Home Nachrichten „Kein junger Mensch darf verloren gehen“: Land will Jugendarbeitslosigkeit senken

„Kein junger Mensch darf verloren gehen“: Land will Jugendarbeitslosigkeit senken

19
Anzeige

MAGDEBURG. Schule vorbei, aber ohne Job? Sachsen-Anhalt startet eine Offensive, damit junge Leute nicht verloren gehen. Welche Maßnahmen geplant sind.

Perspektivlos (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

n Sachsen-Anhalt soll die Jugendarbeitslosigkeit mit einem Masterplan deutlich reduziert werden. Land, Arbeitsagentur und Jobcenter wollen die Jugendarbeitslosigkeit bis 2030 auf unter vier Prozent senken, wie Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) und Bildungsminister Jan Riedel (CDU) in Magdeburg nach der Kabinettssitzung bekanntgaben.

Mit der konzertierten Aktion soll der Übergang von Schule in Ausbildung und Beschäftigung besser gelingen. Die Zahl arbeitsloser Menschen unter 25 Jahren ist in Sachsen-Anhalt in den vergangenen zehn Jahren um mehr als zwölf Prozent gestiegen. Im Mai 2026 waren 8,8 Prozent der 15- bis 25-Jährigen arbeitslos. Rund 80 Prozent von ihnen verfügen den Angaben zufolge über keinen anerkannten Berufsabschluss.

«Kein junger Mensch darf uns hier im Land verloren gehen», sagte Grimm-Benne. Bildungsminister Riedel betonte, es sei nicht zufriedenstellend, dass so viele Schüler die Schule ohne Abschluss verließen. «Deswegen müssen wir was tun», sagte der CDU-Politiker. Nötig sei eine gute Praxisorientierung an den Schulen und die Weiterentwicklung der beruflichen Orientierung.

Aktivierungs- und Vermittlungsoffensive geplant

Weiterhin sollen mit dem Masterplan benachteiligte Jugendliche besser gefördert, Nachqualifizierungen ausgebaut und eine Aktivierungs- und Vermittlungsoffensive gestartet werden. Auch Sprachförderung, sozialpädagogische Begleitung und aufsuchende Beratung sind Teil des Pakets.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Agentur für Arbeit, Markus Behrens, verwies auf die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Der demografische Wandel und der steigende Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften verschärften die Fachkräftesituation, sagte Behrens. Deshalb sollten auch junge Menschen im Alter bis 35 Jahre ohne Schul- oder Berufsabschluss stärker in den Blick genommen und unterstützt werden. News4teachers / mit Material der dpa

Jeder Zehnte ohne Abschluss: Bildungsminister bringt weitere Absenkung der Standards ins Gespräch – Kapitulation?

Anzeige
Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
19 Kommentare
Rüdiger Vehrenkamp
14 Stunden zuvor

Mehr Praxisorientierung. Klingt nett. Für einige Hauptschüler der Klassen 8 und 9 im Rhein-Neckar-Raum wurde in Zusammenarbeit mit teilnehmenden Firmen ein Praktikumstag eingeführt. Das heißt, an vier Tagen in der Woche sind die Jugendlichen in der Schule und an einem Tag in einem der Betriebe. Ziel ist es, Hauptschülern Perspektiven zu öffnen und eventuell bei gutem Engagement und Verhalten direkt eine Lehrstelle zu sichern. Das Programm läuft seit den Osterferien. Und so langsam berichten die betreuenden Lehrkräfte, dass dieser Tag nun immer mal wieder geschwänzt wird und erste Klagen kommen („Müssen wir da wirklich hin?“). Es mangelt nicht immer an Angeboten, sondern an den Jugendlichen, die als Konsequenz allenfalls erfahren, dass sie in ihrem zugeteilten Betrieb keine Lehrstelle kriegen. Das wars.

Man lässt junge Menschen auch dadurch verloren gehen, indem sie keine unmittelbaren Konsequenzen zu befürchten haben. Man sucht sich immer externe Faktoren, weshalb Jugendliche keinen Abschluss machen oder in der Jugendarbeitslosigkeit versanden. Die teils extreme Lustlosigkeit, gepaart mit dem Wissen, notfalls vom Staat aufgefangen zu werden, ist eine toxische Mischung für jede Motivation. Natürlich trifft das nicht auf alle zu. Aber es war schon immer so: Wer sich aus einer prekären Lage befreien möchte, muss seinen Beitrag dazu leisten.

