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Wird Rechtsanspruch auf Ganztag zum Desaster? “Flächendeckende Erfüllung unmöglich”

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MAINZ. Dass der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule im nächsten Sommer bundesweit greift, steht seit dem Jahr 2021 fest. Jetzt wird vielerorts die Zeit für die Umsetzung offenbar knapp. In Rheinland-Pfalz kocht die Debatte in diesen Tagen hoch. 

Vorne hui…? (Symbolbild.) Illustration: Shutterstock

Wenige Monate vor dem Start des Rechtsanspruchs auf eine Ganztagsbetreuung in der Grundschule schlagen die GEW und die kommunalen Spitzenverbände Alarm. Der Bildungsgewerkschaft fehlt ein landesweites Konzept und eine Moderation für die Umsetzung des Betreuungsangebots in Rheinland-Pfalz:  «Wo wollen wir eigentlich hin mit dem Ganztag? Dieser Prozess fehlt uns komplett», kritisierte GEW-Vorstand Kathrin Gröning im Gespräch in Mainz. Die Spitzen des Städte- und Landkreistages sowie des Gemeinde- und Städtebunds fordern dringend Unterstützung des Landes für die Umsetzung des Rechtsanspruchs.

Rechtsanspruch gilt zu nächstem Schuljahr für die 1. Klasse

Ab dem Schuljahr 2026/2027 gilt in Deutschland der Rechtsanspruch. Bund und Länder haben sich auf eine schrittweise Einführung geeinigt. Ab dem kommenden Schuljahr greift die Regelung bei Kindern der 1. Klasse, ab 2029/2030 dann bei allen Jahrgangsstufen im Grundschulbereich. Bis Ende des Jahrzehnts soll für jedes Kind ein Platz mit einer Förderung von 40 Wochenstunden vorhanden sein.

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In Rheinland-Pfalz sei kein einheitliches System der Ganztagsbetreuung vorhanden. Es gebe wenige verpflichtende Systeme, dafür viele Schulen, die mit freiwilligen Angeboten agierten. Dazu kämen die Hort-Strukturen. «Dieser Blumenstrauß ist kunterbunt, regional sehr verschieden und landesweit nicht sauber im Monitoring», kritisierte Stefan Jakobs vom dreiköpfigen GEW-Vorstandsteam.

Unterschiedliche Elternwünsche

Das jeweilige Angebot der Ganztagsbetreuung hänge in Rheinland-Pfalz auch stark vom Standort der Schule, von den Möglichkeiten einer lokalen Kooperation sowie den jeweiligen Wünschen der Eltern nach entweder verlässlichen Strukturen oder großer Flexibilität ab. Eine Moderation, wie diese unterschiedlichen Systeme mit dem künftigen Rechtsanspruch in Einklang gebracht werden sollten, gebe es aber nicht, bemängelten Gröning und Jakobs.

Eine Regelung aus einem Guss wäre aber auch für die Beschäftigten in der Ganztagsbetreuung wichtig. Derzeit gebe es viele Kräfte auf Honorarbasis und mit befristeten Arbeitsverhältnissen mit insgesamt niedriger Bezahlung. Mit dem Rechtsanspruch seien auch Weiterbildungen und Qualifizierungen nötig, ergänzte Vorstandsmitglied Christiane Herz.

Kommunen fordern Unterstützung vom Land

Städte, Gemeinden und Kreise arbeiteten mit großem Engagement an der Umsetzung des Rechtsanspruchs. «Dennoch ist die flächendeckende Erfüllung inklusive Ferienzeiten ab August 2026 aus unserer Sicht nicht möglich», sagten Lisa Diener, geschäftsführende Direktorin Städtetag, ihr Amtskollege vom Landkreistag Andreas Göbel sowie Moritz Petry, Vorstandsmitglied Gemeinde- und Städtebund, auf Anfrage.

Entscheidend sind nach ihren Angaben drei Problembereiche: Finanzierung, Personal- und Fachkräftemangel sowie bauliche Anforderungen. Für den Ausbau der Ganztagsangebote brauche es zusätzliche Räume wie Mensen und Aufenthaltsbereiche. Vielerorts fehlten dafür Planungs- und Baukapazitäten. Besonders kritisch bleibe aber die Personalfrage. Für Betreuung während der Schulzeit und in den Ferien fänden die Kommunen kaum ausreichend Fachkräfte.

