Home Nachrichten Kultusministerin will Oberstufe aus „starren Strukturen“ lösen: Was sich ändert

Kultusministerin will Oberstufe aus „starren Strukturen“ lösen: Was sich ändert

24
Anzeige

HANNOVER. Neue Fächerkombinationen und weniger Klausuren: Die Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen sollen ihren Weg zum Abitur bald individueller gestalten können. Was die angekündigte Reform vorsieht. 

Geht ans Werk: Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne). Foto: Simona Bednarek / Julia Hamburg

Es ist die größte Umgestaltung der Oberstufe seit mehr als 20 Jahren, die Kultusministerin spricht von einem «Meilenstein»: Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen sollen auf dem Weg zum Abitur bald mehr Wahlmöglichkeiten bekommen und weniger Arbeiten schreiben müssen. Auch die Lehrkräfte sollen entlastet werden. Ein Überblick, was geplant ist.

Warum gibt es die Reform? Kultusministerin Julia Willie Hamburg hält ein neues Regelwerk für die Oberstufe und die Abiturprüfungen nach mehr als 20 Jahren für dringend nötig. Als die alte Verordnung entstand, habe es weder Smartphones noch künstliche Intelligenz gegeben, das Studium habe sich seither weiterentwickelt und auch die Situation am Arbeitsmarkt sei inzwischen eine ganz andere. Entsprechend hätten sich auch die Anforderungen an die Absolventen verändert. Mit der Reform mache das Land die Oberstufe daher «fit für das nächste Jahrzehnt», sagte die Grünen-Politikerin.

Was soll die Reform bewirken? Zuallererst geht es Hamburg zufolge darum, die Oberstufe aus den aus ihrer Sicht bisher «starren Strukturen» zu lösen. Stattdessen solle sich die Oberstufe künftig an den Stärken, Interessen und Zukunftsplänen der Schülerinnen und Schüler ausrichten, um sie bestmöglich auf Studium und Beruf vorzubereiten.

Gleichzeitig sollen der Unterricht und die Prüfungen moderner gestaltet und Schülerinnen und Schüler ebenso wie die Lehrkräfte entlastet werden.

Für wen gelten die Änderungen? Tritt der Entwurf wie geplant zum nächsten Jahr in Kraft, werden die heutigen Zehntklässler die ersten sein, die das Abitur im Frühjahr 2030 nach den neuen Vorgaben ablegen. Die Änderungen greifen für sie aber erst ab Stufe 12, weil die Schulen zunächst Zeit für die Umstellung bekommen sollen. Die erste komplett reformierte Oberstufe absolvieren dann die heutigen Neuntklässler.

Was passiert in Stufe 11? Für die sogenannte Einführungsphase werden die Fächer aufgeteilt in einen Pflichtbereich sowie zwei Wahlpflichtbereiche. Pflicht sind Deutsch, eine fortgeführte Fremdsprache, Mathematik, Sport, Religion beziehungsweise Werte und Normen oder Philosophie sowie berufliche Orientierung.

Im Wahlpflichtbereich I werden ein Fach aus Musik, Kunst oder Darstellendem Spiel (Bereich A) plus jeweils zwei Fächer aus Geschichte, Erdkunde und Politik (Bereich B) und Biologie, Chemie, Physik und Informatik (Bereich C) verlangt. Im Wahlpflichtbereich II können die Schülerinnen und Schüler individuelle Vertiefungen wählen, etwa bis zu zwei weitere Fremdsprachen.

Insgesamt entsteht so ein Stundenplan im Umfang von 30 Wochenstunden.

Was ändert sich in den Stufen 12 und 13? Bislang gibt es fünf festgelegte Profile: Die Schulen müssen einen sprachlichen und einen naturwissenschaftlich-mathematischen Schwerpunkt anbieten, sie sollen einen gesellschaftswissenschaftlichen einen musisch-künstlerischen Schwerpunkt anbieten und sie können einen sportlichen Schwerpunkt anbieten.

