BERLIN. Deutschland erlebt die nächste Hitzewelle. Der Deutsche Wetterdienst erwartet in den kommenden Tagen vielerorts Temperaturen von deutlich über 30 Grad, regional sind sogar Werte nahe 40 Grad möglich. Was diese Wetterlage für Schulen bedeutet, bleibt von außen oft verborgen: Während über Hitzefrei diskutiert wird, sitzen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte vielerorts in Räumen, die für solche Bedingungen nicht ausgelegt sind. News4teachers möchte das Problem sichtbar machen – und bittet Lehrkräfte um Unterstützung: Schicken Sie uns ein Foto von einem Thermometer, das einen Wert während des Unterrichts anzeigt!

Deutschland steht nach Einschätzung von Meteorologen unter einer sogenannten Hitzeglocke. Der Deutsche Wetterdienst rechnet bis weit in die Woche hinein mit anhaltender Hitze. Im Süden und in Teilen der Mitte Deutschlands werden Höchstwerte zwischen 30 und 37 Grad erwartet, im Südwesten könnten regional sogar knapp 40 Grad erreicht werden. Der Meteorologe Fabian Ruhnau vom Wetterportal Kachelmannwetter spricht von einem „Heat Dome“, einer Hitzeglocke, die von Frankreich aus nach Deutschland drückt. Eine spürbare Abkühlung ist nach den aktuellen Prognosen frühestens zu Beginn der kommenden Woche in Sicht.
Für viele Schulen stellt sich damit erneut eine Frage, die weit über die Debatte um Hitzefrei hinausgeht: Welche Temperaturen herrschen tatsächlich in den Klassenräumen während des Unterrichts?
News4teachers möchte die Situation dokumentieren und bittet Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Deutschland um Mithilfe.
Schicken Sie uns ein Foto eines Thermometers aus Ihrem Klassenraum kurz vor, während oder unmittelbar nach dem Unterricht.
Bitte senden Sie unter dem Betreff „Hitze-Aktion“:
- ein Foto des Thermometers mit der angezeigten Temperatur,
- die Schulform.
- das Bundesland,
- die Uhrzeit, zu der das Foto aufgenommen wurde.
Stadt, Schulname oder andere persönliche Angaben sind nicht erforderlich.
E-Mail: redaktion@news4teachers.de
Die Einsenderinnen und Einsender bleiben anonym. Die übermittelten Fotos und Angaben werden von News4teachers ausschließlich für die Berichterstattung verwendet und nicht gespeichert oder anderweitig genutzt.
Der Hintergrund: Lehrerverbände warnen seit Jahren davor, dass viele Schulgebäude auf die Folgen des Klimawandels nicht vorbereitet sind. Erst in der vergangenen Woche forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Nordrhein-Westfalen verbindliche Hitzeschutzregelungen für alle Schulformen. Die Landesvorsitzende Ayla Çelik kritisierte, dass Hitzeschutz vielerorts vom Zustand des Gebäudes und den finanziellen Möglichkeiten des jeweiligen Schulträgers abhänge. Hitzeschutz dürfe nicht „nach Kassenlage oder Gebäudezustand“ organisiert werden. Die GEW verweist darauf, dass viele Schulgebäude keine klimaresistenten Lern- und Arbeitsorte seien und extreme Temperaturen gesundes Lernen und Arbeiten erheblich erschweren könnten.
Ähnlich argumentiert der Verband Bildung und Erziehung (VBE). Der Verband berichtet von Klassenräumen, die in den Sommermonaten zu „regelrechten Backöfen“ würden. Nach Angaben des VBE nimmt die kognitive Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen bereits ab 26 Grad Celsius ab. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad steigen Fehlzeiten und Unfallrisiken. Während für Büroräume konkrete Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung gelten, fehlen vergleichbare verbindliche Regelungen für Schulen vielerorts. Der Verband fordert deshalb klare Temperaturgrenzen, bessere bauliche Ausstattung sowie langfristige Investitionen in Sonnenschutz, Lüftung und Sanierung.
Wie groß das Problem tatsächlich ist, zeigen nicht allein Wetterkarten oder Prognosen. Entscheidend sind die Temperaturen dort, wo Unterricht stattfindet.
