BERLIN. Der (gerade in zweiter Auflage wieder angelaufene) DigitalPakt sollte die Schulen in Deutschland schnell und flächendeckend digitalisieren. Doch zwischen politischem Anspruch und der Realität vor Ort klafft eine Lücke. In seinem frisch erschienen Buch „Hummel sein – DigitalPakt Schule“ beschreibt der leitende Kommunalbeamte Norman Jahn aus Sicht der Schulträger, warum Förderlogiken, überbordende Bürokratie und fehlende Ressourcen den Fortschritt ausbremsen – und was sich grundlegend ändern müsste. Wir bringen im Vorfeld der Bildungsmesse Learntec den folgenden Auszug. Die darin genannten Beispiele sind anonymisiert, aber authentisch.

Schulen sollen fit gemacht werden für das digitale Zeitalter, ausgestattet mit moderner Technik, stabilen Netzen und pädagogisch sinnvollen Anwendungen. Mit dem „DigitalPakt Schule“ wollte die Politik genau dieses Versprechen einlösen. Milliardenbeträge wurden angekündigt, die Kommunen sollten investieren, und schon bald sollten Kinder und Jugendliche mit Tablets, Whiteboards und WLAN in jedem Klassenzimmer lernen. Der digitale Unterricht sollte endlich nicht mehr an der Anschaffung scheitern. Mittel sollten helfen, dass Sachaufwandsträger handeln können. So zumindest die Vision. Die Realität aber sieht anders aus. Während in der Öffentlichkeit über die Chancen digitaler Bildung diskutiert wird, kämpfen die eigentlichen Umsetzer – die Sachaufwandsträger, also Kommunen und Landkreise – mit gewaltigen Problemen. Anträge sind kompliziert, Anforderungen steigen, und vielerorts fehlt schlicht das Personal, um Projekte zu planen, auszuschreiben und dauerhaft zu betreuen. (…)
Auf den ersten Blick klingt es einfach: Der Bund gibt Geld, die Länder verteilen es, die Kommunen beantragen es. Doch in der Realität zeigt sich: Die Förderlogik des DigitalPakts ist eine der größten Hürden für die Digitalisierung der Schulen. Die Grundidee des DigitalPakts war eigentlich einfach: Schulen entwickeln pädagogische Konzepte, und die Sachaufwandsträger bauen darauf auf, indem sie die notwendige Infrastruktur beantragen und bereitstellen.
„Egal ob kleine Gemeinde, Landkreis oder Großstadt – die Komplexität der Antragsverfahren sorgt überall für Verzögerungen und Frust“
In der Praxis hat sich dieser Mechanismus jedoch als eine der größten Hürden erwiesen. Denn die Verfahren sind mehrstufig und hochformalisiert: 1. Jede Schule muss ein detailliertes Medienkonzept erstellen. Darin soll festgelegt sein, wie digitale Technik im Unterricht genutzt wird. 2. Die Kommune muss dieses Konzept in einen technischen Ausstattungsplan übersetzen – inklusive Netzwerktechnik, Endgeräte, Software und Kostenplan. 3. Der Antrag wird an die zuständige Landesbehörde weitergeleitet, die ihn prüft, Nachfragen stellt und gegebenenfalls zurückschickt. 4. Erst nach Bewilligung kann die Kommune Ausschreibungen starten – mit allen vergaberechtlichen Vorgaben. Dieser Prozess klingt in der Theorie logisch, führt aber in der Praxis zu einer bürokratischen Kettenreaktion: Verzögerungen entstehen schon beim Medienkonzept, weil Lehrkräfte es neben dem regulären Unterricht verfassen müssen. Kommunen müssen technische Details planen, die oft noch gar nicht bekannt sind, weil die Bedarfe sich erst im Schulalltag konkretisieren. Landesbehörden prüfen formalistisch und verlangsamen dadurch die Umsetzung.
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Beispiel 1: Die kleine Gemeinde Fichtenau. Die Grundschule in Fichtenau wollte WLAN und ein Klassenset Tablets. Die Schulleitung erarbeitete ein kurzes Medienkonzept – acht Seiten. Doch die Landesbehörde verlangte mindestens 30 Seiten mit detaillierten pädagogischen Szenarien. Die Schulleitung hatte weder Zeit noch Expertise, also musste ein externer Berater engagiert werden. Kostenpunkt: 5.000 € – nicht förderfähig. Ergebnis: Ein Antrag, der über ein Jahr brauchte, bevor er bewilligt wurde.