Die kommunalen Spitzenverbände forderten von der Landesregierung die Übernahme des kommunalen Eigenanteils bei den Investitionen von 30 Prozent. Für den Ausbau des Rechtsanspruchs würden Kantinen, Aufenthaltsräume und Bewegungsflächen benötigt. Außerdem sollte es die vollständige Weiterleitung der Bundesmittel für den laufenden Betrieb an die Kommunen geben.

Bildungsminister ist zuversichtlich

Bildungsminister Sven Teuber (SPD) sieht Rheinland-Pfalz dagegen für den Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung in der Grundschule gut vorbereitet. Für den Start zum kommenden Schuljahr 2026/27 werde von einer Nachfrage von rund 60 Prozent der Erstklässler ausgegangen, sagte Teuber in Mainz. Da bei den ursprünglichen Planungen von einem höheren Bedarf ausgegangen worden sei, sei Rheinland-Pfalz auf einem guten Weg.

Die Stärke von Rheinland-Pfalz seien die vielfältigen Betreuungsangebote, sagte der Bildungsminister. Es gebe die Ganztagsbetreuung sowohl in Angebotsform als auch verpflichtend, die offene Ganztagsschule im Rahmen der betreuenden Grundschule sowie die Betreuung im Hort. Durch diese vielfältige Struktur gebe es eine höhere Akzeptanz überhaupt für Ganztagsförderung im Land. In Rheinland-Pfalz werde von einer jährlichen Steigerung der Nachfrage von eineinhalb Prozent ausgegangen.

Rund 1.000 Grundschulen in Rheinland-Pfalz

Die Ganztagsschulen in verpflichtender Form würden immer stärker nachgefragt. Es gebe gezielt aus mehreren verschiedenen Schulformen Anfragen. Für das kommende Schuljahr lägen bereits 17 Optionen für eine Ganztagsschulerrichtung vor, berichtete Teuber.

In Rheinland-Pfalz gibt es knapp 1.000 Grundschulen. Im laufenden Schuljahr 2025/26 bestehen laut Bildungsministerium an insgesamt 666 Standorten Ganztagsschulen in Angebotsform. Davon sind 357 Grundschulen. Die Zahl der Ganztagsschulen in verpflichtender Form beläuft sich demnach auf 107 im laufenden Schuljahr, darunter 10 Grundschulen. News4teachers / Von Bernd Glebe, dpa

Der Countdown läuft: Ab 2026 gilt der Rechtsanspruch auf Ganztag – doch die Zeit wird knapp, das Geld noch knapper

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56 Kommentare
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Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor

Ganztag nimmt freie Zeit zum Lernen und erfordert mehr Lehrer, die ja auch einiges kosten. Das ist äußerst unökonomisch und undidaktisch.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Quellen dazu?

Thorsten
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall
Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Thorsten

Danke.
Ich bezweifel aber, dass sich Gelbe Tulpe gegen das Konzept der Allemannenschule ausspricht XD

Tischarbeiterin
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Zu dem ersten Teil des geschriebenen – Logik

Tischarbeiterin
1 Monat zuvor
Antwortet  Tischarbeiterin

Off topic: Ich sehe einige Fehler in meinen heutigen Kommentaren und bitte, diese zu entschuldigen. Leider kann ich meine Kommentare nicht bearbeiten.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Tischarbeiterin

Ich kann Ihrer Logok nicht ganz folgen, dass Kinder und Jugendliche nachmittags im Internet versumpfen, anstatt in der Schule geeignete Angebote zu erhalten…
Können Sie mir Ihre Logik bitte erläutern?

(Das es sich lohnen soll, an Bildung zu sparen, sehe ich ähnlich problematisch, dies hängt aber ja überwiegend mit dem ersten Punkt zusammen.)

Thorsten
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Die Pauschalisierung Kinder würden am Nachmittag im “Internet versumpfen” ist unsachlich.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Thorsten
Thorsten
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Tulpes Ausführungen sind durch Aussagen mehrerer Träger des deutschen Schulpreises bewiesen, logisch nachvollziehbar (wenn man intensiv drüber nachdenkt) und in meiner praktischen Erfahrung empirisch bestätigt. Die deutlich besseren Noten der Schulen mit freiem selbstorganisierten Lernen und Reduzierung von Unterricht sind ebenfalls bewiesen und belegt.

