Mütter diese Entscheidung nicht mehr treffen müssen, das wird von Kritikern oft vergessen.

unverzagte
15 Tage zuvor

Ganz großes Kino, unbedingt ansehen !!