
Ein Streit zwischen zwei Schülerinnen an einer Berufsbildenden Schule in Stade ist derart eskaliert, dass am Ende vier Menschen verletzt sind. Drei von ihnen kamen zur Behandlung ins Krankenhaus, wie die Polizei mitteilte.
Die beiden 16-Jährigen hatten sich in einer Schultoilette getroffen, um einen Streit zu klären. Dabei eskalierte die Situation allerdings. Eine Jugendliche griff die andere körperlich an. Diese wehrte sich und besprühte die Angreiferin mit Pfefferspray.
Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung
Der Reizstoff verteilte sich im Raum und verletzte neben der 16-Jährigen auch zwei unbeteiligte 19-Jährige sowie eine Schulassistentin leicht. Rettungskräfte und Polizei wurden alarmiert. Die drei Schülerinnen ließen sich im Krankenhaus behandeln, die Schulassistentin verzichtete darauf.
Gegen die Jugendliche, die das Pfefferspray einsetzte, wird unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Der anderen Schülerin werfen die Ermittler Beleidigung und vorsätzliche Körperverletzung vor. News4teachers / mit Material der dpa
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„Die beiden 16-Jährigen hatten sich in einer Schultoilette getroffen, um einen Streit zu klären.“ Da schrillen doch bei jedem Pädagogen die Alarmglocken.
Das klingt nach der üblichen rückblickenden Lehrerweisheit. Hinterher weiß natürlich jeder, dass ein Treffen zweier streitender Jugendlicher auf der Toilette nichts Gutes verheißt.
Die spannendere Frage wäre: Warum treffen sich Schülerinnen überhaupt auf der Toilette?
Denn wer sich an deutschen Schulen umschaut, stellt fest:
Es überrascht daher nicht, dass Konflikte, Mobbing, heimliche Treffen, Rauchen oder andere Dinge ausgerechnet dort stattfinden.
Dabei ist bemerkenswert, dass sich viele Schulen seit Jahren lieber mit Handyverboten, Sprachregelungen oder Projekttagen beschäftigen, während funktionierende Toiletten und vernünftige Rückzugsräume offenbar weniger Priorität genießen.
Und natürlich wird nach solchen Vorfällen schnell wieder mehr Aufsicht, mehr Regeln und mehr Kontrolle gefordert.
Dabei könnte man auch fragen:
Warum sind Schultoiletten in Deutschland oft Orte, die man möglichst schnell wieder verlassen möchte? Warum müssen Jugendliche teilweise um einen Toilettenschlüssel bitten wie Häftlinge um Hofgang? Und warum wird der Gang zur Toilette an manchen Schulen behandelt, als handele es sich um ein Privileg und nicht um ein menschliches Grundbedürfnis? Das entschuldigt selbstverständlich keine Gewalt und schon gar nicht den Einsatz von Pfefferspray.
Aber die reflexhafte Haltung mancher Pädagogen – „da hätten doch alle Alarmglocken läuten müssen“ – greift zu kurz.
Vielleicht sollte man sich weniger darüber wundern, dass Jugendliche Konflikte auf Toiletten austragen, und mehr darüber, dass die Schule ihnen häufig kaum andere unbeobachtete Räume lässt.
Und ein gewisser Widerspruch bleibt: Viele Lehrkräfte fordern zu Recht mehr Vertrauen, mehr Wertschätzung und bessere Arbeitsbedingungen.
Schülerinnen und Schüler dagegen müssen an nicht wenigen Schulen darum bitten, auf die Toilette gehen zu dürfen – und holen sich mitunter sogar den Schlüssel im Sekretariat.
Ein System, das erwachsenen Pädagogen ein Höchstmaß an Autonomie zugesteht, Jugendlichen aber beim Toilettengang misstraut, sollte sich über manche Ausweichstrategien vielleicht nicht allzu sehr wundern.