
Im ersten Schulhalbjahr sind in Thüringen 652 Lehrerinnen und Lehrer eingestellt worden. Dies seien rund zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, teilte das Bildungsministerium in Erfurt mit. Aus dem Schuldienst ausgeschieden sind nach vorläufigen Zahlen 247 Lehrerinnen und Lehrer. In der zweiten Schuljahreshälfte scheiden aber erfahrungsgemäß mehr Lehrkräfte aus – etwa, weil sie in den Ruhestand wechseln. Zudem waren im Stellenportal des Landes rund 500 Lehrerstellen ausgeschrieben.
«Bei aller positiven Entwicklung ist uns jedoch wichtig, deutlich zu machen: Es gibt weiterhin hohe Einstellungsbedarfe, diese verschieben sich jedoch bereits spürbar», sagte Thüringens Bildungsminister Christian Tischner (CDU).
Programm für Grundschullehrer
So sei der Bedarf an Grundschulen bereits leicht rückläufig. Im ersten Schulhalbjahr sind demnach 158 Grundschullehrer unbefristet eingestellt worden, im Vorjahreszeitraum waren es 181. An Regelschulen, wo der Lehrermangel als besonders akut gilt, wurden 139 Lehrkräfte eingestellt, im Vorjahreszeitraum waren es 107.
Das Bildungsministerium hatte im November ein Programm für bestimmte Grundschullehrer gestartet, um sie für Unterricht an Regelschulen zu gewinnen. «Der flexiblere Einsatz an verschiedenen Schularten eröffnet neue Perspektiven und macht deutlich: Wir übernehmen Verantwortung für die Köpfe, die wir im eigenen Land ausbilden, und sorgen dafür, dass sie dort ankommen, wo sie gebraucht werden», sagte Tischner dazu.
69 sonderpädagogische Fachkräfte
Wegen der demografischen Entwicklung könnten die Kinderzahlen an den Grundschulen immer weiter abnehmen. In vielen Kindergärten im Freistaat bleiben bereits Plätze leer, Schließungen von Einrichtungen werden mancherorts erwogen oder bereits umgesetzt.
Den Angaben zufolge wurden zusätzlich zu den 652 im ersten Schulhalbjahr neu eingestellten Lehrkräften 69 Sonderpädagogische Fachkräfte unbefristet an Förderschulen und im Gemeinsamen Unterricht eingestellt. News4teachers / mit Material der dpa
(Ost-)Deutschland gehen die Kinder aus – was tun mit den Kita-Fachkräften?
In den Diskussionen seinerzeit wurde von einem “Schweinezyklus” gesprochen, wonach sich alle 20 Jahre Lehrermangel und Lehrerüberhang miteinander abwechseln.
Nur, dass der Lehrkräftemangel seit 15 Jahren anhält und Schulen in dieser Zeit unterversorgt waren und dennoch alle Schwierigkeiten meistern mussten.
Zudem decken sich die Berechnungen der KMK nicht mit denen anderer (Klemm) und nicht mit der Realität.
Ministerien verkünden, sie hätten die ausgeschriebenen Stellen besetzt, schreiben aber seit Jahren unter Bedarf aus. Eine Versorgung der Schulen um 90% gilt als gut und gelungen, selbst wenn man darunter fällt, kann man nicht mit Unterstützung durch mehr Lehrkräfte rechnen, sondern muss es oft intern retten.
NDS hatte nach der Arbeitszeitstudie vor 10 Jahren Entlastungen in Aussicht gestellt, die angesichts des Lehrkräftemangels nicht umgesetzt werden konnten. Nur zu, dann ist das ja bald möglich.
Es gibt ein Gute-Kita-Gesetz, dass den Betreuungsschlüssel vorgibt, aber kein Gute-Schule-Gesetz oder Gute-Umsetzung-der-Inklusion-Abkommen, das Vorgaben setzt.
In der Mangelsituation wurde schulische Frühförderung (Schulkindergarten, Vorschule, Sprachförderung) gestrichen, nun denkt man über neue Maßnahmen nach, die ausgestattet werden müssen.
Wenn nun eine Arbeitszeiterfassung eingeführt wird, die EU-Recht umsetzt, wird mehr als deutlich, dass die Lehrkräfte in den vergangenen 15 Jahren die Missstände durch unbezahlte Überstunden aufgefangen haben, um so mehr, wenn nicht allein nach Deputat abgerechnet wird, sondern inklusive der außerunterrichtlichen Aufgaben.