Ministerin Hamburg hält diese Vorgaben für zu starr, weil die Schülerinnen und Schüler so in der Qualifikationsphase in Fächerprofile gepresst würden, die nicht zu ihnen passten. Die Fächer sollen deshalb flexibler kombiniert werden können, in der Regel in einem Umfang von 32 Stunden pro Woche.

Gleichzeitig werden den Plänen zufolge weniger Klausuren geschrieben, insbesondere im Halbjahr vor den Abiturprüfungen. Auch die Facharbeit entfällt. Zudem können sich die Schulen dafür entscheiden, einen Teil der Klausuren durch sogenannte kombinierte Leistungsnachweise zu ersetzen. Das können etwa Präsentationen in Form eines Podcasts oder Podiumsdiskussionen sein.

Wie sieht das neue Abitur aus? Niedersachsen bleibt bei fünf Prüfungsfächern im Abitur. Eine Absenkung auf vier Prüfungsfächer wäre möglich gewesen, allerdings hätte das nach Einschätzung des Ministeriums die Kombinationsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Anders als bisher werden aber nur noch in drei statt vier Fächern schriftliche Abiturprüfungen geschrieben.

Warum gibt es weniger schriftliche Arbeiten? Die Umwandlung einer schriftlichen Abiturprüfung in eine mündliche begründete Hamburg damit, dass Kommunikation, Interaktion und mündliche Präsentationen heute in Studium, Beruf und Gesellschaft eine größere Rolle spielten als früher.

Zum Wegfall der Facharbeit sagte sie, dieses Prüfungsformat biete in Zeiten Künstlicher Intelligenz nur noch wenig Mehrwert, weil es nicht mehr sicher sei vor Schummelversuchen. Die Schülerinnen und Schüler sollten aber weiterhin an das wissenschaftliche Arbeiten herangeführt werden.

Insgesamt sollen die Kommunikation von Inhalten und das Reflektieren darüber mehr Gewicht bekommen, ebenso wie projektorientiertes Arbeiten.

Welche Entlastungen gibt es für die Lehrkräfte? Wie die Schülerinnen und Schüler sollen auch die Lehrkräfte von der geringeren Zahl an Klausuren profitieren – auch wenn ihnen bei neuen Prüfungsformaten wie einem Podcast womöglich zusätzliche Kompetenzen abverlangt werden. Mit der Facharbeit fiele nach Einschätzung des Ministeriums eine «starke punktuelle Belastung» ganz weg.

Und: Einige bürokratische Auflagen sollen gestrichen werden, etwa die händische Führung eines Studienbuchs, das die Leistungen jedes Schülers und jeder Schülerin dokumentiert. Im Abitur sollen die Abschlussarbeiten zudem in der Regel nur noch von zwei statt drei Prüfern korrigiert werden.

Werden die Ansprüche heruntergeschraubt? Abstriche bei der Qualität und Vergleichbarkeit des Abiturs werde es trotz aller Änderungen nicht geben, verspricht die Ministerin: «Mehr Wahlfreiheit bedeutet nicht weniger Anspruch. Das hohe Niveau des niedersächsischen Abiturs bleibt gesichert.» Niedersachsen investiere auch insgesamt in mehr Stunden in den Schulen als von der Kultusministerkonferenz vorgegeben, insbesondere für Fremdsprachen und Geisteswissenschaften in den Jahrgängen 5 bis 10.

Die CDU wirft Hamburg dagegen vor, die verbindliche Allgemeinbildung abzubauen. Die angepriesene Wahlfreiheit bestehe aber nur, wenn die Schulen die gewünschten Kurse auch tatsächlich anbieten könnten, kritisierte die Landtagsabgeordnete Sophie Ramdor. «Dazu braucht es genügend Lehrkräfte und Unterrichtsstunden, aber genau daran mangelt es in ganz Niedersachsen.»

Wie lief das Abitur zuletzt? Knapp 26.300 Schülerinnen und Schüler haben in diesem Jahr ihr Abitur in Niedersachsen bestanden. Die Durchschnittsnote lag dabei, wie schon in den beiden Vorjahren, bei 2,45. News4teachers / Von Christopher Weckwerth, dpa

Oberstufenreform: Ohne zweite Fremdsprache, ohne politische Bildung zum Abitur?