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Thorsten

Die besseren Noten von Kindern, die die Schule ernst nehmen, sind auch bewiesen und belegt.

Die Neigung von Kindern, Freiheiten für die unterschiedlichsten Dinge auszunutzen, sind bewiesen und belegt.

Jetzt nehmen wir Kinder, die Schule nicht so ernst nehmen, mit anderen Worten auch bei den bildungsnächsten Standorten mindestens 50%.

Wie waren eigentlich Ihre Erfahrungen während der Pandemie? Bei mir streute sich die Leistung noch viel weiter als in Präsenz, wobei die ernsthaften Schüler ihr Niveau ungefähr gehalten haben, die anderen viel weiter abgesackt sind.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Thorsten

“sind durch Aussagen mehrerer Träger des deutschen Schulpreises bewiesen”

Welchen Schulpreisträger meinte Tulpe bei “Ganztag nimmt freie Zeit zum Lernen”?

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Thorsten
Marie
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

In Grundschulen geht es überwiegend um den offenen Ganztag, da braucht man Erzieher statt Lehrer (aber ja, auch die sind schwer zu finden).

Thorsten
1 Monat zuvor
Antwortet  Marie

Es gibt viele Kommunen, die nach meinen Erfahrungen versuchen in Grundschulen den (teil)gebundenen Ganztag ohne Bedarfsabfrage durchzusetzen.

Dörte Hufeisen
1 Monat zuvor

Ich finde es staatspolitisches Versagen, andauernd etwas zu beschließen, ohne sicherzustellen, dass es auch umgesetzt werden kann. Die beschließen und meinen anscheinend, der Rest wird sich schon finden.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Dörte Hufeisen

Die Untätigkeit wird garantiert bei den Landtagswahlen abgestraft.
Ich meine, es wird doch niemand über das Ob diskutieren und die Untätigkeit bewusst verlängern 😉

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Welche Partei schlagen Sie da genau vor?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Eine demokratische, was sonst?
Sie können sich also austoben, solange Sie der gesichert rechtsextremen AfD nicht in den Abgrund nachlaufen 🙂
https://m.youtube.com/watch?v=DcZlgoAx_o4

Was meine Meinung zur Parteipolitik bei der Bildung betrifft, schrieb ich bereits schon, dass ich davon wenig halte, sondern eine wissenschaftsgeleitete Bildungspolitik begrüßen würde

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Welche denn genau und welches Bundesland meinen Sie?

Abgesehen davon habe ich Zweifel, dass sich das Thema Bildung als wahlentscheidend herausstellt. Wäre auch parteipolitisch sehr unklug, weil man mit Bildung eine Wahl nur verlieren kann.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Was meine Meinung zur Parteipolitik bei der Bildung betrifft, schrieb ich bereits schon, dass ich davon wenig halte, sondern eine wissenschaftsgeleitete Bildungspolitik begrüßen würde

… :/

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Welche Partei setzt sich Ihrer Ansicht nach denn so für den Bildungsbereich ein, dass sie sich zur Wahl empfiehlt?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Sie können aktuelle Parteien aufgrund ihrer schlechten Bildungspolitik abwählen.
Die gesichert rechtsextreme AfD muss hier nicht in Betracht gezogen werden, die hat kein Interesse an gebildeten Menschen/ Demokratie/ dem Rechtstaat/ einer Zukunft 😉
https://www.n-tv.de/politik/Das-koennten-die-AfD-Erfolge-fuer-Schulen-bedeuten-article25158395.html

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Und welche Partei schlagen Sie nun vor, welche aufgrund ihres bildungspolitischen Engagement hervorsticht und welche sich damit für Menschen empfiehlt, denen eine gute Bildung am Herzen liegt?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Dazu schrieb ich ja bereits: “Was meine Meinung zur Parteipolitik bei der Bildung betrifft, schrieb ich bereits schon, dass ich davon wenig halte, sondern eine wissenschaftsgeleitete Bildungspolitik begrüßen würde”

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Also wollen Sie die Demokratie abschaffen zugunsten einer Technokratie?

