MÜNCHEN. Künstliche Intelligenz verändert auch die Bedingungen von Prüfungen. Lehrkräfte berichten von Minikopfhörern, KI-Pins, Smartwatches und immer aufwendigeren Kontrollen während des Abiturs. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband fordert deshalb technische Lösungen gegen KI-gestützten „Unterschleif“ (wie in Bayern das Pfuschen genannt wird). Das Kultusministerium zieht nun jedoch eine klare Grenze: Störsender, die Mobilfunk oder WLAN blockieren, kommen nicht infrage.

Das bayerische Kultusministerium hat Rufe nach einer Blockade des Datenverkehrs gegen Betrugsversuche bei Prüfungen mit KI zurückgewiesen. „Der Einsatz von Frequenzstörern, die das Mobilfunksignal, WLAN oder GPS blockieren, ist in Schulen in Deutschland rechtlich unzulässig und strafbar“, teilte eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage mit.
Der Betrieb von derartigen Geräten sei laut Telekommunikationsgesetz nur der Bundesnetzagentur oder speziellen Sicherheitsbehörden vorbehalten. „Störsender führen an Schulen außerdem zu einem Sicherheitsrisiko, da auch das Absenden von Notrufen im Notfall unterbunden wird. Ebenso bergen Störsender für Menschen mit medizinischen Geräten (z. B. Diabetesgeräte, Hörgeräte oder Herzschrittmacher) ein erhebliches Gesundheitsrisiko.“
Lehrerverband: Bisherige Vorgaben oft nicht praktikabel
Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hatte vergangene Woche einen offenen Brief an Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) geschrieben. Darin fordert der Verband das Ministerium auf, „für Bayern einfach umsetzbare, technische Regelungen, beispielsweise zur Blockade des Datenverkehrs zu finden, die nachhaltig KI-gestützten Unterschleif unterbinden“.
Zugleich kritisiert der BLLV die bisherigen Empfehlungen des Ministeriums als teilweise nicht praktikabel. In dem Schreiben heißt es, es sei „schlichtweg unmöglich, während einer Abiturprüfung auf sog. ‚auffällige Augenbewegungen‘ zu achten“. Auch sei es Lehrkräften „aus naheliegenden Gründen nicht zumutbar“, die Brustpartie von Schülerinnen und Schülern zu kontrollieren, um mögliche KI-Geräte wie sogenannte KI-Pins zu entdecken.
Nach Angaben des Verbands berichten Lehrkräfte von einem erheblichen Kontrollaufwand. Vor Ort seien unter anderem Taschen und Kapuzen kontrolliert, Schreibgeräte und Brillen überprüft sowie teilweise Frequenzdetektoren eingesetzt worden. Der BLLV spricht von einer „unzumutbaren Belastung“ insbesondere für die Lehrkräfte.
BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sagte auf Nachfrage, man habe keine Störsender gefordert, sie wolle auch keine Flughafen-Detektoren – aber die bisherigen Hinweise für die Lehrkräfte seien realitätsfern. Deshalb wünsche sie sich, dass das Ministerium andere technische Möglichkeiten prüfe. Was genau sie sich dabei vorstellen könnte, präzisierte sie allerdings nicht.
KI immer größere Herausforderung
Künstliche Intelligenz wird auch an bayerischen Schulen zur immer größeren Herausforderung, wenn es darum geht, Betrugsversuche zu unterbinden. Smartwatches, Minikopfhörer oder smarte Brillen – die technischen Möglichkeiten werden immer ausgefeilter und schwieriger zu kontrollieren.
Dies führte zuletzt beispielsweise dazu, dass so manche Schule das Tragen von Hemden in Abi-Prüfungen untersagte – aus Sorge vor Kameras in den Knöpfen. Plüschtiere oder andere Glücksbringer waren ohnehin regelmäßig tabu.
Der BLLV warnt in seinem offenen Brief, KI-gestützter Unterschleif untergrabe die Chancengerechtigkeit bei Abschlussprüfungen. Die Absolventinnen und Absolventen konkurrierten mit ihren Noten um Studienplätze. „KI-gestützter Unterschleif unterminiert die nötige Chancengerechtigkeit und führt dazu, dass die ehrlichen Absolventinnen und Absolventen schlussendlich die dummen sind“, heißt es in dem Schreiben.
Das Ministerium betont, man beobachte die dynamischen Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz sehr genau. Die Schulen seien dafür vielfältig sensibilisiert. „Eine wirksame Vermeidung von Unterschleif ergibt sich in der Kombination von technischen und organisatorischen Maßnahmen.“ News4teachers / mit Material der dpa
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„teilweise Frequenzdetektoren eingesetzt worden“ sind laut Schreiben von KuMi auch verboten.
Fakt ist, eine Grundausstattung kostet ca. 300 Euro, die Empfänger sind soweit ins Ohr geschoben, das es „Spezialwerkzeug“, sie wieder aus dem Ohr zu bekommen. Da hilft auch die beste Sichtprüfung nichts mehr.
Die Technik wird kleiner und ausgefeilter, und die Gegenmaßnahmen ….
„Störsender führen an Schulen außerdem zu einem Sicherheitsrisiko, da auch das Absenden von Notrufen im Notfall unterbunden wird. Ebenso bergen Störsender für Menschen mit medizinischen Geräten (z. B. Diabetesgeräte, Hörgeräte oder Herzschrittmacher) ein erhebliches Gesundheitsrisiko.““
Sorry, aber ich vermute, die wollen sich die Option des Gebrauchs unerlaubter Hilfsmittel für ihre eigenen Kids und die ihrer Buddies offen halten.
„Das Ministerium betont, man beobachte die dynamischen Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz sehr genau.“
Wir werden genau hinschauen und das sehr ausgiebig mit allen Gruppen, die meinen dazu etwas sagen zu müssen, diskutieren. In fünf bis zehn Jahren werden wir ggf. einen Pilotversuch auf den Weg bringen und nach ausgiebiger Evaluierung dann eine laminierte Handreichung oder ein Webportal erstellen und in die Fläche gehen. Sie sehen also, dass wir uns sehr wohl kümmern. Solche Vorwürfe sind also völlig haltlos.