Beispiel 2: Der Landkreis Südheim. Im Landkreis Südheim stellte die Verwaltung acht parallele Anträge für verschiedene Schulen. Nach Monaten der Bearbeitung kamen die Anträge zurück – mit der Begründung, die Medienkonzepte seien „nicht hinreichend kompatibel mit den landesweiten Standards“. Alle Konzepte mussten überarbeitet werden, was weitere sechs Monate Verzögerung verursachte. Schulen und Eltern wurden ungeduldig, die Verwaltung stand unter Rechtfertigungsdruck.
Beispiel 3: Die Großstadt Rheinheim. Die Großstadt Rheinheim plante eine zentrale Ausschreibung für über 100 digitale Tafeln an 25 Schulen. Der Antrag war komplex, enthielt mehrere Hundert Seiten technische Details und pädagogische Begründungen. Die Landesbehörde stellte über 60 Rückfragen – von „Welche Steckdosenleistung ist vorgesehen?“ bis „Wie wird die didaktische Einbindung in den Fremdsprachenunterricht konkret sichergestellt?“. Nach drei Monaten fertig – doch die Bewilligung ließ sich fast ein Jahr Zeit. Als die Zusage endlich kam, war das ursprünglich vorgesehene Angebot des IT-Dienstleisters bereits nicht mehr gültig. Eine neue Ausschreibung war nötig – und die Schule wartete ein weiteres Jahr.
Beispiel 2: Landkreis Hohenfels. Der Landkreis Hohenfels stellte 15 Anträge für verschiedene weiterführende Schulen. Alle wurden gleichzeitig eingereicht. Die Landesbehörde bearbeitete sie nicht parallel, sondern nacheinander. Bis der letzte Antrag geprüft war, waren fast zwei Jahre vergangen. Inzwischen hatte sich die Marktlage geändert: Serverpreise waren deutlich gestiegen, und die Ausschreibungen mussten angepasst werden. Das gesamte Projekt verteuerte sich um mehrere Hunderttausend Euro.
Beispiel 3: Großstadt Rheinburg. Die Großstadt Rheinburg plante eine Ausstattungsoffensive: 10.000 Tablets für ihre Schulen. Der Antrag wurde sorgfältig vorbereitet und eingereicht. Doch die zuständige Behörde stellte unzählige Rückfragen – von den genauen WLAN-Plänen bis zu Details der geplanten Nutzerkonten. Jeder Bearbeitungsschritt dauerte mehrere Wochen. Nach anderthalb Jahren war die Bewilligung da. Doch inzwischen war die Ausschreibung geplatzt: Die Lieferfirmen konnten die Geräte nicht mehr zu den alten Konditionen liefern. Statt eines zügigen Fortschritts begann der Prozess fast von vorn. Die Bearbeitung dauerte so lange, dass die ursprünglich kalkulierten Preise für die Tafeln nicht mehr gültig waren. Die Stadt musste die Ausschreibung neu starten.
Die Beispiele zeigen: Egal ob kleine Gemeinde, Landkreis oder Großstadt – die Komplexität der Antragsverfahren sorgt überall für Verzögerungen und Frust. Das System ist so formalisiert, dass es mehr Energie in die Papierlogik steckt als in die tatsächliche Verbesserung des Unterrichtsalltags. Es fehlt oft an echter Digitalisierung von Prozessen. Nur weil etwas eingescannt und hochgeladen wird, ist die Papierlogik nicht gebrochen. Wirklich echte Digitalisierung im Prozess der Antragstellung fehlt schlicht sehr häufig. Dies liegt oft auch begründet in der mangelhaften Digitalisierungsbereitschaft der Verwaltung und der Mentalität des „Schiebens“ von Zielen, was in dieser Form zu einem bizarren Bild führt.
Selbst wenn ein Antrag eingereicht ist, bedeutet das noch lange nicht, dass die Mittel zeitnah fließen. Denn die Anträge werden in den Landesministerien oder Bezirksregierungen geprüft – Behörden, die oft selbst personell knapp besetzt sind. Dort stapeln sich die Unterlagen, und die Bearbeitung dauert Monate, manchmal Jahre. Das Problem: In dieser Zeit steigen Preise, Angebote laufen ab, und die geplanten Investitionen verlieren an Aktualität. So verpufft der ursprüngliche Nutzen des DigitalPakts.