Mika BB
7 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

Soweit ich weiß, suchen Unternehmen händeringend Azubis.

Frage 1:
Welche Motivation haben Unternehmen, die sich freiwillig für ein solches Programm melden, ihr Angebot so derart schlecht zu gestalten, dass das Schwänzen der SuS quasi als Notwehr zu betrachten ist?

Frage 2:
Gehört die Herausbildung von Resilienz und Durchhaltevermögen nicht auch zu den Lern- und Erziehungszielen der Schule? Ist es SuS daher nicht zuzumuten, sich mal eine Weile durchbeißen zu müssen, auch wenn das Angebot auf den ersten Blick nicht hip zu sein scheint? Sollen sie nicht lernen, dies ggf. zu kommunizieren und damit ihre eigenen Interessen und Ziele zu formulieren und zu verteidigen? Schwänzen ist einfach nur die billigste und einfachste Form der Konfliktvermeidung. Bringt für die Persönlichkeitsentwicklung nichts.

Uwe
4 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

Kaum berichten Lehrkräfte, dass manche Schülerinnen und Schüler ihre Praktikumstage schwänzen oder nach wenigen Wochen fragen „Müssen wir da wirklich hin?“, kommt sofort die Gegenfrage: Vielleicht sind die Betriebe schuld. Vielleicht sind die Praktika langweilig. Vielleicht fehlt den Unternehmen die pädagogische Kompetenz.
Natürlich gibt es schlechte Praktikumsplätze. Die gibt es überall. Aber man sollte sich auch einmal anschauen, was eigentlich von den Betrieben erwartet wird.
Viele Unternehmen suchen händeringend Nachwuchs. Gleichzeitig arbeiten viele Abteilungen ohnehin schon am Limit. Fachkräftemangel ist kein Schlagwort mehr, sondern Alltag. Es fehlen Menschen, die die eigentliche Arbeit machen. Und genau diese Menschen sollen zusätzlich Praktikanten betreuen, erklären, motivieren und auffangen.
Und zwar für Jugendliche, die nur einen Tag pro Woche kommen.
Bis jemand einigermaßen angekommen ist, ist schon wieder fast eine Woche vorbei. Der wirtschaftliche Nutzen ist praktisch null. Der Aufwand dagegen durchaus vorhanden. Viele Tätigkeiten dürfen Minderjährige ohnehin nicht selbstständig ausführen.
Trotzdem machen Betriebe mit. Nicht, weil sie kostenlose Arbeitskräfte suchen, sondern weil sie hoffen, junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen. Sie investieren Zeit und Personal in Jugendliche, die sie gar nicht kennen.
Und dann wird geschwänzt.
Da darf man schon die Frage stellen, warum die Verantwortung in solchen Diskussionen fast automatisch bei den Betrieben gesucht wird.
Natürlich ist Schwänzen nicht immer nur Faulheit. Aber irgendwann gehört auch dazu, dass junge Menschen lernen, Verpflichtungen einzuhalten. Nicht jede Aufgabe macht Spaß. Nicht jeder Arbeitsplatz ist auf Anhieb spannend. Und manchmal muss man sich eben auch durchbeißen.
Was manche Kritiker offenbar erwarten, ist bemerkenswert: Die Schulen sollen die Jugendlichen schicken, die Betriebe sollen sie motivieren, pädagogisch begleiten und nebenbei noch die Folgen von Erziehungs- und Motivationsproblemen auffangen.
Mit Verlaub: Betriebe sind keine Wunderheiler.
Viele Unternehmen gehen ohnehin auf dem Zahnfleisch. Sie kämpfen mit Personalmangel, steigenden Anforderungen und der Suche nach Nachwuchs. Wenn sie sich trotzdem an solchen Projekten beteiligen, verdienen sie zunächst einmal Anerkennung und nicht den Generalverdacht, die Praktikanten schlecht zu behandeln.
Am Ende funktioniert so ein Modell nur, wenn alle ihren Beitrag leisten: Schulen, Eltern, Betriebe – und eben auch die Jugendlichen selbst.
Denn Förderung ohne Eigenleistung ist keine Förderung. Sie ist bestenfalls Beschäftigungstherapie.
Und wenn sich Unternehmen irgendwann aus solchen Programmen zurückziehen, weil sie immer wieder dieselben Erfahrungen machen, verlieren am Ende gerade diejenigen Jugendlichen, die wirklich eine Chance suchen.

