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Nach der Landtagswahl: Bildungsverbände fordern mehr Lehrer von Schwesig

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SCHWERIN. Bildung war eins der heißesten Themen im Wahlkampf für den Landtag in Mecklenburg-Vorpommern. Kurz vor der Regierungsbildung von SPD, Linken und Grünen melden sich nun die Bildungsverbände mit konkreten Forderungen.

Alte und höchstwahrscheinlich auch neue Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern: Manuela Schwesig (SPD). Foto: Shutterstock / Juergen Nowak

Zur Überwindung der Bildungsmisere fordert der Verband Bildung und Erziehung (VBE) die Einstellung von tausenden Lehrern in Mecklenburg-Vorpommern. «Wir brauchen in den nächsten fünf Jahren rund 5.000 neue Lehrkräfte», sagte der Landesvorsitzende des VBE, Michael Blanck. Zudem müsse der Verwaltungsaufwand an den Schulen deutlich verringert werden.

Die Zahl liegt deutlich über der von der bisherigen Landesregierung genannten Schätzung. Diese gab zuletzt die Einstellung von 690 Lehrkräften im laufenden Jahr bekannt. Demnach müssen nämlich in den nächsten Jahren «nur» 3.600 Stellen nachbesetzt werden.

Lehrer sollen weniger Stunden unterrichten

Doch für eine Verbesserung der Lage und weniger Ausfallstunden seien zusätzliche Pädagogen nötig, insistiert Blanck. Der Mathematiklehrer will eine Absenkung der Unterrichtsverpflichtung für seine Kolleginnen – der Lehrerberuf ist in MV frauendominiert – zumindest perspektivisch durchsetzen. «Damit Lehrkräfte sich wieder mehr individuell jedem Kind zuwenden können, benötigen diese mehr Zeit und personelle Unterstützung. Nur so kann es gelingen, wieder bessere Abschlüsse zu erzielen», sagt Blanck.

In die gleiche Kerbe schlägt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): «Klar ist: Wir brauchen mehr Lehrkräfte», sagte die GEW-Vorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Ulrike von Malottki. «Es fehlt ausreichend Zeit, Unterricht gut vor- und nachzubereiten.»

Auch die GEW will die Zahl der Pflichtstunden für Lehrkräfte von derzeit 27 Stunden (an Grundschulen 27,5) auf 25, in einem Zwischenschritt zumindest 26 senken. «Das ist eine Forderung, die die Landesregierung nicht übermorgen umsetzen kann», meint von Malottki. Aber die Perspektive zur Pflichtstundensenkung solle im Koalitionsvertrag festgeschrieben werden.

Belastung durch hohen Verwaltungsaufwand

Beide Gewerkschaften betonen gleichermaßen, dass die Stundenzahl nicht gleichzusetzen sei mit der Arbeitszeit der Lehrkräfte. Da komme noch viel Schreib- und Organisationskram hinzu, meint Blanck.

Die Lehrkräfte seien mit zu vielen Aufgaben konfrontiert, sagt von Malottki: Elternabende, die Organisation von Konferenzen, Schulfahrten, Konzepterstellungen und Statistiken zählt sie auf. «In einem ersten Schritt sollten die Lehrer dringend von der Bürokratie entlastet werden, etwa durch die Einstellung von Verwaltungskräften an den Schulen», so ihre Forderung.

Auch der Landesschülerrat hatte zuletzt den Parteien ein Forderungsbuch zur Landtagswahl mitgegeben und als eine Forderung mehr Lehrer für weniger Stundenausfall verlangt.

Teure Forderungen der Gewerkschaft

Die Forderung ist heikel: Die Absenkung von einer Pflichtstunde für die Lehrer kostet das Land bei gleichbleibendem Unterricht für die Schüler 50 Millionen Euro pro Jahr. Für unterstützendes Personal käme wohl noch einmal die gleiche Summe zusammen. Die Kassen sind bekanntlich klamm. Gerade erst hat der Landesrechnungshof Sparsamkeit angemahnt – und dabei ausgerechnet auch in der Bildung Einsparpotenzial ausgemacht. «Es stehen bereits jetzt mehr Plätze zur Verfügung als benötigt werden», heißt es dort im Grundsatzpapier.

Andererseits: Mit der Situation an den Schulen ist kaum jemand im Land zufrieden. Im Wahlkampf war Bildung eins der größten Themen. Befeuert wurde die Debatte noch einmal durch einen Skandal am Robert-Stock-Gymnasium in Hagenow. Nachdem ein Drittel der Abiturienten durch die Prüfung gefallen war, beklagte eine Zwölftklässlerin in der Abirede, dass sie zwei Jahre keinen vernünftigen Mathe-Unterricht gehabt hätten. Die Wutrede ging auf Youtube viral – und erzeugte auch in Schwerin politische Schockwellen.

Bildungsmisere als Wahlkampfmunition

Ein von Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) gegründeter Ausschuss ist immer noch mit der Untersuchung des Vorfalls beschäftigt. Im Wahlkampf lieferte er vor allem der AfD reichlich Munition. Deren Kandidat für das Ministerkandidatenamt, Leif-Erik Holm, thematisierte die Durchfallquote an dem Gymnasium auf praktisch jeder Wahlkampfveranstaltung, warf der rot-roten Regierung Versagen vor und machte gar das Versprechen, das Bundesland innerhalb von zehn Jahren an die nationale Spitze beim Thema Bildung zu führen.

Eine der Hauptforderungen der Rechtspopulisten ist die Verlagerung des Unterrichts hin zu mehr Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). «Die Regierung legt den Fokus einfach zu sehr auf die politische Bildung», klagte AfD-Spitzenkandidat Enrico Schult bei einem Auftritt im NDR während des Wahlkampfs.

Zwar bestätigen GEW und VBE in den MINT-Fächern große Probleme. Zugleich attestiert von Malottki der Landesregierung ein Gegensteuern im Bereich Mathematik durch die Aufstockung der Stunden zuletzt. Die Erklärungen der AfD weist sie als zu vereinfachend zurück.

Protest oder Kooperation?

Während sich GEW und VBE über die Ziele weitgehend einig sind, ist man über das weitere Vorgehen zerstritten: Die GEW setzt auf Zusammenarbeit mit der neuen Landesregierung, um Verbesserungen zu erreichen. Den bestehenden Bildungspakt 2030 zur Gewinnung von neuen Lehrkräften wolle die Gewerkschaft weiterführen, bestätigte von Malottki.

Der VBE hingegen hat bereits 2024 die Zusammenarbeit im Bildungspakt aufgekündigt, weil er laut Blanck kaum Verbesserungen gebracht hat. Im Sommer stellte der Verband mit dem Slogan «Gute Schule – unter den Tisch gefallen» PR-trächtig einen großen Tisch vor das Schweriner Schloss. In einer ähnlichen Protestaktion werde der Verband am 27. Oktober nun die Versäumnisse der Bildungspolitik «auf den Tisch legen», kündigte Blanck öffentlichen Druck auf die neue Koalition an. News4teachers / Von André Ballin, dpa

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