ASCHAFFENBURG. Der beste Spickzettel ist offenbar der, den man nicht braucht. Genau diese Erfahrung macht Professor Holger von Jouanne-Diedrich seit Jahren. In seinen Klausuren sind handgeschriebene DIN-A4-Spickzettel erlaubt. Viele Studierende investieren enorme Mühe in deren Erstellung – und stellen dann fest, dass sie das Blatt während der Prüfung kaum noch benötigen.
Auf diese Erfahrung verweist der Informatiker und KI-Professor Holger von Jouanne-Diedrich von der TH Aschaffenburg in einem Post auf Linkedin. Er erlaubt seinen Studierenden seit Jahren, ein handbeschriebenes DIN-A4-Blatt als Hilfsmittel in Prüfungen mitzubringen – mit bemerkenswerten Folgen. Viele erstellten mehrere Versionen, verdichteten den Stoff immer weiter und arbeiteten ihn dabei so intensiv durch, dass das Blatt letztlich überflüssig werde. Der eigentliche Lerneffekt entstehe nicht während der Klausur, sondern beim Anfertigen der Zusammenfassung.
Der Professor beobachtet noch einen weiteren Nebeneffekt – augenzwinkernd erzählt: Seit Einführung der erlaubten Spickzettel sei auch die Zahl der Toilettengänge während der Klausuren deutlich zurückgegangen. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“, kommentiert er.
Didaktisch ist die Idee keineswegs neu. Lernpsychologen weisen seit Langem darauf hin, dass das Verdichten und Strukturieren von Wissen zu den wirksamsten Lernstrategien gehört. Wer entscheiden muss, welche Inhalte auf eine einzige Seite passen, setzt sich intensiv mit Zusammenhängen auseinander und wiederholt den Stoff mehrfach. Gerade das handschriftliche Schreiben gilt dabei als lernförderlich, weil Informationen aktiver verarbeitet werden als beim bloßen Abschreiben am Computer. News4teachers
Angebote im Netz: Wie Schüler mit Spionagetechnik beim Spicken unterstützt werden
„Didaktisch ist die Idee keineswegs neu.„
Stimmt. Schon im letzten Jahrhundert haben mir Lehrkräfte empfohlen vor Schulaufgaben Spickzettel zu schreiben, um mich besser auf die Prüfung vorzubereiten. .
Allerdings wurde mir auch empfohlen sie dann besser nicht einzusetzen und falls doch, mich nicht damit erwischen zu lassen.
Die Aufforderung, einen Spickzettel zu schreiben, ihn dann aber nicht zu benutzen, ist uralt.
In meinen Klausuren habe über viele Jahre hinweg ein handgeschriebenes A4-Blatt als Spickzettel zugelassen. Später habe die Benutzung des Spickzettel wieder verboten, dafür allen aber eine einheitliche, vorher bekannte Formelsammlung (ein A4-Blatt) bereitgestellt.
Unlängst wurde mir berichtet, es hätte ein Urteil gegen die Verwendung von vom Prüfer zugelassenen Spickzetteln gegeben, da ein Verstoß gegen Gleichbehandlung vorläge, da nicht alle gleich gute Spickzettel hatten.
Also weiter: Spickzettel schreiben, aber nicht mitbringen.
…nur heimlich, so wie „früher“!
Hahaha…
Test mit erlaubter Verwendung der Mappe, Ergebnis 4.1, Besprechung (so aufmerksam wie eine 8. Klasse in Chemie ist), gleicher Test unangekündigt noch einmal, andere Reihenfolge der Aufgaben, Aufzeichnungen der Besprechung dabei auch erlaubt (nur meist nicht vorhanden), neues Ergebnis 4.2 Hmmm….
Spickzettel würden 90% nicht extra anlegen, eine Fünf in Klasse 8 Ges hat keine Folgen (erst in den nächsten zwei Jahren).
Wie habt ihr gelernt? Lernvideos (idiotischer Name), überhaupt nicht, keine Zeit, (sehr unvollständige) Mappe angesehen, von KI zusammenfassen lassen. Das hatte wohl beim ersten Versuch 0.1 mehr gebracht. Ja, ‚Lernen‘ war schon ziemlich oft Thema, speziell ‚damit beschäftigen‘ bzw strukturieren.
Sehr schön, wenn ein KI-Professor an einer TH mit seinen überhaupt nicht vorselektierten Studenten so gute Erfahrungen macht. Auch die Lernpsychologen liegen absolut richtig, nur wer bringt unsere Schüler dazu, für Schule Aufwand zu betreiben?
Genau das habe ich mich auch gefragt.
Keine Folgen? Aber nur wenn man keinen Bock auf einen weiteren E-Kurs ab Jhg. 9 hat.
(Aussage gilt nicht für Physik-Gesamtschulen in NRW)
Die IQB-Formelsammlung ist ein offiziell zugelassener Spickzettel. Blöderweise für die Schüler ist sie inhaltlich weitgehend nutzlos.
Wir hatten im Studium eine Physikklausur, bei der man beliebige Fachbücher mitnehmen konnte. Und eine Matheklausur, bei der man beliebig viele handbeschriebene Zettel mitnehmen konnte.
Ergebnis: Wie alle anderen Klausuren auch.
Wer gut vorbereitet war, konnte die Aufgaben gut bearbeiten, wer nicht vorbereitet war, dem haben auch Bücher und Zettel nicht viel geholfen.
Ich würde das in der Schule auch gerne machen, darf aber leider nicht. Die Erfahrung, dass ein gut vorbereiteter Spickzettel sehr gut hilft, die täte einigen Schülern gut.
Genauso. Wer kein Verständnis vom Stoff hat, der kann mit keinen Büchern der Welt die Aufgaben richtig und rechtzeitig lösen.
Es kommt auch vor, dass einige Spickzettel nicht selber machen, sondern von den anderen abschreiben. So wird der Effekt gleich Null.
Mir kommt da gerade zum weiteren aufpimpen meiner nothingburger-Geschichten eine Idee…