Deshalb unser Aufruf an Sie:
Dokumentieren Sie die Bedingungen, unter denen Sie arbeiten müssen und Schüler lernen sollen. Schicken Sie uns Ihr Thermometer-Foto aus dem Klassenraum an redaktion@news4teachers.de – mit Angabe von Schulform und Bundesland. Gemeinsam wollen wir sichtbar machen, welche Temperaturen Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler während dieser Hitzewelle tatsächlich aushalten müssen. News4teachers / mit Informationen der dpa
Wenn Klassenräume zur Hitzefalle werden und niemand sich zuständig fühlt (Arbeitsrecht)
Ich werde auf jeden Fall dokumentieren! Aber ich ahne schon, was dann folgt: Gehen Sie doch nach draußen in den Schatten! (Aktuell: 31 Grad) Gehen Sie in einen kühleren Raum im Schulgebäude! (Kann mir den mal jemand zeigen?) Achten Sie darauf, dass die Kinder genug trinken!
Der Wasserspender für genug Trinken war unserm Schulträger zu teuer. Falsche Schulform halt, die Gymnasien haben alle einen.
ALLE, ne ist klar. Der Versuch, eine Neiddebatte anzuzetteln, hilft hier nicht weiter.
Wir haben keinen.
Aber in alten Gebäuden wie unserem gibt es noch Waschbecken in jedem Klassenraum.
Danke dafür an die Redaktion!
Ab Mittwoch haben wir Kurzstunden für alle Jahrgangsstufen inkl. der Oberstufe.
Das können wir aber locker toppen: seit Donnerstag letzte Woche bis nunmehr Freitag, 26.06.: Kurzstunden. Statt z.T. 34 Grad indoors.
Wie wollen Sie denn das Abkoppeln der Oberstufe bei den Kurzstunden organisatorisch wuppen?
Kurzstunden gehen eben nur, wenn der ganze Laden mitmacht. Soll ja Lehrkräfte geben, die in allen drei Abteilungen unterrichten.
Richtig. Heute und morgen ist hitzefrei nach der 5. Stunde für die Sek I, die Sek II hat normal. Lediglich der Sportunterricht der Sek II darf im Nachmittagsbereich entfallen.
Ja, es ist warm. Hitzefrei ist total schön für die Kinder, aber es wird dann überall propagiert, was nicht stimmt. Wir Lehrkräfte sammeln dann heftigst Minusstunden. Fällt der Tag aus, sammeln viele auf einmal 7 oder 8 Stunden und müssen das nachholen. Sie sitzen dann unfreiwillig rum. Das ist in Zeiten von Homeoffice und 35 Stunden Wochen unfair. In anderen Berufen gibt es für Überstunden konsequent Zeitausgleich, in der Schule nicht. Die Arbeitszeit wird nicht erfasst, die 35 Stunden tariflich noch nicht fix!
Ein Trauerspiel 🙁
In welchem Bundesland muss man Minusstunden nachholen?
Und wie soll das gehen?
Sollen Schüler dann länger in der Schule bleiben, damit Lehrkräfte an kühleren Tagen ihre Minusstunden nachholen können?
Müssen Klassen, die auf Klassenfahrt sind, in der nächsten Woche doppelt so lange in der Schule bleiben, damit alle Lehrkräfte, bei denen der Unterricht in dieser Kalsse ausgefallen ist, ihren Unterricht nachholen können?
Ja ja ein schlimmes Ding. Du hast dann 8 Minusstunden, also erstmal -8 und musst dann erstmal durch Vertretung ausgleichen. Also eine Ausgleichsfunktion, aber trotzdem unfair, weil Schnee und Hitze höhere Gewalt sind und wir im Digitalunterricht erprobt sein sollten. Sind andere Länder ja auch, oder etwa nicht??
In NRW müssen keine Minusstunden nachgeholt werden.
Sie werden natürlich mit Mehrarbeit verrechnet. Aber wenn man am Ende des Monats im Minus bleibt, kriegt man trotzdem denselben Sold.
Man muss selbstverständlich auch nicht im besonderen Maße Vertretungsunterricht leisten. In der Privatwirtschaft, an der wir uns sonst immer orientieren sollen, fällt ausfallende Arbeitszeit aus arbeitsorganisatorischen Gründen oder schlicht fehlnder Arbeit schließlich auch ins Risko des Arbeitgebers und nicht des Arbeitnehmers. Das ist höchstens in prekären Arbeitsverhältnissen ohne feste Arbetiszeiten wie im Call-Center anders.
