
Die Landtags-Grünen sind mit ihrem Vorhaben gescheitert, den Posten als Schulleitung durch eine geringere Unterrichtsverpflichtung, bessere Qualifizierungsmaßnahmen und moderne Arbeitsmodelle attraktiver zu machen. Die Ablehnung des Antragspakets durch CSU und Freie Wähler sei ein Schlag ins Gesicht für alle Schulleitungen, die am Limit arbeiten, sagte der Grünen-Bildungsexperte Christian Zwanziger. «Wer gute Schulen für unsere Kinder will, darf die Menschen an der Spitze nicht mit immer mehr Aufgaben alleinlassen, sondern muss ihnen den Rücken freihalten.»
Dass mehr Leitungszeit bedeute, dass die Schulleitungen weniger Stunden vor den Klassen stünden (wie von den Mehrheitsfraktionen angeführt wurde), halten die Grünen für ein «klassisches Totschlagargument», das die Überlastung der Betroffenen zur Dauerlösung erkläre. «Das Argument des Lehrkräftemangels darf nicht länger als Ausrede dienen, um notwendige Entlastungen zu blockieren.» Die aktuellen Rahmenbedingungen schreckten potenzielle Bewerberinnen und Bewerber ab und ließen engagierte Führungskräfte auf Dauer ausbrennen, hatte Zwanziger bereits vor Beginn des Bildungsausschusses betont.
Kritik an Umfang der Leitungszeit und schlechter Vorbereitung
Auch wenn die Statistiken des Kultusministeriums dies nicht erfassen: Aus der Praxis ist immer wieder zu hören, dass Schulleitungen nicht wie vorgesehen besetzt werden können, weil es an (qualifizierten) Bewerbungen mangelt. Der Führungsjob sei angesichts der zunehmenden Herausforderungen und der geltenden Rahmenbedingungen schlicht nicht mehr attraktiv, heißt es. Im Gegenteil: Der Aufgabenmix aus Ganztag, Inklusion, Digitalisierung, Schulentwicklung, multiprofessioneller Zusammenarbeit und Verwaltung sei nur durch übermäßiges Engagement zu bewältigen.
Ein zentraler Kritikpunkt auch der Lehrerverbände: Es gebe zu wenig bezahlte Leitungszeit – und die Vorbereitung auf die neue Rolle sei mangelhaft. Zwar sind für Neulinge bestimmte Schulungsmaßnahmen verpflichtend. «Aber da bekommt man nicht das notwendige Know-how, die Überlegenheit und Gelassenheit, durch Fachwissen, best practices und wissenschaftliche Evidenz zu sehen: Welcher Weg ist richtig? Wir müssen die Wege selbst finden», kritisiert die Vorsitzende des bayerischen Schulleitungsverbands, Stefanie Horinek.
Außerdem immer wieder zu hören: Die Schulleitungen haben zu wenig Zeit für ihre Führungsaufgaben, weil sie zu viel unterrichten müssten. «Schulleitung ist ein eigenständiger Beruf, ein mehr als den Tag ausfüllender Beruf, und man kann ihn nicht neben der Klassenleitung machen», betont etwa die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann.
Grüne wollten Schulleitungen unterstützen und Frauen fördern
Die Grünen wollten deshalb mehr Leitungszeit vor allem auch an den Grund-, Mittel- und Förderschulen erreichen. In den Grund- und Mittelschulen sollten zudem die an anderen Schularten schon etablierten erweiterten Schulleitungen eingeführt werden, bei denen die Leitung von einem Führungsteam unterstützt wird. Auch wollten die Grünen die Qualifizierung vor Amtsantritt verbessern.
Darüber hinaus wollten sie moderne Führungsmodelle wie Jobsharing – zwei Personen teilen sich den Posten – oder Teilzeitarbeit für sämtliche Schularten ermöglichen. Damit sollte der Job auch für weibliche Lehrkräfte, die häufiger Teilzeit arbeiten als männliche, leichter möglich werden. Zudem wollten sie Frauen gezielt fördern. Denn bislang sind diese – gemessen am Geschlechterverhältnis unter den Lehrkräften – in den Schulleitungen an allen Schularten unterrepräsentiert. News4teachers / mit Material der dpa