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Dörte Hufeisen

Das sehen wir doch im Bildungsbereich schon seit mindestens 20 Jahren, Stichworte Integration, Inklusion, Digitalisierung.

Strategie der verantwortlichen Bildungspolitiker ALLER politischer Parteien war es bisher, die Schuld dann den f… S… unter dem Beifall der Öffentlichkeit zuzuschieben: Zu faul, zu dumm, zu alt, zu krank, zu “verbeamtet”, …

Das Schlimme daran ist aber auch, dass die zuständige GEWerkschaft das Ganze auch noch aus ideologischer Verblendung mitbejubelt hat, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was Gewerkschaftsarbeit eigentlich ausmacht. Ein Blick in Richtung IG Metall, IG BCE oder Marbuger Bund hätte genügt: Erst die notwendigen Ressourcen außerhalb von “Modellprojekten” und “Leuchtturmschulen” in der Fläche bereitstellen und erst dann mitjubeln…

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Also weiter über das Ob reden, anstatt die Politik in die Pflicht zu nehmen.
Ein Schelm, wer sich dann über Stillstand aufregt 😉

Bla
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Vor allem “schießt sich” die GEW “selbst in’s Bein” damit langfristig.
Ideologien ohne Lösungsverwirklichung scheitern normalerweise logischerweise als Folge.

Ein systemisches Problem zu stützen hilft hier leider auch mit Ideologie nicht. Man ist weder in der Macht-, noch in der Druckposition. V. A. nicht, wenn man dies [Mangelumsetzung] “indirekt unterstützt”. Nur zu Fordern hilft hier nicht. Das sieht man doch.
Vielleicht mal die Taktik bisschen ändern.

Und hier gilt:
– Basis immer zuerst
– Grundrahmenbedingungen stärken und verbessern
– Ressourcen holen
– Kommunikation mit Umsetzungszielen UND -strategien
– Umsetzung

Wenn man jetzt nur den letzten Punkt “fordert” … Dann als Kompromiss “umsetzt” … Und die vorherigen fehlen ALLE. Oh was … Wer hätts gedacht.
Wenn man dann sich daran (weiterhin) klammert.
Und die Primärziele eben auch so setzt und legt …
Ja gut. Wird halt sehr wahrscheinlich auch nichts mehr werden.

Und dann kommt wieder Rainer [und co.]:
Aber sind Sie in … [Ja]
Machen Sie … [Vielleicht]
Sie sind nur gegen … [Meistens nicht, außer es ist Unfug]
Sie wollen doch nur… [Nein, ich will das oft schon – aber oft anders]
Usw.

Keine Ahnung … Und das sieht man – wie Sie sagten – bei allen diesen Themen halt durchweg und “mit gleicher Taktik”. Nur irgendwie …
Ach was, ich geh das “Wellenspiel” machen.

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Dörte Hufeisen

Man könnte schon langsam befürchten, in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden, in dem die Ärzte und Pflegekräfte noch gar nicht eingestellt sind und bei dem die Betten fehlen. Man kann ja zumindest unter Dach auf Stühlen sitzen und warten, bis irgendwann ein Arzt auftaucht, egal von welcher Fachrichtung!

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Und bis jener Arzt kommt, mault man den Hausmeister ( der sich den Hintern für die Bereitstellung der Stühle aufgerissen hat) an, dass der sich gefälligst um die ärztliche Versorgung zu kümmern hat, der faule Sack!

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Genau!

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

“Für den Start zum kommenden Schuljahr 2026/27 werde von einer Nachfrage von rund 60 Prozent der Erstklässler ausgegangen, sagte Teuber in Mainz.”
Wie kommt Herr Teuber zu dieser Zahl?