Anzeige

24 COMMENTS

  1. „Gleichzeitig werden den Plänen zufolge weniger Klausuren geschrieben, insbesondere im Halbjahr vor den Abiturprüfungen. Auch die Facharbeit entfällt. Zudem können sich die Schulen dafür entscheiden, einen Teil der Klausuren durch sogenannte kombinierte Leistungsnachweise zu ersetzen. Das können etwa Präsentationen in Form eines Podcasts oder Podiumsdiskussionen sein.“

    Niemand hat die Absicht, das Anspruchsniveau abzusenken. 🙂

    „Warum gibt es weniger schriftliche Arbeiten? Die Umwandlung einer schriftlichen Abiturprüfung in eine mündliche begründete Hamburg damit, dass Kommunikation, Interaktion und mündliche Präsentationen heute in Studium, Beruf und Gesellschaft eine größere Rolle spielten als früher.“

    War da nicht was mit einem bundeseinheitlichen Zentralabitur, und zwar gerade im Schriftlichen?
    Irgendwann werden wohl „Kommunikation, Interaktion, Präsentation“ zu Prüfungsfächern im Abitur, sowas Altmodisches wie Mathe oder Fremdsprachen braucht doch keiner mehr. 🙂

    „«fit für das nächste Jahrzehnt», sagte die Grünen-Politikerin.“

    • Manche Polemik ist einfach zu doof, sorry. Fremdsprachen zu sprechen (oder Mathematik zu erklären) – ist Kommunikation.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

      • Was hatte denn Herr Kretschmann über das Lernen von Fremdsprachen gesagt? Überflüssig, nicht wahr?
        Die Reduktion betrifft das schriftliche Abitur, da wird nicht geprüft, wie die Leute sprechen. Sogar Didaktiker haben schon verlauten lassen, dass Grammatik bei Fremdsprachen „out“ sei. Und die Alltagskommunikation ist sicher nicht gemeint, wenn von der Zukunft die Rede ist.
        Zur Mathematik: Im „progressiven“ Berlin ist Mathematik als Pflichtfach im Abitur schon gestrichen worden. Man meint wohl nicht, dass das Kommunikation ist. „Mathematisch kommunizieren“ gilt als eine Kompetenz. Aber wie steht es damit?

      • Da stimme ich ihnen in Teilen zu, aber der geradezu missionarische Feldzug der rot-grünen Bildungspolitik in Niedersachsen gegen die nicht auf Kommunikation, sondern Reflexion angelegte Fremdsprache Latein ist in diesem Zusammenhang augenfällig. Man will das Gymnasium durch Erlasse, Verordnungen etc. in ein Gymnasium light oder eine Gesamtschule umwandeln. Über eine integrierende und zugleich differenzierende Gesamtschule, die fordert und fördert und dann auch Ressourcen kostet, könnte man diskutieren. Aber dann muss die Bildungspolitik auch endlich einmal den Mut aufbringen, den Wähler*innen die Abschaffung des Gymnasiums als Ziel der eigenen Politik zu benennen.

        • Zurückgefragt: Was hat Latein mit der Abschaffung des Gymnasiums zu tun? Es gibt durchaus Gründe, das Fach für überflüssig zu halten. Tun immer mehr: Die Belegungszahlen sind seit den 2010er-Jahren rückläufig. Lernten im Schuljahr 2010/11 noch etwa 807.800 Schüler Latein, sank die Zahl bis Mitte des Jahrzehnts auf unter 700.000 und Anfang der 2020er auf 539.000.

          Hängt damit zusammen, dass für immer weniger Studienfächer Latein verlangt wird. Zeigt dann aber auch, warum Latein früher oft gewählt wurde – nicht unbedingt aus Liebe zum Fach.