Uwe
57 Minuten zuvor
Antwortet  Redaktion

mmer wenn Jugendliche Verpflichtungen nicht einhalten, lautet die Antwort offenbar, dass das Konzept noch nicht gut genug war, die Begleitung noch nicht intensiv genug und die Pädagogik noch nicht ausgefeilt genug.
Irgendwann muss man aber auch akzeptieren, dass ein Teil des Problems vielleicht gar nicht im Konzept liegt.
Viele Betriebe machen bei solchen Programmen mit, obwohl sie ohnehin am Limit arbeiten. Sie stellen Zeit und Personal zur Verfügung und hoffen, junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen.
Und wenn dann geschwänzt wird, lautet die erste Frage wieder, ob die Betriebe genügend pädagogische Kompetenz hatten.
Mit Verlaub: Betriebe sind Unternehmen und keine Jugendhilfeeinrichtungen.
Und 14 oder 15 Jahre sind auch kein Kleinkindalter mehr.
Vielleicht gehört zu Bildung irgendwann auch die Erkenntnis, dass nicht jedes Problem durch noch mehr Betreuung, Begleitung und Konzepte gelöst werden kann.
Manchmal muss man Jugendlichen auch zumuten, dass Verlässlichkeit und Durchhaltevermögen Teil des Erwachsenwerdens sind.
Sonst erziehen wir am Ende junge Menschen, für die immer jemand anderes verantwortlich ist. Nur sie selbst nicht.

Mika BB
45 Minuten zuvor
Antwortet  Redaktion

„ Und deshalb muss ein Programm, das Jugendliche praktisch ohne Erfolgserlebnisse in ihren Schulkarrieren und entsprechend wenig Selbstvertrauen erreichen soll, auch sehr vernünftig pädagogisch konzipiert und begleitet werden.“

Ohne Frage, da sind wir einer Meinung. Und Sie wissen woher, dass dies in dem von Vehrenkamp erwähnten Projekt nicht so war?

Rainer Zufall
37 Minuten zuvor
Antwortet  Uwe

„Kaum berichten Lehrkräfte, dass manche Schülerinnen und Schüler ihre Praktikumstage schwänzen oder nach wenigen Wochen fragen „Müssen wir da wirklich hin?“, kommt sofort die Gegenfrage: Vielleicht sind die Betriebe schuld.“
Warum auch nicht? In beiden Fällen geht es ja um die Minderheit der Schüler*innen, da gibt es verschiedene Ursachen, die durch die Lehrkrafte ausgemacht und bestenfalls geklärt werden können.
Aber wenn einseitig angeführt wird, es würde immer an den Schüler*innen liegen, muss man sich ja nicht wundern, dass auf die andere Seite des Spektrums verwiesen wird :/

Mika BB
1 Stunde zuvor
Antwortet  Redaktion

„ Kostenlose Hilfsarbeit? Zu wenig Personalkapazitäten, um sich um die Schüler zu kümmern? Keine pädagogische Kompetenz?“

Wenn man keine Personalkapazitäten hat, um SuS zu betreuen, bewirbt man sich wohl kaum um die Teilnahme an einem solchen Programm. Und jeder, ausnahmslos jeder Personaler weiß, dass Praktikanten in den ersten drei Arbeitswochen (also in den ersten 15 Arbeitstagen) keine Entlastung bringen, weil sie erst mal in die Abläufe eingearbeitet werden müssen. Keine pädagogische Kompetenz – ja, das ist möglich. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dies in mehreren Firmen so gravierend auftritt -insbesondere unter Beachtung der Tatsache, dass im Vorfeld die Inhalte eines Praktikums abgesprochen werden.

Ich lese im Post von Vehrenkamp nicht, dass die SuS einfach nur dahin abgeschoben werden würden, und die Betriebe sich nicht für die SuS interessieren würden. Im Gegenteil gibt es offensichtlich die Praktikanten betreuende Lehrkräfte.

Rainer Zufall
35 Minuten zuvor
Antwortet  Mika BB

„Wenn man keine Personalkapazitäten hat, um SuS zu betreuen, bewirbt man sich wohl kaum um die Teilnahme an einem solchen Programm.“
Kommen Sie mal beim Eiscafé in unserer Innenstadt vorbei.
Es sagen die Chefinnen und Chefs zu, deren Angestellte dürfen dann die Praktikant*innen versorgen…

dickebank
5 Stunden zuvor

OMG – nix Neues.
Hatten wir in NRW als BuS-Klassen sogar mit zwei Praktikumstagen je Woche. Leider wurden die BuS-Klassen gestrichen und KAoA ausgerufen.

