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Wie in Australien: Bildungsminister will bundesweites Verbot von sozialen Medien für Schüler auf den Weg bringen

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ERFURT. Ein Handy-Verbot in der Schule gilt in den meisten Bundesstaaten Australiens bereits seit mehreren Jahren. Dazu kommt jetzt noch ein verschärfter Jugendschutz: In „Down Under“ sollen Minderjährige soziale Medien künftig erst ab 16 Jahren nutzen können. Thüringens neuer Bildungsminister Christian Tischner (CDU) findet den Vorstoß gut – und würde ihn gern auch für Deutschland diskutieren.

Handy- und Socia-Media-Verbot? Diskussionen scheinen programmiert. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Thüringens neuer Bildungsminister Christian Tischner (CDU) kann einem Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige wie in Australien etwas abgewinnen. „Ich finde das gut“, sagte Tischner in Erfurt. Aus seiner Sicht wäre das ein gutes Thema für die Kultusministerkonferenz. Es gebe Mobbing in sozialen Netzwerken und die psychischen Auswirkungen seien für Kinder und Jugendliche groß, Kontrolle dagegen sei schwierig, sagte Tischner. „Anstand und Respekt werden leider nicht so sehr gepflegt in sozialen Medien.“

Australien hatte kürzlich per Gesetz ein Mindestalter von 16 Jahren für die Nutzung sozialer Medien auf den Weg gebracht. Das umstrittene Gesetz, das als weltweit erstes dieser Art gilt, nahm im November die letzte Hürde im Parlament: Nach einer hitzigen Debatte stimmte der Senat mit großer Mehrheit und nur 19 Gegenstimmen dem Entwurf zu. Fast alle großen Parteien unterstützten den Vorstoß von Premier Anthony Albanese. Mehrere Oppositionspolitiker und fraktionslose Abgeordnete bezeichneten das Gesetz hingegen als übereilt und fehlerhaft.

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„Soziale Medien halten Kinder und Jugendliche von echten Freunden und echten Erfahrungen fern“

Australien führt das Mindestalter für den Zugang zu sozialen Netzwerken allerdings erst in einem Jahr ein. Die Plattformen sollen zwölf Monate Zeit bekommen, um die neue Altersbeschränkung umzusetzen. Falls die Konzerne keine „angemessenen Maßnahmen“ ergreifen, drohen Strafen von bis zu 50 Millionen australischen Dollar (30,8 Millionen Euro), wie der australische Sender ABC berichtete. Kritiker warnen, dass das Gesetz Kinder und Jugendliche isolieren könnte und sie zudem von den positiven Aspekten sozialer Medien ausschließe.

Albanese hatte die Pläne im September publik gemacht und die Wirkung von Online-Netzwerken wie Instagram, Tiktok und Snapchat auf Kinder als „Geißel“ bezeichnet. Er wolle, dass Kinder eine Kindheit haben, sagte er. Soziale Medien würden sie hingegen oft „von echten Freunden und echten Erfahrungen fernhalten“. Wie der Zugang technisch kontrolliert werden soll, ist noch nicht klar. Die Pflicht, das Mindestalter der Nutzer zu überprüfen, soll nicht den Eltern, sondern den Tech-Konzernen und Internetplattformen zufallen. Für Nutzer soll es keine Strafen geben. Zudem sind Plattformen wie YouTube, für die keine Anmeldung notwendig ist, laut ABC von den Regeln ausgenommen.

Auch die britische Regierung erwägt, ein Mindestalter von 16 Jahren für die Nutzung sozialer Medien festzulegen. Eine Altersbeschränkung wie in Australien werde in Betracht gezogen, sagte der britische Minister für Technologie, Peter Kyle, zuletzt.

Social-Media-Plattformen müssen Altersbeschränkungen in ihren Nutzungsbedingungen festlegen. Diese liegen aber fast immer unter 16 Jahren – und zumeist sogar bei 13 Jahren. Die Überprüfung ist zudem sehr schwierig. In Deutschland gibt es kein allgemeines, gesetzlich festgelegtes Mindestalter für User von sozialen Medien. Theoretisch müssten die Eltern von Jugendlichen unter 16 Jahren der Nutzung zustimmen – jedoch wird dies nur selten verifiziert, zudem können Geburtsdaten bei der Registrierung leicht gefälscht werden.

„Das heißt nicht, dass die Kinder nach dem Schulschluss nicht erreichbar sind”

In Thüringen sollen zunächst Handys aus dem Schulalltag an Grundschulen weitgehend verbannt werden. So haben es CDU, BSW und SPD in ihrem Brombeer-Koalitionsvertrag vereinbart. Tischner sagte, dass dafür keine gesetzliche Änderung nötig sei. „Viele, viele Schulen machen das ja schon so”, sagte er. Angestrebt sei eine konkrete Vorgabe des Ministeriums. Vorrang habe das „analoge Lernen”.

Während der Unterrichtszeit soll das Handy nicht genutzt werden. „Das heißt nicht, dass die Kinder nach dem Schulschluss nicht erreichbar sind”, sagte Tischner. Der Anruf, dass das Kind abgeholt werden kann, sei beispielsweise weiter möglich. Es gehe darum, dass die Kinder im Unterricht nicht abgelenkt sind. Auch könnten Lehrerinnen und Lehrer Tablets pädagogisch mit in den Unterricht einbinden.

Hessens Kultusminister Armin Schwarz (CDU) hatte unlängst eine Initiative in die KMK eingebracht, Handys in Schulen bundesweit zu verbieten – die Diskussion soll in den folgenden Sitzungen vertieft werden (News4teachers berichtete).

Eine große Mehrheit in Deutschland würde einer Umfrage zufolge ein ähnliches Social-Media-Gesetz wie in Australien befürworten. 77 Prozent der knapp 2.000 Befragten gaben bei der YouGov-Umfrage an, ein solches Gesetz in Deutschland „voll und ganz” oder „eher” zu befürworten. Dagegen würden es 13 Prozent entweder „voll und ganz” oder „eher” ablehnen. Der Rest beantwortete diese Frage mit „weiß nicht”.

Zudem glaubt eine große Mehrheit der Umfrage zufolge, dass soziale Medien negative Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche haben. 82 Prozent gaben an, diesbezüglich ganz sicher zu sein oder eher zuzustimmen. 9 Prozent waren sich dagegen sicher, dass Plattformen wie Tiktok, Instagram und Facebook keine negativen Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche haben, oder beantworteten die Frage mit “eher nein”. Die Übrigen gaben an, zu wenig über soziale Medien zu wissen, um das einschätzen zu können, oder sie antworteten mit “weiß nicht”. News4teachers / mit Material der dpa

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