Beispiel 1: Gemeinde Oberried. Die kleine Gemeinde Oberried beantragte 2020 Fördermittel für den Ausbau von WLAN in ihrer Grundschule. Der Antrag war nach drei Monaten fertig – doch die Bewilligung ließ sich fast ein Jahr Zeit. Als die Zusage endlich kam, war das ursprünglich vorgesehene Angebot des IT-Dienstleisters bereits nicht mehr gültig. Eine neue Ausschreibung war nötig – und die Schule wartete ein weiteres Jahr.
Beispiel 2: Landkreis Hohenfels. Der Landkreis Hohenfels stellte 15 Anträge für verschiedene weiterführende Schulen. Alle wurden gleichzeitig eingereicht. Die Landesbehörde bearbeitete sie nicht parallel, sondern nacheinander. Bis der letzte Antrag geprüft war, waren fast zwei Jahre vergangen. Inzwischen hatte sich die Marktlage geändert: Serverpreise waren deutlich gestiegen, und die Ausschreibungen mussten angepasst werden. Das gesamte Projekt verteuerte sich um mehrere Hunderttausend Euro.
Beispiel 3: Großstadt Rheinburg. Die Großstadt Rheinburg plante eine Ausstattungsoffensive: 10.000 Tablets für ihre Schulen. Der Antrag wurde sorgfältig vorbereitet und eingereicht. Doch die zuständige Behörde stellte unzählige Rückfragen – von den genauen WLAN-Plänen bis zu Details der geplanten Nutzerkonten. Jeder Bearbeitungsschritt dauerte mehrere Wochen. Nach anderthalb Jahren war die Bewilligung da. Doch inzwischen war die Ausschreibung geplatzt: Die Lieferfirmen konnten die Geräte nicht mehr zu den alten Konditionen liefern. Statt eines zügigen Fortschritts begann der Prozess fast von vorn.
„Sachaufwandsträger jonglieren Förderlogiken, Haushaltsrealitäten, Datenschutz, Technik, Elternforderungen und politische Erwartungen“
Die Beispiele verdeutlichen: Langsame Verfahren sind Gift für Digitalisierung. Technik entwickelt sich schnell, Märkte sind volatil – wenn zwischen Antrag und Umsetzung zwei Jahre vergehen, ist die geplante Ausstattung bei Lieferung oft schon veraltet. Für Schulen, Lehrkräfte und Schüler:innen bedeutet das: ein endloses Warten auf Fortschritt. Die Sachaufwandsträger sind unermüdlich und versuchen, die Ziele dennoch umzusetzen. Doch oftmals finden sie schlicht kein Gehör, wenn sie Beschleunigung fordern. Die schlechte Presse und der daraus resultierende schlechte Ruf führen dazu, dass sie als Bremser und nicht als Inkubatoren angesehen werden. (…)
Sachaufwandsträger jonglieren Förderlogiken, Haushaltsrealitäten, Datenschutz, Technik, Elternforderungen und politische Erwartungen – oft gleichzeitig, oft widersprüchlich, fast immer unter Zeitdruck. Sie stehen zwischen politischer Rhetorik und schulischer Realität. Und sie werden dabei systematisch überfordert. Die zentrale Erkenntnis ist unbequem, aber unausweichlich: Digitalisierung ist keine Projektförderung. Sie ist eine Daueraufgabe. Wer Digitalisierung ernst meint, muss sie so behandeln wie Schulgebäude, Personal oder Unterricht: planbar, dauerhaft, verlässlich. Das erfordert Planungssicherheit statt Fristen, Personal statt PowerPoint-Folien, Standards statt Wildwuchs – und vor allem Vertrauen in diejenigen, die umsetzen.
