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Ganztag: Bildungsverband fordert verbindliche Kooperation zwischen Schulen und Partnern

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BERLIN. Mit dem stufenweisen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab August 2026 wächst der Druck, Grundschulen organisatorisch und pädagogisch neu aufzustellen. Der Bundesverband Innovative Bildungsprogramme (BIB) sieht darin die Chance, Unterricht und außerschulische Bildungsangebote enger miteinander zu verzahnen. In einem Positionspapier fordert der Verband dafür verbindliche Kooperationen, gemeinsame Qualitätsstandards und eine dauerhaft gesicherte Finanzierung. Aus Sicht des BIB entscheidet sich der Erfolg des Ganztags nicht allein an zusätzlichen Plätzen, sondern an den Strukturen der Zusammenarbeit.

Hand in Hand. (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

„Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter steht das deutsche Bildungssystem vor einem tiefgreifenden Wandel“, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Positionspapier des Bundesverbands Innovative Bildungsprogramme (BIB). Der Verband vertritt nach eigenen Angaben rund 70 gemeinnützige Bildungsorganisationen, die mit außerschulischen Bildungsangeboten Kinder, Jugendliche und pädagogische Fachkräfte erreichen. Er fordert, Unterricht und außerunterrichtliche Angebote künftig stärker miteinander zu verzahnen und formale sowie non-formale Bildung in einem integrierten Bildungssystem zusammenzuführen.

Der Rechtsanspruch gilt zunächst für die erste Klassenstufe und wird anschließend jährlich erweitert, bis er ab dem Schuljahr 2029/30 alle Grundschulklassen umfasst. Nach Auffassung des Verbands eröffnet der Ganztag die Möglichkeit, Kinder umfassender in ihrer Entwicklung zu begleiten. Dieses Potenzial werde bislang jedoch nur eingeschränkt genutzt. Unterricht und außerunterrichtliche Angebote stünden vielerorts nebeneinander, abgestimmte pädagogische Konzepte fehlten ebenso wie verbindliche Qualitätsstandards. Hinzu kämen rechtliche und organisatorische Hürden, unterschiedliche Zuständigkeiten sowie unzureichende personelle und räumliche Voraussetzungen für multiprofessionelle Zusammenarbeit.

Als zentrales Problem beschreibt der Verband die Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Bildungsakteuren. Diese würden häufig nicht als gleichwertige Bildungspartner anerkannt, Kooperationsprozesse seien unzureichend koordiniert und Förderstrukturen vielfach kurzfristig angelegt. Gleichzeitig verweist der BIB darauf, dass zivilgesellschaftliche Organisationen bereits heute unter anderem in der kulturellen, politischen, sozialen, sprachlichen und MINT-Bildung wichtige Beiträge leisteten und insbesondere benachteiligte Zielgruppen erreichten. Mit dem Ganztagsausbau und dem Startchancen-Programm werde diese Zusammenarbeit weiter an Bedeutung gewinnen. Der Verband fordert deshalb einen Perspektivwechsel „weg von punktueller Zusammenarbeit, hin zu strukturell verankerten Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und außerschulischen Partner:innen“.

„Kooperation mit außerschulischen Bildungspartner:innen darf nicht vom Engagement Einzelner abhängen“

Im Mittelpunkt der Vorschläge stehen Veränderungen des Rechtsrahmens. Nach Auffassung des BIB sollte die Zusammenarbeit mit außerschulischen Bildungsorganisationen bundesweit verbindlich geregelt werden. „Kooperation mit außerschulischen Bildungspartner:innen darf nicht vom Engagement Einzelner abhängen“, heißt es in dem Positionspapier. Deshalb fordert der Verband, die Zusammenarbeit in den Schulgesetzen aller Länder als „strukturelle Pflichtaufgabe“ zu verankern. Gleichzeitig spricht er sich für bundesweit vergleichbare Qualitätsstandards aus. Die Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität im Ganztag bildeten zwar eine geeignete Grundlage, seien bislang jedoch unverbindlich. Die Länder sollten deren Umsetzung deshalb systematisch begleiten und überprüfen.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Organisation des Ganztags. Schulen seien Teil eines größeren Sozialraums und benötigten professionelle Koordinierungsstrukturen, um Kooperationen dauerhaft aufzubauen. „Gelingende Zusammenarbeit braucht eine professionelle Steuerung“, argumentiert der Verband. Vorgeschlagen werden feste Stellen für Kooperationsmanagerinnen und Kooperationsmanager an größeren Schulen oder regionale Koordinierungsstellen bei kommunalen Bildungsbüros. Diese sollten Netzwerke pflegen, Verwaltungsaufgaben übernehmen, Abstimmungsprozesse moderieren und Bildungsbedarfe analysieren. Darüber hinaus spricht sich der BIB für eine größere Vielfalt der Träger und für eine stärkere Öffnung der Schulen in den Sozialraum aus. Außerschulische Lernorte und Partner sollten nach Auffassung des Verbands systematisch in Ganztagskonzepte eingebunden werden.

Auch die Finanzierung müsse nach Auffassung des Verbands neu ausgerichtet werden. „Kurzfristige, prekäre Projektförderung muss schrittweise durch mehrjährige, qualitätsorientierte Strukturförderung ersetzt werden“, heißt es in dem Papier. Bestehende Programme wie das Startchancen-Programm oder die Förderrichtlinie „Ganztag in Bildungskommunen“ sollten besser aufeinander abgestimmt und stärker für außerschulische Bildungspartner geöffnet werden. Langfristig fordert der Verband eigenständige Ganztagsbudgets für Schulen sowie Förderverfahren, die sich an verbindlichen Qualitätsstandards und nachgewiesener Wirkung orientieren und zugleich bürokratische Hürden abbauen.

Der Bundesverband Innovative Bildungsprogramme versteht sein Positionspapier ausdrücklich als Einladung an Politik und Verwaltung, über die künftige Ausgestaltung des Ganztags ins Gespräch zu kommen. Ziel sei es, „gemeinsam die strukturellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, außerschulische, gemeinnützige Bildungsakteur:innen dauerhaft und systematisch als gleichwertige Partner:innen im ganztägigen Bildungssystem zu verankern“.

Hier lässt sich die vollständige Stellungnahme herunterladen. 

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