Schulleitungen: Zwischen rechtsextremen Hetzkampagnen und Klagen überdrehter Eltern

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HANNOVER. Die Schulleitungen beklagen Angriffe aus Richtung der AfD – und ausufernde Klagen von Eltern. Was der niedersächsische Landesverbandschef jetzt von der Politik fordert.

Eingeklemmt. Illustration: Shutterstock

Die Schulen in Niedersachsen sind nach Angaben des Schulleitungsverbands (SLVN) einer Klagewelle ausgesetzt. «Es gibt auf der einen Seite politisch motivierte Attacken aus Richtung der AfD», sagte SLVN-Chef Matthias Aschern dem Politikjournal «Rundblick». «Wenn Schulleitungen ihrem Auftrag nachkommen und beispielsweise Programme für Demokratie, Diversität und Pluralismus an ihren Schulen auflegen, werden sie gezielt angegangen.» Auch einzelne Menschen würden über sogenannte Meldeportale diffamiert.

Hintergrund: Vor einigen Jahren gab es bereits sogenannte Meldeportale der AfD, über die Schülerinnen und Schüler sowie Eltern anonym parteikritische Lehrkräfte melden konnten. Im vergangenen Jahr startete die niedersächsische Landtagsfraktion einen neuen Anlauf – zwar ohne direkte Eingabemaske, aber dafür mit einer eigens eingerichteten E-Mail-Adresse.

Auf der anderen Seite, so Aschern, gebe es eine gesellschaftliche Verrohung, die auf eine eskalierende Individualisierung zurückzuführen sei. «Diese Tendenz haben wir lange befördert, indem wir alles möglich gemacht haben. Ich denke da beispielhaft an flexible Abholzeiten im Ganztag, die didaktisch überhaupt nicht sinnvoll sind», sagte Aschern. Bei vielen Eltern könne das zu einer Anspruchshaltung geführt haben, die inzwischen schnell beim Anwalt ende. «Mir sind zig derartige Fälle bekannt, in denen Schulleitungen persönlich zur Rechenschaft gezogen werden und dann ganz allein damit dastehen.»

Von der Politik fordert Aschern deshalb «Beratung, Rechtsbeistand und Haftung», wenn Schulleitungen einem Straf- oder Disziplinarverfahren ausgesetzt sind oder in Ausübung ihres Amtes Opfer einer Straftat werden. Konkret könne das Kultusministerium eine Hotline einrichten, über die Schulleitungen und Lehrkräfte juristische Ansprechpartner finden. News4teachers / mit Material der dpa

Neuer Anlauf: AfD startet wieder ein “Infoportal”, um damit parteikritische Lehrkräfte unter Druck zu setzen

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2 Kommentare
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Heinz
1 Monat zuvor

Von der Politik fordert Aschern deshalb «Beratung, Rechtsbeistand und Haftung», wenn Schulleitungen einem Straf- oder Disziplinarverfahren ausgesetzt sind oder in Ausübung ihres Amtes Opfer einer Straftat werden. Konkret könne das Kultusministerium eine Hotline einrichten, über die Schulleitungen und Lehrkräfte juristische Ansprechpartner finden.”

Oder um es klarer zu formulieren:
Die Leute, die sich aus der Schule nach oben hin verabschiedet haben oder durch politische Wahlen in ihre Position gekommen sind, sollten einfach mal “einen Arsch in der Hose haben” und ihre Mitarbeiter unterstützen!

Gleiches fordere ich übrigens auch von Schulleitungen, die nur zu oft die fehlende Unterstützung nach unten hin weiterreichen, um selbst jedem Konflikt nach oben hin aus dem Weg zu gehen.

Unfassbar
1 Monat zuvor

Nervige Mails von irgendwelchen Eltern sollte eine Schulleitung aushalten können. Der fehlende Rückhalt durch das Ministerium ist doch das viel größere Problem.