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Kaeser fordert Bildungsagenda 2030: “Die Klügsten fördern, nicht die Reichsten”

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MÜNCHEN. Deutschland verliert an Innovationskraft – und das bedroht die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Diese Warnung kommt von Joe Kaeser, dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Siemens Energy und früheren Siemens-Chef. „Bildung ist die Wirtschaft von morgen. Und Innovationen halten die Wirtschaft am Leben. Dazwischen steht die Wissenschaft“, betont Kaeser. Deutschland habe zwar eine lange Tradition bahnbrechender Erfindungen, doch mittlerweile „zehren wir von Errungenschaften der Vergangenheit, während unsere Innovationskraft schwindet. In einigen kritischen Feldern spielen wir keine Rolle mehr.“

«Es ist höchste Zeit, dass sich was ändert»: Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser. Foto: Siemens © 2020 Thomas Dashuber / Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Ein Blick auf den Globalen Innovationsindex 2024 zeigt, dass die innovativsten Volkswirtschaften derzeit die Schweiz, Schweden, die USA, Singapur und das Vereinigte Königreich sind. Besonders dynamisch entwickeln sich China, die Türkei, Indien, Vietnam und die Philippinen. „Deutschland ist noch in den Top 10, rutscht aber immer weiter ab“, warnt Kaeser auf Linkedin.

Er sieht eine klare Herausforderung für das Land: „Deutschland hat weder nennenswerte natürliche Rohstoffe, noch kann es mit Skaleneffekten von China, Indien oder den USA mithalten. Unser Rohstoff ist das Wissen und unsere Skalierung ist der Export. Daraus speist sich unsere globale Wettbewerbsfähigkeit.“ Um diese zu erhalten, müsse dringend gehandelt werden. „Es ist höchste Zeit, dass sich was ändert“, fordert Kaeser und plädiert für eine Agenda 2030, die Bildung und Innovation in den Fokus rückt.

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Kaeser nennt fünf zentrale Handlungsfelder, die dringend adressiert werden müssten:

  1. Mehr Effizienz durch Bürokratieabbau: „Das Kompetenzgerangel zwischen Bund, Ländern und Kommunen behindert Effizienz und verschwendet wichtige Kapazitäten und Ressourcen – auch finanzielle“, kritisiert Kaeser. Die Verwaltungsstrukturen müssten dringend gestrafft werden.
  2. Mehr Bildungsgerechtigkeit und Durchlässigkeit: „Nicht die Reichsten, sondern die Klügsten müssen gefördert werden“, fordert der Manager. Bildungsgerechtigkeit sei kaum noch gegeben, sozialer Aufstieg werde immer schwerer. Als mögliche Lösung schlägt er vor, Kindergeld und Kindergrundsicherung zweckgebunden einzusetzen, um sicherzustellen, dass das Geld tatsächlich in Bildung investiert wird. Auch eine echte Schulkostenfreiheit, digitale Ausstattung an Schulen und eine flächendeckende Betreuung seien unerlässlich.
  3. Ein durchgängiges Bildungskonzept: „Wir brauchen ein durchgängiges Bildungs-Curriculum von Kindergarten über Schule hin zur Universität“, so Kaeser. Besonders betont er die Stärkung der dualen Ausbildung, die international hoch angesehen sei und ein wichtiger Erfolgsfaktor für den deutschen Arbeitsmarkt bleibe.
  4. Bessere Verzahnung von Universitäten und Wirtschaft: „Wir haben leichtfertig Zukunftsgebiete wie Gentechnik, Informatik und Teile der Energietechnik verloren“, kritisiert Kaeser. Die Hochschulen müssten gemeinsam mit der Wirtschaft die Ausbildungs- und Forschungsbereiche der Zukunft definieren. Auch die Förderung von Start-up-Ökosystemen an Universitäten müsse massiv ausgebaut werden.
  5. Stärkere politische Führung: „Verbesserungen starten immer von der Spitze aus“, stellt Kaeser klar. Er plädiert für ein konsolidiertes Ministerium für Bildung, Forschung und Digitalisierung mit vertikalem Durchgriff. „Diese Gebiete verzeihen keine Kompromisse“, mahnt er. Für die Leitung einer solchen Schlüsselbehörde schlägt er eine Besetzung durch externe Expert:innen vor und nennt als Beispiel die Unternehmerin und Bildungsexpertin Verena Pausder.

Kaeser macht unmissverständlich klar: Wenn Deutschland seine Innovationskraft nicht entschlossen stärkt, wird die Wettbewerbsfähigkeit des Landes weiter schwinden. „Bildung und Innovation müssen Teil einer Agenda 2030 sein – sie sind eng verwoben.“ News4teachers

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