Wenn wir wirklich wollen, dass Kinder und Jugendliche auf eine digitale Welt vorbereitet werden, dann müssen Schulen so ausgestattet sein, dass digitale Bildung Normalität ist – nicht Ausnahme, nicht Sonderprojekt, nicht Glücksfall engagierter Einzelner. Das verlangt ein Umdenken auf allen Ebenen: Der Bund muss entlasten, nicht überfrachten. Die Länder müssen gestalten, nicht nur kontrollieren. Die Kommunen müssen gestärkt werden, nicht weiter an ihre Grenzen gedrängt. Schulen und Lehrkräfte brauchen Unterstützung, nicht zusätzliche Aufgaben. Und alle Beteiligten müssen endlich ehrlich, verbindlich und respektvoll miteinander kommunizieren.
Solange aber Verantwortlichkeiten nach unten delegiert und Probleme nach oben beschönigt werden, bleibt digitale Bildung nur ein Lippenbekenntnis. Denn am Ende geht es nicht um Tablets, Whiteboards oder Plattformen: Es geht um Chancen. Es geht darum, ob junge Menschen in einer digitalisierten Gesellschaft bestehen können – oder ob wir ihnen erklären müssen, warum es „leider wieder nicht gereicht hat“. Diese Verantwortung darf nicht länger auf den Schultern überlasteter Sachaufwandsträger abgeladen werden. News4teachers
Das Buch von Norman Jahn „Hummel sein – DigitalPakt Schule“ lässt sich hier bestellen. Die Learntec findet vom 5. bis 7. Mai 2026 in der Messe Karlsruhe statt.
In den nächsten Tagen erscheint auf News4teachers ein weiterer Beitrag von Norman Jahn: Wege aus der Sackgasse.
Hier geht es zu einem Interview mit Norman Jahn:
“Mehr Energie fließt in die Papierlogik als in die Verbesserung des Unterrichtsalltags.” Dabei wäre das Verständnis von “Papierlogik” an der richtigen Stelle sogar dringend nötig: in den Fachbüchern, die längst bezahlt im Regal stehen und deren Texte und Aufgaben immer weniger Schüler verstehen. Statt dort hineinzuschauen, wird lieber digital gegafft, als wäre Lernen ein Nebenprodukt von Bildschirmhelligkeit.
Norman Jahn zeigt in „Hummel sein – DigitalPakt Schule“, wie Förderlogiken und Bürokratie alles ausbremsen. Ehrlicher wäre längst „Bummel sein – SchummelPakt Schule“: Denn viele Schüler haben sich in eine digital gepamperte Laissez‑faire‑Haltung hineingekuschelt, in der KI die Hausaufgaben und Klausurergebnisse schneller liefert, als sie den Aufgabentext überhaupt lesen.
Und wozu dann noch mehr Digitales anschaffen, wenn am Ende doch alle nur aufs Whiteboard oder irgendein Display starren – kognitiver Leerlauf und leere Betriebsamkeit in vielen Unterrichtsstunden inklusive?
Zumal die wichtigste Ressource da wäre: Analoge Intelligenz – kostet nichts, wird aber immer weniger genutzt.
Und die Bürokraten in den Ämtern?
Die müssten sich dringend aus ihren flächendeckenden, überbordenden Digitalisierungsphantasien herauswinden, statt immer neue Visionen zu produzieren, die weder den Unterricht verbessern noch das Lernen erleichtern – aber zuverlässig Ressourcen binden, die anderswo fehlen.
Noch mehr digitales Blendwerk brauchts im Unterricht an unseren Schulen wirklich nicht.
Das ist noch viel zu zahm. Ich würde, wenn man mich ließe, jede Grundschule schließen, die Tablets für die Kinder anschaffen will.
Ihnen ist schon klar, dass wir in einer digitalen Welt leben und das die “gute alte Zeit” nie wieder zurückkommt?
Klar kann man darüber jammern, was die Schüler alles nicht können, aber wirklich sinnvoll, zielführend oder zukunftsorientiert ist das nicht.
Heißt aber “begreifen” und nicht “wischen”.
Das Problem ist aber:
a) dass wir Schülerinnen und Schüler auf den späteren Berufsalltag und (idealerweise) das spätere Leben vorbereiten sollen – und beides wird digital geprägt sein –
b) und dass digitale Werkzeuge nun einmal genau das sind: Werkzeuge – nicht Teufelszeug, nicht Allheilmittel, einfach nur Werkzeuge. Infolgedessen bieten sie eben nicht nur unbestreitbare (und meinerseits auch nicht bestrittene) Risiken – sondern auch Chancen.
