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Schule der Zukunft: Warum gesunde Unterrichtsräume zum Lernen unverzichtbar sind

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DÜSSELDORF. Wenn über die Schule der Zukunft diskutiert wird, stehen oft pädagogische Fragestellungen im Vordergrund: Wie muss Lernen aussehen, um Kinder auf die Zukunft vorzubereiten? Doch diese Perspektive allein greift zu kurz. Wie Lernprozesse verlaufen, hängt auch entscheidend von den Bedingungen ab, unter denen sie stattfinden. Schulgebäude und Unterrichtsräume prägen das Lernklima und dieses wirkt sich unmittelbar auf Konzentration, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden aus – von Schüler*innen und Lehrkräften.

Die Lernumgebung beeinflusst das Wohlbefinden der Schüler*innen – und damit auch ihre Leistungsfähigkeit. Symbolfoto: Shutterstock

Schulräume sind Lern- und Lebensräume, die „nicht nur Auswirkung auf das Wohlbefinden, sondern auch auf das Verhalten und die Leistungsfähigkeit von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern“ haben. Das betont die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) in ihrer Handreichung „Klasse(n) – Räume für Schulen“, in der sie Empfehlungen für gesundheits- und lernfördernde Klassenzimmer zusammengetragen hat. Klassenzimmer sollten demnach eine freundliche und angenehme Atmosphäre erzeugen, in der sich leichter lehren und lernen lässt. „Räume können motivieren oder demotivieren, sie können aggressives Verhalten fördern oder mildern. Fühlen sich die Schüler und Schülerinnen in ‚ihrer‘ Schule wohl, fällt ihnen das Lernen leichter. Sie zeigen bessere schulische Leistungen und sind in der Lage schulische Probleme besser zu lösen.“

Sechs entscheidende Faktoren

Doch wann ist ein Raum ein lernfördernder Raum? Die Wirkung werde vor allem von sechs Faktoren bestimmt, so die DGUV. Zu diesen gehören die Raumgröße und Raumnutzung, das Mobiliar, Licht und Beleuchtung, Raumakustik sowie Raumklima und die Raumgestaltung, etwa durch Pflanzen und Farben. Diese Aspekte beeinflussen sich gegenseitig und entscheiden gemeinsam, wie Lehrende und Lernende einen Raum wahrnehmen.

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Die Raumgröße steht dabei immer im Zusammenhang mit der jeweiligen Nutzung: Unterschiedliche Unterrichtsformen stellen unterschiedliche Anforderungen an Flächen, Bewegungsmöglichkeiten und die Anordnung der Möbel, so heißt es in der Handreichung. Da Schulen die Raumgröße der einzelnen Unterrichtsräume nicht verändern können, kommt dem Mobiliar eine besondere Bedeutung zu. Dieses bestimmt mit, wie flexibel Lehrkräfte Unterricht organisieren können. Schulen sollten laut DGUV Tische und Stühle beispielsweise so auswählen und anordnen, dass unterschiedliche Lernformen möglich bleiben. Bewegliches Mobiliar erleichtere es Lehrer*innen, den Unterricht an wechselnde Anforderungen anzupassen.

„Ein gutes Raumklima fördert Wohlbefinden, Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit“

Ebenfalls von entscheidender Bedeutung laut der Unfallversicherung: Licht und Beleuchtung. „Effektives, konzentriertes Lernen und gutes Sehen stehen in einem engen Zusammenhang.“ Zu viel oder zu wenig Licht, eine schlechte Farbwiedergabe oder ungünstiger Schattenwurf beeinflussten die Wahrnehmung und führten zu einer schnellen Ermüdung der Augen. Gegen störende Blendeinwirkung rät die Handreichung zu einem innen liegenden Blendschutz vor den Fenstern.

Gesunde Lernräume auf der didacta 2026

Wie gesund sind unsere Klassenzimmer wirklich?

Auf der didacta 2026 stellt Zukunftsraum Schule diese Frage in den Mittelpunkt. Unter dem Leitmotiv „Gesunde Lernräume – gesunde Köpfe: Gesundheit im Klassenzimmer“ wird gezeigt, wie stark Temperatur, Akustik, Innenraumluft und Licht den Schulalltag beeinflussen. Diese Faktoren wirken unmittelbar auf Konzentration, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden von Schüler:innen und Lehrkräften, werden jedoch häufig überhaupt nicht berücksichtigt.