Na klar, müssen in NRW auch Minusstunden nachgeholt werden. Falls das bis zum Monatsende nicht passiert ist, verfallen diese allerdings. Vorher ist die SL aber dazu angehalten diese Lehrer zur Vertretung einzusetzen.
Die Diskussion dürfte sich mit einem Kurzstundenplan weitgehend erledigt haben, sind ja alle Stunden gehalten und im Klassenbuch verbrieft worden. Und selbst wenn: Der Monat ist fast rum und es ist Schuljahresende – da beschwere ich mich auch nicht, wenn die Stunden ausfallen. Gibt genug zu tun und Sonne genießen darf ich auch mal. Komme eh selten über die Bagatellgrenze, und am Monatsende wird saldiert. Das restliche Minus verfällt. So kenne ich es.
Bei uns gibt’s keine Minusstunden. Wir werden entweder für die Betreuung der Kinder eingesetzt, die nicht früher nach Hause gehen können, oder wir bekommen Konzeptaufgaben von der Schulleitung.
Also da Plus- und Minusstunden nur innerhalb eines Kalendermonats verrechnet werden dürfen und es bis Freitag bullenheiß bleibt, bleiben deiner Schulleitung dafür lediglich der Montag und der Dienstag nächste Woche, um dich das nachholen zu lassen. Da fast alle Kollegen Minusstunden haben, eher unwahrscheinlich. Die Plusstunden, die du vorher im Monat gemacht hast, sind dann halt quasi weg, das ist mir aber ehrlich gesagt egal, da ich ansonsten bei der Hitze in den Räumen vermutlich am Nachmittag kollabieren würde.
Übrigens nicht nur deshalb sind Kurzstunden sehr zu empfehlen, da fällt dann meist nur der Nachmittagsunterricht als Minusstunden aus.
Hitzefrei für einen ganzen Schultag, habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört, das würde es bei uns niemals geben, egal wie warm es wäre.
Hitzefrei ja, dann mit Distanzunterricht und Aufgaben, aber keine Minusstunden mehr für Lehrkräfte. Wir sind digital und können heute von überall lernen und auch zugreifen.
Nicht alle Schüler haben die Möglichkeit, zuhause in kühlen Räumen digitale Aufgaben zu bearbeiten.
Einfach ab ins Homeoffice bei solchen Wetterlagen. Ist doch im Winter auch so und in der Wirtschaft täglich gelebt. Mit modernen Endgeräten funktioniert das heutzutage wunderbar.
Bei uns laufen viele im Anzug oder Hosenzug in der Schule rum, das ist doch bei 30 grad unerträglich und die Schweißflecken auf Hemden sehen nicht attraktiv aus. Hasi hat Homeoffice und geht in den Keller bei dem Wetter in OWL. Achso und diese Minusstundengeschichte ist doch eine absolute Sauerei Freunde 🙂 🙂
Eure Peti
Ps Schule muss attraktiver werden, besonders als Arbeitgeber. Sonst kommt keiner mehr.
Und was ist mit den Kindern? Sind die nicht die wichtigsten Personen im Schulsystem?
Die sind egal, solange sie beaufsichtigt sind, damit die Eltern arbeiten gehen können.
Traurig, aber wahr!
Minusstunden ? Wenn ich meine Arbeitskraft anbiete und der Arbeitgeber kann sie nicht abnehmen, dann ist er im Annahmeverzug und muss nach §615 BGB zahlen.
Leider sind die meisten von uns keine normalen Arbeitnehmer. Da gilt die Allgemeine Dienstordnung in Verbindung mit einem Mehrarbeitserlass (gut, dass Autocorrect „Mehrarbeit Aderlass“ draus macht, Terminologie ist grob nach Land NRW), und zack, schon ist das BGB nicht mehr zuständig. Oder ist das ein Irrglaube? Liebe Gewerkschaften, wäre das ein Fall für euch?
Heute war es 37 Grad im Klassenraum um halb zwölf. Foto folgt hoffentlich