Susanne M.
2 Stunden zuvor

Was waren das für Betriebe? Ich habe den Eindruck, dass Hauptschüler spätestens dann, wenn sie merken, dass sie mit ihren Abschlüssen die Berufe, die sie gerne machen wollen, nicht machen können oder es zwar formal geht, aber lieber andere angestellt werden, oft sehr frustriert sind. Natürlich wird das nicht zugegeben, da wird Coolness und Desinteresse demonstriert. Aber irgendwann kommt es doch : “ Frau M. Wir sind dumm, nicht wahr?“
Tatsächlich für mich ein großes Argument für längeres gemeinsames Lernen. Junge Leute dürfen nicht schon mit 10 Jahren so entmutigt werden.

Rainer Zufall
42 Minuten zuvor

„Man lässt junge Menschen auch dadurch verloren gehen, indem sie keine unmittelbaren Konsequenzen zu befürchten haben.“
Ihnen ist schon die Ironie bewusst, dass Sie immer härtere und unmittelbare Konsequenzen fordern, diese aber nie benennen?

Wahrscheinlich würden Sie sich sehr gut mit der zustänigen Politik verstehen, dass „da etwas schief läuft“ und „etwas passieren müsste“, ohne das etwas konkret folgt.

„Aber es war schon immer so: Wer sich aus einer prekären Lage befreien möchte, muss seinen Beitrag dazu leisten.“
Wessen Eltern kein Deutsch können, ist in dieser prekären Lage auf sich selbst gestellt.
Ich meine, wer sollte sich da sonst zuständig fühlen? Sie?

Rainer Zufall
30 Minuten zuvor
Antwortet  Mika BB

Ist es interessant?
Immerhin weichen Sie von Schüler*innen auf Erwachsene aus (in Ermangelung konkreter Quellen?)

Aber ja, ohne Druck geht es nicht immer (behauptete niemand) und mehr Druck löst die Probleme nicht (da fehlen seltsamerweise immer die Belege und Quellen…)
Wenn Sie jemanden aus dem Jobcenter ansprechen, werden die Ihnen als Erstes etwas von doppelt- und dreifacher Bürokratie schimpfen.
Aber wenn Sie wen kennen, der eine KWG melden möchte, weil das Kind zu schlechte Noten hat, hauen Sie raus 😉

TaMu
4 Stunden zuvor

Ich glaube aus meiner persönlichen Erfahrung heraus, dass hier psychische Störungen und Erkrankungen eine Rolle spielen könnten, die nicht über die hier beschriebenen Maßnahmen aufgefangen werden können. Viele Menschen werden gar nicht diagnostiziert, häufig auch deshalb, weil sie keine Termine bekommen oder es vor allem im ländlichen Raum zu wenige Therapeuten gibt. Man müsste deshalb die Schulsozialarbeit und die psychotherapeutischen Praxen stärken und den jungen Menschen Mut machen, sich bei psychischen Problemen helfen zu lassen. Komplette Lustlosigkeit entsteht häufig durch gefühlt fehlende Perspektiven und auch durch die Apathie, die manche Schüler und Schülerinnen befällt, wenn sie nicht gerne zur Schule gehen und trotzdem jahrelang unfreiwillig an diesen Ort gehen müssen. Es kann auch an den Elternhäusern liegen, an dysfunktionalen Familien, an Streit, Not und Schwierigkeiten. Ich fände auch die Schulkrankenschwester, also Gesundheitspflege in der Schule, als sehr wichtig für alle Probleme, die nicht mit der Wissensvermittlung zu tun haben.
Ich glaube nicht, dass man die Probleme durch die beschriebenen Maßnahmen in den Griff bekommt, ohne die psychische Situation in den Blick zu nehmen.

Rainer Zufall
29 Minuten zuvor
Antwortet  TaMu

„Man müsste deshalb die Schulsozialarbeit und die psychotherapeutischen Praxen stärken und den jungen Menschen Mut machen, sich bei psychischen Problemen helfen zu lassen.“
Volle Zustimmung diesbezüglich!

wpDiscuz
Die mobile Version verlassen