An mehreren Thementagen werden die einzelnen Aspekte gezielt vertieft, von Lernförderlichkeit über Hitzeschutz und Arbeitsschutz bis hin zu Gesundheit und Soforthilfemaßnahmen für den Schulalltag. Dabei wird deutlich, welche Rolle Raumqualität für gesundes Lernen spielt.

📍 didacta 2026 | Kölnmesse
📌 Halle 7 | Stand B-051
🗓 10.03. – 14.03.2026

Heinz Trox-Stiftung
Jasmin Biesenroth
j.biesenroth@heinz-trox-stiftung.de

Hinzu kommt: Eine ungünstige Raumakustik erschwert das Verstehen von Sprache, so die DGUV. Besonders bei kommunikationsintensiven Arbeitsformen wie Gruppenarbeit oder Projektunterricht könne dies dazu führen, dass die Kinder zunehmend lauter reden, um sich in ihrer eigenen Gruppe besser zu verstehen. In der Akustik heißt dieses Phänomen „Lombard-Effekt“. Doch die Geräuschkulisse bestimmt entscheidend, wie anstrengend Lehrkräfte und Schüler*innen den Unterricht empfinden. „Studien haben gezeigt, dass bei guter Raumakustik der Lombard-Effekt nicht eintritt.“ Die Partner-, Gruppen- oder Projektarbeit laufe relativ leise ab und das Lernumfeld biete eine deutlich entspanntere Atmosphäre. Die Raumakustik sei daher eine zentrale Ressource für den Lehr- und Lernerfolg an Schulen.

Des Weiteren spiele das Raumklima eine enorm wichtige Rolle. „Ein gutes Raumklima fördert Wohlbefinden, Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit und Gesundheit des Menschen“, schreibt die DGUV. Nach deren Angaben wirken insbesondere Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität unmittelbar auf das körperliche Befinden von Schüler*innen und Lehrkräften. Damit sich Menschen in Unterrichtsräumen wohlfühlen, empfiehlt die Unfallversicherung eine Raumtemperatur zwischen 20 und 24 Grad Celsius, eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 65 Prozent – insbesondere bei Tätigkeiten mit hohem Sprechanteil – sowie eine maximale Luftgeschwindigkeit von 0,15 Metern pro Sekunde.

Mit Grünpflanzen und Stoßlüften zu besserer Luftqualität

Zur Verbesserung des Raumklimas bietet die Handreichung einige einfache Maßnahmen: So lasse sich die Luftfeuchtigkeit im Raum mithilfe bestimmter Zimmerpflanzen wie Zyperngras um etwa fünf bis zehn Prozent erhöhen, regelmäßiges Stoß- und Querlüften verbessere zudem nachweislich die Luftqualität. „Die Luftqualität in Klassenzimmern wird maßgeblich durch den Gehalt an Kohlendioxid (CO₂) beeinflusst. Daher kann CO₂ auch als Indikator für die Raumluftqualität herangezogen werden“, heißt es in der Handreichung. Erhöhte CO₂-Werte könnten müde machen, die Konzentration beeinträchtigen und Kopfschmerzen verursachen. Deshalb sollten Lehrkräfte mindestens einmal vor und nach jeder Unterrichtsstunde Fenster und Türen vollständig öffnen, um durch den Durchzug einen Luftaustausch zu ermöglichen. Zur Kontrolle des CO₂-Gehalts könnten CO₂-Ampeln oder Sensoren im Klassenzimmer dienen.

Nicht zu unterschätzen: Sommerhitze

Besondere Aufmerksamkeit verlangt nach Angaben des Bildungsportals Niedersachsen die Temperaturentwicklung in den Sommermonaten. Die Zahl der Tage mit Temperaturen von über 25 Grad Celsius und über 30 Grad Celsius sowie der Nächte mit Temperaturen über 20 Grad Celsius nimmt demnach zu. Doch hohe Raumtemperaturen wirken sich unmittelbar auf den Schulalltag aus: Sie „beeinträchtigen die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit und können neben allgemeinen Befindlichkeitsstörungen auch ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen“, warnt das niedersächsische Kultusministerium. Um zu verhindern, dass sich die Unterrichtsräume im Sommer übermäßig aufheizen, rät das Ministerium – neben Maßnahmen, die bereits beim Bau zu berücksichtigen sind, – zu außenliegenden Sonnenschutzsystemen wie Jalousien.