          Herzliche Grüße
          Die Redaktion

          • Latein als gymnasiales Anker- und Kompensationsfach hat seit langer Zeit seinen Beitrag zu einer soliden bis vertieften sprachlich-literarischen Grundbildung gesorgt, deren Aneignung aber mit gewissen Anstrengungen verbunden ist. Braucht halt keiner mehr, wie Sie richtig schreiben. Schließlich beanspruchten die 2. Fremdsprachen in der SEK. 1 ohnehin schon übermäßig viele Wochenstunden, wie es in der Begründung zur neuen Oberstufenverordnung heißt. Dann muss man sich aber nicht über nachlassende Lese- und Textproduktionskompetenzen im Deutschen auch der SuS am Gymnasium wundern. Es ist aber in Niedersachsen auch in den modernen Fremdsprachen eine politisch gewollte Leistungsabsenkung erkennbar, wenn man beispielsweise das neue KC für Spanisch mit dem alten KC für die SEK. 1 vergleicht. Rot-grün will die 2. Fremdsprache am Gymnasium nicht mehr, hat aber nicht den Mut, deren Abschaffung politisch umzusetzen.

          • Das sagt die KI von Google:
            „Latein ist besonders für Kinder geeignet, die gerne logisch und analytisch denken, Geduld beim Puzzeln oder Knobeln mitbringen und eher ruhig statt redefreudig sind. Es wird nicht aktiv gesprochen, sondern primär ins Deutsche übersetzt, was schüchternen oder gründlichen Schülern entgegenkommt.“
            Alles klar?

          • Die alten Sprachen Latein und Griechisch waren jedenfalls ein „Markenzeichen“ des klassischen Gymnasiums. Das war keine Bildung nach dem Geschmack moderner Bildungsökonomen, aber es war ein Konzept, das doch gewisse Vorteile bewiesen hatte. Italienisch, Spanisch, Französisch bauen direkt auf Latein auf. Sprachwissenschaftler wissen um den großen Einfluss auch in anderen europäischen Sprachen.
            Die bloßen Anzahlen beweisen gar nichts und ändern sich zudem auch mal in der anderen Richtung. Warum z.B. ist Biologie in der Oberstufe bei weitem die beliebteste Naturwissenschaft für einen Leistungskurs? Weil dieses Fach als besonders leicht gilt. Dagegen gelten Latein (und erst recht Griechisch) als nicht so leicht. Und was besagt das nun?
            In Frankreich gilt Deutsch als eine schwere Fremdsprache. Daher wollte eine sozialistische Schulministerin die bilingualen deutsch-französischen Klassen abschaffen, weil sie dort eine Zusammenrottung bildungsbürgerlicher Elemente witterte. Aber aus Brüssel kamen heftige Proteste maßgeblicher EU-Leute. Da musste sie zurückrudern. Alles nicht so einfach mit dem „Nutzen“ von Fremdsprachen.

          • „Italienisch, Spanisch, Französisch bauen direkt auf Latein auf.“

            Warum dann nicht gleich Italienisch, Spanisch oder Französisch lernen?

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

          • Das verbietet Ihnen ja keiner, aber die gemeinsamen sprachlichen Strukturen werden so nicht sichtbar. Erst Französisch lernen ist schwierig, weil mit der für uns sehr ungewohnten Aussprache belastet. Mit Lateinkenntnissen kann man schon mal etliches in romanischen Sprachen lesen, oder es fällt leichter. Im Lateinischen gibt es dieses Auseinanderklaffen von Klang und Schriftbild einfach nicht. Es wird auch niemand wegen der Aussprache getadelt. Das schafft gedanklichen Raum für die logischen Strukturen. Aber wer kein Latein in der Schule hatte, kann das vielleicht nicht richtig verstehen. 🙂

          • Für angehende Sprachwissenschaftler – sicher sinnvoll.

            Aber für den Rest? Die können doch einfach eine lebendige romanische Sprache lernen und deren Strukturen analysieren. Die können sie dann immerhin sprechen.

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

          • Warum nicht erst Esperanto frühkindlich lernen und dann erst jede weitere Fremdsprache?
            Ganz einfach: Setzte sich eben nicht durch.
            Logisch und sinnvoll wäre dies jedoch …
            Aber im Bildungsbereich ist „logisch und sinnvoll“ noch nicht sonderlich angekommen.