Unsere Aufgabe besteht darin, die Chancen für die uns anvertrauten Kinder durch verantwortungsvollen Umgang zu nutzen und die Risiken auf ebendiese Weise zu minimieren. Sie besteht ausdrücklich nicht in unreflektierter Totalverweigerung – und auch ncht in kritikloser Übernahme und Anwendung alles technisch Mach- und Verfügbaren.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Persönlich setze ich mich nicht hin und verfasse ein Medienkonzept (außer auf direkte Anweisung hin), das frühestens in zwei Jahren zu einer Beschaffung führt – oder auch gar nicht. Aber ich nutze, was mir hingestellt wird, und nutze es so kompetent wie möglich – solange es nutzbar ist:
Da gibt es nämlich inzwischen auch so manche Probleme dadurch, dass “Digitalisierung” als einmaliges (okay, DigitalPakt, der zweite: zweimaliges) Einzelprojekt gedacht wird und nicht als kontinuierliche und zu verstetigende Daueraufgabe.
Berufsorientierung und Vorbereitung meinetwegen ab der achten Klasse. Bis dahin erst einmal Basics. Dazu gehört auch die Nutzung von Apps. Ab der Siebten kann man ja mit der Einführung von Tablets in einigen Fächern starten. Und genauso wie früher Mappenführung mit den SuS trainiert worden ist, bedarf es auch einer gründlichen Anleitung, um Dateien auf dem Tablet zu verwalten. Ja, die Dinger sind Werkzeuge, die Multitools nahekommen. Aber wie in jedem Handwerk muss man eben lernern was wie und womit und vor allem wozu gemacht wird.
Eigentlich sollte es so laufen, dass klar ist, dass alle Schulen digitale Ausstattung benötigen, sodass Schulen nur noch den genauen Bedarf angeben sollten. Sprich, es müssen Standards für Hardware wie WLAN, Whiteboards pro Klassenraum und Endgerät pro SuS und LuL festgeschrieben sein. Dann müssten Schulen nur noch die Stückzahlen, die Softwarelösungen und den Anwendungsmöglichkeiten angeben. Diese könnten über einen kurzen Fragenkatalog digital abgefragen werden und die Behörde holt selbst Angebote ein und liefert. Diese könnten Aufgrund der Stückzahlen auch viel bessere Preise verhandeln. Warum sollen das alles die einzelnen Schulen machen? Dieser Prozess muss dauerhaft etabliert und nicht immer wieder einzeln beantragt werden. So ist das nur eine Hürde, die keinem hilft und viel Arbeit generiert.
In den Augen der Kinder sind die Tablets Daddelkisten, weil sie solche Geräte privat als Dopaminspritzen nutzen. Zu erwarten das sie damit irgendwie sinnvoll umgehen und Skills lernen, die ihnen was nützen- nein das wird nicht einfach so passieren.
Und das ist genau der Punkt- wenn die Eltern nicht involviert und engagiert sind im Lernprozess ihrer Kinder wird es nichts, weder analog noch digital.
Auch scheint irgendwie in Vergessenheit geraten zu sein das der Lernprozess an sich, nicht das Ergebnis- entscheidend ist. Gute Ergebnisse ergeben sich aus einem gelungenen Lernprozess, welcher aus Fehlern besteht, von ganz allein.
Und ein Kind das nach Jahren des lernens ein z.B. ein Musikinstrument beherrscht wird keine Probleme damit vergleichsweise simple Tätigkeiten wie Tablet tatschen zu erlernen.
Das Problem beginnt mit der “Automie der Schule” – warum soll jede Schule ihr eigenes pädagogisches Konzept und ihere eigene Digitalstrategie entwickeln?
In jedem großen Unternehmen gibt die Zentrale Konzept und Digitalstrategie vor und bietet dafür auch Support (!) – die Außenstellen nutzen das und konzentrieren sich auf den Dialog mit den Kunden, die Produktion, …
Wenn ich als Lehrer:in / Schule Zeit habe, einen Auswahlprozess für eine Mathe-App, ein Videokonferenzsystem, eine Cloud, … zu machen, habe ich offenbar zu viel Zeit.
(Ja ich weiß, dass die Zentrale, d. h. die Kultusbehörden weder Verantwortung übernehmen noch Sachverstand haben, irgendetwas auf die Reihe zu bekommen und Schule gezwungen ist, alles selbst zu machen.)