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Hitlerbild auf Arbeitsblatt – Lehrer suspendiert

BORGHOLZHAUSEN. In Foren wird nun hitzig darüber diskutiert, ob die Schulaufsicht auf das – offenbar ironisch gemeinte – Papier angemessen regiert hat: Ein Lehrer aus dem westfälischen Kreis Gütersloh ist vom Dienst suspendiert worden, weil er ein Arbeitsblatt mit einem Bild Adolf Hitlers versehen hatte. 

Mit diesem Arbeitsblatt sollten die Schüler einer 10. KIasse auf eine Rede vorbereitet werden.

Mit diesem Arbeitsblatt sollten die Schüler einer 10. KIasse auf eine Rede vorbereitet werden.

Eltern hatten sich bei der Bezirksregierung Detmold über das Arbeitsblatt beschwert, mit dem Schüler der 10. Klasse der Gesamtschule in Borgholzhausen angeleitet werden sollten, ein Referat über den Arbeitsschutz im Betriebspraktikum zu halten. Auf dem Papier ist das Foto eines sich in Rage redenden Adolf Hiltlers zu sehen sowie am Ende – nach einer sachlichen Anleitung zum Thema – der Spruch „Und im blinden Vertrauen auf meinen Führer zieh ich das mega cool durch“ zu lesen. Der Pädagoge wurde umgehend vom Dienst freigestellt, vorläufig, wie betont wird.

„Die Maßnahme ist notwendig geworden, weil dem Beamten wegen des Verdachts der unzulässigen Verwendung von nationalsozialistischen Symbolen im Unterricht erhebliche Dienstpflichtverletzungen vorgeworfen werden“, heißt es in einer Presseerklärung der Bezirksregierung Detmold, bei der die zuständige Schulaufsicht angesiedelt ist. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe habe die Schulaufsicht sofort begonnen, den Sachverhalt aufzuklären. Das werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Da die Vorwürfe auch den strafrechtlichen Bereich berührten, sei die Staatsanwaltschaft in Bielefeld informiert worden, heißt es weiter. Die Schulleiterin zeigte sich einem Bericht der „Neuen Westfälischen“ zufolge bestürzt, betonte aber: „Wichtig ist mir aber auch, den Kollegen nicht vorzuverurteilen, bevor die Ermittlungen der Bezirksregierung nicht abgeschlossen sind.“

Zumeist wenig Verständnis für die Suspendierung

Tatsächlich halten viele Bürger von Borgholzhausen die Sanktion für überzogen. „Die Biographie des Lehrers und seine Aktionen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in den vergangenen Jahren zeigen eindeutig, dass er nicht rechtsradikal ist. Das ist so weit weg von ihm, dass es ihm vermutlich einfach nicht in den Sinn kam, dass sein Flugblatt falsch verstanden werden könnte“, meint Sabine B. im Forum von „nw-news.de“.

Leser „Wilfried“ schreibt: „Meiner Meinung nach brauchen wir mehr solcher Lehrer, die ihre Schülern mit Witz und Provokation zu einer eigenen Meinung motivieren – wenn ich Ministerin oder Schulrat wäre, gäb’s eine Belobigung: Viel besser kann man diesen Verbrecher nicht lächerlich machen.“

Ein Kommentator mit dem Pseudonym „Peter“ meint: „Wenn deswegen ein Lehrer, der 30 Jahre problemlos seine Arbeit getan hat und unter den Schülern eher als guter Lehrer bekannt ist, eventuell sogar seine Pension verliert, ist das unter der Prämisse, was seine Intention war, zutiefst unmenschlich. Wäre er wirklich tendenziell rechtsradikal, wäre das richtig. Aber nach allem, was ich gehört habe, ist er es nicht, sondern wollte zu Widerspruch und Nachdenken anregen.“

Auch ein ehemaliger Schüler des suspendierten Pädagogen meldet sich im Forum des „Westfalen-Blatts“ zu Wort: „Der Lehrer ist weder rechts- noch links- noch sonst wie radikal! Er gehört zu den Lehrern, die versuchen, Unterricht für die Schüler spannend und interessant zu gestalten, wobei er manchmal etwas übertreibt oder auf die falschen Mittel zurückgreift.“

Eine Mutter äußert sich kritischer: „Lehrer, Ausbilder usw. haben engere Grenzen einzuhalten. Sie haben mit Weitblick zu agieren. Gerade sie müssen sich der möglichen Konsequenzen ihres Handelns im Klaren sein. Mit dem Arbeitsblatt mussten Grenzen und Gefühle absehbar verletzt werden. Die mögliche Konsequenz, als Lehrer für ungeeignet befunden zu werden, war für einen Menschen mit etwas Verstand vorauszusehen.“

Ein Schüler des betroffenen Pädagogen zeigt sich entsetzt – angesichts der Folgen für ihn und seine Mitschüler: „Viele Schüler haben nun darunter zu leiden, dass ihnen kurz vor der Abschlussprüfung ein wichtiger und guter Lehrer abhandengekommen ist. Anscheinend gibt es kurzfristig keinen Ersatz, so dass mehrere Kurse mit unterschiedlichen Vorkenntnissen zusammengelegt werden müssen. Was das so kurz vor einer für das ganze Leben wichtigen Abschlussprüfung bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen.“ NINA BRAUN  (25.2.2012)

Zum Bericht: „Bayern verhindert die Veröffentlichung von ‚Mein Kampf'“

Wie viel Ironie können Schüler vertragen?

Wie viel Ironie können Schüler verstehen?

Ein Kommentar

  1. HAllo,
    ich finde das lächerlich. Leider sind viele Eltern so.
    Wir reden derart oft über das Thema „Drittes Reich“, lassen Referate fertigen und kauen dieses Thema durch und durch, sd. die Schüler es schon nicht mehr hören können. Es handelt sich hierbei NICHT um eine Verherrlichung, sondern um Satire. Die Gesinnung eines Kollegen ist ja meist hinreichend bekannt und die, dieses Kollegen, ist definitiv nicht rechts einzuordnen.
    Genau diese Eltern sind es, die auch Theaterstücke, Bücher,etc. verbieten lassen, weil ihnen ein bestimmtes Thema aufstößt oder ungelegen kommt. Wenn das greifen sollte, gibt es bald weder Geschichtsunterricht (Hitler gehört dazu!), Deutschunterricht (Hitler war ein begnadeter Redner (Er zog viele durch seine Reden in seinen Bann.)- wenn auch viel SCH…. dabei raus kam!) , Biologie-Unterricht (Die wohl erzogenen Kinderlein dürfen sich doch nicht mit dem anderen Geschlecht auseinander setzen.), Mathe (Wer rechnen kann, kann doch auch Bomben bauen…), ebenso Physik und Chemie.
    Das ist einfach lächerlich! Und noch unglaublicher finde ich es, dass dieser Eklat nicht schnellstens aufgeklärt wird und der Lehrer seinen Unterricht verrichten kann. Fragt doch mal die Schüler, ob sie es auch so verstanden haben !!! Oft, nur zu oft, projizieren Eltern Ängste und Believes auf ihre Kinder. Allerdings kann das Schaden für die Kinder bedeuten und hier sollte eingeschritten werden.
    Nochmal in kurz: Hitler gehört zu unserer Geschichte und kann da auch nicht mehr wegradiert werden. Auch heute werden noch deutsche Kinder als „Nazis“ beschimpft. Siehe Berlin-Neukölln. Das Thema ist also allgegenwärtig und darf kein Tabuthema darstellen!!!
    Alles Liebe und viel Sonnenschein,
    Ihr/ Euer Shorai_san
    P.S: Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten.

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