            Bei Latein kommen manche, welche eben nicht so „fremdsprachenaffin“ sind auch (aufgrund anderer Sachen) durch.
            Und wenn man „jeder lernt zwei Fremdsprachen“ halt als Voraussetzung des allg. Abiturs und dadurch auch des Gymnasiums so beibehalten will oder es so beibehält, dann kommt man doch zum Entschluss, dass es durchaus auch Menschen gibt, welche hier enorm „strugglen“ – nur aufgrund der zwei Fremdsprachen.

            Schaut man sich Fremdsprachenkurse und den Aufbau der Materialien + Schulbücher auf, dann sind diese weitestgehend neurotypisch gemacht und für neurotypisches Denken ebenfalls da.
            Das checkt man jedoch noch nicht so wirklich „im Bildungsparadies“ auf dem Elfenbeingipfel.
            Oder es juckt halt nicht.
            Latein ist dagegen nicht so stark neurotypisch gebildet und gelehrt oft.

            Kurzum: „Stelle dir vor“, „denk an“ und „Karteikarten (mit und ohne Bilder)“, sowie „Smalltalk“ funktionieren für neurotypische Lernen super. Für neurodivergengt ist das oftmals eine reine Qual.

            Also … Mal die Strukturen eventuell auch anpassen … Oder ggf. Latein als „Auswegfach“ doch in Betracht ziehen?
            Nur auf Strukturen … Setze ich nicht. Müsste man ja wieder irgendwie was „(sinnvoll) verändern“. Und wer will das denn bloß … Kostet ja ggf. auch Geld und Konzepte und … Schon weg der Gedanke.

      • Sach ich ja, Lateinisch lernen – als Fremdsprache. Qualifiziert auch für Jobs in der Kurie. Wenn nur die Dienstbekleidung nicht so abgefahren wäre:)
        Mal abgesehen von der fehlenden Frauenquote.

      • In jedem Fall sind Alleingänge einzelner Länder nicht im Sinne der Vereinbarungen in der KMK. Die Vergleichbarkeit des Abiturs ist doch ein erklärtes Ziel.

        • „Die Vergleichbarkeit des Abiturs „

          Hat man doch nicht mal bei den Abiturprüfungen hinbekommen.
          In manchen Bundesländer gibt es 5 Prüfungsfächer, in anderen nur 4.
          Auch welche Fächer im Abitur Pflicht sind oder zwingend schriftlich abzulegen sind, unterscheidet sich zwischen den BL.

          In BW werden z.B. auch drei Fächer schriftlich geprüft, zwei mündlich.

          Was soll da also ein Alleingang von NI sein?

  2. Jahrgang 11: fünf Pflichtfächer, fünfmal Wahlpflicht I (sechs mit ‚berufliche Orientierung‘, aber das sagt mir aus NRW wenig), zweimal Wahlpflicht II, das sind bei mir 12-13 Fächer. „…im Umfang von 30 Wochenstunden“ – wie bitte? Zweistündige Fächer in der Oberstufe oder wie geht das? Viel Spaß mit der neuen Fremdsprache einmal pro Woche.
    „….starren Strukturen… zu lösen. Stattdessen solle sich die Oberstufe künftig an den Stärken, Interessen und Zukunftsplänen der Schülerinnen und Schüler ausrichten…“ – sehr schön, aber was als Kombination erlaubt ist, steht nirgends, also nimmt man wohl besser ‚fast alles‘ an, die Wochenstunden vor dem Abi in den Pflichtfächern wurden ja erteilt. Nur… allgemeine Hochschulreife?
    Ganz nebenbei, die Stundenpläne bei stark erweiterten Kombinationen werden sicherlich interessant. Bei uns würde das täglich 11.-13. Stunde bedeuten, nicht nur für die Oberstufe, da fahren übrigens (noch) keine Busse. Ebenso dürften die Kurse kleiner werden, denn man braucht mehr davon, damit passt die Stellenzuweisung nicht mehr… Was so eine kleine Anpassung an die vielfältigen neuen Möglichkeiten und das freundliche Entgegenkommen den SuS gegenüber doch alles für Folgen haben kann. ‚Nice to have‘ ist schön, aber das alles und noch mehr zu ignorieren macht es zu naivem Geschwätz.
    Typischerweise wird das meist durch eine Handreichung zur Unterrichtsplanung ‚gelöst‘.
    Schulen brauchen Veränderungen, aber nicht so. Wenn eine Fabrik mit 100-120% Auslastung arbeitet und jemand hat ein neues Produkt, was tut man? Ältere Produkte einstellen oder das Werk ausbauen und dort sind es Waren, die produziert werden. In Schulen geht es um Menschen….

