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Auf AfD-Kurs: FDP pocht auf „Unterrichtssprache Deutsch“ (die niemand abschaffen will)

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DÜSSELDORF. Die Unterrichtssprache Deutsch steht an Nordrhein-Westfalens Schulen nicht zur Debatte – dennoch hat die FDP mit Warnungen vor Klassenarbeiten auf Arabisch eine heftige Kontroverse ausgelöst. CDU, Grüne und SPD werfen den Liberalen vor, einen Regierungsantrag bewusst zu verzerren und Ängste zu schüren. Im Landtag eskalierte der Streit bis zum Vorwurf einer „Lügenkampagne“, während sich am Ende ausgerechnet nur die AfD hinter die Forderungen der FDP stellte. Wie konnte ein Antrag zur Förderung von Mehrsprachigkeit derart zum politischen Zankapfel werden?

Hier wird Deutsch gesprochen (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Posts der FDP-Opposition in sozialen Medien, wonach in Nordrhein-Westfalen Klassenarbeiten künftig auch auf Arabisch geschrieben werden könnten, haben für Empörung und einen Eklat im Landtag gesorgt. Landesschulministerin Dorothee Feller (CDU) warf der FDP in einer hitzigen Debatte vor, falsche Behauptungen über soziale Medien zu verbreiten. Jenseits des Fremdsprachen-Unterrichts gelte: «Unsere gemeinsame Bildungssprache ist und bleibt Deutsch, sowohl im Unterricht als auch in Prüfungen», stellte Feller klar.

Auslöser des Streits war ein gemeinsamer Antrag der Regierungsfraktionen von CDU und Grünen sowie der SPD zur Stärkung der Mehrsprachigkeit an Schulen. Am Schluss des Antrags wird die Regierung aufgefordert, «Regelungen anzupassen, so dass fachliche Kompetenzen auch dann angemessen erfasst werden können, wenn ein Kind aufgrund noch unzureichender Deutschkenntnisse seine Kompetenzen nicht vollständig darstellen kann».

Nach Ansicht von FDP-Fraktionschef Henning Höne ist das eine unklare Formulierung, die eine Hintertür auflasse. «Das ist die Hintertür für die Schwächung der Unterrichtssprache Deutsch. Da sind wir bei Klassenarbeiten auf Arabisch, auf Türkisch, auf Ukrainisch.» CDU und Grüne hätten eine bildungs- und integrationspolitische «Kapitulationserklärung» abgegeben

Ein Antrag der FDP-Fraktion, die Passage zu streichen und klarzustellen, dass die Unterrichts- und Prüfungssprache Deutsch sei, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Einem weiteren Entschließungsantrag der Liberalen, in dem unter anderem Leistungsüberprüfungen in anderen Sprachen abgelehnt werden, schloss sich nur die AfD an.

CDU wirft FDP «Lügenkampagne» vor

Der CDU-Abgeordnete Jonathan Grunwald fragte in Richtung FDP: «Was hat Sie verdammt noch mal geritten, solch eine Lügenkampagne in den sozialen Medien loszutreten?» Die FDP sei dem «süßen Gift des Populismus verfallen». «Das ist nicht nur unseriös, das ist schändlich, und hat gar nichts, wirklich gar nichts mit dem Konsens der demokratischen Mitte zu tun.»

Die SPD-Bildungspolitikerin Dilek Engin warf der FDP vor, einen künstlichen Widerspruch zu konstruieren, den es gar nicht gebe. «Niemand in diesem Haus stellt infrage, dass Deutsch unsere gemeinsame Bildungs- und Verkehrssprache ist», sagte Engin.

Der umstrittene Antrag stammt schon aus dem Sommer 2025 und kam erst jetzt ins Plenum. Ein dpa-Faktencheck des Antrags kam damals zu der Bewertung: «Nordrhein-Westfalen gibt Deutsch als Schulsprache nicht auf. CDU und Grüne wollen dort die vorhandene Mehrsprachigkeit fördern und nutzen, um Schülerinnen und Schülern bessere Bildungs- und Berufschancen zu eröffnen. Deutsch lernen sollen und müssen sie weiterhin.» News4teachers / mit Material der dpa

Was der Landtag mit dem Antrag erreichen will

Der von CDU, SPD und Grünen verabschiedete Antrag verfolgt das Ziel, Mehrsprachigkeit als Bildungsressource systematisch stärker in den Schulen zu nutzen. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass viele Kinder bereits mit mehreren Sprachen aufwachsen und diese Kompetenzen nicht nur den Erwerb weiterer Sprachen, sondern auch das Lernen insgesamt fördern können. Zugleich stellt der Antrag ausdrücklich klar: „Die Förderung von Kompetenzen in der Bildungssprache Deutsch ist und bleibt immer eine zentrale Aufgabe von Schule – auch im Sinne gesellschaftlicher Teilhabe.“

Dazu fordert der Landtag die Landesregierung auf, Mehrsprachigkeit „als Querschnittsthema in Bildung und Schule strukturell zu verankern“. Lehrkräfte sollen stärker für sprachliche Vielfalt qualifiziert, Schulleitungen bei der Schulentwicklung unterstützt und der herkunftssprachliche Unterricht weiterentwickelt werden. Vorgesehen sind außerdem bessere Fortbildungsangebote, eine stärkere Einbindung mehrsprachiger Kompetenzen in den Schulalltag, digitale Angebote insbesondere für ländliche Regionen sowie eine engere Verzahnung mit Ganztag und Projektkursen.

Darüber hinaus soll die Landesregierung prüfen, wie bestehende Regelungen angepasst werden können, „sodass fachliche Kompetenzen auch dann angemessen erfasst werden können, wenn ein Kind aufgrund noch unzureichender Deutschkenntnisse seine Kompetenzen nicht vollständig darstellen kann“. Ebenso soll untersucht werden, wie Eltern darin bestärkt werden können, ihre Kinder auch in der Herkunftssprache beim Erwerb von Basiskompetenzen zu unterstützen. Konkrete Vorgaben, etwa zur Unterrichts- oder Prüfungssprache, enthält der Beschluss nicht.

Hier geht es zum vollständigen Antrag zur Mehrsprachigkeit.

„Mehrsprachigkeit ist ein riesiges Potenzial“ – doch Schulen nutzen es kaum

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1 Kommentar
unfassbar
3 Stunden zuvor

Sehen wir es positiv: Wenn jemand aus diesem Grund die FDP statt der AfD wählt, hat die AfD eine Stimme weniger.

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