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Sommerferien-Termine: Bundesländer revoltieren gegen Bayerns und Baden-Württembergs Extrawürste – Söder wehrt ab

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DÜSSELDORF. Die Schülerinnen und Schüler in Bayern und Baden-Württemberg starten traditionell als Letzte in die Sommerferien. Nordrhein-Westfalen hat nun eine neue Regelung gefordert – und prompt ein klares Nein aus dem Freistaat zurückbekommen. Allerdings schließen sich immer mehr Bundesländer dem Protest an.

Bayern und Baden-Württemberg haben ihre “Extrawurst” früher mit den Pflichten der Kinder in der Landwirtschaft begründet – das Argument zieht heute nicht mehr. Foto: Shutterstock

Vor über 60 Jahren, 1964, haben die Bundesländer im „Hamburger Abkommen“ entschieden, ihre Sommerferientermine aufeinander abzustimmen. Das soll helfen, Staus auf den Autobahnen zu vermeiden, und sicherstellen, dass an den Urlaubsorten immer genug Unterkünfte zur Verfügung stehen. Die Länder sind dabei in Gruppen eingeteilt und wechseln sich ab: Mal bekommt eine Gruppe einen frühen Termin, mal einen späteren. Nur die beiden Bundesländer im Süden beharren auf ihrem angestammten späten Zeitraum.

In Bayern und Baden-Württemberg liegen die Sommerferien deshalb jedes Jahr zwischen Anfang August bis Mitte September. Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin, Dorothee Feller, fordert eine Änderung der Sommerferienregelung. NRW hätte auch gern einmal einen späteren Ferienstart, sagte die CDU-Politikerin der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

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„Lehrkräfte würden ebenso wie die Schülerinnen und Schüler von längeren und kontinuierlichen Lernphasen zwischen den Oster- und den Sommerferien profitieren. Wenn zentrale Unterrichtsinhalte zum Ende des Schuljahres noch einmal vertieft und gefestigt werden können, wirkt sich das positiv auf die Lern- und Bildungserfolge aus“, ergänzt ein Sprecher des NRW-Bildungsministeriums gegenüber dem Tagesspiegel.

Dazu kommt: Durch die Kombination aus Pfingstferien und späten Sommerferien ermöglichen Bayern und Baden-Württemberg es Familien, in den vergleichsweise günstigen Monaten Juni und September in den Urlaub zu fahren. Davon profitieren insbesondere Familien mit kleinem Einkommen.

Warum bekommen die Länder im Süden Extrawürste? Vor gut 60 Jahren war das wichtigste Argument, dass in diesen Ländern besonders viele Kinder in den Landwirtschaftsbetrieben ihrer Eltern bei der Ernte halfen und deshalb im Spätsommer schulfrei haben mussten. Die Begründung ziehe nicht mehr, meint NRW-Schulministerin Feller. Tatsächlich ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern seitdem um 80 Prozent gesunken.

„Wir haben unseren Ferienrhythmus, der ist sozusagen fest in der DNA der Bayern drin“

Der Initiative aus NRW stellt sich allerdings Widerstand entgegen. „Wir haben unseren Ferienrhythmus, der ist sozusagen fest in der DNA der Bayern drin“, erklärt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Wenn Baden-Württemberg, das einzige andere Bundesland, welches von dem Rotieren der Sommerferien ausgenommen ist, seine Ferien gern mit Nordrhein-Westfalen tauschen wolle, sei ihm das völlig egal, sagte er. Bayern werde das aber nicht tun.

Auch Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) verteidigt die bisherige Regelung auf Anfrage: Die Gesamtdauer der Ferien aufs Jahr gesehen sei mit 75 Tagen bundesweit für alle Bundesländer gleich. „Dass Bayern mit Baden-Württemberg bei der Festlegung der Sommerferien stets den spätesten Termin einnimmt, liegt daran, dass wir uns in unserer Ferienordnung an den christlichen Feiertagen orientieren“, sagte sie. Anders als die nördlichen Bundesländer habe man in Bayern an Pfingsten zweiwöchige Ferien. „Daran werden wir auch festhalten. Deswegen werden wir auch bei den Sommerferien weiterhin bei der bisherigen Regelung bleiben.“

Pfingstferien hätten allerdings andere Bundesländer auch gerne. 2018 hatten die Schüler in NRW erstmals seit 1966 eine ganze Woche, weil die Feiertage im Schuljahr 2017/18 so günstig lagen, dass noch Ferientage zur Verfügung standen. Üblicherweise haben die Schulkinder in NRW nur den Dienstag nach Pfingsten frei. „Die Pfingstferien wurden in NRW vielerorts begrüßt“, bilanzierte seinerzeit der Landesvorsitzende des VBE, Stefan Behlau.

„Unsere Schulferienregelung stammt aus einem anderen Jahrhundert. Wir brauchen ein modernes, gerechtes System”

Unterdessen schließen sich mehrere Bundesländer der Kritik aus NRW an. „Das empfinden auch wir als unbefriedigend“, sagt ein Sprecher von Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) auf Anfrage. Warum die beiden südlichen Länder sich nicht am rollierenden System der Sommerferien beteiligen, müssten diese selbst hinterfragen. „Grundsätzlich dürfte eine von allen Ländern gemeinsame getragene Regelung eine breitere Zustimmung – auch in der Bevölkerung – haben.“

Auch Thüringen schließt sich der Kritik an. Der Fraktionschef der Thüringer CDU-Fraktion, Andreas Bühl, sagt: „Unsere Schulferienregelung stammt aus einem anderen Jahrhundert. Wir brauchen ein modernes, gerechtes System, das sich an den Bedürfnissen der Familien, der Schulen und der Wirtschaft orientiert – nicht an jahrzehntealten Traditionen.“ In Thüringen starteten die Sommerferien in diesem Jahr bereits im Juni und enden im August.

Ähnliche Töne kommen aus der Hamburger Schulbehörde. Senatorin Ksenija Bekeris (SPD) halte nichts von Sonderregelungen für einzelne Bundesländer und setze sich für gemeinsame, konsensuale Regelungen für alle Länder ein, sagt ein Sprecher der Senatorin und fügt hinzu: «Insofern unterstützt sie die Initiative aus NRW.»

Selbst in Bayern gibt es inzwischen auch nachdenkliche Stimmen: „Natürlich wäre es für die Konzentrationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler und die Belastung der Lehrkräfte gewinnbringend, wenn wir mit dem Juli nicht immer den heißesten Monat des Jahres im Klassenzimmer verbringen würden“, sagt Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), dem Tagesspiegel. News4teachers / mit Material der dpa

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