Klassenräume bewusst gestalten

Farben, Materialien und Pflanzen prägen die Atmosphäre eines Raumes und wirken damit auf das Wohlbefinden der Menschen, die sich darin aufhalten. Als Wandfarbe für Klassenräume eigneten sich laut DGUV beispielsweise „warme Farbtöne aus dem gelben oder orangen Spektrum. Diese Farben wirken raumweitend und erzeugen eine freundliche und kommunikative Atmosphäre.“ Meistens genüge es eine Wand farbig zu gestalten, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Pflanzen eigneten sich außerdem, um das Klassenzimmer zu strukturieren, die Computer- oder Leseecke abzugrenzen. Schon seit 1999 sei die positive Wirkung einer Innenraumbegrünung in Schulen wissenschaftlich belegt. Dieser Studie zufolge fühlten sich Schülerinnen und Schüler nach der Begrünung ihrer Klassenzimmer wohler und zeigten eine bessere Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit als vorher.

Der Blick auf die Lernräume zeigt damit: Wer Schule zukunftsfähig gestalten will, muss pädagogische Konzepte und bauliche Rahmenbedingungen gemeinsam denken. Sollen Kinder Zukunftskompetenzen erwerben, brauchen sie Räume, die sie dabei unterstützen und Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und problemlösendes Denken fördern. Bei einem Investitionsstau von derzeit rund 68 Milliarden Euro im Schulbereich keine leichte Aufgabe. News4teachers

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats „Schule der Zukunft“.

Schule der Zukunft: “Wer moderne Pädagogik will, kann die Flurschule nicht unangetastet lassen” – zum Schulgebäude

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3 Kommentare
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Heinz
1 Stunde zuvor

Jo, einer der Gründe, warum es mit der Bildung in Deutschland immer weiter bergab geht.

dickebank
1 Stunde zuvor
Antwortet  Heinz

Gefälle ist auch nur ne negative Steigung

Katze
1 Stunde zuvor

Hääää? – Schulgesundheit zwischen Wunschdenken und WirklichkeitDie „Schule der Zukunft“ soll also vor allem eines haben: innenliegenden Blendschutz. Denn konzentriertes Lernen hängt angeblich davon ab, ob der Sonnenstrahl im 37‑ oder 42‑Grad‑Winkel aufs Heft fällt (Scherz). Die Augen ermüden, die Wahrnehmung leidet, die Konzentration sinkt – ach was.
Ich kann mich da nur wundern.
Aus meinen eigenen Erfahrungen weiß ich, wie „gesund“ Unterrichtsräume wirklich sein können:
Asbest, das man lieber nicht erwähnt.
Aspergillus niger, der hinter frischer Farbe verschwindet wie ein ungebetener Gast.
Formaldehyd – nicht aus den Präparategläsern der Biologen, sondern aus den guten alten Pressspanmöbeln, die seit Jahrzehnten still vor sich hin ausgasen.
Und dann die Radonbelastung in Schulen im Erzgebirge und im Harz:
In den Ferien klebte man die Geigerzähler heimlich unter bestimmte Möbel – nicht etwa, um offen zu messen, sondern um zu hoffen, dass sie nichts anzeigen.
Ein Konzept für den Fall, dass sie doch etwas anzeigen? Fehlanzeige.
Dabei wäre klar gewesen, was dann folgen müsste: Abdichtung der Fundamente, technische Lüftungsanlagen, Radonabsaugung – Sanierungen, die Millionen pro Schulstandort verschlungen hätten.
Der Referenzwert liegt bei 300 Bq/m3.
Gemessen wurden bis zu 2.200 Bq/m3.
Aber klar – der Schattenwurf ist das eigentliche Problem.
Und dann die violetten Chemieräume. Eine befreundete Lehrkraft aus einer Waldorfschule erzählte mir davon – angeblich „pädagogisch wertvoll“.
Sie trat irgendwann die Flucht an. Verständlich: Wenn der Chemieraum aussieht wie ein esoterisches Alchemielabor, wird’s irgendwann eng mit der naturwissenschaftlichen Glaubwürdigkeit.
Zu viel oder zu wenig Licht, eine schlechte Farbwiedergabe oder ungünstiger Schattenwurf – echt jetzt.
Was im deutschen Bildungssystem große Schatten wirft, sind ganz andere Probleme.

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