DÜSSELDORF. Lehrkräfte sehen sich zunehmend mit Gewalt konfrontiert, auch in Nordrhein-Westfalen. Neue Zahlen des Landeskriminalamts zeigen einen deutlichen Anstieg entsprechender Delikte. Elternvertreter sehen eine Ursache für diese besorgniserregende Entwicklung in politischen Versäumnissen. Konkret: in der Vernachlässigung von Schulen, die unter besonders schwierigen Standortbedingungen arbeiten müssen.

Die Zahl der Gewalttaten gegen Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen ist erneut gestiegen. Wie aus Daten des Landeskriminalamtes hervorgeht, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegen, wurden im Jahr 2024 insgesamt 845 entsprechende Delikte registriert, nach 837 im Jahr zuvor. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 bedeutet dies einen Anstieg um 308 Fälle beziehungsweise 57 Prozent.
Unter den erfassten Straftaten befinden sich 121 Fälle von Gewaltkriminalität, im Jahr 2023 waren es 111. Hinzu kommen 261 Fälle vorsätzlicher einfacher Körperverletzung, nach 258 im Vorjahr. Die Zahlen zeigen damit nicht nur einen langfristigen Anstieg, sondern auch eine kontinuierliche Zunahme in einzelnen Deliktbereichen.
Ein ähnlicher Trend lässt sich auf Bundesebene beobachten. In einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag beziffert die Bundesregierung die Zahl vorsätzlicher einfacher Körperverletzungen gegen Lehrkräfte für das Jahr 2024 auf 1.283 Fälle. Im Jahr zuvor lag der Wert noch bei 996. Auch bei den Gewaltdelikten insgesamt ist ein Anstieg erkennbar: 557 Fälle wurden 2024 registriert, nach 477 im Jahr 2023. Im Vergleich zum Jahr 2015 entspricht dies einer Zunahme um 101 Prozent bei Körperverletzungen und um 79 Prozent bei Gewaltdelikten. Daten für das Jahr 2025 liegen bislang nicht vor.
Die Gewalt gegen Lehrkräfte verweist aus Sicht von Elternvertretern auf ein strukturelles Problem. Nach Angaben der Landeselternschaft der integrierten Schulen in Nordrhein-Westfalen (LEiS-NRW) wurden im Jahr 2024 landesweit rund 24.000 Straftaten an Schulen registriert. Die stellvertretende Vorsitzende Kathrin Adler-Becker meint dazu: „Wer diese Zahlen isoliert betrachtet, verkennt die eigentliche Dimension des Problems. Gewalt an Schulen entsteht nicht zufällig. Sie häuft sich dort, wo soziale Belastungen besonders hoch sind – und genau hier greift der Schulsozialindex in NRW bislang zu kurz oder wird politisch nicht konsequent genug genutzt.“
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Der Schulsozialindex ist in Nordrhein-Westfalen als Instrument vorgesehen, um Schulen in besonders belasteten sozialen Lagen gezielt zusätzliche Ressourcen zuzuweisen. Nach Darstellung der LEiS-NRW bleibt seine Wirkung jedoch begrenzt, sowohl hinsichtlich der konkreten Ausstattung als auch bei der Geschwindigkeit der Umsetzung. Der Vorsitzende Harald Amelang spricht in diesem Zusammenhang von grundlegenden Defiziten: „Wir sehen hier ein systemisches Versagen. Schulen mit den größten sozialen Herausforderungen bekommen nicht annähernd die Unterstützung, die sie brauchen. Gleichzeitig wundert man sich über eskalierende Konflikte, Gewalt und steigende Belastungen. Das ist politisch sehenden Auges in Kauf genommen.“
„Schulen dürfen keine Hochsicherheitszonen werden, weil die Politik ihre Hausaufgaben nicht macht“
Ein weiteres Problem sieht die Elternvertretung in der Erfassung der Vorfälle. Ein Teil der Konflikte und Gewalthandlungen werde nicht statistisch dokumentiert und verbleibe innerhalb der Schulen. Dadurch entstehe eine Lücke zwischen erfasster und tatsächlicher Lage. Adler-Becker erklärt dazu: „Die tatsächliche Lage ist noch deutlich dramatischer, als es die Zahlen vermuten lassen. Wenn Vorfälle nicht konsequent erfasst werden, fehlt die Grundlage für wirksames Handeln. Das ist keine Entlastung – das ist Realitätsverweigerung.“
Kritisch äußert sich LEiS-NRW zudem zu einem wachsenden Einsatz technischer Sicherheitsmaßnahmen wie Videoüberwachung oder Alarmsystemen. Diese könnten zwar punktuell unterstützen, würden jedoch die Ursachen der Gewalt nicht adressieren. Amelang formuliert es so: „Wer jetzt auf Kameras und Schließsysteme setzt, hat das Problem nicht verstanden. Gewaltprävention entsteht durch Beziehungen, durch Zeit, durch professionelle Unterstützung – nicht durch Technik. Schulen dürfen keine Hochsicherheitszonen werden, weil die Politik ihre Hausaufgaben nicht macht.“
Die Elternvertretung fordert vor diesem Hintergrund eine stärkere Ausrichtung der Ressourcenverteilung am Schulsozialindex, den Ausbau multiprofessioneller Teams sowie kleinere Klassen. Zudem müsse die Erfassung von Gewaltvorfällen verbindlicher und transparenter werden, um eine belastbare Grundlage für politische Entscheidungen zu schaffen. LEiS-NRW kündigt an, das Thema weiterhin auf die bildungspolitische Agenda in Nordrhein-Westfalen zu setzen. News4teachers
“Gewalt an Schulen entsteht nicht zufällig. Sie häuft sich dort, wo soziale Belastungen besonders hoch sind”
Jup, aber die Kinder und deren Eltern verantwortlich zu machen – natürlich nicht die Weißen, sind alles Taucher 😉 – ist halt kostengünstiger.