WIESBADEN. In Hessen formiert sich Widerstand gegen eine offenbar geplante Änderung der Arbeitszeitregelungen für ältere Lehrkräfte. CDU und SPD wollen nach Gewerkschaftsangaben die bisherige Altersermäßigung deutlich einschränken und so zusätzliche Unterrichtsstunden mobilisieren. GEW und VBE warnen vor steigender Belastung und verweisen auf mögliche Folgen für den ohnehin angespannten Lehrkräftearbeitsmarkt. „Wenn Lehrkräfte die volle Stundenzahl in der Schule nicht mehr schaffen, werden sie künftig andere Wege gehen (müssen), um die Belastungen für sich zu reduzieren“, heißt es.

Die geplante Neuregelung der Altersermäßigung für Lehrkräfte in Hessen stößt bei Gewerkschaften auf deutliche Kritik. Hintergrund ist ein Gesetzentwurf der Regierungsfraktionen von CDU und SPD, der am kommenden Dienstag im Hessischen Landtag beraten werden soll. Ziel ist es, die Zahl der von älteren Lehrkräften zu unterrichtenden Stunden zu erhöhen.
Bislang sieht die hessische Pflichtstundenverordnung vor, dass Lehrkräfte ab dem 55. Lebensjahr eine Stunde weniger unterrichten müssen, ab 60 Jahren reduziert sich die Pflichtstundenzahl um zwei Stunden. Künftig soll diese Entlastung erst ab dem 60. Lebensjahr greifen. Damit würde die Arbeitszeit für Lehrkräfte zwischen 55 und 60 Jahren faktisch verlängert.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen lehnt diese Änderung ab und spricht von einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Der Vorsitzende der GEW Hessen, Thilo Hartmann, fordert ein Umdenken im Kultusministerium: „Statt einer willkürlichen Verlängerung der Arbeitszeit muss das Kultusministerium endlich die längst überfällige Arbeitszeiterfassung von Lehrkräften auf den Weg bringen. Dann wird sich nach unserer Einschätzung zeigen, dass eine Reduzierung der Pflichtstundenzahl notwendig ist.“
Die GEW verweist in ihrer Argumentation auf Berechnungen zur Lebensarbeitszeit von Lehrkräften. Demnach liegt Hessen im bundesweiten Vergleich bereits im oberen Bereich der Gesamtarbeitsleistung. Besonders im Grundschulbereich sei die Belastung bis zum 60. Lebensjahr höher als in allen anderen Bundesländern. Durch die geplante Neuregelung würden Lehrkräfte in Hessen bis zum Ruhestand länger arbeiten als in den meisten anderen Ländern.
Die Datengrundlage basiert auf Modellrechnungen, die eine Vollzeittätigkeit über 40 Jahre bis zum Ruhestand mit 67 Jahren annehmen. Unterschiede zwischen den Bundesländern sind erheblich: Während Niedersachsen laut GEW auf eine um 300 Pflichtstunden höhere Lebensarbeitszeit kommt, liegt Thüringen rund 1900 Pflichtstunden darunter. Die Vergleichbarkeit ist dabei eingeschränkt, da unterschiedliche Regelungen zur Arbeitszeit und Entlastung gelten.
Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen kritisiert die Pläne des Kultusministeriums und verweist auf mögliche Folgen für die Personalentwicklung. In einer Stellungnahme warnt der Landesvorsitzende Stefan Wesselmann vor unerwünschten Ausweichreaktionen. So könnten betroffene Lehrkräfte vermehrt Teilzeit beantragen oder vorzeitig in den Ruhestand gehen. Dies würde die intendierte Wirkung der Maßnahme konterkarieren. Wesselmann formuliert die Konsequenz deutlich: „Das Land würde also genau jene Lehrkräfte verlieren, die es eigentlich an den Schulen halten möchte.“
Der Verband stellt die geplante Kürzung zudem in einen größeren Zusammenhang bildungspolitischer Maßnahmen der vergangenen Wochen. Neben Einsparungen bei integrierten Gesamtschulen, beim Sozialindex und in der Lehrkräftebildung sieht der VBE ein Muster, das im Widerspruch zu politischen Zusagen steht, nicht an der Bildung zu sparen.
Beide Organisationen argumentieren, dass die Attraktivität des Lehrerberufs durch die geplanten Änderungen weiter sinken könnte. Dies betreffe nicht nur ältere Lehrkräfte, sondern auch den Wettbewerb der Bundesländer um Nachwuchs. Die GEW weist ausdrücklich darauf hin, dass Hessen durch die steigende Lebensarbeitszeit im Vergleich zu anderen Ländern an Attraktivität verliere. News4teachers
Gegen Lehrermangel: GEW fordert zehn Stunden Altersermäßigung für Lehrkräfte ab 55
Ja, ist auch unfair.
Die Autobauer und Franzosen mit 62, Die Lehrer mit 67?
Mit 67 Jahren und durchschnittlich 2 bis 3 Monaten.
Lehrkräfte treten erst am Ende des Schulhalbjahres in den Ruhestand, in dem sie die gesetzliche Altersgrenze erreichen. Geburtstagskinder aus Juli und Februar dürfen sich also besonders freuen.
Nicht nur die Franzosen. Habe neulich gelesen, dass das faktische Renteneintrittsalter in Österreich trotz offizieller Grenze von 67 Jahren bei 61-62 Jahren liegt. Und das bei deutlich höherer Rente als in Deutschland.
Und Lehrer (und andere) dürfen bei uns demnächst bis 70 ackern, wenn der März erst einmal durchgreift…
Ich gehe mit 61,5.
Ungleich ist nicht gleich unfair.
Ist das soooooooo schwer zu verstehen?