HarneEinrichson
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Er hat gesehen, das mehr nicht betreut werden können und drückt jetzt ganz dolle die Daumen?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  HarneEinrichson

Habe bisher keine andere Erklärung gelesen. Hoffentlich irren wir uns 🙁

Muxi
1 Monat zuvor

Ich mag da altmodisch sein, aber ich halte Ganztagesbetreuung für eine Fehlentwicklung. Es ist sicher nicht im Sinne von Kindern, wenn sie schon so früh in nicht nur vormittags, sondern gleich ganztags “am Arbeitsplatz” eingesperrt sind und nur noch einen Feierabend daheim verbringen dürfen.
Work-Live-Balance ist ein Thema, aber es kann nicht richtig sein, das schon so früh zum Problem zu machen.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Muxi

Und die Frage bleibt, wie sinnstiftend diese “Betreuung” flächendeckend aussehen wird: Gibt es genügend Angebote im sportlichen, künstlerischen, musischen Bereich? Gibt es ein ausgewogenes Mittagessen? Gibt es überhaupt ein allgemein gültiges Konzept – oder muss jede einzelne Schule in mehreren Arbeitskreisen dieses selbst festlegen und schauen, wie die Kohlen aus dem Feuer geholt werden? Aufgrund meiner Erfahrungen und mehreren Gesprächen mit Lehrkräften und Schulleitungen, gehe ich mal von Letzterem aus.

Wahrscheinlich wird das Ganztagskonzept an den allermeisten (nicht allen) Schulen so aussehen, dass eine überforderte, ungelernte Aushilfe mehrere Kinder in einem kahlen Raum mit ein paar Tischen und Stühlen hüten muss wie einen Sack Flöhe und drei Kreuze macht, wenn sie mal wieder einen Nachmittag überlebt hat – Migräne inklusive.

Bla
1 Monat zuvor

Ich bin mal sehr überspitzt und provokant:

Na und?
Was “juckt” es dem Staat?
Die Privatschulen werden ebenfalls beim Ganztag nachziehen und hier auch gesondert gefördert.
Die Zufriedenheit an “Ganztags-Regelschulen” wird sinken.
Bestenfalls macht man “verpflichtenden Ganztag” und hofft, dass die Abwanderungen hoch genug sind und schnell genug von Privatschulen abgefangen werden können.
Die Privatschulen übernehmen dann die Schulpflicht/Präsenzpflicht.
Der Staat spart sich enorm viel Geld.
Und zusätzlich muss auch noch nichtmal “der Notaus” als Bildungspflicht gezogen werden.

Verschwörungstheorie und nicht ganz richtig? Ja, mit Sicherheit nicht der Hauptgrund und zu “einseitig direkt”. Absolut klar. Ein kleiner Funke Wahrheit? Spekulation. Auszuschließen? Noch größere Spekulation.
Es ist eine Teilbasis des Prozesses, welcher jetzt teilweise bereits ersichtlich ist … Und für die Zukunft schauen wir mal.

Ansonsten: Sie haben natürlich recht. Es wird auch hier gespart. Getestet, wie drauf reagiert. Und Pech.
Wer ernsthaft davon ausgeht, dass das [rechtliche qualitative Ganztagsbeschulung] überhaupt stemmbar wäre … Na Mahlzeit. Möglich? Vielleicht. Aber dazu müsste man ja erstmal “den Rahmen und Raum” dazu schaffen. Wurde nicht. Gibt es dementsprechend nicht. Wird potentiell nicht.

Viel Glück Leute.

Th.N.
1 Monat zuvor

Es gibt eine Petition auf change : “Recht auf Ganztagsbetreuung darf nicht zur Pflicht zum Ganztag für alle Kinder werden”. Aus meiner Sicht sollte ausschließlich im Sinne der Kinder und Eltern entscheiden werden und die individuelle Rhythimisierung im Vordergrund stehen. Das Bildungssystem kann aus meiner Sicht nur durch selbstorganisiertes Lernen ähnlich Allemannenschule Wutöschingen sinnvoll reformiert werden, in dem auch das zu Hause ein Lernraum (Home-Schooling) sein kann und es maximale Freiheiten gibt

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Th.N.

Das setzt voraus, dass ALLE Kinder stets intrinsisch motiviert sind, selbstorganisiert zu lernen. Wer das an der Alemannenschule nicht hinbekommt, wird auch auf andere Schulen verwiesen, die das traditionelle Konzept fahren.

Thorsten
1 Monat zuvor

Kinder wollen lernen und sind neugierig. Gerade in der Grundschule. Das starre Bildungssystem im x Minuten-Takt und Zwangsganztag führt zu Frust und rückt Schule in einen negativen Kontext. Für die Masse wäre dies ein Vorteil und für die Lehrkräfte schafft dies enorme Freiräume.

