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Pflichtmusik: Söder will Schulgemeinden (drei) Hymnen zum Abschluss singen lassen

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BAD STAFFELSTEIN. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will die von seiner Partei vorgeschlagene Hymnenpflicht bei Schulabschlüssen umsetzen – auch wenn seine Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) und Lehrerverbände zuletzt gebremst hatten. Es sei ihm lieber, die Hymnen zu singen, als viele Stunden darüber zu diskutieren, sagte Söder nach Teilnehmerangaben auf der Winterklausur der CSU-Landtagsfraktion im oberfränkischen Kloster Banz. Er habe darüber auch mit Stolz gesprochen.

Singpflicht. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock / Juergen Nowak

Die CSU hatte auf ihrem Parteitag im Dezember einstimmig für einen Antrag der Jungen Union votiert, wonach bei gesellschaftlich relevanten Anlässen wie der Verleihung von Schul- und Berufsabschlüssen verpflichtend die Nationalhymne und die Europahymne gespielt werden sollen. In Bayern soll zusätzlich die Bayernhymne erklingen. Der Antrag war zuvor von mehr als 2.600 Parteimitgliedern in einer Online-Abstimmung unterstützt worden.

Der Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion, Klaus Holetschek, hatte nach dem Parteitagsbeschluss erklärt, man wolle diesen „schnell umsetzen“. Bayernhymne und Nationalhymne seien „ein klares Bekenntnis zu unserem Staat, unserer Gesellschaft und unseren gemeinsamen demokratischen Werten“. „Langwierige Debatten und endlose Bedenken bringen uns hier nicht weiter“, sagte Holetschek.

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„Symbol der nationalen Identität, der Zusammengehörigkeit und des Patriotismus und repräsentiert die Nation, ihre Geschichte, ihre Werte und ihren Stolz“

In der Begründung des Antrags verweist die Junge Union auf die identitätsstiftende Wirkung nationaler Symbole. Die Hymne sei „Symbol der nationalen Identität, der Zusammengehörigkeit und des Patriotismus und repräsentiert die Nation, ihre Geschichte, ihre Werte und ihren Stolz“. Angesichts zunehmender Kinder- und Jugendgewalt sei eine Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls notwendig. Zudem erhoffen sich die Antragsteller mehr Patriotismus – und damit auch mehr Bewerber für die Bundeswehr. Auch Integration könne so „kostengünstig und ohne größeren Aufwand“ gefördert werden.

Zurückhaltender äußerte sich zuletzt jedoch Kultusministerin Stolz. „Wir wollen die Hymnen an unseren Schulen noch ein Stück weit präsenter machen. Wie und auf welchen Wegen möchte ich gerne mit der Schulfamilie diskutieren“, hatte sie im Dezember gesagt. Aus dem Kultusministerium hieß es zudem, dass es den Schulen bislang freistehe, bei festlichen Anlässen Hymnen zu spielen – eine gesetzliche Verpflichtung existiere nicht.

Deutliche Vorbehalte kommen aus der Lehrerschaft. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten mehrere bayerische Lehrerverbände zwar, der Wunsch nach gemeinschaftsstiftenden Ritualen sei vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Zersplitterung nachvollziehbar. Skeptisch sehen sie jedoch eine staatlich verordnete Pflicht. „Fraglich ist der aufgezeichnete Weg, durch eine von oben gesetzte Verpflichtung Fakten zu schaffen“, heißt es. Rituale müssten die Beteiligten überzeugen und könnten nicht kurzfristig verordnet werden.

Auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband lehnt eine Verpflichtung ab. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann betonte, Gemeinschaftsgefühl entstehe nicht durch Zwang, sondern durch Auseinandersetzung mit Inhalten und gelebte Erfahrung. „Um das zu erreichen, braucht es viel mehr als das Singen einer Hymne“, sagte sie. Schulen bräuchten vor allem Freiräume und Zeit für politische Bildung und demokratische Praxis.

Kritik kommt auch aus der Opposition. Der bayerische SPD-Landesvorsitzende Sebastian Roloff erklärte, mit solchen Debatten werde davon abgelenkt, „dass es auch in Bayern großen Bedarf gibt, in Schulen und Bildung zu investieren“. Geholfen werde damit niemandem. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Hymnensingen in der Schule: In die Lehrerkonferenz hineingehört (eine Satire)

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