
Deutschlands erste und bislang einzige Wissenschaftlerin, die einen Nobelpreis in Naturwissenschaften erhielt, ist mit ihrem Abschneiden bei der Abiprüfung im Fach Biologie nicht wirklich zufrieden. «Ach, da war ich nicht so besonders gut. Ich habe halt nur eine Zwei gekriegt, obwohl ich eigentlich so viel gemacht hatte im Unterricht, dass ich fand, ich hätte eine Eins verdient», sagte Christiane Nüsslein-Volhard dem Bayerischen Rundfunk.
Mit dem Fach Biologie ist heute der erste Jahrgang des neuen neunjährigen Gymnasiums (G9) in Bayern in die Abiturprüfungen gestartet. Nach Ansicht der Biochemikerin, emeritierte Direktorin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen, werden naturwissenschaftliche Fächer zu wenig wertgeschätzt. «Das war schon immer so, dass das von der Gesellschaft aus nicht besonders hochwertig angesehen wird.»
Bei Autos kennen sich Kinder aus, bei Pflanzen nicht
Es sei Tradition in Deutschland, «dass man eigentlich eher auf die geisteswissenschaftlichen Fertigkeiten der Leute hinweist, dass sie Latein können oder Griechisch, aber in Mathe haben sie dann gerne eine Fünf». Diese Haltung beginne ihrer Einschätzung nach früh: «Auch bei Kindern zählt es ja viel mehr, wenn die die Autos unterscheiden können, aber die Pflanzen im Vorgarten, die können sie nicht auseinanderhalten.»
Mit der Taufliege zum Erfolg
Die Forscherin, die 1942 in Magdeburg geboren wurde, verdankt der Taufliege Drosophila melanogaster viel von ihrem Ruhm. Zusammen mit zwei amerikanischen Entwicklungsbiologen fand die Biologin heraus, welche genetischen Mechanismen die frühe Entwicklung der Fliegenembryos steuern. Das Stockholmer Komitee ehrte die drei Wissenschaftler dafür 1995 mit dem Medizin-Nobelpreis. News4teachers / mit Material der dpa
News4teachers schätzt die MINT-Fächer sehr wert – und hat ihnen deshalb eigenes einen Themenmonat gewidmet. Hier geht es hin.
Bei aller Wertschätzung, aber wo werden die Geisteswissenschaft denn besonders geschätzt? Ich höre da von vielen Eltern nur ständig, Laberfächer seien doch unwichtig.
Ich habe noch Griechisch in der Schule lernen müssen. Noch nie, in meinem ganzen Leben, hat mir das irgendwann ein Lob eingebracht.
Altgriechisch zu lernen könnte ich mir im Alter im Selbststudium vorstellen, falls ich gutes Lernmaterial finden sollte. Ansonsten wird’s halt nur Neu griechisch.
Biologie zu studieren, hätte mich auch interessiert, aber in dem Bereich gibt es einfach viel zu wenige Jobs. Die restlichen Naturwissenschaften werden einfach zu schlecht unterrichtet, da wundert mich die mangelnde Wertschätzung nicht.
Dann hätten sie doch umso mehr Physik studieren müssen. Für das Bestehen des Studiums braucht es den Schulunterricht nicht.
Bei Physik liegt aber das Problem in der schlechten Lehre.
Man kann nicht immer pauschalisieren. Nicht alle sind schlecht. Ich hatte einen super Chemielehrer, streng, fordernd, aber ich habe viel gelernt. Deshalb bin ich heute in dem Bereich. Viele haben da einfach keinen Bock drauf, logisches, abstraktes, räumliches Denken kann keiner mehr und rechnen ist auch so eine Sache. Fragen Sie mal bei den Professoren nach. Die meisten sind nicht studierfähig und schaffen es nur noch mit an die Hand nehmen und ganz viel Hilfe. Es wird Zeit, dass man das Leistungsprinzip in Schulen wieder in den Mittelpunkt rückt.