Arno Handke
1 Monat zuvor
Antwortet  Thorsten

Darf ich darauf hinweisen, dass die meisten Kinder die Grundschule VOR Beginn der Pubertät absolvieren?

Thorsten
1 Monat zuvor

Das Graduierungssystem unterstützt mit positiver Verstärkung. Studien der Päd.Uni Heidelberg haben bewiesen, dass Lernen unter Schülern nicht “uncool” ist und Kinder von Migranten sehr motiviert sind Bildungstitel zu erreichen. Gerade aus der Sicht ist das bestehende Bildungssystem ungeeignet, da es die individuellen Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigen kann.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Thorsten

Würden Sie die von Ihnen erwähnten Studien bitte einmal verlinken?
Vielen Dank,
Mika

Tischarbeiterin
1 Monat zuvor

Kommentar aus der der Sicht der Mutter:

– du bleibst bei den Kindern Zuhause bzw lässt sie bei dir (ob Kita oder ganztags) – du bist eine Helikoptermutter, Versagerin, sozial unfähig, faul etc

– du gehst arbeiten VZ und lässt Kids in einer längeren Betreuung – Rabenmutter; Eltern erziehen ich ihre Kinder nicht/zu wenig/nicht genug etc

Also wie jetzt?

Penki
1 Monat zuvor
Antwortet  Tischarbeiterin

Was mich überrascht: Einerseits sind es nach wie vor hauptsächlich Mütter, die sich dieser Art von Kritik gegenüberstehen, der sie nicht entkommen können, da man es ja sowieso auf die eine oder andere Art falsch macht. Andererseits kommt die Kritik – zumindest ist das mein Gefühl – hauptsächlich und besonders stark von Müttern. Wir selbst sind einander oft die größten Feinde.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Tischarbeiterin

Jetzt überlegen Sie einmal, woher dieser “Druck” VZ arbeiten zu gehen kommt und woher die Diffamierungen kommen, wenn man das nicht tut.

Ein Tipp: Das kommt nicht von den Schulen. Das kommt aus der gleichen Ecke, wie der Södersche Wunsch, alle Lehrkräfte zur Vollzeit zu zwingen.

Stine
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Vollzeit muss man erstmal schaffen. Von 8 Stunden Betreuung fallen 1,5 h für den Arbeitsweg weg und ab einer bestimmten Stundenzahl muss ich dann auch noch Pausenzeiten abziehen… da müssten dann schon 10 statt 8 h Betreuung her. Und dafür, dass ich meine Kinder dann nicht zu Gesicht krieg, hab ich sie nun nicht bekommen…

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Tischarbeiterin

Du überlegst dir gemeinsam mit dem Vater deiner Kinder rechtzeitig und am besten vor der Zeugung, ob du ein Kind haben möchtest und wie euer Leben FÜR DAS KIND am KINDGERECHTESTEN aussehen kann. Du machst dabei so wenig wie möglich von vornherein Kompromisse zulasten des Kindes. Du überlegst, ob du und ihr euch finanziell und bezüglich eurer Interessen gegebenenfalls für die nächsten 10 Jahre einschränken könnt und wollt. Du schaust dir deinen Tag an und überlegst, inwieweit dein Kind in seinen unterschiedlichen Entwicklungsphasen, in Krankheit und während zusätzlicher Herausforderungen in deinem Leben die wichtigste Person vor allen anderen, einschließlich Chefs, Kunden und Kollegen sein könnte, so dass es sich besonders in den ersten drei Lebensjahren uneingeschränkt an dich binden und sich IMMER sicher fühlen kann. Du überlegst, ob du deinem Kind gegenüber diese Fürsorge uneingeschränkt auch dann geben kannst, wenn du es alleine schaffen müsstest. Wenn du einen Vater zu deinen geplanten Kindern hast, überlegt ihr euch gemeinsam eine Absicherung in finanzieller Hinsicht sowohl für die Rente als auch für den Unterhalt desjenigen von euch beiden, der überwiegend oder ganz für das Kind da sein wird und seinen Beruf so weit zurückstellt, dass er bei Krankheit und anderen Schwierigkeiten beim Kind bleiben kann, ohne diesem das Gefühl zu geben, ein Problem zu sein. Ihr sichert das notariell ab.
Du fängst zu keinem Zeitpunkt an, die Verantwortung für dein noch nicht gezeugtes Kind auf andere zu verteilen, auch nicht auf den Staat in Form von Kinderbetreuung. Dein Kind könnte krank sein oder werden und du kannst es nirgendwo hin abgeben. Kinderbetreuung könnte unterhalb deiner Wertvorstellungen für dein Kind ablaufen und du solltest es wieder herausnehmen können. Das Kind kann sich mit einem Jahr noch nicht von dir trennen und braucht noch ein halbes Jahr, um sicher in eine Kita oder zur Tagesmutter gehen zu können und selbstverständlich lässt du es nicht wochenlang in einer Einrichtung nach dir weinen, bis es resigniert.
Du bist als Mutter selbstverständlich für dein Kind da und es ist dir egal, was diejenigen über dich sagen, die ihre Kinder Kompromisse machen lassen für ihr eigenes Leben.