Der Lehrkräftebedarf müsste komplett neu berechnet werden, von einem landesweiten Ausgleich der Mangelsituation kann keine Rede sein.
“Zudem waren im Stellenportal des Landes rund 500 Lehrerstellen ausgeschrieben.”
Cool… und wie viele braucht es wirklich?
Ich würde mal raten deutlich mehr
Volle Zustimmung!
Tja, Lehrkräftemangel wird leider bald als gelöst erklärt – schade.
Das ist schon lange bekannt und deshalb haben die Bundesländer kein Interesse an der Schaffung übermäßig vieler Planstellen.
Das ist endlich mal vorausschauen (seit 20 Jahren?).
So wie der Bau von neuen Wohnungen 🙂
Gibt doch genügend Luftschlösser, in denen viel Wohnraum kreiert wird.
Wer es glaubt…komischerweise werden Klassen und Kyrse NIE kleiner statt größer…
Wie, wird die Mangel jetzt abgeschafft und die Lehrkräfte nicht mehr platt gemacht? Da brechen ja endlich die goldenen Zeiten an, die schon ewig versprochen worden sind. Und ohne AZE wird sich der Lehrkräfteüberhang sogar günstig auf die Etatplanung kommender Legislaturen auswirken. Jetzt noch die Klassenteiler hochsetzen und die Länderschulden marginalisieren sich. Herz, was willst du mehr
DEMOGRAPHISCHE RENDITE MUSS ZU 100 PROZENT BEI DEN GRUNDSCHULEN BLEIBEN!!!
WIR haben nun jahrzehntelang unter prekärsten Bedingungen den wichtigsten Job der Republik gemacht.
WIR haben mit durchschnittlichen Klassengrößen von 25 und mehr gearbeitet – was mit Kindern nochmal ein ganz anderer Schnack ist als mit Jugendlichen.
WIR haben KEINE (ja genau, gar keine) Funktionsstellen jenseits der Schulleitung.
WIR haben das höchste Deputat (28 = sick!).
WIR haben die schlechteste materielle Ausstattung, keinerlei Fachräume, keinerlei Sammlung, maximal einen Abstellraum mit unnützem Zeug, denn wenn es irgendwas nützliches dort gibt, hat es unter Garantie schon jemand in Benutzung.
WIR haben für jeden Schüler ein Drittel Ipad.
WIR haben eine Halbtagssekretärin.
…
Und WENN es jetzt tatsächlich dazu kommen sollte, dass die Schülerzahlen leicht zurückgehen, dann ist es
eine MORALISCHE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT,
dass diese demographische Rendite zu 100 Prozent an den Grundschulen verbleibt
und NICHT – noch bevor auch nur ein Schüler weniger vor uns sitzt – schon an die relativ privilegierten Schulformen (=alle anderen) – umverteilt wird.
DAS WÄRE EINE MORALISCHE BANKROTTERKLÄRUNG UND EINE ABSOLUTE FRECHHEIT.
Daher wird es genau so kommen. <— Zynismus inside
Ich seh mich nach dem Ref schon bei der Anordnung an die Oberschule (leider!)
Warum leider?
Die Überschrift ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die den Grundschulen nicht mal das Schwarze unterm Nagel gönnen.
Den Referendaren in Sachsen wird es auch nicht gegönnt. Der MDR berichtet, dass kurz vor Dienstantritt den meisten die Zulage für Bedarfsgebiete, immerhin 1250 €, gestrichen wurde.
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/politik/schule-referendariat-sonderzulage-100.html
Und kritische Journalisten könnten ja mal diese drei einfachen Fragn stellen:
1 – Wie groß sind die Klassen an den staatlichen Grundschulen Ihres Landes heute im Durchschnitt?
2 – SOLL das eventuell mal weniger werden?
3 – KANN das jemals weniger werden, wenn man Lehrer von der Grundschule an weiterführende Schulen abzieht?
So kenne ich das. Mit Beginn des neuen Schuljahres hat das Ministerium um Mehrstunden geworben, ich habe wöchentlich 2 Stunden mehr geleistet, jedoch bis Dato noch keinen Cent bekommen.