    • Es geht eher darum, die Mathematik in der Prüfungsrelevanz zu reduzieren.

      Für die Schulen und Lehrer werden die mündlichen Prüfungen, Präsentationen und Podcasts zu viel mehr Arbeit führen als die Klausur und die Facharbeit. Als Ausgleich werden die Noten für die Schüler besser.

      • Ja, das ist alles offensichtlich, ebenso wie es offensichtlich verschwiegen und verzerrt wird. Aber ich bin ja nur ein dummer kleiner Lehrer, da verweise ich lieber auf praktische Widersprüche, die auch nicht gelöst sind.

      • Vor allem die Rechtssicherheit ist ein Problem! Auch terminlich wird das ein Problem, da schriftliche Prüfungen auf einen Schlag geschrieben werden. 20 mündliche Prüfungen an einem Tag sind nicht machbar. Hinzu kommen noch Krankheitstage der entsprechenden Lehrkräfte. In der Praxis halte ich das flächendeckend nicht für umsetzbar.

  3. „Zum Wegfall der Facharbeit sagte sie, dieses Prüfungsformat biete in Zeiten Künstlicher Intelligenz nur noch wenig Mehrwert, weil es nicht mehr sicher sei vor Schummelversuchen. Die Schülerinnen und Schüler sollten aber weiterhin an das wissenschaftliche Arbeiten herangeführt werden.“

    In den Naturwissenschaften versuchen wir bisher, in jeder Facharbeit echte fachpraktische Anteile zu haben. Die Schüler planen Experimente zur Fragestellung, führen diese durch und dokumentieren sie, anschließend reflektieren sie ihre Ergebnisse. Das kann man nicht einfach mit KI faken.

    Was spricht dagegen, Gelände-Arbeit in Erdkunde zu machen, politische Aspekte der eigenen Region zu untersuchen, für ein historisches Thema echte Archiv-Arbeit zu lernen, meinetwegen sprachliche Aspekte eines neuen Kinder-Buchs zu analysieren o.ä.?
    Beim Schreiben lernen die Schüler nebenbei verschiedene Formatierungen von Texten, Seitenzahlen, automatische Inhaltsverzeichnisse, führen Berechnungrn durch, müssen Zahlenwerte in verschiedenen Disgrammen darstellen usw.

    Da kann man recht einfach nachvollziehen, ob die Schüler wirklich an den Themen gearbeitet haben oder nur mit KI einen Text produziert haben.
    Und auch Facharbeiten werden bisher bei uns präsentiert und man kann nachfragen!

    Aber lassen wir das doch sein. Lasst die Schüler lieber mit KI Podcasts oder sogar Erklärvideos erstellen. Das ist doch viel zeitgemäßer und die Schüler lernen ganz bestimmt echt was für’s Leben.
    Dann bekommt jeder ein „gut“ für sein Lernprodukt, wenn es mau war, bewertet man es mit „befriedigend“, dann meckert auch niemand.

    Aber wir Lehrkräfte sollten ja beruhigt sein:
    Es wird schließlich behauptet, wir könnten das wissenschaftliche Arbeiten auch, wenn die zwei Stunden Seminarfach gestrichen werden, einfach zusätzlich im regulären Unterricht mit abdecken…

Kommentar schreiben

Bitte gib einen Kommentar ein!
Bitte gib deinen Namen ein

wpDiscuz
Die mobile Version verlassen