Carsten
1 Monat zuvor

Ich bin auf die Gerichtsurteile gespannt. Ob es schöne Schadensersatzansprüche der Eltern gegen die Kommunen geben wird ?

TaMu
1 Monat zuvor

Beim Ganztag wird vermutlich nicht mitgedacht, dass Grundschulkinder Zeit für individuelles Freispiel alleine und in kleineren Gruppen brauchen, für die entsprechende Räume drinnen wie draußen notwendig sind. Freies Spiel in selbstgewählten Gruppen, wie es früher am Nachmittag mit der besten Freundin, dem besten Freund oder mit den Kindern aus der Nachbarschaft üblich war, mit Puppen und Geschirr unter einem Baum, Versteckspielen in den Gärten, Geheimtreffen im Dachgeschoss (oder Kinderzimmer) ist für die kognitive Entwicklung gerade auch in diesem Alter sehr wichtig. Und auch wenn jetzt viele schreiben werden, dass die Kinder dann auch nur am Handy sitzen, wenn sie zusammen in ein Kinderzimmer gehen, gibt es auch noch viele Kinder, die das nicht tun.
Im Grundschul- Ganztag müssen also nicht nur die fehlenden Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer irgendwie gefunden werden, sondern auch die phantasieanregenden oder beruhigenden Räume geschaffen werden, von denen die meisten Schulen meilenweit entfernt sind.
Das Ganze ist von vornherein in mehrfacher Hinsicht in Gefahr, sich zu einer institutionellen Kindeswohlgefährdung auszuwachsen.

Angelina
1 Monat zuvor

Ja wieder einmal den dritten Schritt vor den ersten beiden gemacht.
Erst wird beschlossen: ab 2026 gibt es den Ganztag. Danach erst wird dann überlegt, ob und wie das machbar ist.
Keine Firma und keine Privatperson würde so planen.
Das funktioniert so nicht.
Wer den klaren Menschenverstand einsetzt, weiß das vorher schon.

TaMu
1 Monat zuvor

Besonders bescheuert ist doch auch, dass ein Rechtsanspruch Schadenersatzansprüche nach sich zieht, wenn er nicht erfüllt wird. Wie kann man nach dem nicht einlösbaren Desaster des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag einen weiteren von vornherein nicht einlösbaren Rechtsanspruch schaffen?

Kathrin
1 Monat zuvor

Ich bekomme gerade die Ergebnisse vom Ganztag mit: nicht jedes Kind tut das nachmittagliche Lernen in großer Gruppe gut.
Es mag Kinder geben, die vom Ganztag profitieren. Aber auch welche bei denen dies nicht förderlich ist.
Mein Fazit nach 3 Jahren: tut euren Kinder das nicht zwangsweise an. Das Ergebnis (Lernstand) überzeugt mich nicht und letztendlich sitzen wir nun nach 16 Uhr zuhause und üben weiter.
Im nächsten Leben würde ich eine Ganztagsschule vermeiden.

Arno Handke
1 Monat zuvor

Ein Rechtsanspruch, der zu seiner Erfüllung Menschen erfordert, die bei einer Geburtenrate von 1,35 pro Frau nie gezeugt wurden und daher auch noch nicht überredet werden konnten, bei den heutigen paradiesischen Arbeitsbedingungen Lehramt zu studieren, ist nicht ganz leicht einzulösen.

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